Aufarbeitungsbericht eines erfolgreichen Täterprozesses

In den patriarchal-gewaltvollen Zuständen unserer Gesellschaft war die radikale Linke leider noch nie frei von sexueller Gewalt oder der Reproduktion von Männlichkeit und sexistischen Verhaltensmustern. Die männerdominierte Szene produziert seit jeher Leid für ihre Mitglieder, aber es regt sich auch Widerstand gegen diese Umstände innerhalb der Szene. Seit vielen Jahren werden Versuche gestartet sexuelle/sexistische Übergriffe ohne Strafe, Polizei und dafür mit langfristiger Verantwortungsübernahme zu bearbeiten. Die aus BIPoC-Communities stammenden Konzepte der Transformative Justice und Community Accountability werden dabei häufig als Orientierung genutzt. Seit geraumer Zeit herrscht hier aber ein großer Frust, da fast alle dieser Prozesse nicht Funktionen oder die Situation für die Betroffene und ihr Umfeld noch schlimmer machen. Viele Umfelder von Betroffenen und Betroffene selbst haben ein Bedürfnis nach Aufarbeitung und einer Verantwortungsübernahme des Täters. Oft weigern sich Täter jedoch, sich mit ihren Handlungen und Verhaltensweisen und dem Schaden, den sie dadurch angerichtet haben/anrichten, auseinander zu setzen. Es ist teils schwer, genau zu beurteilen, ob es die Konzepte sind, die scheitern, oder die Täter, die durch Verweigerung das Misslingen verursachen. 

 

 

 

Es gibt viele öffentlich gemachte Beispiele für gescheiterte Täter-/transformative Prozesse. Das liegt auch daran, dass gescheiterte Prozesse oft Betroffenen für die Wiederherstellung ihrer Handlungsmacht wenig andere Optionen lassen, als dass eine Art öffentliches Outing folgen (muss). Auf der anderen Seite gibt es dafür wenige öffentliche Berichte über erfolgreich gelaufene Prozesse. Vielleicht, weil es insgesamt weniger davon gibt oder weil Menschen dann einfach mit ihrem Leben weiter machen und die Öffentlichkeit nicht davon unterrichten wollen/müssen. So oder so haben wir in der Begleitung unseres Genossen, Freundes und auch Täters häufig vergeblich nach Positivbeispielen oder konkreten Hilfen und Tipps zum Ändern der destruktiven männlichen Dominanz gesucht. 

 

Darüber sollte es mehr Wissen und Austausch geben, damit wir alle voneinander lernen und hoffentlich gemeinsam für eine befreite Welt streiten können. Denn die Auseinandersetzung mit patriarchaler Gewalt in und außerhalb von uns lohnt sich immer!

 

 

 

Im Folgenden wollen wir über einen Prozess sprechen, der nicht gescheitert ist, und von Umfeld und in diesem Fall Betroffene Person als erfolgreich bzw. zufriedenstellend bewertet wird. 

 

Wir wollen mit einer allgemeinen Einordnung beginnen und erklären, warum wir diesen Text veröffentlichen. 

 

Dann folgt eine Draufsicht auf den Prozess aus der Perspektive des Umfelds des Täters.

 

Der Hauptteil ist dann ein Zwischenstandsbericht, der nach ca. 1 Jahr Beschäftigung vom Täter geschrieben wurde. Darin findet sich eine Beschreibung des Aufbaus und der Arbeitsweise der Täterarbeitsgruppe(n), der genutzten Methoden und von zentralen Erkenntnissen des Täters. Zum Schluss wird er nochmal auf seine aktuelle Beschäftigung einige Jahre später eingehen.

 

Wir hoffen, dass diese sehr persönlichen, aber auch detaillierten Infos dabei helfen, sich für eigene Prozesse etwas mitzunehmen.

 

 

Einordnung durch das Umfeld

 

 

 

Wir haben uns oft gefragt, warum ausgerechnet dieser eine Prozess geklappt hat, wenn doch mehrere andere in unserem Umfeld vorher auf voller Linie gescheitert sind.

 

Generell lassen sich einige Faktoren ermitteln, die aus unserer Sicht zum Erfolg beigetragen haben und einige Verhaltensweisen, an denen es fast gescheitert wäre. 

 

 

 

Günstige Vorbedingungen 

 

 

 

Am wichtigsten war unserer Einschätzung nach dem kritischen und trotzdem verantwortungsbewussten Umfeld und die Bereitschaft von Umfeld zur Arbeit mit dem Täter. Es war zentral, dass die Beteiligten sich klar solidarisch/parteiisch mit der Betroffenen positionieren. Hilfreich war sicherlich, dass das Umfeld bereits mehrere Jahre Erfahrung mit mal mehr, oft weniger erfolgreichen Versuchen von "kritischen Männergruppen" hatte, sich regelmäßig schon vorher in organisierten Austauschrunden für antipatriarchale Kritik traf und es bereits einige Täterprozesse gab, an denen Einzelpersonen aus dem Umfeld beteiligt waren. Dadurch gab es schon ein Wissen über manche Fallstricke, ein Ansatzpunkt in der Beschäftigung mit der eigenen Männlichkeit und ein wenig naives Umfeld. Diese Grundbedingungen haben zwar geholfen die ernsthafte Auseinandersetzung durchzusetzen, aber leider nicht verhindert, dass unser Freund sexuelle Gewalt ausübte. Die Beschäftigung hätte schon früher und bei den ersten kleinen Anzeichen, die es immer gibt und hier konkret gab, tiefer gehend sein müssen. Sowohl bei unserem Freund als auch bei uns allen anderen. Vielleicht hätte sich der Übergriff dann verhindern lassen können oder selbst wenn nicht, wäre der Mensch in der Lage gewesen, angemessener und der Betroffenen gegenüber besser reagieren zu können.

 

 

 

Ein weiterer aus unserer Sicht für den gelungenen Prozess sehr hilfreicher Faktor, der erwähnt werden sollte, grade weil dies verständlicherweise oft nicht der Fall ist, ist die weiterhin bestehende emotionale/romantische Bindung der Betroffenen zum Täter. Das hat sicherlich einen vergebenderen Prozess ermöglicht, in dem nicht noch Trennungsschmerz verhandelt werden muss. Dies ist aber nie erwartbar und darf kein entscheidender Faktor sein.

 

 

 

Fallstricke

 

 

 

Es gab mehrere Momente im Laufe der Aufarbeitung unseres Freundes, in denen es zu klassischen Vermeidungsstrategien kam, um einer Auseinandersetzung mit sich selbst zu entfliehen. Anfänglich hatte er Schwierigkeiten, die nötigen Konsequenzen zu akzeptieren und nicht defensiv auf Kritik des Umfeldes zu reagieren, da auch die eigene Gewalt noch nicht ausreichend verstanden worden war und Angst vor der Reaktion darauf bestand. Die Prioritäten wurden durch ihn nicht selten woanders gesetzt, Beschäftigung verdrängt und phasenweise ist er zu feige gewesen, um Transparenz in seinem Umfeld zu schaffen.

