Nicht jede Wolke erzeugt ein Gewitter

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Oder warum Militanz kein beliebig abrufbares Mittel linker Kampagnen-Politik ist - eine Antwort auf das Schreiben der Gruppe „3-Tage-Regen“ zum Thema Militanz um die Friedel54 [1]

Unser Sommer war nicht ganz so verregnet. Neben vielen kleinen und größeren Projekten in der Stadt, bundesweit und international, stand das Jahr 2017 für uns im Zeichen des G20-Gipfels. Der zunehmend anklingende Unterton dieses Events wurde stärker und fand ein breites Echo. Es gab die unterschiedlichsten Einschätzungen und Erwartungen. Viel Arbeit wurde in das gesteckt, was sich später auszahlen sollte. Viele nächtliche Funken, die für uns in einer ganz besonderen Symphonie des Widerstands gipfelten.

 

Es schwang jedoch auch die drohende Räumung der Friedel54 mit. Kaum eine unserer Demos, Flugblätter, Plakate oder Communiqués stellte keinen Bezug dazu her. Auf verschiedensten Ebenen wurde sich Gedanken gemacht, geplant und zusammengefunden. Während die Verhandlungen mit Stadt und Eigentümer ein ums andere Mal scheiterten, gab es auch weniger formelle Treffen, die ihre Energie anders nutzen wollten. Es schien ein halbwegs harmonischer Kanon der Aktionsformen zu werden, bis zu dem Tag, an dem eine kleine Gruppe das Thema zum kippen brachte. Es wurde in einer Pressemitteilung dazu aufgerufen, „im Interesse der Hausgemeinschaft […] während der Verhandlungen von weiteren Aktionen abzusehen.“ [2] Von Einzelnen aus dem Kiezladen wurde diese Distanzierung eine Woche später etwas relativiert[3]. Im 3-Tage-Regen-Text wird diese Distanzierung als „pragmatische Flexibilität in Bezug auf die Militanzfrage“ erklärt. Das danach nicht wieder zu entfachende Engagement für die Friedel54 wird hier zum einen Teil historisch, zum anderen Teil identitär begründet und kritisiert [1].

Dieser Äußerung liegt für uns ein ganz offensichtlicher Unterschied zu Grunde, wie ihr Militanz definiert und vor allem lebt. Wir verstehen uns als Anarchist*innen und wollen dieser Darstellung aus einer militanten Sicht widersprechen.

 

 

 

Wo der Hund begraben liegt - der Militanzbegriff

 

 

 

Wir befürworten sicherlich so manche nächtliche Aktion. Sei es das ein oder andere Schaufenster, welches zu Bruch geht oder der Wagen einer berühmt-berüchtigten Sicherheitsfirma, der in Flammen steht. Dies ist aber schlicht nur ein Mittel einer militanten Auseinandersetzung. Eine Aktionsform neben vielen anderen. Der nicht zu vereinnahmende Ausdruck, welcher zugegebenermaßen in der Presse für mehr Aufsehen sorgt. Jedoch lässt sich die Wertigkeit der Handlung nicht an der Höhe des resultierenden Sachschadens bemessen. Viel mehr sind wir bemüht, die Propaganda jeder Tat in unsere Haltung gegenüber dem herrschenden System einzubetten. Wie sehr finden wir uns selbst darin wieder? Wird die Linie der Ablehnung nach außen deutlich?

Im Vordergrund steht für uns nicht die Suche eines Ersatzobjektes im Falle einer Räumung. Auch dass die für euch militante Begleitmusik zur rechten Zeit in Verhandlungen einen höheren Druck ausübt ist praktisch, aber nicht unser Ziel.

 

Die Aktion sollte ein Ausdruck des militanten Widerstands sein, unserer Organisierung und Praxis. Wir sagen bewusst nicht Politik. Denn Politik ist genau das, was wir versuchen zu bekämpfen. Leider hört der Machtkampf nicht bei Politiker*innen auf, welchen sie in ihren Arenen der Parlamente gegeneinander ausfechten. Wir lehnen es ab, die Massen regieren oder leiten zu wollen, an Verhandlungstischen zu sitzen, Druckmittel einzusetzen, zu taktieren, zu fordern und zu hoffen. Auch die Hoffnung deligiert die Handlungsmöglichkeiten an andere weiter und lässt einen selbst in passiver Ohnmacht zurück.

