Aufruf zum internationalistischen Afrin-Block am 8. März

Event Datum: 
Donnerstag, März 8, 2018 - 16:00
Stadt/Region: 
Heraus zum internationalen Frauen*kampftag 2018 in Kiel! Hinein in den internationalistischen Afrin-Block auf der feministischen Demonstration! Donnerstag, 8. März 2018: Vorabtreffpunkt: 15.45 Uhr Ernst-Busch-Platz (Germaniahafen) Demostart: 16 Uhr Bahnhofsvorplatz

Am 8. März gehen weltweit seit über 100 Jahren Millionen Frauen* auf die Straße. Auch in Kiel findet unter dem Motto Make Feminism a threat again – Für einen grenzenlosen Feminismus! eine Demonstration statt. Wir möchten diesen Anlass nutzen, den internationalistischen Charakter des Frauen*kampftages stark zu machen und rufen aus aktuellem Anlass dazu auf, in den Afrin-Block auf der Demonstration zu kommen. In Solidarität mit der kämpfenden kurdischen Bewegung in Rojava und für die feministische Revolution!

In Deutschland feiert das Wahlrecht für Frauen* in diesem Jahr sein 100-Jähriges Bestehen. 1911 gingen, als Initiative sozialistischer Organisationen, in mehreren Ländern erstmalig tausende Frauen* zum Internationale Frauen*tag auf die Straße, um explizit und lautstark ihr Wahlrecht zu fordern und für Gleichberechtigung und die Emanzipation von Arbeiter*innen zu kämpfen. Aber erst die gesellschaftlichen Umwälzungen infolge der Novemberrevolution von 1918 und das Ende des Ersten Weltkrieges führten dazu, dass sich die Frauen*bewegung mit ihrer Forderung durchsetzen konnte. Der Aufstand der Matros9en und Arbeiter*innen in Kiel löste eine revolutionäre Bewegung aus, die den Kaiser von seinem Thron fegte und in mehreren deutschen Städten zur Revolution führte. Am 30. November 1918 schließlich wurde das aktive und passive Wahlrecht für Frauen* in Deutschland eingeführt.

Auch wenn wir schon einiges erreicht haben, gibt es für uns heute (zu) viele Gründe, die Korken anlässlich dieses Jubiläums nicht knallen zu lassen. Gleichberechtigung ist – entgegen mitunter anderslautender Stimmen – noch lange nicht für alle Frauen* Realität. Die weltweiten feministischen Bewegungen der letzten Jahre sind gerade kein Ausdruck emanzipierter gesellschaftlicher Verhältnisse, sondern Zeichen dafür, wie bitter notwendig feministische Kämpfe auch heute noch sind. Das mittlerweile auch staatliche und zivilgesellschaftliche Organisationen, Mainstreammedien und Popstars feministische Parolen für sich entdeckt haben, ist eher ein weiterer Grund zur Sorge, als Anlass für Freudensprünge. Diese neuartige Liaison von Feminismus mit den bestehenden Verhältnissen ist uns ein Dorn im Auge. Denn sie verschleiert die Totalität der kapitalistischen Gesellschaft, die Frauen* noch immer strukturell und allumfassend benachteiligt. Emanzipatorische Forderungen werden vereinnahmt und neoliberal entwendet. Feministische Positionen laufen Gefahr, sich in ihrer Praxis weniger als Gegenwehr gegen den Kapitalismus, denn als seine Modernisierung zu erweisen. So haben staatliche Gleichstellungspolitik und -diskurse trotzt der vielen schönen Worte, Maßnahmen und Instrumente, meist nur eine rhetorische Funktion und bleiben in der Praxis weitgehend wirkungslos. Es geht nicht primär um Gleichberechtigung, sondern um die Nutzbarmachung weiblicher* Humanressourcen und Potentiale.

Das ist nicht unser Feminismus. Wir wollen nicht nur einen Feminismus, der uns von Geschlechterrollen befreit, sondern auch einen, der von Grund auf kritisiert, was besteht: Staat, Kapitalismus, Patriarchat. Wir kämpfen für eine solidarische und befreite Zukunft und stehen hierbei nicht allein. Gegen die patriarchalen Zustände regt sich weltweit Widerstand. Die Bewegung „Ni Una Menos“ – Nicht eine Weniger – ist 2015 in Argentinien entstanden. In vielen Ländern Lateinamerikas und auch in Europa finden unter diesem Motto Streiks und Demonstrationen gegen die Feminizide (Frauen*morde), für das Recht auf Schwangerschaftsabbruch und gegen das patriarchale System als Ganzes statt. Anfang 2017 gingen in den USA Tausende bei den Women‘s Marches gegen die Trump-Administration auf die Straße. In Polen beteiligten sich im Herbst 2016 Hunderttausende am „schwarzen Protest“ gegen Abtreibungsverbote und für das Recht auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper. In Deutschland kämpfen Feminist*innen für die Straflosigkeit von Schwangerschaftsabbrüchen und die Abschaffung des § 218 StGB und unzählige Frauen* fanden den Mut, sexualisierter Gewalt im Rahmen der #MeToo-Debatte sichtbar zu machen.

