pour un monde d'antimilitarisme – ein Aufruf zur strategischen Kooperation beim Rheinmetall Entwaffnen Camp

Event Datum: 
Mittwoch, Juni 10, 2026 - 19:00
Stadt/Region: 
Im September 2026 wird in Köln das Rheinmetall Entwaffnen Camp 2026 stattfinden – ein Ort, der nicht nur Protest, sondern auch strategische Verständigung sein will: über Krieg, Kapitalismus, Klimazerstörung, Patriarchat und autoritäre Formierungen in Europa. Nach dem letzten Camp 2025 sehen wir – die aufrufenden Gruppen – die Notwendigkeit beim Camp 2026 einen eigenen Akzent zur Entwicklung von antimilitaristischen Positionen zu setzten. Daher laden wir euch - antiautoritäre, anarchistische, feministische, antifaschistische und klimagerechtigkeitsorientierte Gruppen – ein mit uns gemeinsam den Versuch zu unternehmen, einen gemeinsamen Begriff von Antimilitarismus zu entwickeln. Kommt zum Rheinmetall Entwaffnen Camp nach Köln vom 1.-6. September 2026. Bringt euch mit euren Ideen, Aktionen, Inhalten ein. Am Dienstag, den 10.06.2026 laden wir euch ein um 19 Uhr im Naturfreunde Haus Köln Kalk (Kapellenstraße 9a, Köln) gemeinsam nächste Schritte zu einer Welt des Antimilitarismus zu organisieren.

Im September 2026 wird in Köln das Rheinmetall Entwaffnen Camp 2026 stattfinden – ein Ort, der nicht nur Protest, sondern auch strategische Verständigung sein will: über Krieg, Kapitalismus, Klimazerstörung, Patriarchat und autoritäre Formierungen in Europa. Nach dem letzten Camp 2025 sehen wir – die aufrufenden Gruppen – die Notwendigkeit beim Camp 2026 einen eigenen Akzent zur Entwicklung von antimilitaristischen Positionen zu setzten. Daher laden wir euch - antiautoritäre, anarchistische, feministische, antifaschistische und klimagerechtigkeitsorientierte Gruppen – ein mit uns gemeinsam den Versuch zu unternehmen, einen gemeinsamen Begriff von Antimilitarismus zu entwickeln.

 

Kommt zum Rheinmetall Entwaffnen Camp nach Köln vom 1.-6. September 2026. Bringt euch mit euren Ideen, Aktionen, Inhalten ein. Am Dienstag, den 10.06.2026 laden wir euch ein um 19 Uhr im Naturfreunde Haus Köln Kalk (Kapellenstraße 9a, Köln) gemeinsam nächste Schritte zu einer Welt des Antimilitarismus zu organisieren. 

 

Ein solcher Antimilitarismus beginnt nicht erst bei Waffenfabriken wie Rheinmetall, sondern bei der Frage, wie Krieg als gesellschaftliches Verhältnis organisiert ist. Die These vom „Kriegsregime“, wie sie unter anderem von Raúl Sánchez Cedillo entwickelt wurde [1], beschreibt Krieg nicht als Ausnahmezustand, sondern als Regierungsform. Krieg ist dann nicht nur Schlachtfeld, sondern Logistik, Energiepolitik, Grenzregime, Arbeitsmarkt und Geschlechterordnung zugleich. Militarisierung ist daher nicht nur eine Frage der Armee, sondern sie reicht tief in soziale Bewegungen, Städte und Alltagsverhältnisse hinein.[2] 

 

Wenn Antimilitarismus seinen zumeist noch symbolischen Charakter aufheben will, so muss er Wege in die Breite der gesellschaftlichen Auseinandersetzung annehmen. Es reicht nicht, Kriegswaffenproduzenten zu markieren, wenn gleichzeitig Autobahnen als militärisch-logistische Infrastruktur ausgebaut, fossile Abhängigkeiten durch neue Energieprojekte stabilisiert und soziale Sicherungssysteme zugunsten von Aufrüstung zurückgebaut werden. 

 

Folgende vier Konfliktlinien schlagen wir vor beim Camp 2026 mit euch gemeinsam in Form von Diskussionen und Aktionen stärker in den Fokus nehmen. 

 

Die erste Konfliktlinie ist dabei die Verbindung von fossiler Ökonomie, Militarisierung und Infrastrukturpolitik. Autobahnen sind nicht nur Verkehrsprojekte, sondern strategische Mobilitätsadern eines kapitalistischen und militärischen Logistiksystems. Fossile Kriege – von Ölinterventionen bis zur Sicherung globaler Lieferketten – zeigen, dass Klimakrise und Militarismus nicht getrennt voneinander existieren. 