 

Wir sehen einen Unterschied zwischen der politischen Handlung und dem Begriff der Politik. Ersteres beschreibt unmittelbar das Verhältnis zwischen Allem und Jedem. Es ist ein klares Bild, welches unser Miteinander definiert und in einen größeren Kontext setzt. Die winzigsten Details unseres Lebens sind politisch durchdrungen und eingeschlossen.

 

Die Politik hingegen ist abstrakter und will etwas übergeordnet regeln, eine Struktur schaffen, etwas planen. Diese formelle Organisation bildet das Einfallstor für die Hierarchie. Es wird kontrolliert, manövriert und sich gegenseitig manipuliert.

 

Wir wollen auch nicht nur„linksradikal“ sein. Links, gegenüber vom rechten Rand, dazwischen die gemäßigte demokratische Mitte. Wir lehnen ihr System, ihre Kategorien insgesamt ab.

 

 

 

So häufig reproduzieren wir eben diesen Machtkampf, wenn auch weniger professionell und mit ach so hohen moralischen Zielen. Diese erdrücken unter der Last der geschlossenen Kompromisse. Der militante Ausdruck ist für uns der radikale Bruch mit dem Bestehenden. Dieser ist nicht verhandelbar und orientiert sich nicht an dem von außen gesetzten juristischen Rahmen, sondern an den eigenen Utopien. Es wäre ein großes Missverständnis, wenn unsere Militanz als letzter hilfloser Akt verstanden werden würde. Ein abschließender Versuch, noch alles auf die letzten Meter in Schutt und Asche zu legen. Ganz im Gegenteil. Wir wollen nicht nur reagieren auf die Einschläge um uns herum. Unsere radikale Haltung soll nicht ihre Grenzen in der Verteidigung finden. Es braucht so viel Zeit, um unsere Freiräume in dem Bullenapparat nur zu erhalten. Und noch mehr Energie und Kreativität, den Kopf davon zu lösen und dem Leben eine eigene Form zu geben.Wir wollen uns lossagen von ihren gesellschaftlichen Werten und Normen. Eine Identität, die sich nicht misst an unserer geleisteten Arbeit und dem sozialen Status. Unsere Beziehungen zueinander wollen wir versuchen freizumachen von der anerzogenen Konkurrenz. Sicher, auch wenn es hundert mal unser Ziel ist, wir scheitern immer wieder daran. Zwei Schritte vor und einen zurück. Jedoch nichts liegt uns ferner nach außen hin die Kompromissbereitschaft zu propagandieren und mit dem Feind zu kollaborieren. Es gibt nichts zu besprechen. Wir stellen keine Forderungen. Wir erwarten nichts. Jeder Stimmzettel oder Eingeständnis an runden Tischen legitimiert im Weiteren die ungerechten Verhältnisse. Wir wollen lernen, die eigenen Strukturen für unseren Alltag zu schaffen und leben, nicht das Bestehende zu verbessern oder daraus etwas anderes abzuleiten.

 