 

 

 

In anderen Momenten wurde klassisch die eigene Verantwortung und der Vertrauensvorschuss des Umfelds und vor allem der Betroffenen nicht verstanden und wertgeschätzt.

 

Er fokussierte sich gerade zu Beginn fast schon wehleidig auf sich selbst, klagte, wie schlimm alles ist, dass er ja genug machen würde und nicht schuld am Patriarchat sei. 

 

 

 

Er hat ständig betont, wie verunsichert er sei, sich dadurch noch mehr in scheinbar handlungsunfähiges Selbstmitleid reingesteigert und es zum Problem der Betroffenen gemacht.

 

 

 

Er hat in Teilen Schwierigkeiten gehabt mit der realistischen Darstellung der Inhalte. Der Reiz, Sachen zu beschönigen und wegzulassen ist groß und muss immer wieder aufs Neue bekämpft werden. Hier hilft es, als Umfeld genau nachzufragen, was passiert ist, was für Gefühle und Motivation eine Rolle spielen und worum es denn eigentlich geht.

 

 

 

Lösungsansätze

 

 

 

Wenn Menschen sich und ihre Ängste nackt machen, ist das eine sehr verletzliche Position. Hier mussten wir als Umfeld häufig einen schmalen Grat aus emotional-freund*innenschaftlichem Support und klaren Ansagen bis Härte finden. Ist man zu nachsichtig, kann beim Täter das Gefühl entstehen, er habe ja gar nichts falsch gemacht oder man wäre auf seiner Seite in einem “Konflikt”.

 

 

 

Droht man nur mit Strafe, Bewertung und Ausschluss, wird keine Lernumgebung entstehen und die Gefahr, dass nur sozial Erwünschtes gesagt wird, ist groß. Das lässt sich am Anfang auch gar nicht komplett verhindern und stellt ja auch einen Teil unser feministischen Gegenmacht dar. Die Aufgabe ist es, durch Begleitung ohne Parteinahme und einer konsequent kritischen Haltung für echte Beschäftigung und Empathie mit der Betroffenen zu sorgen, die Angst vor feministischen Konsequenzen als Motivation ablöst.

 

 

 

So haben wir bei unserem Freund und Täter beobachtet, dass er manchmal sicherlich nicht ganz ehrlich gewesen ist, aber in vielen Momenten so ehrlich wie noch nie im Leben. Mittlerweile hat er ein solides produktiv-schamerfülltes Verhältnis zu den eigenen Taten entwickelt, wo diese auch benannt und für sie Verantwortung übernehmen werden kann. Es ist gelungen, Freund*innenschaften weitestgehend zu erhalten und gleichzeitig eine Offenheit für neue Kritik zu fördern.

 

 

 

Man sollte auch keine Angst haben, einfach mal irgendwo anzufangen und konkret zu arbeiten. Zu schnell kann es in linken Kreisen passieren, sich in die Erstellung von Methoden und Planungen zu verlieren oder das Gefühl zu bekommen, erstmal Theorie lesen zu müssen, bevor es losgehen kann. Wir haben auch schon erlebt, dass sich so aus der Verantwortung gestohlen wird mit der echten Arbeit anzufangen und dann ist es auch schon wieder vorbei nach dem ein Konzept steht. 

 

 

 

Trotzdem sollten die eigenen Fähigkeiten nicht überschätzt werden und frühzeitig andere Gruppen nach Erfahrungen und Tipps gefragt werden.

 

 

 

Dass Vermeidungsstrategien wie Selbstmitleid, Schuldabwehr, Verantwortungsabgabe im Gegensatz zu den Täterprozessen in unserem erweiterten Umfeld nicht zum Scheitern des Prozesses geführt haben, lag wahrscheinlich daran, dass sie schnell genug abgebaut werden konnten. Entweder durch eigene Erkenntnisse (und profeministische Vorbildung) des Täters, konsequente Kritik, fordernden sozialen Druck oder auch Verständnis, ohne dabei solidarisch mit dem Täter zu werden, konnten vieles rechtzeitig überwunden werden. Wenn Umfelder nicht aktiv werden, enden diese Prozesse fast immer in gegenseitigen Vorwürfen, Manipulationsversuchen und gespielter Hilflosigkeit des Täters und am Ende Frust und soziale Konflikte für die Betroffene und das Umfeld.

 

 

 

Ein weiterer Faktor, der viel wert war, auf den aber auch nicht alle zurückgreifen können, war, dass es gerade zu Beginn der Auseinandersetzung eine Person gab, die selbst schon einmal patriarchal-übergriffiges Verhalten aufarbeiten musste und den antipatriarchalen Kampf seitdem sehr ernst nimmt. Damit hatte der Täter eine Ansprechperson, die sich in einer ähnlichen Situation befunden hatte, und schon wusste, dass die von außen geforderter Auseinandersetzung sinnvoll und notwendig und für einen selbst auch lohnend sein würde, egal wie angeblich "hart" und "unfair" es auf den ersten Blick schien. Das kann gerade für den ersten Moment eine wichtige Ressource sein, bei dem auch problematische Gedanken erstmal ausgesprochen werden können, um sie dann Stück für Stück abzubauen. Das Patriarchat und andere Unterdrückungsformen sind schließlich ohnehin schon in uns allen, also besser, es herauszuziehen und in voller Hässlichkeit anzugucken, um dagegen aktiv zu werden.

 

 

 

Die Gefahr dabei ist ähnlich wie in "kritischen Männlichkeitsrunden", das sich cis hetero Männer (oder Täter*innen allgemein) gegenseitig nur die Schultern klopfen, abkumpeln und gemeinsam rumopfern. Das führt zu Männerbünden, Kritikabwehr und im Ernstfall zu Austausch wie schlimm doch die Feminist*innen seien. Auch hier sollte also von vornherein das Umfeld dabei sein und im Austausch mit den Beteiligten bleiben, um sicher zu stellen, dass gute Arbeit gemacht wird. 

 

 

 

 

 

Zwischenstandsbericht

 

 

 

Nach einem Jahr regelmäßiger und intensiver Beschäftigung mit der konkreten übergriffigen Situation und den frauenfeindlichen männlichen Gedankenmustern, die dazu geführt haben, entstand ein Zwischenstandsbericht, den der Täter schrieb. Diesen wollen wir in etwas gekürzter Fassung hier transparent machen. Dabei haben wir ihn aber mit Absicht nicht verändert oder aktualisiert, um auch ambivalente Gedanken des Täters darzustellen.