 

Die zweite Konfliktlinie ist die Debatte um Wehrpflicht, Rekrutierung und Desertion. Während in Europa wieder über „Dienstpflichten“, „gesellschaftliche Resilienz“ und militärische Ausbildung junger Menschen diskutiert wird, stellt sich die Frage nach Desertion neu: Wer verweigert, wer entzieht sich, wer kann sich entziehen? Längst hat der Staat mit verschärften Polizei- und Versammlungsgesetzen, mit Kriminalisierung von Klima- und Antikriegsbewegungen sich in Stellung gebracht, um auch an der Heimatfront seine Ordnung der Kriegsertüchtigung durchzusetzen. In dieser Perspektive ist Desertion nicht nur individuelle Entscheidung, sondern politischer Bruch mit einem System, das Körper in militärische Verfügbarkeit überführt.

 

Die dritte Konfliktlinie ist eine feministische. Krieg ist immer auch eine Ordnung von Geschlecht: Er produziert und stabilisiert Männlichkeit als militärische Verfügungsform und reproduziert gleichzeitig Gewaltverhältnisse im Inneren der Gesellschaft. Femizide, patriarchale Gewalt und Militarismus sind nicht unabhängig voneinander, militärische Gewalt stehen nicht nebeneinander, sondern bilden ein Kontinuum (männlicher) Kontrolle über Körper. Ein feministischer Antimilitarismus fragt deshalb nicht nur nach Beteiligung von Frauen in Armeen, sondern nach der Abschaffung jener Ordnung, die Gewalt normalisiert – im Krieg wie im Alltag.

 

Die vierte Konfliktlinie betrifft soziale Kürzungen im Kontext von Aufrüstung. Wenn Milliarden in Rüstung, militärische Infrastruktur und geopolitische Aufrüstung fließen, verschieben sich gesellschaftliche Prioritäten. Wohnen, Gesundheit, Jugendhilfe und soziale Sicherung geraten unter Druck. Diese Entwicklung ist kein Nebeneffekt, sondern Teil derselben Logik: Ein Kriegsregime stabilisiert sich nicht nur durch Waffen, sondern durch die Umverteilung gesellschaftlicher Ressourcen.

 

Genau hier wird der Begriff des Antimilitarismus entscheidend. Wenn er nur als Wir sagen: wenn Antimilitarismus nur als Ablehnung von Waffen verstanden wird, bleibt er analytisch zu eng. Ein Als erweiterter Antimilitarismus muss er die gesamte soziale Produktion von Krieg sichtbar machen: Energie, Arbeit, Geschlecht, Migration, Stadt und Staat. Er muss verstehen, zeigen, dass Militarisierung nicht nur „von oben“ kommt, sondern in Alltagspraktiken, Institutionen und politischen Kompromissen verankert ist.

 

Diese Perspektive steht auch in Spannung zu Teilen klassischer linker Machttraditionen, insbesondere dort, wo auf staatliche oder militärische Gegenmachtmodelle gesetzt wird.  Diese Perspektive steht auch dort in Spannung zu klassischen linken Machttraditionen, wo auf staatliche und militärische Gegenmachtsmodelle gesetzt wird. Ein antiautoritärer Antimilitarismus insistiert darauf, dass Befreiung nicht durch neue Armeen oder neue Staatsapparate entsteht, sondern durch die Selbstorganisierung der Vielen. Krieg kann nicht mit Krieg beantwortet werden – nicht nur moralisch, sondern strukturell, weil er dieselben Logiken von Hierarchie, Disziplin und Gewalt reproduziert, die er zu überwinden vorgibt.

 

Im Camp in Köln wollen wir mit euch genau hier ansetzen: als Raum, in dem wir diese unterschiedlichen Kämpfe nicht nur addieren, sondern miteinander verschränken wollen werden. 

 

Ein solcher Antimilitarismus kann dabei keine abgeschlossene Theorie, sondern stets nur ein offenes Feld sein. Er entsteht dort, wo sich unterschiedliche Erfahrungen von Gewalt und Widerstand gegenseitig lesbar machen: in Stadtteilen, in Betrieben, an Grenzen, in Pflegearbeit, in Bildungsinstitutionen und in den Kämpfen um Wohnen und Überleben.