Soweit die Theorie. Auch in eurem Text wird die Frage aufgeworfen, wie weit die Widerständigkeit in Richtung Kompromiss strapaziert werden kann, ohne sich selbst zu verraten. Es wäre von uns reichlich vermessen zu glauben, dass wir frei von Widersprüchen wären. Auch unsere Genoss*innen werden von Anwält*innen vor Gericht verteidigt. Auch die Kadterschmiede der R94 ist juristisch gegen die Räumung vorgegangen. Genau genommen legitimieren wir auch hier den Staat. Die hochgeschätzte Arbeit unserer Genoss*innen und Anwält*innen, die durch ihr Tun vor Gericht das jeweilige Leid der Repression schmälern, ist kaum wegzudenken. Und sei es auch einfach nur auf juristischer Ebene dieses Schweinesystem auf Trap zu halten oder kaum Vermeidbares hinauszuzögern. Nach unserem Verständnis müssen jedes Mal aufs Neue alle Facetten und Bedingungen in die Waagschale geworfen werden, um zu entscheiden, ob so ein Weg vertretbar ist. Dafür gibt es für uns zwei wesentliche Grundbedingungen. Zum einen muss so eine Entscheidung absolut transparent sowie nachvollziehbar sein und zur Diskussion stehen. Zum anderen kann zwar eine Verhandlung geführt werden, die Frage jedoch ist, ob uns diese Entscheidung vom eigentlichen Weg abbringt. Nach innen, nach außen, scheißegal. Der entscheidende Punkt ist letztendlich, ob die höheren Ziele, die eigenen Strategien und Lebensentwürfe sich diesen Verhandlungen unterordnen. Unser Vorwurf an die Friedel54 ist weniger die Verhandlung, wir haben sicherlich andere Einschätzungen über Verlauf und Erfolg davon gehabt. Doch absolut entsolidarisierend war die - zu Beginn sogar heimliche! - Distanzierung von Gewalt am runden Tisch. Die Distanzierung als Verhandlungsmasse nach außen zu akzeptieren, ließ uns mit Staunen zurück. Die wenig später folgende Relativierung dessen ließ wenigstens durchblicken, dass es aus einem Tumult von einem Haufen Scheiße entstanden ist und keine einheitliche Meinung widerspiegelte. Die Distanzierung als solche wurde halbherzig zurückgenommen, wenn auch weiterhin zum Gewaltverzicht aufgerufen. Der letzte Text „3 Tage Regen“ setzt diesem Vertrauensbruch natürlich noch die Krone auf. Hier wird aus der Not eine Tugend gemacht. Und plötzlich war es sogar eine politische Taktiererei, der Eigentümer sollte an der Nase herum geführt werden…

 

Aus uns spricht nicht die abgrundtiefe Arroganz. Wir sind uns bewusst über zumindest einen Teil unserer Unzulänglichkeiten. Auch habt ihr sicherlich recht damit, dass Militanz häufig identitäre und/oder profilneurotischen Züge haben kann. Dies ist unweigerlich eng mit der Gewalt verwoben. Leider mit jeder Form von Gewalt. Doch die Auseinandersetzungen um die Friedel54 als Beispiel dafür heranzuziehen, ist wohl ein denkbar schlechtes Argument.

 

 

 

Bis zu der vermeintlich taktischen Distanzierung gab es eine breite solidarische Basis. Auch viele militante Soli-Aktionen waren dabei und dauerten sogar bis zum Schluss noch an[4].

 

Viele dieser Menschen investieren große Teile ihrer Energie in aufständische Projekte. Riskieren ihre Haut dafür. Ihr glaubt es gibt eine taktische Distanzierung?

 

Die Friedel54 ist ein Projekt, welches uns nicht mehr aus dem Herzen gesprochen hat. Wir bleiben solidarisch, aber natürlich forcieren wir Kämpfe, in denen sich auch nach außen hin unsere Positionen wiederfinden. Einzelnen von den Verfassern der Distanzierung haben wir diesen Fehler verziehen. Unter hohem Druck kann halt Scheiße passieren. Aber dies mit pragmatischer Flexibilität zu begründen, grenzt an Polemik…

 

 

 

Klassisches Ziel einer Aufstandsbekämpfungsstrategie ist die Spaltung des Gegners. Ein wirklich erfolgreicher Tag geht für uns zu Ende, wenn all die unterschiedlichen emanzipativen Strömungen in gegenseitiger Akzeptanz zueinander ein Kampffeld bearbeitet haben: Ihr macht halt, was ihr für richtig haltet, finden wir nicht so wichtig, aber wir legen euch keine Steine in den Weg.