 

 

 

Seitdem ist weitere Reflektion passiert. Wir wollen die damaligen Beschreibungen aber nicht beschönigen, sondern möglichst authentisch etwas mehr Einblick geben in einen der wenigen uns bekannten zufriedenstellenden Prozess (zumindest bisher und für uns).

 

 

 

Wichtig bleibt zu sagen, dass die Auseinandersetzung mit gewaltvollem Verhalten und Patriarchat in uns allen (!) nie vorüber ist und weiter gehen muss. Es ist eine schwierige Frage, wann ein Prozess als "abgeschlossen" gilt. Klar ist, dass irgendwann die Kapazitäten enden, sich mit einer Person mehrfach im Monat zu treffen, um nur über sie zu sprechen. Irgendwann müssen Täter selbstständig werden und ihr Gelerntes umsetzen. Es ist mehr als wahrscheinlich, dass langfristige Veränderung Jahre dauert und auf dem Weg immer wieder Fehler passieren werden. Auch diese müssen sich dann in vollem Ernst und Veränderungswillen angesehen werden.

 

 

 

Für Betroffene beginnt der langwierige Prozess des Abschließen meistens erst mit dem "Ende" des Täterprozesses – ob es aber jemals ein richtiges "Abschließen" geben kann, wagen wir nicht zu beurteilen. Klar ist auch, dass sich manche Verletzungen nicht rückgängig machen lassen oder nicht vergeben werden können oder sollten. Das Ziel von Täterprozessen sollte also nicht sein, die soziale Stellung des Täters wiederherzustellen oder Beziehungen, die zerbrochen sind, wieder zu kitten. Es muss im Vordergrund stehen, dass sich Verhalten nicht wiederholt, aufgearbeitet und gelernt wird und sichergestellt wird, dass die Forderungen, Schutz und Bedürfnisse der betroffenen Person unterstützt, umgesetzt und priorisiert werden. Im besten Fall lernen Täter und Umfeld daraus und es wird zukünftiges Verhalten verhindert.

 

 

 

Wir wollen alle eine bessere Gesellschaft und Gemeinschaft und Veränderung beginnt für uns im Kleinen, von dem aus wir Großes bauen können. Übergriffe sind schließlich nur einzelne Auswüchse in einem großen, gewaltvollen patriarchalen System, das wir stürzen wollen!

 

 

 

 

 

Chronologie der Ereignisse

 

 

 

Disclaimer: Im Folgenden kommen sowohl Beschreibungen der grenzverletzenden Situation sowie problematische Gedanken des Täters vor. Der Rest des Textes ist vom Täter selbst geschrieben und von uns kontrolliert worden. (In kursiv)

 

 

 

 

 

 

 

Auf einer Auslandsreise mit Freund*innen habe ich die Grenzen meiner damaligen Beziehungsperson verletzt, indem ich erst durch ein zweites sehr energisches Nein mit sexuellen Handlungen aufgehört habe, nachdem das erste Nein von mir im nüchternen Zustand auch klar verstanden wurde. Für sie hat sich in der Situation offenbart, dass ich ihre Grenzen scheinbar nur so lange beachte, wie es mir passt, was zu einem enormen Sicherheits- und Vertrauensverlust geführt hat. Das Ignorieren des ersten Neins hat sich für sie angefühlt, als ob ich gleich übergriffig werden würde. Die Gefühle, die ich in ihr ausgelöst habe, waren, dass die eigenen Grenzen nicht zählen sowie die Angst gleich vergewaltigt zu werden. Das sind die gewaltvollsten Gefühle, die ich je bei einem mir lieben Menschen ausgelöst habe, was mir im Laufe der Beschäftigung erst vollends bewusst geworden ist.

 

Als ich das zweite Nein dann beachtet hatte, bin ich aufgestanden, aus dem Raum gegangen und sie hat die Wohnung verlassen. Danach war mir schnell bewusst, dass ich ihre Grenzen verletzt habe und dass ich es irgendwie wieder gut machen oder zumindest aufarbeiten muss, wenn ich sie nicht weiter verletzen möchte und das Vertrauen von ihr und meinen Freund*innen nicht verlieren will. Ich habe in den folgenden Tagen versucht klarzumachen, dass ich weiß, dass ich einen Fehler gemacht habe und verantwortlich bin für das, was ich getan habe. Dabei haben mir Gespräche mit einem Freund geholfen. Dabei war die Motivation für meine schnelle Einsicht, auch wenn ich wusste, dass ich Scheiße gebaut hatte, vor allem die Angst vor Ausschluss aus meinem Profeministischen Umfeld. Es tat mir ehrlich leid, dass ich die Betroffene verletzt hatte, aber wie hart die Effekte für sie waren, wurde mir erst später bewusst. 

 

Nach einem Gespräch mit der Betroffenen hat sie entschieden mir eine Chance zu geben, an mir zu arbeiten und in einer romantischen Beziehung zu bleiben. Die konkreten Bedingungen/Forderungen waren erstens: dass solch eine Grenzverletzung nie wieder passieren darf und ich sicherstellen muss, dass es nie wieder passiert. 

 

Zweitens: Dass ich bei unseren und meinen Freund*innen Transparenz schaffe, ohne ein zu großes Ding draus zu machen. Also alle sollen eine Chance haben davon zu erfahren, aber keine Community-Treffen oder ähnliches. 

 

Drittens: dass ich mich damit auseinandersetze, wie es zu dieser Grenzverletzung kam und wie meine verinnerlichten patriarchalen Gedankenmuster damit reinspielen. 

 

Als wir wieder zuhause waren, habe ich meinen engen Freund*innen von der Situation erzählt und mit ihnen meine Motivationen, Gedanken und einen möglichen Umgang besprochen. Wir haben mit 5 Freund*innen ein Format, in dem wir uns alle 2 Wochen treffen, um über die letzten Wochen zu sprechen und uns mit emotionalen Themen in unserem Leben oder dem unserer Freund*innen zu helfen und wenn nötig für problematisches Verhalten zu kritisieren. In diesem Rahmen habe ich das Thema auch angesprochen. Ich war davor sehr angespannt und war obwohl erwartbar/verständlich etwas überrascht von deren wütender Reaktion. Dabei bin ich etwas defensiv geworden und Aussagen wie "sowas ähnliches hat die Betroffene auch schon gemacht" oder "warum braucht es jetzt da auch noch Transparenz" sind gefallen. Nach etwas Diskussion habe ich dann auch (mit paar tagen Überlegungszeit) verstanden und eingesehen, dass es keine Ausrede gibt und ich mich halt jetzt darum kümmern muss. 

