KW 22: Die Woche, als die Databroker Files weiter Kreise zogen
<p>Die 22. Kalenderwoche geht zu Ende. Wir haben 7 neue Texte mit insgesamt 54.785 Zeichen veröffentlicht. Willkommen zum netzpolitischen Wochenrückblick.</p>
<figure class="wp-caption entry-thumbnail"><img width="1920" height="1080" src="https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2026/05/26-12.jpg" class="attachment-landscape-860 size-landscape-860 wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2026/05/26-12.jpg 1920w, https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2026/05/26-12-860x484.jpg 860w, https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2026/05/26-12-1200x675.jpg 1200w, https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2026/05/26-12-380x214.jpg 380w, https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2026/05/26-12-1536x864.jpg 1536w" sizes="auto, (max-width: 1920px) 100vw, 1920px" /></figure><p>Liebe Leser*innen,</p>
<p>mit unseren Veröffentlichungen zu den <a href="https://netzpolitik.org/databroker-files/">Databroker Files</a> haben wir einiges angestoßen, und der Stein rollt weiter. Es geht um den meist illegalen Handel mit Handy-Standortdaten der Werbe-Industrie.</p>
<p>In den USA haben Senator*innen und Kongressabgeordnete jüngst das Pentagon <a href="https://www.documentcloud.org/documents/28168364-ron-wydens-may-28-2026-..., wie dieser Datenhandel US-Soldat*innen gefährdet. Das klingt weit weg – ist aber eine direkte Folge unserer Recherchen. Im November 2024 hatten wir gemeinsam mit dem US-Magazin Wired veröffentlicht, wie Datenhändler NATO <a href="https://netzpolitik.org/2024/databroker-files-wie-datenhaendler-nato-und... US-Militär bloßstellen</a>.</p>
<p>Anhand von Handy-Ortungen in Deutschland konnten wir genaue Bewegungsprofile von Militär-Angehörigen nachvollziehen. Etwa in Grafenwöhr, dem größten Übungsplatz für das US-Militär in Europa, oder in der Ramstein Air Base, dem Hauptquartier der US Air Force für Europa und Afrika. Die Bewegungsprofile, die wir sahen, führten von Baracken zu Privatadressen, zu Supermärkten und teils bis zu Bordellen.</p>
<h2>Nun, da wir eure Aufmerksamkeit haben…</h2>
<p>Auf diese Recherche haben sich die US-Senator*innen und Kongressabgeordneten in ihren Fragen direkt bezogen. Und aus der <a href="https://www.documentcloud.org/documents/28167310-department-of-defense-l... des US-Kriegsministeriums geht klar hervor: Kommerziell verfügbare Handy-Standortdaten können US-Soldat*innen zur Zielscheibe machen.</p>
<p>Entsprechende Warnungen habe das <a href="https://www.centcom.mil/ABOUT-US/">Zentralkommando</a> bereits an Truppen verschickt. Es ist zuständig für den Nahen Osten, Zentralasien und Teile Südasiens, also auch für jene Soldat*innen, die gerade Angriffe gegen den Iran führen. Zuvor habe man „mehrere Berichte über Bedrohungen erhalten, wonach Gegner kommerzielle Standortdaten ausnutzen, um US-Personal im Einsatzgebiet ins Visier zu nehmen oder zu überwachen“.</p>
<p>Zuerst berichtet hat das die <a href="https://www.reuters.com/business/media-telecom/pentagon-says-us-military... Reuters</a>, mit Verweis auf die Vorrecherchen von zwei deutschen „news outlets“ – gemeint sind der Bayerische Rundfunk und wir.</p>
<p>Ich erinnere mich noch gut, wie wir 2024 abgewogen hatten, ob wir noch einen extra Artikel zu US-Soldat*innen bringen sollen. Immerhin hatten wir schon berichtet, wie der Datenhandel <em>alle</em> gefährdet – und nationale Sicherheit ist kein Kernthema von netzpolitik.org. Aber wir hatten die Ahnung: Die Perspektive könnte ein Türöffner sein, um Menschen zu erreichen, die sich sonst nicht für Datenschutz und Privatsphäre stark machen, die Massenüberwachung ausweiten statt eindämmen.</p>