 

Über alle Maßen erfolgreich für die andere Seite war es immer dann, wenn sie es mal wieder geschafft hat, irgendeine*n selbsternannte*n Sprecher*in zur Distanzierung zu nötigen: Dieser Widerstand ist gut, dieser ist schlecht, es gibt nur den einen Weg und damit wollen wir nichts zu tun haben.

 

Spannend werden in der Regel Kämpfe nur, wenn all diese nörgeligen und widerspenstigen Aufrührer*innen aus ihren Löchern kommen und auf unterschiedlichste Art und Weise ein gemeinsames Ziel verfolgen.

 

 

 

Und auch dies hat eine Mobilisierung im Vorfeld in der Hand. Zumindest hat sie starken Einfluss. Ist eine militante Einbettung gewünscht, muss auch auf diese Weise mobilisiert werden. Dies lässt sich leider nicht nur durch ein leicht martialisch anmutendes Logo mit Totenkopf bewerkstelligen. Ganz so identitär sind die Militanten am Ende wohl doch nicht. Es geht ein wenig über ein fetziges T-Shirt-Logo hinaus. In langer Planung zu militantem Widerstand aufrufen wäre eine Möglichkeit. Internationale Bezugnahme auf andere militant geführte Kämpfe eine andere. Vielleicht - Entschuldigung, wir wollen euch 3-Tage-Regen-Crew nicht zu nahe treten - selber militante Aktionen am Tag X organisieren, anstatt sich zu wundern, dass nichts passiert. Stattdessen - zum hundersten mal - eine öffentliche Positionierung raushauen, die genau das Gegenteil vertritt? Was erwartet ihr denn?

 

Und das ist der Punkt, der uns endgültig zweifeln lässt, ob ihr euch allen ernstes mit einer militanten Haltung identifizieren könnt. Glaubt ihr die umkämpften Nächte von Liebig14 und Rigaer94 sind spontane Eruptionen? Oder dass rein zufällig Wochen oder sogar Monate lang Scheiben geklirrt, Autos gebrannt, tonnenweise Plakate geklebt und alle möglichen Veranstaltungen zum Thema „rebellische Kieze“ stattgefunden haben? Dass der G20-Gipfel in Hamburg nur so gescheppert hat, weil das Wetter gut war? Das ist in den allermeisten Fällen lange, lange Planung. Und der kurze Moment der gewaltvollen Entladung ist nur das sichtbare Resultat. Zugegebenermaßen fabulieren wir auch von solchen Bildern in unseren intimsten Träumen. Aufstände, die Massen strömen auf die Straße und fegen das System in einem Zug von der Bühne. Aber die derzeitige Wirklichkeit holt uns allzu schnell zurück. Dass sich so viele Menschen vorher den Mund fusselig geredet haben, Gedanken überwarfen, neue Ideen suchten und letztendlich vielleicht einen kurzen Moment des Aufstands schufen, ist ganz scheinbar nicht eure Praxis.

 

 

 

Ist auch egal, es gibt so viele unterschiedliche Wege. In Ordnung. Aber bitte streicht die Militanten aus eurer Politik-Werkzeugkiste als eine sporadisch einzusetzende Ressource. Diese Menschen sind keine abrufbaren Dienstleister*innen, die Schichten zugeteilt bekommen. Und euer Text macht es immer wieder deutlich: für euch ist die Militanz nur der Esel, den man vor seinen links-politischen Kampagnen-Karren spannt. Druck aufbauen, wenn die „politische Lösung“ nicht funktioniert hat und hoffen, dass die andere Seite einknickt.

 

 

 

Im 3-Tage-Regen-Text wird das Thema immer wieder auf einen Vergleich zwischen zwei Projekten herunter gebrochen. Das schmeckt uns nicht. Vielleicht macht es aber Sinn, den Unterschied zweier Strategien an diesem Beispiel deutlich zu machen. Die Rigaer94 ist nicht der große Abendstern an unserem nächtlichen Revolutionshimmel, dem wir bedingungslos folgen. Nicht alles was in diesem Haus oder Kiez passiert, lassen wir unhinterfragt stehen. Auch verändert sich natürlich die Rigaer94 mit den Bewohner*innen. Klar, es war nicht immer genau dieses Kollektiv. Alles verändert sich.

