Marburger Nazibursche Tobias Heuwinkel am FB06 - Wie Faschisten um die Universität kämpfen

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In der Nacht vom 12.5 auf 13.5 haben wir den bereits bekannten Naziburschen Tobias Heuwinkel der Naziburschenschaft Rheinfranken Marburg nochmals großflächig in Marburg geoutet.

 

Heuwinkel ist inzwischen wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Vor- und Frühgeschichte an der Philips-Universität Marburg. Hier wird er von Prof. Dr. Felix Teichner beschäftigt und betreut bei Lehrgrabungen Studierende. 

 

 

 

Nazibursche Tobias Heuwinkel am FB06

 

Wie Faschisten um die Universität kämpfen

 

Der Kampf der extremen Rechten um die Universität ist aktueller denn je. Im Fachbereich 06 (Geschichte und Kulturwissenschaften) an der Philipps Universität Marburg kippt die Stimmung. Bekannte Naziburschen wie Tobias Heuwinkel werden in Studienausschuss gewählt und repräsentieren die Marburger Archäologie nach außen. Tobias Heuwinkel stammt aus Detmold. Er ist seit 2016/2017 bei der Marburger Burschenschaft Rheinfranken und begann damals sein Studium in der Archäologie. Im Jahr 2016 nahm er am Vortrag des Neonazi, Szeneanwalts und ehemaligen AfD Funktionär Dubravko Mandic auf dem Haus der Rheinfranken teil. Vor dem Haus kam es zu Gegenprotesten, was die Rheinfranken später in der Nacht mit einem Angriff auf die linke Kneipe Havanna 8 quittierten.

 

Heuwinkel ist inzwischen wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Vor-und Frühgeschichte. Hier wird er von Prof. Dr. Felix Teichner beschäftigt und betreut bei Lehrgrabungen Studierende. Auch darf er das Seminar immer wieder nach außen vertreten, sei es im Unimagazin oder wie Ende Januar bei der offiziellen Informationsveranstaltung inklusive Infostand im Cineplex.

 

 

 

Dass Tobias Heuwinkel Teil einer der drei Naziburschenschaften in Marburg ist, stört augenscheinlich niemanden. Damit steht der Fachbereich 06 in einer langen Tradition des Wegschauens und gleichzeitig will sich die deutsche Vor- und Frühgeschichte nur zaghaft mit ihren Wurzeln im Nationalsozialismus auseinandersetzen.

 

„Wer die Vergangenheit beherrscht, beherrscht die Zukunft.“, schreibt George Orwell in seinem Roman 1984. Darum wissen auch die ehemaligen Geschichtslehrer und AfD-Spitzenpolitiker Björn Höcke und Christian Zaum - ebenfalls Marburger Rheinfranke - und darum weiß auch der Arbeitskreis der Studentenhistoriker AKGSt, der vergeblich versuchte, seine Jahrestagung in Marburg zu veranstalten. Geschichtswissenschaft ist Demokratiewissenschaft und es ist kein Wunder, dass die Faschisten hier eines der ersten Kampffelder bei der Rückeroberung der Universitäten ansiedeln.

 

Im Dezember 2025 verkündetet Prof. Dr. Thomas Nauss, Präsident der Philipps-Universität Marburg: "Wir lassen uns nicht einschüchtern und weichen nicht zurück". Auslöser waren Drohungen gegen eine Wissenschaftlerin der Universität. Was Nauss in der Pressemitteilung verschwieg, ist der extrem rechte Hintergrund der Drohungen.

 

 

 

Die Leitung der Universität hat nun Gelegenheit zu zeigen, ob es sich nur um ein Lippenbekenntnis handelt oder ob sie sich - gemäß ihres Versprechens – in das Treiben am Fachbereich 06 einmischen wird. Denn die Angriffe von Faschisten auf die Wissenschaft kommen nicht nur in offen ausgesprochenen Gewaltandrohungen daher, sie zeigen sich auch in der Normalisierung ihrer Personen und Positionen. Darüber gewinnen die Faschisten Räume und erlangen Hegemonie. Der Umgang mit Naziburschen wie Tobias Heuwinkel am Fachbereich 06 zeigt auf: solange sie „gute Arbeit“ abliefern, stört es nicht, dass sie in einer extrem rechten Organisation aktiv sind. Auf lange Sicht untergräbt diese Entwicklung Demokratie und freie und kritische Wissenschaft. Es wird längst nicht bei Gewaltandrohungen bleiben, denn Gewalt ist essentieller Bestandteil extrem rechter Ideologie.

 

 

 

Die Fachschaft des FB06 schweigt, der Fachbereich lässt die Faschisten gewähren. Was hier passiert, ist ein Beispiel wie die extreme Rechte versucht, ihren Einfluss an den Universitäten wieder auszubauen.

 

Liebe demokratische Wissenschaftler*innen, Euch wurde der Kampf angesagt, ob ihr es wollt oder nicht. Wegducken hat gegen die Faschisten und ihre Steigbügelhalter nie geholfen, nun gilt es, ihnen einen konsequenten Antifaschismus gegenüber zu stellen!

 

 

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