Die autonome Theorie
Der Text ist in Zeiten der Heinz-Schenk Debatte Anfang der 90er Jahre aufgekommen.1 Leider wird er aufgrund der Menge an Beiträge gern übersehen. Er liefert aber auch heute noch treffende Analysen der Theorielosigkeit und damit einhergehenden Beliebigkeit und Bedeutungslosigkeit der Szene.
Vorwort
Niemand begreift es mehr als Auszeichnung, der autonomen Szene anzugehören. An jedem Küchen- und Kneipentisch werden die Absurditäten aus Politik und Alltag der Szene seziert - um die autonomen "Mythen um so höher zu halten. Besonders wenn es mal wieder kracht, wie jüngst in Kreuzberg. Ganze Wälder fielen der Produktion der unzähligen Kritikpapiere zum Opfer, die alle Symptome des Niedergangs einer Bewegung vollständig aufzählen - um dann "solidarische Kritik" zu äußern, das heißt, ab Therapie gegen die grassierende "Unverbindlichkeit" eine weitere Dosiserhöhung der Szenedroge "Identität" zu verschreiben, womit gesichert ist, daß das immer gleiche Ritual weitergeht.
Wir warnen an dieser Stelle all die unter unseren Leserinnen, die von dieser Lektüre "solidarische Kritik" zur Balsamierung ihrer "Identität" erwarten, um sich dann schlußendlich "wiederfinden" zu können, Keine Haftung für Schäden an Seelen, "Strukturen" und "Zusammenhängen"!
Einleitung
Es ist etwas schwierig, unsere Kritik, die wir an der real existierenden autonomen Bewegung haben, in einem kurzen Referat zusammenzufassen. Wer unsere Textsammlung gelesen hat, wird festgestellt haben, dass die Texte nur sehr schwer miteinander diskutiert werden können. Die Kritik, wie wir sie an der Autonomie (Neue Folge) geübt haben, hat z. B. wenig zu tun mit der Kritik autonomer Bündnispolitik. Wir hatten ungemeine Schwierigkeiten, autonome Theorie und autonome Praxis so zu kritisieren, dass es sich um ein und dieselbe Kritik handelt, dass die Fehler der Theorie auf die der Praxis verweisen und umgekehrt.
Diese Schwierigkeiten, die autonome Bewegung in ihrer Einheit von Theorie und Praxis zu kritisieren, haben allerdings ihren Grund nicht nur in unserer subjektiven Unfähigkeit. Die Trennung von Theorie und Praxis ist eine Realität innerhalb der autonomen Bewegung. Wer letztes Jahr auf den Bremer Internationalismustagen war, konnte die völlige Trennung von Theorie und Praxis – oder besser die von TheoretikerInnen und PraktikerInnen bis ins Groteske gesteigert erleben. Veranstaltet wurden die Tage von Leuten aus dem Umfeld der Autonomie bzw. der Materialien für einen neuen Antiimperialismus.
Die TheoretikerInnen hatten gerufen und die Bewegung war gekommen: Die einen hielten ellenlange Referate, die anderen hörten mehr oder minder geduldig und schweigend zu. Die Ausführungen etwa über die Entstehung und Organisation der IWF-Riots in Brasilien riss keinen der Zuhörenden vom Hocker. Und manchem wird wohl mehr als einmal die Frage durch den Kopf geschossen sein: „Was soll der Scheiß?“ Natürlich, die gern zitierte Behauptung, ohne revolutionäre Theorie gäbe es keine revolutionäre Praxis, schwirrte wohl den meisten Zuhörenden durch die Birne und mahnte zur Geduld mit den ReferentInnen. Doch wie die Ausführungen der Theoriecracks den praktischen Kampf voranbringen sollten, konnte sieh niemand so recht vorstellen.
Und tatsächlich, als es dann endlich um die Frage ging: „Was machen wir eigentlich im September in Berlin?“ – da konnten die TheoretikerInnen nur hilflos die Schultern zucken und hoffen, dass den PraktikerInnen etwas einfällt und dass diese die Sache ordentlich vorbereiten würden. Unbefriedigend war das natürlich für beide Seiten – genauso unbefriedigend wie in unserer Broschüre die Trennung der Kritik der autonomen Theorie auf der einen und der autonomen Praxis auf der anderen Seite ist. Wir wollen versuchen, in dieser Veranstaltung die Kluft zu überbrücken.