 

Neben dem offensichtlichen Militanzbezug dieses Hauses sehen wir dort aber auch andere Gründe für die große solidarische Reaktion auf Razzien und andere Repression.

 

Es wird immer wieder betont, dass es nicht um diese paar Mauern als solche geht. Es ist nicht die Bausubstanz, die verteidigt wird, sondern die Ideen, die dahinter stecken. Darüber hinaus werden alle Kämpfe in der Nachbarschaft intensiv miteinbezogen. Luxussanierungen und ein Neubauprojekt der CG-Gruppe sind nur einen Steinwurf vom Haus entfernt.

 

Es wird also klar, den Menschen geht es am Ende nicht um den bedingungslosen Selbsterhalt, sondern um viel mehr. Die gewollte Eskalation nimmt durchaus in Kauf, dass der Spuk in absehbarer Zeit ein Ende hat. Doch bis dahin werden sich immer mehr Menschen finden, die sich auch in den nächsten Kämpfen wieder zusammentun werden.

 

Der Vergleich ist im Grunde abstrus. Zwei Projekte mit sehr unterschiedlichen Ideen. Im Falle der Friedel54 handelte es sich vorrangig um eine Hausgemeinschaft, die ihr persöhnliches Recht auf Wohnen verteidigt hat. Recht und billig. Auch war der Kiezladen unten im Haus ein Teil der Auseinandersetzung. Dies war ein wichtiger sozialer und politischer Raum in der Nachbarschaft, jedoch alles in allem mit überwiegendem Selbstbezug. Es ist sicherlich ein streitbarer, qualitativer Vergleich. Uns klingen jetzt schon die protestierenden Stimmen in den Ohren, die all die unterschiedlichen Gruppen aufzählen, welche in der Friedel54 aktiv waren. Wie gesagt, wir schätzen die dort stattgefundene Arbeit. Von der Vokü bis zu irgendeinem anarchistischen Stammtisch und bei so mancher Veranstaltung saßen wir genauso unter den Besucher*innen. Das ganze Haus hielten wir für verteidigungswert, jeden Teil aus den unterschiedlichsten Gründen. Nur wenn wir uns schon auf einen Vergleich zwischen zwei Projekten und dem aufkommenden Widerstand einlassen wollen, dann müssen wir auch die vielfältigen Gründe und Entwicklungen miteinbeziehen. Und diese sind an einigen Punkten grundverschieden.

 

 

 

Am Ende geht es uns nicht um eine Abrechnung mit der Friedel54. Der 3-Tage-Regen-Text verzerrt unserer Ansicht nach die Geschehnisse. Beim wiederholten lesen sträubten sich uns zunehmend die Haare. Wer in welchem Schreiben nun gerade als Kollektiv, Nutzer*in oder allgemeines Umfeld spricht, ist egal. Das ist undurchsichtig und auch gut so. Es gab anfänglich eine Pressemitteilung, die sich distanziert hat von einzelnen Widerstands- und Aktionsformen. Kurz darauf wurde in einer Stellungnahme des Kiezladens inhaltlich diese Aufforderung relativiert, jedoch praktisch so stehen gelassen. Letzten Dezember hat der 3-Tage-Regen-Text sich an einer Aufarbeitung des Sommers und der Räumung versucht.

