Einige Gedanken zum Schreiben einer Vulkangruppe und den Umgang der Szene damit
Manchmal geschehen Dinge, die man nie tun würde.
Dinge, die vielleicht gar nicht so laufen sollten.
Oder Dinge, die genau so laufen sollten und die man selbst gar nicht gut findet, die andere tun.
Selbstverständlich benötigt es Debatten darüber, was man warum wie macht und was man als den richtigen oder nicht richtigen Weg empfindet. Debattenbeiträge sind notwendig für eine Bewegung! Und es gab eine Zeit in der diese Debatten auf Plattformen wie Indymedia, auf denen alle Menschen anonym posten können oder in Zeitschriften wie der Interim, die anonyme Autor:innen hatte, zu finden waren.
Nun scheint in linken Chatgruppen, Kneipentresen und auf Social Media Profilen ein einfacher Grundsatz vergessen worden zu sein:
Je mehr Einzelpersonen darüber reden, wer sowas gemacht haben könnte (wie werden es ja ohnehin nicht herausfinden und das wäre auch nicht unser Begehr!) und je mehr Einzelne sagen, dass sie so etwas niemals tun würden, desto kleiner wird der Kreis jener, die für so etwas verdächtigt werden können.
Ein Grundsatz linker Politik ist es deshalb und war es schon immer, sich auch außerhalb konkreter Situationen mit Behörden möglichst nicht zu Taten anderer zu äußern. Denn wenn man sich äußert und betont, man selbst war es nicht, rückt man diejenigen, die sich nicht äußern, ins Visier. Auch wenn diese vielleicht gar nichts damit zu tun haben.
Denn Tatsache bleibt: Es wird händeringend nach Schuldigen gesucht. Und ob am Ende tatsächlich die "wahren" Urheber:innen hinter dem Schreiben der "Vulkangruppe" entdeckt werden, bleibt ungewiss. Als linke Bewegung wissen wir aber: Sie werden Linke suchen und alles daran setzen, irgendjemanden als Schuldige:n zu präsentieren. Ob es diese nun waren oder nicht, ist den Herrschenden egal. Solange sie einen Sündenbock präsentieren können, haben sie ihren Soll erfüllt.
Und das, liebe Genoss:innen, ist ein Spiel, auf das wir uns - unabhängig davon, wie wir die Situation empfinden - nicht einlassen sollten.
Die Rote Hilfe sagt nicht umsonst: "Halt trotzdem die Klappe! Was dich vermeintlich entlastet, kann andere belasten. (...) Auch Infos darüber, was du nicht getan hast, helfen der Polizei, ein Gesamtbild gegen dich und andere zu konstruieren."
Lasst uns Debatten führen - auf Indymedia und in unseren engsten Kreisen. Aber lasst uns das Grundprinzip der Aussageverweigerung dabei nicht vergessen.
Creative Commons by-sa: Weitergabe unter gleichen Bedingungen