 

Die Einladung nach Köln ist deshalb keine Einladung nur zu einem weiteren Protestereignis, sondern zu einer gemeinsamen strategischen Verdichtung: Wie kann eine Bewegung entstehen, die nicht nur gegen einzelne Erscheinungsformen von Militarisierung kämpft, sondern gegen das Kriegsregime als Ganzes – und dabei die Vielfalt der Kämpfe von unten nicht einebnet, sondern stärkt?

 Im Folgenden versuchen wir kleine inhaltliche Konkretisierungen der angedachten vier Konfliktlinien: 

Ein Wäldchen als Widerstandssymbol gegen den fossilen Krieg

Der Krieg in der Ukraine, die Militarisierung Europas und der fortgesetzte Ausbau fossiler Infrastruktur lassen sich nicht getrennt voneinander verstehen. Im „fossilen Kapitalismus“ sind Krieg, fossile Produktion und Infrastruktur miteinander verflochtene Bestandteile desselben Systems. Moderne kapitalistische Gesellschaften beruhen auf permanentem Wachstum, globaler Konkurrenz und einem enormen Energieverbrauch. Fossile Energieträger – Öl, Gas, Kohle – bilden dabei bis heute die materielle Grundlage industrieller Produktion, logistischer Netzwerke und militärischer Macht. Und so auch die fossile Infrastruktur.

Trotz der Klimakrise wird in Deutschland weiterhin massiv in Autobahnen investiert. Der Ausbau der A4 in Köln ist dafür exemplarisch. Die offizielle Projektseite „A4plus“ begründet die Erweiterung auf acht Fahrspuren mit wachsendem Verkehrsaufkommen und steigenden Logistikbedarfen.

Einerseits materialisieren Autobahnen die Produktionsweise der fossilen Gesellschaft: die auf individueller Automobilität, globalisierten Lieferketten und hohem Ressourcenverbrauch. Die Jahrzehntelange Priorisierung des Straßenverkehrs gegenüber dem Ausbau öffentlicher Verkehrssysteme hat Deutschland tief in eine autozentrierte Infrastruktur eingeschrieben. Selbst angesichts der Klimakrise setzt die Politik weiter auf die Logik fossiler Angebotsinfrastruktur: Mehr Autobahnen führen zu mehr Autoverkehr und damit zu weiterem fossilem Energieverbrauch.

Gleichzeitig erhalten Autobahnen zunehmend eine militärische Bedeutung. Im Rahmen der NATO-Strategie zur „militärischen Mobilität“ soll Deutschland zu einem zentralen logistischen Drehkreuz des Bündnisses werden. Über die „Drehscheibe Deutschland“ sollen im Kriegsfall hunderttausende Soldaten und schweres Gerät an die NATO-Ostflanke transportiert werden sollen. Straßen, Brücken und Autobahnen werden damit zu strategischen Bestandteile militärischer Aufmarschfähigkeit.

Im Kapitalismus sind zivile und militärische Infrastruktur eng verbunden. Warenströme und kapitalistische Akkumulation beruhen auf den Verkehrsnetzen, welche im Krisenfall einer militärischen Mobilmachung gelten. Mit dem Ausbau der Autobahnen schlägt die BRD folglich zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie sind Verkehrs-, wie auch Militärpolitik.

Diese Verbindung zeigt auch der lokale Konflikt um das Gremberger Wäldchen in Köln. Das Waldgebiet liegt eingezwängt zwischen Autobahnen und Bahntrassen und soll durch den Ausbau der A4 weiter belastet werden. Gleichzeitig befindet sich dort eine weitgehend unbekannte NS-Gedenkstätte.[4]

Der Ort verweist damit auf eine historische Kontinuität: Schon im Nationalsozialismus waren Infrastruktur, Zwangsarbeit und Kriegsökonomie eng miteinander verbunden. Autobahnen galten als Symbol technischer Modernisierung und militärischer Mobilität zugleich. Jetzt droht erneut ein Erinnerungsort der heutigen Logik infrastruktureller Expansion untergeordnet zu werden. 

Die fossile Produktionsweise produziert nicht nur Emissionen und Klimakrise, sondern auch Militarisierung, autoritäre Tendenzen und eine permanente Expansion infrastruktureller Kontrolle. Krieg ist nicht die Ausnahme vom System, sondern dessen Fortsetzung.

Wir wollen uns gemeinsam fragen, wie der Ort als Sinnbild dieser militärischen und kapitalistischen Verschränkung aufgegriffen werden und als lokaler Kampf mit dem Camp in Köln, z.B. mit Führungen oder Aktionen vor Ort, in Beziehung gesetzt werden kann.

