Erfahrungsbericht der Medienstrategie von Lukreta
Als autonome Antifa Struktur in der relativen kleinen Stadt Hildesheim sahen wir uns der Medienstrategie neurechter Akteureausgesetzt. Wir wollen unsere Erfahrungen und Gedanken gern öffentlich teilen, damit andere Gruppen und Antifas sich ein Bild machen und ggfs. besser Vorbereiten können. Wir werden nicht allzu sehr ins Detail gehen, um den Repressionsbehörden kein Futter zu liefern. Wir freuen uns über Support, Kritik und Anmerkungen!
Was ist geschehen? Am Samstag den 14.3 lud die extrem Rechte Gruppe Lukreta zu einem ersten "Meet Up" nach Hildesheim.Lukreta gilt als Nachfolgeorganisation der Frauengruppierung 120Db der Identitären Bewegung. Sie verbreiten mit ästhetischen Bildern extrem Rechte Inhalte, schüren rassistische Narrative (Ethnosexismus), machen extrem rechte Politik auch für Frauen schmackhaft. Sie sind vernetzt in verschiedene neurechte Kreise, insbesondere in die AfD.Die "Meet ups" finden unter konspirativen Bedingungen statt, eine Anmeldung mit Identitätsnachweis war vonnöten. Im Nachgang des Hildesheimer Treffens berichtete Lukreta die Sicherheitsstandards noch erhöhen zu wollen. Die Anreise der Teilnehmenden erfolgte per Auto und Bahn. Es wurde sich in einem Eiscafé getroffen und einige Fotos vor Hildesheimer Sehenswürdigkeiten geschossen. Am Treffen nahmen in erster Linie Personen teil, die ohnehin schon Teil von Lukreta sind und teilweise von weit her angereist waren. Julia Gehrkens, die im Bundesvorstand der Generation Deutschland ist, war etwa aus Winsen (Luhe) mit dem Auto da. Als lokale Organisatorinnen dienten Maja und Letizia Lins, sowie Jula Sophie Knieke. Alle Drei sind bereits seit einiger Zeit bei Lukreta organisiert und haben bereits an zahlreichen Treffen teilgenommen. Auch in die AfD sind sie vernetzt, so waren sie beim Bundes- und Landesgründungstreffen der Generation Deutschland in Gießen bzw. Brettdorf. Insgesamt nahmen etwa 10 Personen am Treffen teil.Bei der Abreise der Teilnehmenden kam es zu einer Begegnung mit Antifas. Laut Lukreta seien Beleidigungen gefallen und sie seien zum Bahnhof verfolgt worden. Lukreta hat direkt die Cops einschalten wollen, die zu diesem Zeitpunkt aber mit allen Kräften in einem Großeinsatz gebunden waren. Im Anschluss zeichneten sie online und medial ein Bild, das kaum der Wirklichkeit entspricht. Ihre Strategie und Vorgehen wollen wir hier trotzdem ausführen - auch wenn es inhaltlich Quatsch ist.Lukreta hat ununterbrochen Fotos und Videos von vermeintlichen Antifas gefertigt, alle Teilnehmenden hatten Handys mit guten Kameras. Die Jagd nach krassen Bildern für Social Mediawar für sie in Hildesheim leider erfolgreich. Teilweise vermummt, teilweise mit Gesicht, wurden die Bilder unverzüglich nach dem Treffen auf den entsprechenden Social Media-Profilen hochgeladen und mit der Erzählung einer angeblichen Hetzjagd verbreitet. Aus der erfundenen Hetzjagd wurde schnell großer Social-Media-Content, inklusiveder Fahndung nach den Personen auf den Bildern. Teilweise wurden völlig willkürlich Profile von antifaschistischen Personen den Fotos aus Hildesheim zugeordnet. Große Seiten wie "Cornell.Peschke", "Remigration.now", Generation Deutschland, sowie alle Lukreta Influencerinnen teilten die Story. Auch rechte Medienformate wie Auf1-Tv, Krautzone und Compact brachten Berichte heraus. Dabei wird insbesondere das Narrativ bespielt, linke Männer hätten rechte Frauen durch die Stadt gejagt. Dieses Narrativ lässt sich natürlich sehr gut ausschlachten und sorgt dafür, dass der Vorfall einige Beachtung in rechten Kreisen fand. Was bedeutet das für uns?Für uns als Antifaschist*innen war es zunächst eine krasse und bedrohliche Erfahrung auf Social Media in dieser Größenordnung verbreitet zu werden. . Dass Fotos von Linken gefertigt und unkontrollierbar im Netz verbreitet werden, sorgt für einen starken Einschnitt in die Sicherheit unserer Strukturen und insbesondere auch der Lebender abgebildeten Personen. Nach eigenen Angaben dient Lukretas"Fahndung" nach den abgelichteten Personen der Vorbereitung einer Anzeige. Das halten wir für unglaubwürdig. Die Polizei ist sicherlich nicht auf eine Öffentlichkeitsfahndung seitens Lukreta angewiesen. Wir halten das für vorgeschoben. Es geht darum, den Spieß umzudrehen. Wo sonst Bilder von Rechten nach Aufmärschen im Netz landeten, Arbeitgeber kontaktiert, Nazis geoutet und sozial isoliert wurden, sollen diese Mittel nun gegen Linke angewandt werden. Die Rechten sehen die Hegemonie in Deutschland bei sich, was angesichts des autoritären Rollbacks, Aufstieg der AfD und Zunahme extrem rechter Weltbilder auch nicht unbegründet ist. Eine Auswirkung dieses Hegemoniewandels haben wir in Hildesheim zu spüren bekommen. Oder zumindest den Versuch dessen.
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