<p>Die Reaktionen aus dem Pentagon zeigen: Das hat geklappt. Reuters schreibt: „Gesetzgeber fordern das Pentagon zum Handeln auf und bezeichnen die Adtech-Branche als Bedrohung für die nationale Sicherheit“. Bingo. Möglich ist das jedoch nur, weil unsere Recherchen anschauliche Beispiele liefern, hier etwa für den demokratischen Senator Ron Wyden und sein Team, die seit Jahren mit viel Mühe zu diesem Thema arbeiten.</p><div id="netzpolitik-cta-396998" class="netzpolitik-cta"><div class="interstitial--article--light">
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<h2>US-Militär kämpft gegen Werbetracking</h2>
<p>Laut Pentagon arbeite man immer noch daran, das Werbetracking auf den Dienstgeräten der Soldat*innen wirksam abzuschalten. Das sei man gerade am Testen…</p>
<p>In meinen Augen zeigt das: Der oftmals zitierte <a href="https://netzpolitik.org/2025/databroker-files-im-dschungel-der-datenhaen... rund um Tracking und Datenhandel trifft nicht nur Verbraucher*innen. Selbst eine mächtige Institution wie das US-Militär ringt damit, die gefährliche Spur der angeblich nur zu Werbezwecken erhobenen Daten abzuschütteln. Wie absurd ist das bitte?</p>
<p>Und damit zurück zum Datenschutz: Seit Jahren fordern Fachleute ein Verbot von Tracking und Profilbildung zu Werbezwecken. Das würde allen eine Menge Ärger ersparen. Mich würde es freuen, wenn der Stein, den wir da ins Rollen gebracht haben, eines Tages den unkontrollierten Datenhandel umkegelt. Davon sind wir aber noch sehr weit entfernt. Stattdessen setzen Regierungen, unter anderem in den USA, die Werbedaten <a href="https://www.404media.co/cbp-tapped-into-the-online-advertising-ecosystem... zur Überwachung ein</a>.</p>
<h2>Databroker Files in Österreich und Spanien</h2>
<p>Auch in internationalen Medien ziehen die Databroker Files derweil weiter Kreise. Diese Woche hat der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Österreich (ORF) das Thema <a href="https://on.orf.at/video/14324515/zib-magazin-media-das-geschaeft-der-dat...ürs ZIB Magazin</a> aufbereitet.</p>
<p>Für den spanischen TV-Sender Radiotelevisión Española RTVE wiederum hat mein Kollege Ingo Dachwitz das Geschäft mit unseren Daten erklärt. Die <a href="https://www.rtve.es/play/videos/se-nos-ha-ido-de-las-manos/programa-3-ac...ütige Doku</a> von und mit dem Journalisten Carles Tamayo ist diese Woche erschienen.</p>
<p>Und nächste Woche legen wir nach, wieder zusammen mit unseren Kolleg*innen des Bayerischen Rundfunks. Eine neue Veröffentlichung, eine neue Dimension. Lasst euch überraschen.</p>
<p>Schönes Wochenende und bis die Tage</p>
<p><del><em>Sebastian</em></del><br>
<em>a German news outlet</em></p><div id="netzpolitik-cta-384515" class="netzpolitik-cta"><div class="interstitial--article--default">
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<h3>Breakpoint: Das Internet verrottet</h3>
<p>Tote Links, gelöschte Webpages und geänderte URLs machen das Internet zu einem Ort der Sackgassen. Wie Informationen im Netz verschwinden, erinnert an einen der berühmtesten Bibliotheksbrände der Geschichte. Doch allzu oft sind es nicht Katastrophen, die Wissen vernichten, sondern Desinteresse. Von Carla Siepmann – <br><a href="https://netzpolitik.org/2026/breakpoint-das-internet-verrottet/">Artikel lesen</a></p>
