Statement Outcall und Nicht-Zusammenarbeit mit Psy4F-Strukturen von der Widersetzen Awareness-AG
Liebe Menschen von Widersetzen,
wir als Awareness-AG von Widersetzen haben in den vergangenen Jahren mehrfach mit den Psychologists/Psychotherapists for Future (Psy4F) zusammengearbeitet. Diese Zusammenarbeit werden wir nicht fortsetzen.
Leider kam es in den letzten Jahren immer wieder zu Diskriminierung innerhalb der Psy4F und auch nach außen Dritten gegenüber sowohl bei Aktionen als auch z.B. in Kloster-Retreats (u.a. Klassismus, Transfeindlichkeit, Non-Binärfeindlichkeit, Ableismus und Sanismus).
Wir haben mit mehreren Betroffenen gesprochen und es wurde deutlich, dass diese Probleme nicht Einzelfälle sind, sondern sowohl Bundes- als auch Regionalgruppen strukturell betreffen. Interne Hinweise und Outcalls mehrerer betroffener Personen wurden nicht betroffenenzentriert, teilweise gar nicht bearbeitet. In einem größeren Fall wurde die Psy4F-Awareness-Gruppe von Vorstand und Delegiertenversammlung geschlossen, als die AG sich weigerte, diskriminierende Beschlüsse umzusetzen (entsprechende Informationen liegen uns vor genauso wie Aussagen von selbst Betroffenen und Dritten).
Für die Betroffenen sind (digitale) Räume dadurch sehr unsicher geworden. In anderen Räumen haben Psy4F-Aktive offenbar gezielt einzelne dritte Menschen mit Falschinformationen und Vorwürfen angeschrieben, um die Glaubwürdigkeit von Betroffenen zu untergraben.
Auf Grund der strukturellen Probleme bei Psy4F und der fortgesetzten Diskriminierung, auch im Umgang mit Aktivisti, sehen wir uns zu dieser Stellungnahme veranlasst und stellen uns klar hinter die Betroffenen.
Wir haben daraus folgende Konsequenzen gezogen: Zum einen wurde eine Person mit sehr problematischem Verhalten aus unserer Awareness-AG ausgeschlossen. Wir werden aufarbeiten, wie eine Person mit so problematischen Verhalten so lange in unserer AG bleiben konnte und wie wir solche Vorfälle in Zukunft vermeiden. Angebote zur Aufarbeitung und Verantwortungsübernahme wurden von uns gemacht, aber von der Person nicht angenommen. Das spiegelt die Berichte von Betroffenen wider, dass sowohl auf Bundes- und Regionalgruppenebene der Psy4F Bitten um den aktiven Einsatz gegen sowie Aufarbeitung von Diskriminierung immer wieder abgelehnt und ignoriert wurden und weiter werden.
Als Awareness-AG haben wir uns auf Basis der Menge und Schwere an Vorfällen entschieden, nicht mehr mit Psy4F-Strukturen zusammenzuarbeiten, bis die Diskriminierungen betroffenenzentriert aufgearbeitet wurden.
Diskriminierung ist keine „Perspektive“, Hinweise auf Diskriminierung sind keine „Beleidigung“ (beides Zitate von Psy4F-Menschen gegenüber Betroffenen nach Hinweis auf Diskriminierung) und das Absprechen und Ignorieren von Diskriminierung, wie es unter anderem von mehreren aktiven Vorstandsmitgliedern und getragen und gedeckt von Mitgliedern wiederholt gegenüber mehreren Betroffenen passierte, ist nicht hinnehmbar für uns. Diese Darstellung widerspricht fundamental unserem Verständnis von Awareness-Arbeit. Awareness, vor allem im Kontext politischer Arbeit, muss betroffenenzentriert, intersektional und antidiskriminierend sein.
Wie bitten euch um Mithilfe. Als Awareness-AG sind wir immer auf eure Unterstützung angewiesen. Verbreitet dieses Statement. Denn leider sind wir an einem Punkt, wo vor Mitarbeit und Zusammenarbeit bzgl. Psy4F gewarnt werden muss – insbesondere marginalisierte Menschen sind dort nicht sicher. Wir arbeiten betroffenenzentriert und dieses Statement ist entsprechend mit mehreren Betroffenen abgesprochen.
Auch bieten wir weiteren Betroffenen an (egal ob bei Widersetzen aktiv oder nicht), sich bei uns zu melden, damit wir schauen können, was für Unterstützungsmöglichkeiten es über diese Stellungsnahme hinaus braucht und geben kann. Wer von Diskriminierung bei bzw. durch die Psy4F betroffen ist (unabhängig), darf sich gern unter awareness@widersetzen.com an uns wenden.
Eure Widersetzen AwarenessAG
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