Es geht hier also um den Versuch zu klären, auf welche Weise in der autonomen Bewegung Theorie und Praxis vermittelt sind. Gerade in dieser Weise der Vermittlung, so unsere These, über die nachher diskutiert werden soll, liegt das große Problem der Autonomen. Und nicht nur der Autonomen, weil hierin überhaupt das Dilemma revolutionären Handelns in den imperialistischen Metropolen beim augenblicklichen Stand der Klassenkämpfe liegt.
Theoria vulga autonoma - die gemeine autonome Theorie
Gehen wir von der bekannten Erscheinung des bzw. der Durchschnittsautonomen aus. Natürlich, eineN derartigeN DurchschnittsautonomeN gibt es nicht: Und alles, was man über ihn bzw. sie aussagt, kommt schnell in den Ruf, Karikatur und wüste Polemik zu sein.
Und in der Diskussion wird dann dieses oder jenes Gegenbeispiel erwähnt, bei dem natürlich alles ganz anders ist. Trotzdem: Ohne Verallgemeinerungen, die sicherlich den durch sie charakterisierten Menschen Unrecht tun, ohne derartige Verallgemeinerungen kann nicht vernünftig diskutiert werden: Sonst artet nämlich jede Diskussion in ein reines Anekdotenerzählen aus. Und derartiges Anekdotenerzählen ist durchaus charakteristisch für Diskussionen in der autonomen Bewegung: Dem wollen wir hiermit gleich einen Riegel vorschieben.
Deshalb: Wenn wir also im Folgenden die Vorstellungen und die Praxis autonomer KämpferInnen darstellen, dann mag das zum Teil überspitzt erscheinen, aber in dieser Überspitzung drückt sich eine Wahrheit aus, die nicht durch endloses Anekdotenerzählen zugekleistert werden kann. In der Kritik an der autonomen Bewegung wird viel über die Theorielosigkeit der Bewegung gejammert. Doch wenn mensch eine Kritik an der autonomen Bewegung auf diese Art und Weise anfängt, ist die Falle schon zugeschnappt, die durch das spezifische Verhältnis von Theorie und Praxis aufgestellt ist.
Unser Vorwurf ist es nicht, dass die autonome Bewegung theorielos sei – im Gegenteil. Es gibt vielmehr eine ziemlich klar umrissene autonome Theorie, deren großer Fehler es ist, gar nicht so explizit als Theorie bewusst zu sein und die deshalb so unendlich schwer zu kritisieren ist. Was meinen wir damit? Keineswegs meinen wir damit die verschiedenen theoretischen Versuche, wie sie etwa von der Wildcat oder der Autonomie hervorgebracht wurden. Sondern damit meinen wir das ganz normale autonome Durchschnittsbewusstsein, das selbst eine Form der Theorie ist. Obwohl dieses autonome Durchschnittsbewusstsein selten als Theorie der Gesellschaft verstanden wird, ist es doch eine klar umrissene Theorie der Macht- und Ausbeutungsverhältnisse auf der Welt.
Wenn wir also das autonome Durchschnittsbewusstsein kritisieren, dann nicht, weil die Autonomen nicht ernstzunehmen sind. Im Gegenteil versuchen wir, das Bewusstsein der Autonomen als Gesellschaftstheorie ernstzunehmen. Und zwar als Gesellschaftstheorie, die zu einer bestimmten Praxis führt. Deshalb stellen wir die Frage nicht wie üblich auf die falsche Art und Weise, nämlich so: Welche Theorie? Welche Praxis? Und klar, wie hängen sie zusammen? Fragen wir also nach der autonomen Durchschnittstheorie. Klar ist einmal, dass auf der Welt nicht alles so ist, wie es sein sollte: Armut, Hunger, Elend, Kriege und Bürgerkriege... und uns geht es auch schon ganz schlecht. Die Feststellung dieser Tatsache wird wohl auch jedeR BundesbürgerIn teilen.