 

Ein klassischer Täterprozess sollte es nicht werden, da einerseits nicht gefordert, nicht genug Kapazitäten im Umfeld und wir hatten schon vergangene transformative Prozesse, die nicht funktioniert hatten. Da ich und meine Freund*innen mich kennen, war mir klar, dass ich einen organisierten Rahmen brauche, um auch wirklich Verantwortung übernehmen zu können und konstant an mir zu arbeiten Sowas fällt bei mir oft runter, aufgrund von ADHS, aber vor allem wegen einer bequemen und unreflektierten Prioritätensetzung auf andere "erfüllendere" politische Arbeit. Dafür habe ich ein paar Freunde gefragt und einer hat sich zum Glück bereit erklärt mit mir alle 2 Wochen über mich, die Situation und meine Sozialisation zu reden. Dabei hat er auch einen guten Draht zu der Betroffenen.

 

Die ersten 3 Treffen im September und Oktober hatten hauptsächlich die Situation im Fokus. Dabei ging es um meine Einschätzung über den Effekt, den es auf die BP hatte, die Grenzverletzung an sich und vor allem was ich davor, danach und währenddessen gefühlt und gedacht habe. Dabei habe ich mir zu Hause mehrere Abende Zeit genommen, wo ich über genau das nachdenken sollte und das auch ungeschönt aufschreiben musste. Bei den Treffen haben wir dann über mein aufgeschriebenes geredet und weitere Erkenntnisse aufgeschrieben. Dabei haben wir über die Wochen bis Ende Oktober auch die Veränderung in meinem Verständnis der Situation aufgezeigt. Zu der Zeit bin ich auch zu der Psychosozialen Beratung der Uni Leipzig gegangen. Das sind unregelmäßig ungefähr in monatlichem Rhythmus stattfindende Beratungsstunden mit einer ausgebildeten Therapeutin der Uni. Das habe ich seitdem als kürzeren, rudimentären Therapieersatz genutzt. Außerdem habe ich an einem von Freunden organisiertem Workshop-Wochenende teilgenommen zu Perspektiven von Betroffenen von sexueller Gewalt, auch wenn explizit daraus für mich keine neuen Erkenntnisse gewinnen konnte. 

 

 

 

 

 

Mein damaliges Verständnis der Situation war folgendes: 

 

Der Urlaub war aus politischer, aber auch sehr persönlicher Sicht eine der herausforderndsten Erfahrungen meines Lebens und ich war am Ende in einem Zustand enormer Verunsicherung. In diesem baute ein Großteil meines Sicherheitsgefühlt unfairer- und problematischer Weise auf der (sexuell oder eher romantischen) Bestätigung von der Betroffenen auf. Diese konnte sie mir aufgrund ihrer eigenen Überforderung auf der Reise nicht in gewohntem Maße geben, was ja vollkommen verständlich und legitim ist. Ich merke, dass da bei mir ein großes Anspruchsdenken auf diese Bestätigung vorhanden war, wodurch sich diese Unsicherheit immer mehr in Unverständnis und Groll gegenüber der Betroffenen aufgeladen hat. Die Reise generell, sowie dann die Beziehung selbst, haben sich wie ein Kontrollverlust angefühlt. In der Situation habe ich mich nur in Teilen horny gefühlt (hatten davor schon sex, der konsensual aber auch schon gedrängt war), sondern viel eher getrieben und ungerecht behandelt, weshalb ich die manipulativen Gedanken hatte, einfach etwas weiterzumachen, bis sie vielleicht doch noch ja sagt. Nach dem zweiten Nein kamen direkt Scham, Ekel vor mir selbst aber auch viel Verlustangst und ein gewisse Klarheit, wie ich mich auf keine Fall verhalten darf, um nicht noch mehr kaputt zu machen. Ich habe das Gefühl damals als eine “Spannung im Kopf” beschrieben, die bei mir den starken Drang aufgemacht hat, diese aufzulösen, wobei mein Bedürfnis mir wichtiger war als ihr klar kommuniziertes “nein”. Damals habe ich das dann als Kontrollverlust bezeichnet und habe meine Impulsivität als einen Grund für den Übergriff ausgemacht. 

 

Heute finde ich, dass meine Impulsivität zwar weiterhin dazu beigetragen hat (im Sinne von ohne wäre es vielleicht nicht passiert), die Bezeichnung als Grund verschleiert aber den Umstand, dass die Gründe männlicher Eigensinn und Machtanspruch waren.

 

Im November ist die Intensivität meiner Beschäftigung dann sehr runter gegangen. Wir haben es in diesem Monat aufgrund fehlender Initiative von mir nicht geschafft uns zu treffen. Ich habe in meinem Alltag deutlicher weniger Zeit für mich und für das Nachdenken über meine Täterschaft freigeräumt. Ende des Monats ist dieses Schleifen lassen sowohl mir, der Begleitperson, aber auch der Betroffenen aufgefallen. Zu der Zeit sollte ich außerdem in meinem politischen und erweiterten freundschaftlichen Umfeld Transparenz schaffen. Das habe ich nur vereinzelt umgesetzt. Viele Menschen, mit denen ich politisch aktiv war und die ich zu meinen Freund*innen zähle, haben erst im Dezember davon erfahren, als ich endlich die Verantwortung dafür übernommen habe. Der Zeitpunkt und auch vereinzelt die Art der Transparenzmachung wurden kritisiert als zu spät. 

 

Ein ganz großer Holzweg, den ich zu der Zeit gegangen bin, war, mich in Selbstmitleid zu suhlen. Ich war sehr verunsichert, was verständlich und wahrscheinlich an sich sinnvoll ist. Diese Unsicherheit habe ich dann aber zum Problem meiner Freund*innen und vor allem der betroffenen Person gemacht, mit der ich ja weiterhin in einer romantischen monogamen Beziehung war. Das zeigte sich z.B. in Traurigkeit darüber, dass ich ja nichts für meine patriarchale Vorprägung kann, Ausreden für das Nichtmachen der notwendigen Arbeit (meine Hausaufgaben [aus den Treffen zur Aufarbeitung] z.B.) und ein Abladen meiner Verlustängste und der damit einhergehenden melancholischen Selbstbemitleidung bei der Betroffenen. Bei einem dieser traurigen Abende allein habe ich dann einen Vortrag genau über dieses Verhalten bei Männern/Tätern gehört (“Eigentlich ja gute Typen” von Kim Posster: https://www.youtube.com/watch?v=Auh0RCO5ZJo). Dieser hat Gedanken hervorgeholt, die sich in mir und durch Gespräche mit der Betroffenen schon angebahnt hatten und mich von einem Tag auf den anderen aus diesem Modus raussnappen ließen (zumindest ging es ab da in diese Richtung und ich habe es nicht mehr bei der Betroffenen abgeladen). Noch am selben Abend habe ich der bP lange Nachrichten geschrieben, die den Anfang dieser Veränderung und ein Entschuldigung für die letzte Zeit beinhalteten.