<h3>Für 250 Millionen Euro: Bund schafft neue Abhängigkeiten von IT-Konzernen</h3>
<p>Für eine dreistellige Millionensumme sollen SAP und Telekom eine „KI-Cloud“ für die öffentliche Verwaltung bauen. Digitalminister Karsten Wildberger nennt das souverän. Unabhängig wird Deutschlands Verwaltung damit nicht, warnen Opposition und Fachleute. Von Esther Menhard – <br><a href="https://netzpolitik.org/2026/fuer-250-millionen-euro-bund-schafft-neue-a... lesen</a></p>
<h3>Tiere und künstliche Intelligenz: Wie die KI in unser Hackfleisch kommt</h3>
<p>Künstliche Intelligenz ist inzwischen in der Massentierhaltung angekommen. Doch können Verhaltensscanner im Stall wirklich das Tierwohl verbessern? Und welches Rezept spuckt ein KI‑Chatbot aus, wenn man ihn nach Spaghetti Bolognese fragt? Mirjam Walser warnt im Interview: Die Folgen von KI für Tiere sind enorm. Von Timur Vorkul – <br><a href="https://netzpolitik.org/2026/tiere-und-kuenstliche-intelligenz-wie-die-k... lesen</a></p>
<h3>Strafanzeige: Journalist wehrt sich gegen Staatstrojaner-Angriff</h3>
<p>Ein deutsch-vietnamesischer Journalist wurde mit dem Staatstrojaner Predator angegriffen. Jetzt stellt er Strafanzeige, gemeinsam mit der GFF. Die Staatsanwaltschaft soll die Täter ermitteln und die Grundrechte schützen. Besonders pikant: Nicht nur das Opfer kommt aus Deutschland, sondern auch Anbieter und Kunden. Von Constanze, Andre Meister – <br><a href="https://netzpolitik.org/2026/strafanzeige-journalist-wehrt-sich-gegen-st... lesen</a></p>
<h3>Unsichere Billigimporte: EU-Kommission überzieht Temu mit einer satten Strafe</h3>
<p>Der chinesische Online-Händler Temu schlampt im Umgang mit gefährlichen und illegalen Produkten, hat heute die EU-Kommission festgestellt. Nach X handelt es sich um den zweiten Online-Dienst, der gegen den Digital Services Act verstoßen hat. Von Tomas Rudl – <br><a href="https://netzpolitik.org/2026/unsichere-billigimporte-eu-kommission-ueber... lesen</a></p>
<h3>Hype um Prognosemärkte hält an: Wetten, dass Familie Trump gewinnt</h3>
<p>Während weltweit immer mehr Länder Prognosemärkte als Glücksspiel behandeln, baut die Trump-Regierung ihre Aufsichtsbehörde zum Anwalt der Branche um. In den USA sollen Krypto- und Prognosemärkte so unreguliert wie möglich wachsen können – und Familie Trump profitiert mit. Von Denis Glismann – <br><a href="https://netzpolitik.org/2026/hype-um-prognosemaerkte-haelt-an-wetten-das... lesen</a></p>
<h3>Statt Durchsetzung von Völkerrecht: EU-Mittelmeermission IRINI dient künftig nur noch der Migrationsabwehr</h3>
<p>Griechenland und Frankreich lassen das UN-Mandat der Mittelmeermission IRINI gegen Waffenlieferungen auslaufen. Stattdessen unterstützt die EU nun auch das abtrünnige Ostlibyen mit Überwachungstechnik und der Ausbildung libyschen Personals, das dann Flüchtlingsboote abfangen soll. Von Matthias Monroy – <br><a href="https://netzpolitik.org/2026/statt-durchsetzung-von-voelkerrecht-eu-mitt... lesen</a></p>
<h3>TikTok, Instagram, Youtube: Plattformen schludern bei Hassrede und Accountsperren</h3>
<p>Wenn Social-Media-Plattformen zu viel oder zu wenig löschen, können sich Nutzer:innen beim Appeals Centre Europe beschweren. In mehr als 1.700 Fällen hielten die Schlichter:innen die Entscheidungen der Tech-Konzerne für falsch. Sie bemängeln „markante und immer wiederkehrende Probleme“. Von Denis Glismann – <br><a href="https://netzpolitik.org/2026/tiktok-instagram-youtube-plattformen-schlud... lesen</a></p>
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