Was die revolutionären Kämpferin nun von Otto Müller unterscheidet, ist das Faktum, dass sie diese nicht als Naturtatsache hinnimmt, nicht wie der Durchschnittsspießer mit einem Achselzucken sagt: „Das war schon immer so, das wird auch immer so sein, und machen kann man eh nix.“ Sie hält daran fest, dass es auch anders sein könnte, dass die Menschen auch vernünftig, friedlich und glücklich miteinander leben könnten, wenn... Ja, wenn... An diesem Punkt muss nun die Gretchenfrage revolutionärer Theorie gestellt werden: Wenn es anders sein könnte, dann muss irgendjemand daran Schuld sein, dass es nicht so ist: Und die Frage ist nun: Wer? Und hier wird es kompliziert. Lassen wir zunächst einmal die dumpfeste Variante weg, die paranoide Verschwörungstheorie der Antiimps, bei der das ganze Unglück der Welt das Resultat einer heimtückischen Verschwörung von trilateraler Kommission, dem US-Imperialismus, der sozialistischen Internationale, dem Zionismus und weiß der Geier noch wem ist.
Wenn man derart kindliche Weltbilder aber einmal weg lässt, dann wird es schwierig: Natürlich, schuldig sind Staat und Kapital. Aber das hilft auch nicht weiter: Wer sind Staat und Kapital? Wenn diese abstrakten Begriffe gefüllt werden sollen, aus leeren Worten konkrete Gegner aus Fleisch und Blut werden sollen, dann bietet sich einer natürlich ganz besonders an:
DER BULLE. Der Bulle ist der Feind Nr.1 aller Autonomen: An ihm ist der Staat handgreiflich und in Person sichtbar: Und wenn vor einem die Schweinevisagen auftauchen, die Knüppel greifen, dann weiß jedeR, wo die Front verläuft, nämlich zwischen uns und denen. Damit hat sich die autonome Staatstheorie im Wesentlichen erschöpft: Der Staat ist nackte Gewalt, Repression, Faschismus, Punkt. Großartig differenziert muss hier nicht mehr werden: „Deutsche Polizisten: Mörder und Faschisten“, „SS, SA, SEK“. Staat, Bullen, Faschismus, Repression: Alles verschwimmt in einem undurchdringlichen Brei, in dem die Klopperei mit den Bullen auf einmal zur heroischen Tat, zum Angriff auf den Staat als solchen, zur revolutionären „Praxis“ wird.
Natürlich, ganz so plump ist das Weltbild der meisten Autonomen nicht, auch wenn mensch gelegentlich den Eindruck bekommt. Dass der Staat kein reiner Selbstzweck ist, das ist irgendwie bekannt. Der Staat, das ist klar, ist zum Schutz des Kapitals da. Wobei sich natürlich die Frage stellt, was denn das Kapital ist. Natürlich, nun ist es nicht mehr ganz so einfach auszumachen, wie es beim Staat war. Das Kapital, das sind irgendwie die großen Banken und Konzerne. Und das Gemeine an diesen ist, dass sie die Menschen ausbeuten, auf der ganzen Welt. Und weil sich niemand gern ausbeuten lässt, braucht das Kapital den Staat, um die Ausgebeuteten zu unterdrücken. Sonst würden die dem Kapital nämlich ruckzuck den Garaus machen.
Wie das mit der Ausbeutung nun genau funktioniert, das ist nicht näher bekannt: Aber genaueres braucht mensch auch nicht zu wissen: Denn die Sache selbst ist ja ganz deutlich zu sehen: Im Trikont krepieren die Menschen wie die Fliegen, hier müssen sie von Sozialhilfe leben, während die Konzerne und Banken das große Geld scheffeln. Das Faktum der Ausbeutung ist also völlig offensichtlich.
Wie aber kann diese brillante theoretische Einsicht in die revolutionäre Praxis umgesetzt werden? Banken und Konzerne haben Bürohäuser, Geschäftsstellen, Verkaufsräume etc. Und diese haben Schaufenster oder zumindest Fassaden. Erstere kann mensch eindeppern, letztere mit Farbeiern verzieren. Außerdem soll auch schon der eine oder andere Molli sein Ziel gefunden haben und auch Feuerlöscher mit Unkraut-Ex und Puderzucker erzielen nicht zu vernachlässigende Wirkungen.
Was das alles an der Tatsache ändern soll, dass die Konzerne und Banken weltweit Menschen ausbeuten, ist nicht ganz klar, aber auf jeden Fall ist das was Praktisches und kein abstraktes theoretisches Rumlabern. Und, nebenbei bemerkt, wenn die Bullen bei einer Demo die Fassade der Deutschen Bank schützen, dann wird das faschistische Komplott von Staat und Kapital ganz deutlich. Selbst wenn wir die Ironie weglassen: Darauf reduziert sich im Großen und Ganzen die autonome Theorie.