 

Um die Jahreswende rum habe ich mich dann erneut grenzverletzend gegenüber der Betroffenen verhalten. Ich hatte sie auf die Wange geküsst, was ok war, aber sie meinte dann ich soll sie nicht auf den Mund küssen im Moment. Ich wollte sie ärgern und habe das dann trotzdem gemacht. Damit habe ich erneut ihre klarkommunizierte Grenze absichtlich ignoriert. Für sie hat das wieder vieles hochgeholt und nochmal einen erneuten fast schlimmeren Vertrauensbruch bedeutet. Es wurde klar, dass ich noch nicht viel begriffen hatte und mir die Auswirkungen auf sie und von solchen Grenzüberschreitungen generell nicht genug bewusst war. Kurz danach hatten wir auch ein Beziehungsgespräch. Einerseits darüber, aber vor allem auch, da ich das Gefühl bekommen hatte, dass sie mich bald verlassen könnte und sie nicht so gut darin war zu der Zeit Arbeit in die Beziehung zu stecken. Ich hatte Angst verletzt zu werden.

 

In dem Gespräch hat sie mir klargemacht, wie viel Vertrauen sie in mich steckt seit der Grenzverletzung. Wie doll sie eigentlich gegen den logischen Instinkt geht bei der ersten oder spätestens der zweiten Grenzverletzung zu gehen. Da habe ich erst den Vertrauensvorschuss verstanden und habe eine große Dankbarkeit verspürt, da mir klar wurde, dass der einzige Grund, dass ich noch die Chance habe mich in der Beziehung ändern/beweisen zu dürfen ihre emotionale Bindung zu mir ist. Ich habe das erste Mal diesen Teil ihrer Perspektive verstanden und war seit dem viel weniger weinerig.

 

 

 

 

 

Ende Januar haben wir dann eine Freundin gefragt, ob sie sich den Prozess, unsere Methode und Ergebnisse, anschauen kann. Es wurde dann eine Art Supervisionsgespräch mit mir, meinem Begleiter, der Freundin und der Betroffenen. Auf diesem habe ich erst die Chronologie der Beschäftigung und die Prozesse in mir und in unseren Treffen erzählt. Dann kamen viele Nachfragen und sinnvolle Diskussion darüber, wie es jetzt weitergehen soll, wobei unsere Ideen als gut empfunden wurden und nur noch konkretisiert werden mussten. Kritik gab es an der Konsequenz der Anwendung einzelner Teile wie Transparenzschaffung oder Einforderungen von Reflektionsfeedback meiner Freund*innen, was beides Hausaufgaben waren. Die neue Methode, die ich danach anwenden sollte, war sich Themenwochen festzulegen, in denen ich einen besonderen Fokus auf bestimmte Aspekte lege, mir die Woche über Notizen mache, wenn mir etwas dazu auffällt und dabei mich selbst challenge bestimmte Dinge in einer gewissen Zeit extra nicht mehr zu machen. Das Ganze war dazu da, um zu gucken, wie das klappt und dann vielleicht zu lernen, dass es auch anders geht. Immer sonntags Abend digitalisiere ich das dann auf einem Pad und reflektiere erstmal für mich selbst (und dann später im Treffen mit der Begleitperson)

 

 

 

 

 

Themenwochen für Reflektion: 

 

    Passivität, 

 

    Objektifizierung, 

 

    Empathie, 

 

    Emotionsspirale,

 

    intime Sexualisierung.

 

 

 

 

 

Die haben wir gewählt, weil sie alle die verschiedenen Faktoren ausmachen, die durch meine männliche Sozialisation kommen und zu der einen großen Grenzverletzung (sowie anderen kleineren) geführt haben.

 

 

 

 

 

Bei „Passivität“ habe ich versucht es besser auszuhalten, wenn Dinge nicht laufen, wie ich es will bzw. mir Menschen grade nicht geben können, was ich brauche. Das hat in den Wochen so semi funktioniert. Ich habe oft aktiv eingegriffen in Gespräche und zu oft nachgefragt z.B. bei meiner Beziehungsperson, wenn ich das Gefühl hatte, da ist etwas, was nicht gesagt wird oder anders sein müsste. Das Auflösen wollen dieses Stressgefühls kann man sicher teilweise mit ADHS oder Impulsivität erklären. Der Fakt, dass ich aber diesen Impuls meine eigene Kontrolle zurückgewinnen zu wollen über das Bedürfnis meiner Gesprächspartner*innen stelle ist verletzend und unberechtigt. Hier hat sich gezeigt, dass ich zwar mich etwas besser kontrollieren kann und z.B. eine Verhaltens Therapie da helfen würde, aber ich grundsätzlich auch verstehen muss, dass sich die Welt nicht um mich und meine Kontrolle dreht.

 

 

 

 

 

In den „Objektifizierungs“-Wochen habe ich darauf geachtet, wie oft ich von mir weiblich gelesene Menschen im Alltag objektifiziere, z.B. Fremden auf den Arsch gucken, Fantasien mit Menschen aus dem Umfeld/fremden haben und vor allem wie wenig ich teilweise FLINTA im Politkontext deshalb ernstnehme. Das warenerschreckende Wochen. Einerseits weil ich regelmäßig Gedanken zu fremden Menschen habe, was sie sich bestimmt auch nichtwünschen, aber was an sich keinen direkten Effekt auf sie hat, da ich sie nicht anstarre oder so. Das krassere war aber sich selbst den Spiegel in Plenumssituationen vorzuhalten und zu merken wie unterschiedlich ich die Beiträge und Gespräche mit von weiblich gelesenen Menschen wahrnehme. Die ersten Gedanken sind nicht wie bei Typen etwas zu deren politischem Inhalt oder Charaktereigenschaften oder so, sondern viel „findet der Mensch mich attraktiv?” “Finde ich die Person hübsch?” “Wie reagiert die Person auf meine Beiträge?“. Es geht also nur darum wie ist deren Einschätzung von mir und was tut das für mein Ego bzw. mein Bedürfnis nach weiblicher Bewunderung, um Männlichkeit zu performen. Damit nehme ich aber auch Genoss*innen nicht ernst und werte Frauen und nicht-binäre Personen ab unter die Stufe eines vollwertigen Politkonkurrenten/-mitstreiter. Diese Abwertung von Nicht-Cis-Männern sorgt für eine Distanz zu ihnen die ich schon seit meiner Jugend spüre und die wahrscheinlich auch da entstanden ist. Das macht sie dann wiederum nur zu Objekten, die für meine Ego in der Männerkonkurrenz da sind, was klar misogyn ist. Dass das aufhören muss, ist mir auf jeden Fall klargeworden, wenn ich dann jetzt immer daran denken muss bei solchen objektifizierenden Situationen, was die andere Person denken würden, wenn sie in meinen Kopf gucken kann. Da kommt Scham und Ekel hoch, weil mir eigentlich bewusst ist, dass niemand so behandelt werden will. Durch diese innere Repression/ (in einem positiv-notwendigen Sinne) ist die Objektifizierung zumindest kürze

 

r und weniger geworden, auch wenn der ideologische Knackpunkt noch kommen muss.