Wir geloben zu desertieren!

Die kriegerischen Mobilisierungen in Russland und der Ukraine zeigen, dass Zwangsrekrutierung, Desertion und Kriegsdienstverweigerung keine Relikte vergangener Zeiten sind. In der Ukraine kursieren seit Jahren Bilder von Männern, die auf offener Straße von Rekrutierungsbehörden aufgegriffen werden. Internationale Medien berichten über eine wachsende Zahl von Desertationen an der Front. Auch in Russland flohen seit der Teilmobilmachung hunderttausende Männer ins Ausland, um dem Krieg zu entgehen.

Dennoch erhalten russische Deserteure in vielen EU-Staaten nur eingeschränkt Schutz. Selbst in Deutschland wurden Asylanträge mit der Begründung abgelehnt, den Betroffenen drohe „nur“ eine Geldstrafe. Auch wehrfähige Ukrainer sollten, erklärten Politiker aus CDU und CSU offen, nicht in Deutschland bleiben, sondern an die Front zurückkehren. Wir sehen, wie schnell in Kriegszeigen individuelle Freiheit militärischen Interessen untergeordnet wird.

Dort, wo die Hölle der Kriegszurichtung zuschlägt, ist die Desertation nicht weit. Das zeigt auch der Blick in die Geschichte, wie bspw. die Meutereien französischer Soldaten 1917 sowie die revolutionären Aufstände deutscher Matrosen 1918, die zum Zusammenbruch des Kaiserreichs beitrugen. Im Zweiten Weltkrieg desertierten Wehrmachtssoldaten trotz drohender Todesstrafe. Viele versteckten sich mit Hilfe von Familien, Nachbarn oder antifaschistischen Netzwerken. Auch im Afghanistankrieg verweigerten US-Soldaten den Einsatz oder flohen nach Kanada und Europa. Krieg braucht nicht nur Waffen, sondern ebenso gesellschaftliche Zustimmung.

Desertion ist dabei nicht individueller Rückzug, sondern Teil kollektiver Widerstandsformen. Damit ist sie auch von Solidaritätsnetzwerken für Deserteure abhängig – von Fluchtrouten bis zu politischen Kampagnen.

Heute wird auch in Deutschland die Wiedereinführung der Wehrpflicht offensiv diskutiert, und damit auch eine Militarisierung der Gesellschaft. Gleichzeitig entstanden neue Proteste, darunter Schulstreiks gegen Wehrpflicht mit zehntausenden Teilnehmern. 28% der 18-Jährigen ließen die Erfassungsfragebögen der Bundeswehr bereits im Schreder verschwinden. Nun plant die Kriegskurskoalition von CDU und SPD als nächste Schritte eine Bußgeldorgie gegen die Delinquenten, und im neuen Jahr die Zwangsmusterung. Gegen diese sich verschärfende Repressionen müssen neue Wege der Solidarität und des kommenden Aufstands gefunden werden. 

Widerstand gegen Krieg ist nicht nur seine moralische Ablehnung. Entscheidend ist die Frage, wie Solidarität praktisch organisiert werden kann: durch Schutzräume für Verweigerer, politische Kampagnen, Arbeits- und Schulstreiks oder internationale Netzwerke gegen Rekrutierung und Militarisierung. Was kann die ja durchaus verbreitete Kriegsunlust der Jugend in eine schlagkräftige Bewegung entwickeln? 

In einer Podiumsdiskussion wollen wir der Frage nachgehen, welche Rolle Desertion heute, wie in Zukunft für eine antimilitaristische Bewegung spielt. Darüber hinaus können wir das Camp als Möglichkeit gestalten, gemeinsam Ideen zu spinnen und Verbindungen zu knüpfen, wie praktische Solidarität aussehen kann.

Gegen das Kontinuum der patriarchalen Gewalt – Join the Feminism Bloc!

Patriarchale Gewalt zeigt sich nicht nur im Privaten oder im Alltag, sondern auch in Krieg und militärischer Gewalt. Sie sind die Eskalation patriarchaler Verhältnisse. Militärische Gewalt basiert auf Kontrolle, Dominanz und der Durchsetzung von Macht über Körper und Territorien. Besonders deutlich wird dies in der systematischen Anwendung sexualisierter Gewalt in bewaffneten Konflikten. Vergewaltigungen, sexualisierte Folter und die gezielte Gewalt gegen Frauen werden immer wieder als Mittel der Kriegsführung eingesetzt. Krieg ist nicht geschlechtsneutral! Er radikalisiert patriarchale Machtverhältnisse und baut auf Vorstellungen von Härte, Dominanz und Männlichkeit auf.