Was noch fehlt, ist das Patriarchat, aber darüber weiß nun wirklich niemand überhaupt nichts Genaues mehr. Der Rest sind technische Details und Gruppendynamik.
Zunächst zu den technischen Details, die den größten Teil autonomer Diskussion ausmachen. Diese sind einziges Hü und Hott: Mit den ReformistInnen oder gegen die ReformistInnen, mit Vermummung – ohne Vermummung, geht mensch zur Demo oder nicht. Bewertungskriterien für diese Fragen sind die revolutionäre Moral und Entschlossenheit. Tatsächlich taktische Kriterien können für die einzelnen Entscheidungen nicht angegeben werden. Nicht in Bezug auf die zu erzielenden Zwecke werden Entscheidungen getroffen, sondern in Bezug darauf, welche der Alternativen „gerechter“ erscheint. Das Verhältnis zwischen dem Einsatz und dem Ergebnis spielt aus diesem Grunde in den allerseltensten Fällen eine Rolle, was derartige Diskussionen auch so unsäglich langweilig macht: Über bloße Meinungen und moralinsaures Gedöns lässt sich letztlich schlecht diskutieren: Derartig sinnloses Geschwätz kann mensch nur über sich ergehen lassen.
Interessanter sind die gruppendynamischen Effekte. Gehen wir deshalb noch einmal zur Staatsund Kapitaltheorie zurück. Die Frage, die sich dabei natürlich stellt, ist die: Warum lassen die Ausgebeuteten sich das gefallen, dass sie ausgebeutet werden? Die Antwort ist, wie oben schon gesagt, dass die staatliche Gewalt Menschen zurückhält, indem sie sie einschüchtert. Und die, die sich nicht einschüchtern lassen, werden mit gnadenloser Repression überzogen.
Natürlich weiß jedeR insgeheim, dass sich die Passivität der Masse der Bevölkerung so nicht erklären lässt. Aber wie lässt sich dann erklären, dass die meisten Menschen sich alles gefallen lassen? Die Antwort, die bestenfalls auf diese Frage kommt, ist die: Die Menschen sind manipuliert und korrumpiert durch die Medien und durch Konsum. Diese Antwort schlägt selbst wieder in den Gruppenprozess der meisten autonomen Gruppen zurück. Früher oder später kommt den Einzelnen der Verdacht, sie selbst könnten auch schon manipuliert und korrumpiert sein. Und darin taucht in autonomen Gruppen ein merkwürdiger, beinahe puritanisch zu nennender Asketismus auf, die große Verweigerung gegenüber der Welt und die gnadenlose Identifikation mit der eigenen Gruppe.
Früher oder später fühlt mensch sich auf allen Seiten umstellt von Feinden, die hinterhältig versuchen, jedes bisschen Identität, das mensch sich im Kampf erworben hat, kaputt zu machen. Ganz besonders hinterhältig treiben es dabei andere Linke, die Kritik üben. Und irgendwann geht die Abschottung vor der Realität dann soweit, dass sie wahnhaft umschlägt in eine gewisse Art von Bewusstseinsspaltung. Laufend wird hin und her geschwankt zwischen zwei völlig entgegengesetzten Interpretationen der Welt. Einmal erscheint das Jenseits des Szeneghettos als ein großes Heerlager von Feinden, die eineN „umdrehen“ wollen, einer/m die revolutionäre Identität kaputtmachen wollen. Dann wiederum wird sie interpretiert als brodelnde, kochende Masse, die kurz vor der Explosion, dem endgültigem revolutionärem Umsturz steht.
Der andere, mit großer Regelmäßigkeit auftretende gruppendynamische Effekt ist die sogenannte Patriarchatsdiskussion. Es geht uns nicht darum, zu leugnen, dass es das Patriarchat gibt, dass die geschlechtsspezifische Unterdrückung bis in den Gruppenprozess autonomer Gruppen hineinreicht und das dies ein wichtiger Diskussionspunkt ist und weiter auch sein muss. Aber: In autonomen Zirkeln wird im Grunde gar nicht inhaltlich über die Frage diskutiert. Vielmehr bleibt die Diskussion im Wesentlichen rein formal.