 

 

 

 

 

In den Themenwochen zu „Empathie-“ und „Emotionslosigkeit“ habe ich versucht mich aktiv

 

in andere Menschen und meine eigene Gefühlswelt reinzuversetzen. Das ist mir enorm

 

schwergefallen. Bei mir selbst spüre ich dann nur so eine diffuse (klassisch männliche) Wut und kann maximal noch analysieren, was der Auslöser ist, aber nicht ausmachen welche Gefühle dort eigentlich sind. Das wurde auch mit selbstexperimentellen Methoden nicht besser. Bei der Empathiefähigkeit habe ich gemerkt, dass wenn ich die Menschen mag undmich anstrenge auch schon schaffe mich hineinzuversetzen. Generell fällt es mir aber schonschwer ohne explizites selbstermahnen nicht nur an mich selbst und meine aktuellen Bedürfnisse zu denken. Diese Unfähigkeit muss aber auch als Taktik analysiert werden. Diese wurde mir beigebracht und die funktioniert auch in einer patriarchalen Welt. Wut ist für Männer ein adäquates, praktisches Mittel um die aufkommenden Probleme, Störungen zumindest zur eigenen Befriedigung direkt lösen zu können. Empathielosigkeit und der damit einhergehende Egoismus und die Sorgenlosigkeit bringen Vorteile gegenüber der Konkurrenz und weniger Care-Arbeit für einen selbst mit sich. Demnach muss ich eingestehen, dass es mir wahrscheinlich deshalb so schwer fällt diese Dinge zu verändern, weil ich gut mit ihnen fahre und sie abzulegen bedeuten würde Vorteile aufzugeben, wozu ich unterbewusst trotz derLippenbekenntnisse nicht bereit war. In einer Welt in der männliche Macht existiert geht das Aufgeben dieser gegen die eigenen Interessen. Das ich das trotzdem machen muss, ist aus einer profeministischen Sicht selbstverständlich und solange wie ich das nicht verinnerlicht habe und auch umsetze unterstütze ich patriarchale Zustände.

 

 

 

Das letzte Thema war, wie wir es genannte haben, intime Sexualität“. Das bedeutet für mich so viel wie Fantasien, Masturbation, Pornokonsum und reale sexuelle Kontakte. Hier ist der vielleicht wichtigste Erkenntnisprozess passiert. Ich habe in den Wochen explizit auf diese intimen Momente geachtet. Das war an sich und für mich allein schon erschreckend, da dieser Teil meines Lebens so wie bei allen sehr privat stattfindet und es so einfach möglich ist, Sachen die man sogar als problematisch wahrnimmt zu ignorieren und verdrängen. Diese Aufzeichnungen musste ich dann auch noch mit der Begleitperson besprechen, was eine der negativ aufregendsten Sachen war, die ich seit langem machen musste. Einerseits weil es mit Scham besetzt war, aber vor allem, weil ich eigentlich, um die Übergriffigkeit meiner Sexualität zu wissen scheine und Angst vor Konsequenzen habe. Ich habe früh angefangen mit Pornoschauen aufgrund der Verfügbarkeit im Internet. Dabei habe ich mir in meinem Leben schon oft Pornos mit nachgespielten Rapeszenen angeschaut und auch solche Fantasien gehabt. Als dann eine linke-feministische Szene Politisierung dazukam, habe ich mich dafür zu sehr geschämt und bin fast ausschließlich auf Mainstream Pornos umgestiegen, in denen es aber immer noch darum geht, dass eine Frau ihren Spaß und ihre Würde aufgibt und sich von einem Mann dominieren lässt, weil er so toll ist, wobei die Macht des Mannes Hauptteil der Anziehung ist. Nur da halt in einem nachgespielt konsensualem Rahmen. Diese Erregung durch Dominanz ist dabei nicht in realem Sex verankert. Mir gefällt es nicht Frauen zu dominieren und auch das Ausprobieren von solch einem konsensualem Rahmen hat mir nichts gegeben. Die Quelle dieser Erregung liegt eben nicht unbedingt in sexuellem Bedürfnis, sondern vielmehr in meinem Bedürfnis so toll zu sein, dass Frauen mich bewundern und mich machen lassen, was ich will bzw. etwas, was sie eigentlich nicht wollen. In den Momenten, wo ich nicht an reale Erfahrungen ged

 

acht habe beim Masturbieren, kommt die Erregung von der Egosteigerung. Außerdem habe ich in den Wochen versucht mit Pornoschauen aufzuhören, was das Verlangen danach schlimmer gemacht hat und auch das Interesse nach demütigerenden Szenen. Das Ganze fühlt sich wie ein seit der Jugend aufgebautes Suchtverhältnis (was sicherlich nicht größer ist als in der durchschnittlichenmännlichen Bevölkerung). Die klassische Suchtdynamik, des nicht aufhören Wollens und des größeren Verlangens bei Entzug, sowie der Exzess mit anschließender Scham und Verdrängung ist klar vorhanden. Für mich macht seitdem ich diese Erkenntnis habe das Spannungsfeld auf wie ich dieses Bedürfnis nach Ego push von Frauen und der darauffolgenden Abwertung ihrer Abbauen kann, da es nicht mal meinen sexuellen Bedürfnissen entspricht, ich diese Gedanken nicht mehr im Kopf haben will und das vor allem problematisch und potenziell gefährlich für FLINTA ist.

 

 

 

 

 

Insgesamt war die Methode der Themenwochen sehr erfolgreich. Die Gespräche und

 

Beobachtungen, die daraus folgten, waren intensiv und unangenehm. Ich habe so viel wie noch nie über mich selbst gelernt. Sie haben mich auch verunsichert und einiges offengelegt, worüber lange ein Mantel des sich selbst Anlügens lag. Irgendwann bin ich dann auch zu den Treffen gegangen, weil ich mit der Begleitperson darüber reden wollte und nicht mehr wie am lange Zeit davor aus einem Pflichtbewusstsein mir, der Betroffenen und dem Umfeld gegenüber.  