 

Wir versuchen hier die Gelegenheit zu nutzen, ein alt bekanntes Dilemma anzusprechen. Militanz ist nicht nur ein schwarzer Mob, der einen Bullenwagen angeht. Vielmehr sehen wir dahinter die Haltung, sich klar abgrenzen zu wollen und unversöhnlich zu kämpfen in jedem Bereich unseres Lebens. Militante Aktionsformen brauchen in aller Regel viel Zeit und Energie. Es ist wichtig diese inhaltlich breit einzubetten, um eine Vermittelbarkeit zu erreichen. Naturgemäß ist allein der zeitintensive Sicherheitsaspekt gegenüber dem Staat und seinen Bütteln. Nennen wir uns auch liebevoll und anerkennend „Chaotinnen“, entspricht das ganz sicher nicht der angestrebten Qualität unserer Praxis. Der Freitagabend in Hamburg zu Zeiten des G20-Gipfels ist zwar ein seltenes Beispiel, leider aber noch nicht die alltägliche Realität. Der Aufstand lässt sich nicht von einigen Wenigen planen und vom Zaun brechen. Sehr wohl brauchen wir aber eine fundierte Organisierung.

 

Am Ende ist es uns besonders wichtig uns unsere Ideale immer wieder vor Augen zu führen ohne aber in Dogmatismus zu verfallen, um dann in Diskussionen aufs Neue auszuhandeln wo wir stehen und wie wir kämpfen wollen.

 

Unser Beitrag zu der Diskussion hat selbstverständlich nicht den Anspruch für alle Militanten zu sprechen. Weder hegen wir die Definitionshoheit des Militanzbegriffs, noch können wir unsere Vergangenheit als allgemein gültig erklären. Es ist lediglich ein Versuch ein etwas facettenreicheres Bild zu schaffen.

 

 

 

Gruppe Heiter bis Wolkig Südost

 

 

 

Quellen

 

[1] 3-Tage-Regen-Text:

 

https://de.indymedia.org/node/16014

 

[2] Distanzierung:

 

Das Orignal der Pressemitteilung ist bezeichnenderweise nirgends mehr zu finden. Weder auf Facebook noch auf anderen Seiten wird zu diesem Mist gestanden.

 

[3] Stellungnahme Kiezladen zur Distanzierung:

 

 

 

https://friedel54.noblogs.org/post/2016/05/13/stellungnahme-des-kiezladens-zur pressemitteilung-vom-29-04/

 

 

 

[4] Einige beispielhafte militante Soli-Aktionen von jemanden auf de.Indymedia.org zusammen getragen:

 

 

 

Berlin, 29. Juni 2017 - Scheiben bei 7 Autos beschädigt - "haben wir in Solidaritaet mit der Friedel54 ein Luxusghetto aufgesucht und 7 Autos der Anwohner/innen beschädigt"

 

 

 

Berlin, 20. Juni 2017 - Glasbruch bei Immobilienunternehmen "Berlin Maegleren" - "Eine Million Sachschaden ist lange nicht genug um alle Rechnungen zu begleichen! Wir haben dazu den Schritt in ihr wohl behütetes Wohnzimmer gewagt und in der Nacht vom 19. auf den 20. mit Hämmern die Scheiben des Immobilienbüros ¨Berlin Maegleren¨ eingekloppt"

 

Berlin, 12. Juni 2017 - Steine gegen Polizeistreife - "getrieben vom Hass auf diesen Staat und voller Verachtung gegen die Bullen die ihn schützen, streifen wir durch die Nacht, umsichtig und in aller Ruhe beziehen wir Stellung in unserem vorbereiteten Hinterhalt und… da kommt es auch schon…" ... "Friedel 54 Bleibt! Für die Anarchie!"

 

Berlin, 28. Mai 2017 - Zwei Transporter der Richter Media Group abgefackelt - "Als Zeichen, dass sich in dieser Stadt noch Leben befindet, haben wir zwei ihrer Transporter abgefackelt." "Friedel und Rigaer verteidigen, mit allen Mitteln, auf allen Ebenen!"

 

Berlin, 24. Mai 2017 - Sachschaden bei STRABAG-Baustellen - "Bereitet euere nächtlichen einsätze vor, um auch für die friedel54 am tagx zu kämpfen. Nutzt das ganze stadtgebiet, um das trauma der bullen in sachen häuserräumung aufzufrischen." 