Als Beispiel können wieder die Bremer Internationalismustage vom letzten Jahr dienen [wahrscheinlich 1988]. Bei fast keinem Referat der VeranstalterInnen kam es zu einer Diskussion. Erst als die Patriachatsfrage aufs Tapet kam – oder besser, weil sie trotz Ankündigung nicht behandelt wurde – kam es zum Eklat. Ruckzuck spalteten sich die Anwesenden in ein Männer- und ein Frauenplenum. Doch anstatt in diesen dann über die Relevanz der Frage des Patriarchats für den revolutionären Prozess zu diskutieren, kam es zum berühmtberüchtigtem autonomen Anekdotenerzählen, bei dem die Redebeiträge sich nur so überstürzten. Die Frage des Patriarchats verkam damals und verkommt bei fast allen derartigen Situationen zum Diskussionsersatz.
Rein empirisch werden patriarchale Verhaltensweisen in autonomen Gruppen aufgezeigt. Statt dass mensch nun tatsächlich darüber diskutiert, wird das Ganze auf das Niveau individueller Moral heruntergebracht. Im besten Fall endet das dann bei Schuldzuweisungen bzw. Schuldbekenntnissen und gegenseitigen Versprechen, dass jetzt alles besser gemacht werden soll.
In den anderen Fällen kommt es zu dauerhaften Spaltungen, die zumeist endgültig sind, da sie nicht Resultat tatsächlicher inhaltlicher Differenzen sind, sondern an Umgangsformen festgemacht werden. Nun ist die Diskussion über Umgangsformen in politischen Gruppen durchaus nötig. Aber wenn durch sie jede strategische oder taktische Diskussion verdrängt wird, eben weil eine absolute Unfähigkeit vorherrscht, über derartige Fragen zu diskutieren, dann wird die politische Diskussion zum Surrogat, die autonome Gruppe zur linksradikalen Variante der Encountergruppen, bei denen es nur noch darum geht, sich der eigenen Identität zu versichern.
1 Der Text ist auch in der Broschüre der Autonomen Studies Bolschewiki "Mit den überlieferten Vorstellungen radikal brechen", veröffentlicht wurden. Downloadbar beim Ca ira Verlag in Originalversion. Außerdem nochmal abgedruckt in "Beiträge zur Soziale Phantasie Nr. 5, 2001". Hier besser lesbar: https://archiv-papiertiger.de/downloads/beitraege/beitraege5.pdf
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Ergänzungen
Info
Wir produzieren Raketen und Marschflugkörper, wir programmieren das Gelände und die Ziele des Einschlags ein und liefern diese in die Ukraine. Wir sind keine Kriegspartei, weil den roten Startknopf hat ein bei uns ausgebildeter ukrainischer Soldat gedrückt.
In einem Atomkrieg wird nur die Südhalbkugel überleben und krebsfrei bleiben, weil es keinen Wind von Nord nach Süd gibt.
Haben unsere Kriegshetzer, Politiker, Generäle und die Oberschicht Fluchtburgen, Ersatzwohnsitze in Südamerika?
Die Auswirkungen von Atombombenabwürfen werden zumeist falsch eingeschätzt. Hiroschima und Nagasaki sind keinen atomaren Wüsten. Sie sind schnell wieder zu blühenden Städten geworden. Was werden aber die Auswirkungen sein, wenn hunderte, gar tausende von Atombomben zum Einsatz kommen?
Atombomben werden etwa 300 Meter über dem Ziel gezündet. Auf diese Weise erhält die Explosivkraft eine größere Reichweite. Die Druck- und Hitzewelle kann ihre Wirkung über viele Kilometer entfalten. Erfolgte die Zündung am Boden, wäre sie schnell abgeschirmt von Bauwerken oder natürlichen Erhebungen. Der Wirkradius wäre stark eingeschränkt, aber im Zentrum wäre die atomare Verseuchung um ein Vielfaches größer. Bei einer Zündung in 300 Meter Höhe kommt aber kaum etwas am Boden an, von den gefährlichen radioaktiven Partikeln. Warum ist das so?