 

Das führte dann auch dazu, dass wir der Betroffenen kaum noch mitteilten, was wir so besprechen. Das hat sie kritisiert, weshalb ich ihr dann einen langen Brief geschrieben hab, indem ich die Prozesse und Beobachtungen transparent gemacht habe, die so passieren. Das hat ihr auf jeden Fall geholfen.

 

Ein großer Knackpunkt zu der Zeit war, dass in einem Therapiegespräch von meiner

 

liberalfeministischen Therapeutin angezweifelt wurde, ob ich Täter wäre, warum ich mich immer noch damit beschäftigen würde und warum ich mich ändern müsste. Das ist schon im

 

Herbst passiert, wo ich noch selber angefangen habe zu zweifeln und mehr Widerstände hatte meiner Therapeutin zu widersprechen. Im Frühjahr dagegen hat mich das gar nicht aus der Bahn gebracht. Mir war der Effekt auf die Betroffene sowie meine eigene gewaltvolle Motivation hinter dem Übergriff so klar, dass ich das Anzweifeln absurd fand und sie im Ende überzeugen konnte, warum es nicht mit einem einfachen reue Geständnis getan ist.

 

Nach einigen Wochen pro Thema wurde die Methode aber mit der Zeit ineffektiv. Die

 

Beobachtungen wiederholten sich ohne Perspektive wie es zu ändern ist oder wie es weitergehen kann, was auch zu einer weniger konsequenten Ausführung geführt hat. Deshalb war uns klar, dass wir erneut eine Supervision brauchen (das hier geschriebene ist Ergebnisdieser). Einmal um uns zu versichern, dass unsere Arbeit nicht in sich selbst verloren gegangen ist, sondern wirklich das bewirkt, was wir dachten und um neue Impulse zu finden, die ein weiteres Vorgehen ermöglichen. Dafür haben wir eine*n Freund*in gefragt, die*der sich auch bereit erklärt hat. Aufgrund Terminschwierigkeiten fand das Treffen erst 1-2 Monate später statt. In der Zeit haben wir uns aber weiter getroffen und uns mit anderen Aspekten beschäftigt. Zum Beispiel sind wir die alten Männerrundbriefe durchgegangen, was aber nicht besonders ergiebig war, da dort auch mehr zu den Abgründen der männlichen Gewalt stand und weniger, wie diese verändert werden kann. Wir haben auch ein Treffen explizit zu Konsensgearbeitet, was dagegen wieder sehr spannend war und Schwachstellen in der eigenen Kommunikation sowie Unehrlichkeiten darüber, warum diese scheitert, offengelegt hat. Währenddessen versuchte ich mich regelmäßig mit einem anderen Freund zu treffen um über Täterschaft, männliche Sozialisation und sexuelle Gewalt zur reden. Zu der Zeit kam es bei mir durch das Treffen, die Gespräche mit der Begleitperson und meiner Therapie zu einem kleineren Durchbruch. Ich habe verstanden, was der Auslöser für die Verletzungen und die Machtausübungen gegenüber Frauen sind. Es ist diese fast schon narzisstische (von Rolf Pohl gut beschriebene) Abhängigkeit von der Bestätigung von Frauen mit einem gleichzeitigem Souveränitäts-/Autonomiewahn. Meine Performance von Männlichkeit ist abhängig von Frauen, die ich nicht ganz verstehe, nicht kontrollieren und sie deshalb abwerte.

 

Ich merke das erste Mal, dass ich diese Sachen nicht mehr bei meinen Freund*innen

 

auslösen möchte. Ich will die Werte und Handlungsweisen, die ich in meiner Jugend gelernt habe, umändern zu einem vollständigeren weniger harten, eigensinnigen, manipulativen Ich, was empathisch und emotional ist und FLINTA als vollwertige Menschen sieht. Mir ist klargeworden, dass ich dafür langfristig vieles, was meine Identität als cis Mann ausmachtaufgeben werden muss. Dabei ist mir leider auch klar, warum ich Schwierigkeiten habe das umzusetzen, da das einen realen Machtverlust bedeuten würde und mir diese Macht gefällt. Politisch weiß ich aber, dass das gefährlich, nicht meinen anarchistischen Werten entsprechend und auch einfach ein bisschen peinlich ist. Es gilt nun Wege zu finden diese Blockaden abzubauen und aus diesem Verständnis auch reale Verantwortung zu übernehmen,sonst ist es nicht viel wert.

 

 

 

 

 

Aktuelles Verständnis meiner cis-männlichen Sozialisation

 

 

 

Während ich natürlich schon früh als Junge behandelt wurde und dieses Label auch schon immer problemlos angenommen habe, wurde die Männliche Sozialisation am Ende meiner Pubertät so richtig festgeklopft. Ein reiner Männerfreundeskreis und keine Schwesterbedeuteten keine nahe weibliche Bezugsperson außer meiner Mutter. Mein Kontakt zu Frauenwar von Anfang an ein distanzierter. Sie waren nicht Freundin oder Diskussionspartnerin,sondern Objekt über das geredet wurde und das ich rumkriegen musste, um ein Mann zu sein. Ein Mann wollte ich sein und wurde ich dann, durch die sozialen Beziehungen mit meinen Freunden, ohne emotionale Gespräche und unter ständiger Männerkonkurrenz. Durchverschieden Faktoren (Erziehung, Bildung, Mobbing) und diesem Bewusstsein ein Mann in dieser Gesellschaft zu sein entwickelt sich dann existenzielles Verlangen nach Autonomie/Souveränität/Selbstbewusstsein. Das alles führt zu:

 

 

 

1. antrainierter Empathie- und Emotionslosigkeit, die ich zwar problematisiere, aber nicht ablege, weil ich unterbewusst weiß welche Nachteile ich dann hätte

 

 

 

2. ein auf Macht und Objektifizierung aufbauendes Verhältnis gegenüber Frauen bezüglich Sexualität aber auch dahingehend, sie als vollwertige Mitstreiter*innen ernst zu nehmen.

 

 

 

3. dem Gefühl das Recht zu haben den Zustand in meinen Beziehungen zu schaffen den ich für richtig halte.

 

 

 

Aktuelles Verständnis meiner Täterschaft und Machtausübung

 

 

 

1. Ich war nicht horny sondern gekränkt, unsicher und hatte das Gefühl die Kontrolle zu

 

verlieren - mit anderen Worten - ich habe ihr nein mit Absicht ignoriert, weil ich das grade für mich brauchte. Ihre Grenzen haben für mich nur so weit gegolten, wie es nicht meine Souveränität angreift. Ich musste also die Kontrolle behalten, zur Not mit Machtausübung. Das fällt mir nicht leid zu sagen und mir ist die krasse Grenzverletzende Dimension dieser Einstellung bewusst, weshalb ich diese unbedingt abbauen/kontrollieren muss, da es sonst gefährlich ist mit mir intimzu werden.