Seit nun schon mehreren Wochen blicken wir vor allem besorgt auf die kurdischen Gebiete in Syrien, wo das türkische Militär den Kanton Afrin in Rojava mit Hilfe islamistischen Söldner angreift. Afrin zählt zu den drei selbstverwalteten Regionen der Demokratischen Föderation Nordsyriens. Das Projekt des Demokratischen Konföderalismus, das den Aufbau einer Selbstverwaltung durch Basisorganisierung anstrebt, wird hier seit 2013 trotz Krieg und Embargo umgesetzt. In Rojava spielt die Frauen*bewegung eine zentrale Rolle. Das Zusammenspiel der verschiedenen Unterdrückungsmechanismen gegen die Menschheit, speziell gegen die Frau*, im bestehenden Patriarchat wird als ein Hauptwiderspruch begriffen, den es zu bekämpfen gilt. So werden Frauen*räte und Frauen*akademien gebildet, um die Interessen der Frauen* durchzusetzen und für das Ziel einer geschlechterbefreiten Gesellschaft zu kämpfen. In den gemischtgeschlechtlichen Strukturen gibt es auf allen Ebenen eine Doppelspitze, bestehend aus einer Frau* und einem Mann*.

Die Frauenverteidigungseinheiten YPJ spielen eine wichtige Rolle bei der militärischen Verteidigung der Revolution, aktuell schützen sie zusammen mit der YPG (Volksverteidigungseinheiten) bzw. der QSD (Syrischen Demokratischen Kräfte) den Kanton Afrin vor der Invasion des türkischen Militärs und seiner dschihadistischen Verbündeten. Die Türkei bombardiert im Zuge dessen die Zivilbevölkerung von Afrin und macht keinen Unterschied zwischen aktiven Kämpfer*innen und ziviler Bevölkerung. Deutschland zeigt sich in dieser Situation als williger Erfüllungsgehilfe der türkischen Politik. Hierzulande sehen sich kurdische Aktivist*innen einer erneuten und immer härteren Repressionswelle ausgesetzt. Das Verbot der Kurdischen Arbeiterpartei PKK, das 1994 in Deutschland in Kraft getreten ist, hat eine umfassende Kriminalisierung von kurdischen Aktivist*innen in Deutschland zur Folge.

In Zeiten des gesellschaftlichen Rechtsrucks scheint es notwendiger denn je, Alternativen zum herrschenden System zu finden, die ein Leben jenseits von Kapital und Patriarchat und ein gutes Leben für alle möglich erscheinen lassen. Der Weg dahin ist nur gemeinsam mit einem anti-nationalen und antistaatlichen Internationalismus zu bestreiten.

„In Afrin wird nicht nur für die Menschen dort gekämpft, in Afrin wird die internationale Revolution verteidigt. Deshalb geht nicht auf die Straßen für die Menschen dort, geht auch auf die Straße für euch selbst, für die eigene Befreiung, im eigenen Land.“ (Erdal Firaz, Aktivist der kurdischen Befreiungsbewegung in der BRD)

Lasst uns in diesem Sinne am internationalen Frauen*kampftag auch in Kiel auf die Straße gehen um gemeinsam mit unseren Genoss*innen weltweit die Perspektive eines radikalen feministischen Kampfes zu entwickeln, zu erproben und zu verteidigen. Ob in Kiel oder in Rojava, eine befreite Gesellschaft erreichen wir nur, wenn wir uns zusammentun und Seite an Seite kämpfen. Kommt am 8. März 2018 in den internationalistischen Afrin-Block auf der feministischen Demonstration.

Biji Berxwedana Afrine!

Hoch die internationale Frauen*-Solidarität!

Jin, Jiyan, Azadi – Frauen*, Leben, Freiheit!

Infos: kurdistansolikiel.noblogs.org

webadresse: 
http://kurdistansolikiel.noblogs.org
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