Die Bilder von „Atompilzen“ zeigen es auf: Durch die enorme Hitzeentwicklung entsteht ein sehr kleines, aber enorm kräftiges Tiefdruckgebiet. Die dadurch zur Aufwärtsbewegung gezwungene Luft mit all den radioaktiven Partikeln steigt auf bis in Höhen von zehn bis sechzig Kilometern und saugt so alle Partikel vom Boden ab. Die sechzig Kilometer wurden beobachtet bei der Zündung der sowjetischen „Zar-Bombe“, der stärksten Wasserstoffbombe, die jemals gezündet worden ist. Die war so schrecklich, dass Moskau entschieden hat, niemals wieder eine solche Bombe zu bauen. Der Pilot, der diese ultimative Waffe abgeworfen und beobachtet hatte, hat fortan sein Leben verändert und niemals wieder ein Bombenflugzeug geflogen.
Diese Bombe hätte ganz Paris inklusive aller Vororte mit einem Schlag dem Erdboden gleich gemacht. Die Druckwelle der Explosion hat den Erdball dreimal messbar umkreist. Interessant daran ist aber, dass selbst die Insel im Nordmeer, Nowaja Semlja, über der die Zündung im Jahr 1961 erfolgte, kaum von radioaktivem Fallout betroffen war. Ebenfalls bemerkenswert ist, dass die Sprengkraft dieser Höllenmaschine absichtlich auf etwa die Hälfte des Möglichen reduziert war. Mehr darüber finden Sie hier:https://de.wikipedia.org/wiki/AN602
Der Unterschied zwischen Atombomben und Kernkraftwerken
Der Punkt ist also, dass beim Einsatz einer Atombombe die Zerstörungen unterhalb der Zündung, also am sogenannten „ground zero“, katastrophal sind, die radioaktive Verseuchung jedoch geringfügig. Das eben, weil die radioaktiven Partikel von dem von der Explosion erzeugten enormen Aufwind vom Boden abgesaugt und in die obere Atmosphäre transportiert werden. Dort werden sie von den Höhenwinden über die ganze Erde verblasen und kommen so weit verteilt überall nieder. Doch halt, über die ganze Erde? Eben nicht. Der Fallout bleibt beschränkt auf eine Halbkugel. Was glauben Sie, warum sonst die USA und Frankreich ihre oberirdischen Atomtests im Südpazifik durchgeführt haben? Insgesamt gab es bis Ende der 1960er Jahre 688 oberirdische Atombombenzündungen, bis man sich einigte, diese nur noch unterirdisch durchzuführen. Es ging darum, bei diesen Tests keinen radioaktiven Fallout mehr zu produzieren.
In diesem Sinn gehe ich kurz auf Tschernobyl ein, dessen Havarie angeblich Europa verseucht haben soll. Das ist blanker Unsinn. Bei diesem Unfall ist nur ein Bruchteil dessen frei geworden, was jede oberirdische Explosion in die Atmosphäre geschleudert hat. Der Punkt ist aber, dass vor Tschernobyl niemand auf die Idee gekommen ist, Pilze oder Wildtiere auf radioaktive Kontamination zu untersuchen. Diese Ergebnisse wurden dem Unfall in Tschernobyl zugeordnet und das ist falsch.
Nahezu alles, was an radioaktiven Partikeln den Boden verseucht hat, stammt von den oberirdischen Atombombentests. Das aber will man natürlich nicht zugeben, denn dann müsste dafür auch die Verantwortung übernommen werden. Tschernobyl müsste neu bewertet werden und die Diskussionen über Kernkraft müssten auch auf neuer Basis geführt werden. Allerdings ist es bei einem GAU in einem Kernkraftwerk anders, als bei der Explosion einer Bombe. Die radioaktiven Partikel werden nicht in die obere Atmosphäre geschleudert, sie gehen Mangels der Absaugung durch eine Explosion im direkten Umfeld des Unfalls nieder. Bei Tschernobyl im Umkreis von etwa dreißig Kilometern.
10.000 Atombomben werden einen nuklearen Winter auslösen
In den Arsenalen der Atommächte befinden sich mehr als 10.000 Atomsprengköpfe. Alle diese sind im Fall eines atomaren Schlagabtauschs zum Einsatz vorgesehen. Wir wissen nun, wie die 688 oberirdischen Zündungen die Erde bereits verseucht haben. Etwa die Hälfte davon wurden auf der Südhalbkugel gezündet. Das ist übrigens die wahre Ursache für vermehrt aufgetretene Hautkrebserkrankungen in Australien, nicht das sogenannte „Ozonloch“. Was also das Thema Atom angeht, werden wir schamlos belogen, in Unwissenheit gehalten.