Feministische und antimilitaristische Gruppen kritisieren deshalb seit langem die Komplizenschaft von Patriarchat, Militarismus und Aufrüstung. Sie machen deutlich, dass Gewalt im Krieg nicht losgelöst von gesellschaftlichen Verhältnissen betrachtet werden kann. Das, was im Krieg offen sichtbar wird – die Kontrolle über Körper und Leben –, beginnt bereits im Alltag.

Patriarchale Gewalt bildet ein Kontinuum, das von sexistischer Abwertung und Kontrolle über häusliche Gewalt bis hin zu Femiziden, die Tötung von Frauen aufgrund ihres Geschlechts [5], reicht.

Diese Gewalt ist eingebettet in gesellschaftliche Strukturen, in denen männliche Dominanz normalisiert wird. Gewalt beginnt nicht erst mit dem Mord. Sie beginnt in Kontrolle, Einschüchterung, ökonomischer Abhängigkeit, sexualisierter Belästigung und der gesellschaftlichen Relativierung männlicher Machtansprüche. Die Trennung zwischen „privater“ Gewalt und politischer Gewalt verschleiert deshalb ihre gemeinsamen Ursachen.

Eine antimilitaristische Bewegung muss auch eine feministische sein, d.h. dieses Kontinuum von Gewalt und seine Verlängerung bis in den militärischen Krieg erkennen. Femizide und Kriegsgewalt sind keine voneinander getrennten Ausnahmeerscheinungen. Sie entspringen denselben patriarchalen Machtverhältnissen – von der Gewalt im Alltag bis zur Gewalt des Krieges. Diese Verstrickung von Machtverhältnissen einzubeziehen, ist für unseren Antimilitarismus unerlässlich. Deshalb widersprechen wir einer Einteilung in Haupt- und Nebenwiderspruch, welche patriarchale Herrschaft als untergeordnetes Phänomen von Kapitalismus und Imperialismus versteht. Gemeinsam wollen wir u.a. für die Demonstration während des Camps am Samstag einen feministischen Block stellen und so eine feministische Kritik am Krieg sichtbarmachen.

Eröffnen wir eine Soziale Kampfbaustelle!

Die gegenwärtige Aufrüstung in Deutschland wird von der Bundesregierung als historische „Zeitenwende“ präsentiert. Tatsächlich markiert sie jedoch auch eine Verschiebung gesellschaftlicher Prioritäten: Milliarden für Militär, Waffenproduktion und geopolitische Konkurrenz stehen einem wachsenden Druck auf den „Sozialstaat“ gegenüber. Während für Rüstungsausgaben Schuldenregeln flexibel gemacht werden, wird bei Wohngeld, Jugendhilfe, Krankenversorgung plötzlich wieder auf „Haushaltsdisziplin“ verwiesen. 2022 verabschiedete der Bundestag ein mit 100 Milliarden Euro ein faktisch unbegrenztes Sondervermögen für die Bundeswehr. Gleichzeitig verpflichtete sich Deutschland, dauerhaft das NATO-Ziel von fünf Prozent des BIP für Militär auszugeben. Diese gigantischen Summen fallen nicht vom Himmel. Je mehr Geld in Aufrüstung und Schuldendienst fließt, desto stärker geraten soziale Bereiche unter Druck. Heute werden bereits Debatten über Kürzungen oder „Reformen“ im Wohngeld, bei kommunalen Sozialleistungen oder im Gesundheitsbereich vorbereitet und durchgesetzt.

Besonders sichtbar wird das beim Wohnen. Die Wohngeldreform der letzten Jahre sollte die extremen Mietsteigerungen abfedern. Gleichzeitig diskutieren Politik und Verwaltungen bereits über Begrenzungen der Ausgaben und strengere Zugangsvoraussetzungen. Das eigentliche Problem bleibt ohnehin unangetastet: steigende Mieten, Spekulation und die Verdrängung armer Menschen aus den Städten. Statt endlich sozialen Wohnungsbau massiv auszubauen, werden Milliarden in militärische Infrastruktur verschoben.

