Weiteres "Hetzblatt"-Verfahren gegen Geldauflage eingestellt – Bericht über die Theaterfahrt ans Amtstheater Altötting

Themen: 

Eigentlich war der Donnerstag, 18. Juni ein viel zu schöner Tag, um schon früh morgens in einem dunklen Theatersaal zu sitzen. Aber die Stücke der General-Intendantin Eva Firoozi werden eben nicht zur Prime-Time aufgeführt.

Für Furore sorgte Eva Firoozis Debütstück dennoch, und das schon im Vorfeld. Zunächst einmal warf der Theaterpräsident des Altöttinger Amtstheaters wenige Wochen vor der Uraufführung des Stückes das Handtuch. Insider sprechen davon, dass sich Dr. Kramer damit die vorhersehbaren beißenden Kritiken ersparen wollte. Es übernahm für ihn der junge Nachfolger Andreas Tausch, der sich jedoch eigenen Angaben zufolge erst einen Tag vor der Aufführung überhaupt in das Stück einlas. Ein schwerer Fehler, wie sich noch herausstellen würde.

Auch auf den Straßen sah man der Premiere von Eva Firoozis "Kasperl und Seppl vs. Petrosilius Wackermann und Wachtmeister Dimpflmeier" mit Spannung, bisweilen gar mit Anspannung entgegen. Es mussten wohl Teile der Handlung im Rahmen der Proben nach außen gedrungen sein, denn allernorts bellten irgendwelche Wachtmeister Dimpflmeiers in zivil die ans Amtstheater strömenden Besucher an: "Halt! Taschen leeren!" Selbst ein hoher Staatsgast, dem vom Theaterpräsidenten selbst freies Geleit zugesichert worden war, musste derlei Schikanen gleich mehrfach über sich ergehen lassen.

Grimmig dreinschauendes, gar militaristisch anmutendes Garderobenpersonal nahm den Besuchern, die sich nicht als Teil der Obrigkeit ausweisen konnten, sogar Taschen und Trinkflaschen ab. Man fühle sich hier fast so, als wäre man vor Gericht, bemerkte eine Besucherin dazu ebenso spöttisch, wie treffend. Und selbst dem hohen Staatsgast wurden Tasche und Trinkflasche an der Pforte abgenommen.

Auf dem Parkett versammelte sich unterdessen die geballte Staatsmacht. Ihre schäbige Uniform gegen ein zivileres Outfit eingetauscht habende Dimpflmeiers mischten sich mit den Vertretern der Judikative und der vierten Staatsgewalt. Der bekannte Youtube-Star Milan Panek, einer aus der berüchtigten ebenso wie exklusiven Clique der Fact-Checker war extra aus dem hohen Norden angereist. Nein er war nicht auf Pilgerfahrt, wie man vielleicht vermuten könnte, er war gekommen, um Eva Firoozis Stück zu sehen.

Noch lange nach Beginn der Aufführung strömten Nachzügler in den Zuschauerraum, die man an der Garderobe sinnlos lange hatte warten lassen. Manch einer wurde gar nicht erst eingelassen. Zwar gab es freien Eintritt, jedoch bedurfte es eines Passierscheins, um an den Wächtern der Garderobe vorbei zu kommen.

Man munkelt, diese Hintergrund-Atmosphäre von totalitärer Macht sei von Eva Firoozi persönlich angeregt worden. Das, das muss man ihr zugestehen, unterstrich die Stimmung der Inszenierung hervorragend.

Weniger lobend dagegen muss man den von Eva Firoozi selbst vorgetragenen Eingangsmonolog erwähnen, bei dem selbst dem Theaterpräsidenten die Haare zu Berge standen. Monoton und derart hastig vorgetragen, dass die Generalintendantin über Begriffe wie "linksextremistisch" und "anarchistisch" stolperte, weckte er beim Zuhörer das Gefühl, an den Gerüchten darum, dass Eva Firoozis Stücke der Feder einer KI entsprungen seien, sei insofern etwas dran, als dass Eva Firoozi selbst eine KI sein könnte. Wer jedoch aufmerksam hinsah, der erkannte etwas ganz anderes: Die große Generalintendantin, sie hatte wohl Lampenfieber. Sie zitterte während ihres Vortrags sichtlich. Trotzdem: Ein klein wenig hätte sie an ihrer Intonation vor dem Spiegel arbeiten können. Wenigstens die Interpunktion zu beachten, hätte schon den Effekt gehabt, nicht von jedem Drittplatzierten eines Grundschul-Vorlesewettbewerbs übertroffen zu werden.

Interessant war dagegen die eigenwillige Interpretation Florian Obermeiers in der Rolle des Oberwachtmeister Dimpflmeier. Zwar wirkte es, als hätte er das Genre des Kasperltheaters mit dem des Marionettentheaters verwechselt, in der Gesamtschau wertete es das Stück jedoch durchaus auf, als ihm während der Befragung durch den Theaterpräsidenten die Nase immer länger wuchs. "Den Wachtmeister Dimpflmeier als Pinocchio-Figur des Petrosilius Wackermann zu inszenieren, das ist genial", meinte dazu eine Zuschauerin später, vor dem Theater, anerkennend.