 

Dresden, 30. April 2017 - Maserati abgefackelt - "Für eine revolutionäre Gesellschaft, auch über den ersten Mai hinaus.
Solidarität mit der Friedel 54 und allen Menschen welche von Gentrifizierung betroffen sind!"

 

Berlin, 28. April 2017 - Farbe gegen Fantastic Foxhole Hostel - "haben wir – Freund*Innen des räumungsbedrohten Kiezladens Friedel54 – als kleinen Beitrag zu den „Friedel-Action Days“ das Fantastic Foxhole Hostel in der Weserstraße 207 mit friedel-grünen Farbbeuteln angegriffen."

 

Berlin, 26. April 2017 - Feuer an Denn`s-Supermarkt gelegt - "Auf rebellische nachbarschaften und den kampf gegen diese zustände. Solidarische grüße an die bedrohten projekte friedel 54 und rigaer 94."

 

Dresden, 24. April 2017 - Farbe gegen Luxusbauten - "In Solidarität mit dem Kampf der Friedel 54 in Berlin-Neukölln haben wir mehrere Luxus-Immobilien mit Farbe angegriffen."

 

Berlin, 4. April 2017 - Farbe für Ferienwohnungsbesitzerin - "So ist z.B. seit dem 01.04.2017 die Friedel 54 erneut akut räumungsbedroht. Bereitet euch auf eine anstehende Räumung vor! Friedel bleibt!"

 

Berlin, 28. März 2017 - Bitumen und Buttersäure für Hausverwaltung Secura - "Friedel bleibt, ebenso die Kadterschmiede und alle anderen Projekte und Individuen, die von Zwangsräumung oder anderen Existenzbedrohungen betroffen sind!!"

 

Berlin, 14. Juli 2016 - Farbe gegen Ferienwohnungsvermieterin - "Bullenschweine raus aus der rigaer haende weg vom m99 kanal und friedel bleiben henkel muss weg"

 

Berlin, 28. Juni 2016 - Attacken gegen Jobcenter und Immobüro - "finger weg von der rigaer94! m99 und friedel54 verteidigen!"

 

Hamburg, 23. Juni 2016 - Porsche abgefackelt - "Ob Luftschlossfabrik, koZe, Friedel 54 oder der Angriff auf die Rigaer 94 am 22.06.16 – ueberall wird uns von denen, die glauben ueber uns zu herrschen, der Krieg erklaert."

 

Berlin, 26. Februar 2016 - Mollis und Farbe gegen Bundeskriminalamt - "Solidarität mit der Friedel54, Rigaer94, M99 und allen bedrohten Projekten! Die ganze Welt hasst die Polizei!"

 

Berlin, 23. Februar 2016 - Scheiben von Loft eingeworfen - "Wir zogen loß um unsere Liebe mit der Rigaer94 und allen anderen bedrohten Projekten – Friedel54, M99, Köpi Wagenplatz, Schwarzer Kanal – kundzutun."

 

Berlin, 6. Februar 2016 - Sachbeschädigungen in Neubaugebiet - "Bezug nehmen wir mit dem Verbrennen überflüssiger Luxusautos, der Zerstörung einer Überwachungskamera und dem Einwerfen der Schaufenster auf den Aufruf Autonomer Gruppen vom 21. Januar, einen Sachschaden von 1 Millionen Euro für jeden Angriff auf Projekte in Berlin zu stiften." "Wer an der Repressionsschraube dreht, bohrt sie sich nur selbst ins eigene Fleisch, daran sollten diejenigen denken, die an einer Räumung der Friedel 54 und des M99 arbeiten."

 

Berlin, 26. Januar 2016 - Transporter von Immobilienfirma angezündet - "Für eins, zwei, drei – viele ZAD-Dorfplätze in Berlin!
Friedel 54 & M99 bleiben!"

 

Berlin, 21. Januar 2016 - Zwei Prsche abgefackelt - "Die Friedel 54 ist von Räumung bedroht, genauso der M99 und der Köpi Wagenplatz. In den vergangenen Tagen wurden Häuser in der Rigaer und Liebigstraße von den Bullen angegriffen."

 

 

 

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