Doch nun zum Thema, was geschähe, wenn es zu einem Atomkrieg käme. Alle Atomwaffen befinden sich auf der Nordhalbkugel der Erde. Die vorgesehenen Ziele ebenfalls. Abgesehen von den direkten Verwüstungen, würde sich der radioaktive Niederschlag beinahe gleichmäßig über die gesamte Nordhalbkugel verteilen. Nun lernt aber jeder Meteorologe im ersten Semester, dass praktisch kein Austausch der Luftmassen zwischen der Nord- und Südhalbkugel stattfindet. Am Äquator, in den Zonen der Passatwinde, sind die Luftströmungen getrennt. Dort gibt es praktisch keine Nord- oder Südwinde. Sie verlaufen immer in Ost-West-Richtung. Daraus folgt, dass, selbst wenn alle 10.000 Atombomben zum Einsatz kämen, von dem tödlichen Fallout auf der Südhalbkugel nahezu nichts ankäme. Was wären also die Folgen eines Atomkriegs?
Wird Afrika Flüchtlinge aus Europa willkommen heißen?
Die Zivilisationen auf der Nordhalbkugel würden aufhören zu existieren. Es würde unendliche Migration geben, vom gepriesenen Wertewesten, dem aktuellen Ziel für Migranten aus Afrika, Richtung Südhalbkugel, dem verbliebenen Rest an unverseuchter Erde. Ob die dann dort genauso „liberal“, besser irrsinnig, mit den Zuwanderern verfahren werden, wie unsere Gutmenschenregierungen, ist zu bezweifeln. Es wird nämlich auch im Süden dramatische Einbrüche geben. Es werden nicht nur Düngemittel aus dem Norden fehlen, sondern auch alle Produkte und Ersatzteile, die nicht nur die Landwirtschaft benötigt. Nein, es wird auch im Süden nicht genug übrig bleiben, um die eigene Bevölkerung vor dem Hungertod zu bewahren. Und wer Afrika kennt, weiß, dass da für Migranten aus dem Norden wenig Sympathie zu finden sein wird.
So komme ich zu dem Schluss, dass es im Fall eines Atomkriegs zwar keine sofortigen, direkten Auswirkungen auf die Südhalbkugel geben wird, aber die Sekundärschäden werden auch das gesamte Leben dort zu einer Reorganisation zwingen. Länder wie Malaysia, direkt am Äquator, die schon jetzt Chips für die Elektronik produzieren, werden eine völlig neue, dominante, Stellung einnehmen. Die Mehrzahl der verbliebenen Menschen werden fortan Muslime sein. Wer also fahrlässig vom Einsatz von Atomwaffen spricht, sollte darüber nachdenken, was die Folgen sein werden.
Die atomare Erstschlagdoktrin der USA
Vergessen wir nicht, es sind die USA, die als einzige schon Atombomben eingesetzt haben und die sich mit ihrer Militärdoktrin atomare Erstschläge als legales Mittel erlauben. Und es sollte klar sein, dass Russland, Putin, immer unmissverständlich gesagt hat, dass Atomwaffen nur als Reaktion auf fremde Atomangriffe eingesetzt werden. Das ist glaubhaft, denn die Führung in Moskau will ihr Volk nicht vernichten. Leider ist es aber so, dass man befürchten muss, dass die USA in englischer Tradition, wie vor dem Ersten Weltkrieg, ebenso denken: Wenn wir die Welt nicht beherrschen können, untergehen, dann bitte alle anderen mit uns. Sie sollten dabei aber nicht vergessen, dass in Südamerika schon jetzt niemand die Amerikaner mag. Und eigentlich auf der gesamten Südhalbkugel, außer Australien und Neuseeland. Es wird also für Amerikaner und den Rest der Nordhalbkugel kein Willkommen auf der Südhalbkugel geben...wenn es dann überhaupt noch die Möglichkeit gibt, irgendwohin zu migrieren. Allein der Gedanke an einen Atomkrieg ist galoppierender Wahnsinn, der nur von Hirnamputierten auch nur angedacht werden kann.