Wie es kommt, dass ein Schauspieler von Florian Obermeiers Format in einem Debütstück an einem Provinztheater auftritt, darauf würden später die Leserinnen der Gala eine mögliche Antwort finden. Die veröffentlichte nämlich einen Schnappschuss von einer Verkehrsüberwachungskamera, auf dem Florian Obermeier am Steuer eines protzigen BMW abgelichtet wurde. Auf dem Beifahrersitz: Die Generalintendantin Eva Firoozi, die Angaben des Finanzamtes zufolge wohl ihre Zahlungsschwierigkeiten in der Calzedonia-App gelöst hat. Aus Sicherheitskreisen waren schon seit geraumer Zeit Spekulationen über eine Affäre zwischen den beiden nach außen gedrungen.

Im Stück immer wieder zusammenhanglos aufscheinende Monologe der Generalintendantin sollten wohl die konservative Struktur des Theaterstücks etwas auflockern und dem ganzen einen progressiven Turn verleihen. "Es gibt nun einmal diese Brandstiftungen in München und da muss nun auch einmal jemand bestraft werden," intervenierte die Generalintendantin etwa in ihr eigenes Stück. Dass derlei Tricks schon bei den antiken Griechen als "ἀπὸ μηχανῆς Θεός" verpöhnt waren und den unmotivierten Theaterschreiberlingen schon damals nur Hohn und Spott einbrachten, hinderte Eva Firoozi nicht daran, dies als neoklassizistische Abart wiederzubeleben.

Dies sah wohl auch Theaterpräsident Andreas Tausch als Unding an und brach die Inszenierung an dieser Stelle überraschend ab. Schon zuvor hatte er bekundet, dass er alles andere als glücklich darüber sei, dieses Machwerk am Altöttinger Amtstheater inszenieren zu müssen. Dennoch wollte er die Inszenierung kurzfristig nicht mehr abblasen. Warum es zu diesem circus interruptus kam, das begründete er jedoch nicht weiter und wir können darüber bloß spekulieren. Jedenfalls verbat er sich weitere Inszenierungen des Stücks und stellte sie sogar unter Strafe.
800 Euro sollen nun beglichen werden, als Spende an einen Kindergarten, welcher nach einem lokalen Betbruder benannt wurde, den ersten auf der amtstheatereigenen Liste. Vielleicht hofft der junge Theaterpräsident so auch diese Zielgruppe künftig als Zuschauer zu gewinnen, denn obwohl sich das Format des Kasperltheaters eigentlich traditionell eher an Kinder richtet, waren auffällig wenige Kinder zu der Inszenierung erschienen.

Entrichten solle die Strafe nun der geladene Staatsgast, obwohl ja doch eher der Generalintendantin die Schuld für diesen Reinfall zuzuschreiben ist. So sind sie nun einmal, diese Theaterleute, am Ende halten sie doch zusammen.

Dass die Besucher beim Verlassen des Theaters noch stundenlang von Wachtmeistern Dimpfelmeiers verfolgt wurden, die ihnen zu allem Überdruss auch noch Rechtsschutzversicherungen andrehen wollten, das gab manch einem Rätsel auf. War der vorzeitige Abbruch des Stücks doch bloß Inszenierung gewesen? Setzte sich das Stück nun auch jenseits der Theatermauern fort? Winkende Wachtmeister Dimpflmeiers in Liegestühlen wirkten zwar grotesk genug, um Teil des Stückes zu sein, jedoch kennt man dieses Phänomen ja bereits aus dem urlangweiligen Roman "Der Fänger im Roggen". Würde dagegen tatsächlich das Stück seine Fortsetzung außerhalb des Theatersaals gefunden haben, so müsste man die Inszenierung als rundum genial bezeichnen.

Pressestimmen

"Es gilt ja Kunstfreiheit, aber nur im Rahmen des guten Geschmacks"
- Andreas Tausch, Antrittsrede zur Ernennung zum Theaterpräsidenten am Amtstheater Altötting -

"Niemand kannte seinen Text. Alle haben nur abgelesen. Außerdem wollte mir keiner ein Interview geben."
- Milan Panek, STRG-C -

"Ich liebe diese modernen Inszenierungen."
- Melanie Rochner, Programmschrift des Amtstheaters Altötting -

"Sperrt den Kasperl und den Seppl weg"
- Justus Sommer, Ünfo -

"Wann wird denn jetzt eigentlich der Chemiepark gebaut?"
- Wachtmeister Dimpflmeier, Leserbrief im Alt-/Neuöttinger Anzeiger -

"Florian Obermeier ist die Rolle des Pinocchio ebenso auf den Leib geschnitten, wie einst Gustaf Gründgens der Mephisto. Er hat eine strahlende Zukunft im neuen Deutschland."
- Martin Bernd Stein, The Guardian -

"Insbesondere geht es aber auch um die Reinwaschung, gar Verherrlichung des am Altöttinger Amtsgericht Angeklagten, der ja nur Freiheitskämpfer sei, Widerständler gegen den Staatsübergriff in Form von Windrädern, Verteidiger der Gedanken- und Meinungsfreiheit und vor allem der Menschen gegen die Obrigkeit, die nicht zuletzt auch die hiesige Heimatzeitung vertrete. […]
Verwirrte Geister am Werk: Da ist es gut, dass das Amtsgericht Altötting besonnen und klug urteilt. Die Geldauflage geht an eine Einrichtung für wirklich Benachteiligte – bezahlt von einem Wohlstandsverwahrlosten."
– Erwin Schwarz, Alt-Neuöttinger Anzeiger ("Heimatzeitung") –

webadresse: 
Lizenz des Artikels und aller eingebetteten Medien: 
Creative Commons by-sa: Weitergabe unter gleichen Bedingungen