Historisch war diese Entwicklung nie konfliktfrei. Vor dem Ersten Weltkrieg führten Aufrüstung und Kriegskredite in ganz Europa zu sozialen Spannungen. Nach 1918 folgten Inflation, Hunger und Massenarmut – und daraus entstanden Streikbewegungen, Arbeiter*innenräte und revolutionäre Aufstände. Auch in den 1980er Jahren gingen massive Militärausgaben im Westen mit Sozialabbau einher. Die Folge waren große Friedensbewegungen, Streiks und soziale Kämpfe gegen Austerität.

Widerstand entsteht oft dort, wo Menschen beginnen, ihre alltäglichen sozialen Probleme gemeinsam zu organisieren. Genau dafür braucht es Initiativen, die verschiedene Kämpfe repolitisieren und miteinander verbinden: Wohnen, Migration, Erwerbslosigkeit, Pflege, prekäre Arbeit und Antikriegspolitik.

Ein wichtiges Beispiel dafür war die Soziale Kampfbaustelle in Köln. Dort versuchten Erwerbslose, Mieter*innen, migrantische Arbeiter*innen und soziale Initiativen gemeinsam praktische Gegenmacht aufzubauen. Im Zentrum standen nicht nur Diskussionen, sondern konkrete gegenseitige Unterstützung: gemeinsame Küchen, Aktionen gegen Zwangsräumungen, Proteste gegen hohe Mieten und sogenannte „Zahltag“-Aktionen in Jobcentern, bei denen Betroffene kollektiv ihre verweigerten Leistungen einforderten. Gemeinsam galt es, „den Aufstand zu proben“. [6]

Und heute? Mit steigenden Lebenshaltungskosten, explodierenden Mieten und wachsender Militarisierung erkennen viele, dass gesellschaftlicher Reichtum immer offensiver von unten nach oben und von sozialer Infrastruktur hin zu militärischer Macht umverteilt wird. Deshalb braucht es neue Vernetzungen zwischen Mieter*inneninitiativen, Krankenhausbewegungen, Erwerbslosenorganisationen (…) und Antikriegsgruppen.

Das Camp bietet eine Chance, genau diese Akteure zusammenzubringen und Verbindungen zwischen sozialen Kämpfen und Antimilitarismus zu knüpfen. Wir möchten die Chance ergreifen und vor Ort eine soziale Kampfbaustelle ausrufen! D.h. kollektiven Widerstand organisieren und uns zusammenschließen gegen Kriegspolitik, Sparprogramme und kapitalistische Krisenlogik.

 

 

 

[1] (vgl. https://www.nd-aktuell.de/artikel/1170772.linke-und-ukraine-krieg-es-kann-nur-eins-gelten-krieg-dem-kriege.html)

[2] (vgl. https://www.nd-aktuell.de/artikel/1193398.militarisierung-ausbruch-aus-dem-kriegsregime-ihr-kriegt-uns-nicht.html).

[3] Russlands Ökonomie basiert wesentlich auf Öl- und Gaseinnahmen; gleichzeitig finanziert diese fossile Rentenökonomie autoritäre Herrschaft und militärische Expansion. Greenpeace beschreibt Russland deshalb als „fossile Kriegsökonomie“, in den fossilen Einnahmen, Repression und Militarisierung einander gegenseitig stabilisieren.

[4] Im Gremberger Wäldchen existierte zwischen 1942 und 1945 ein Krankensammellager für osteuropäische Zwangsarbeiter:innen. Viele Menschen starben dort an Krankheiten, Hunger und Gewalt; andere wurden beim Rückzug der Nationalsozialisten ermordet. 

 

[5] Studien zeigen, dass die Täter meist Männer aus dem nahen Umfeld sind, häufig aktuelle oder ehemalige Partner. Eine Untersuchung des Landeskriminalamts Nordrhein-Westfalen zu Tötungsdelikten an Frauen zwischen 2014 und 2023 ordnete hunderte Fälle als Femizide ein, oft geprägt von Besitzdenken, Kontrolle und Gewalt in Trennungssituationen (zeit.de).

 

[6] Bemerkenswert war dabei vor allem der praktische Charakter dieser Organisierung. Die soziale Kampfbaustelle verstand Politik nicht als reine Theorie oder Parteiarbeit, sondern als kollektive Selbstorganisierung im Alltag. Im Aufruf hieß es, die wichtigste Kraft sei „die Solidarität zwischen Menschen“ und die basisdemokratische Organisierung. Gleichzeitig verband die Initiative unterschiedliche soziale Fragen miteinander: Wohnungsnot, Arbeitsmigration, Hartz-IV-Schikanen und Armut wurden nicht getrennt betrachtet, sondern als Ausdruck derselben gesellschaftlichen Verhältnisse verstanden. 

 

 

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