 

 

 

2. Ich habe die gewaltvollsten Erfahrungen ihres Lebens hervorgeholt und jegliches

 

Sicherheitsgefühl in unser Beziehung für lange kaputt gemacht, indem ich bewiesen habe, dass ich, wenn es hart auf hart kommt auch keiner von "den guten" bin. Die Angst, die meine Handlungen ausgelöst haben, habe ich selber noch nie gespürt, aber ich würde sie nie wieder wem antuen wollen. Es ist das Gewaltvollste, das ich je einem Menschen angetan habe.

 

 

 

3. Mein Verhalten steht in einem gesellschaftlichen Kontext der bestimmte Handlungen noch gewaltvoller macht, weil ich mir damit patriarchaler Macht bediene. Es sind andere Erfahrungen von Männern vor mir, die ich damit abrufe bzw. neue schaffe und das Patriarchat damit reproduziere.

 

 

 

 

 

Die Ziele, die aus der Beschäftigung entstanden sind und seit angegangen werden:

 

 

 

1. ich wäre gerne radikal empathisch und nicht eigensinnig und manipulativ

 

2. ich wäre gerne emotional zugänglich für FLINTA, statt dass sie "Angst" vor mir haben

 

3. ich will diese Gefühle nie wieder bei ihr oder irgendwem anders auslösen und will endgültig verstehen, dass es keine Option ist mein Bedürfnis mit Gewalt über das von FLINTA zu stellen

 

4. ich will ehrlicher und transparenter sein, damit wer ich bin und dabei die Konsequenzen akzeptieren können

 

5. ich will diese Gedanken nicht mehr haben, nicht mehr geil finden, nicht mehr

 

Übergriff als Option wahrnehmen, der ich mich verweigern muss

 

6. neben dem unbedingt notwendigen Einschränken meiner Gewalt, will ich mich eigentlich

 

von meiner Männlichkeit befreien, also von all diesen unterbewusst gewollten Eigenschaften, mit denen ich meine Identität, dann auch immer wieder aufrechterhalte und mich dieser Macht bediene

 

-> mir ist bewusst, dass das jahrelang gelernt ist und nicht einfach durch pure Willenskraft weggeht. So klar, negativ und ehrlich mir selbst gegenüber konnte ich das aber noch nie formulieren - das gibt mir Hoffnung, dass ich Sachen ablegen kann, wie ich es schon mitanderen Sachen geschafft hab

 

 

 

 

 

Ich weiß, ich habe ein Problem, aber ich weiß auch, dass ich es nicht mehr haben will.

 

 

 

 

 

 

 

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Aktuelle Gedanken zu dem “nie endenden Prozess”

 

 

 

Einige Jahre später gab es nun die Idee/Initiative diesen Bericht über meine erfolgreiche Beschäftigung mit meiner Täterschaft und der eigenen gewaltvollen Männlichkeit zu veröffentlichen. Dazu möchte ich noch kurz berichten wie sich mein neu erlangtes Verhältnis zu meiner Täterschaft auf mein Leben seitdem auswirkt und wie die oft verlangten “lebenslangen Prozesse” bei mir aussehen. Das Aufschreiben fällt mir generell schwerer, weil sich mittlerweile niemand mehr über Monate hinsetzt und mit mir meine Gedanken auswertet, um daraus einen Reflektionstext basteln zu können. Diese intensive Arbeit mit dem entsprechend hohen Aufwand hat auch kein Täter länger als absolut nötig verdient.

 

 

 

Die Einzelbetreuung hat nach einem Jahr aufgehört. Seitdem spielt die Situation meiner Grenzverletzung und mein sexuell gewalttätiges Verhalten weiterhin ein große Rolle in meinem Leben. Einerseits ganz simpel, weil ich mich durch diese intensive Fokussierung auf meine Sozialisation besser selbst einschätzen kann und noch mehr/konsequenter mit antipatriarchaler Kritik beschäftige, da ich „im Thema” bin. Das heißt ich schaue automatisch nach Texten, Büchern oder beteilige mich aktiver an Gesprächen über Täterschaft, Männlicher Gewalt und Umgang damit. Dabei fällt mir auf, dass ich deutlich härter zu anderen Männern bin als früher. Mir ist nicht klar, ob dies nur aus einem größeren Verständnis männlicher Gewalt und Manipulativen Gedanken von Tätern wie mir herrührt, da ich aus eigener Erfahrung weiß welche Illusionen über das eigene Handeln zerstört werden müssen und was hinter “das ist mir leider passiert” steckt. Wahrscheinlich spielt aber auch ein neues Abgrenzungsbedürfnis gegenüber anderen Tätern eine Rolle, um mich selbst vor inneren Vorwürfen abzuschirmen. So oder so kann ich aber in Gesprächen mittlerweile mit einem sehr ehrlichen ungeschönten Einblick in die patriarchale Motivation von Männern dienen, wenn diese gewünscht ist. 

 

 

 

Generell fällt es mir nicht mehr schwer meine Tat und meine Gedanken transparent zu machen, sei es im Politgruppenkontext oder beim Eingehen neuer Beziehungen. Mit meinen Freund*innen werte ich regelmäßig mein Dating-/Beziehungsverhalten aus und beziehe dabei alles, was ich gelernt habe mit ein. Dabei merke ich oft wie sehr mich die mit 17 gelernte Suche nach Bestätigung noch beeinflusst und ich struggle teilweise mit dem Verhältnis zwischen authentischer Sexualität und unfairer Objektifizierung von FLINTA. Grade in konkreten intimen Momenten spüre ich, dass die Angst davor Übergriffig sein zu können mich noch beeinflusst. Diese Angst vor einem selber ist auf jeden Fall ehrlicher und besser als die Illusion über sich selbst, die ich vor der Beschäftigung hatte. So kann ich sicherstellen, dass ich für die mir lieben Menschen nicht gefährlich bin, was die Grundbedingung dafür ist, überhaupt zu daten. Wenn man das aber mit meinen Zielen aus dem Zwischenstandsbericht vergleicht sieht man, dass ich scheinbar noch entfernt bin, davon “Übergriff nicht mehr als eine Option wahrzunehmen, der ich mich verweigern muss”. 

 

 

 

Anderen Zielen dagegen komme ich schon näher. Ich habe das Gefühl empathischer geworden zu sein und bin deutlich mehr fähig mit FLINTA befreundet zu sein, ohne dass ich oder die andere Person dies aus einem versteckten sexuellen Interesse tue. Das klingt nach Bare-minimum und ist eigentlich konstant seit dem Eintritt in die linke Szene mehr geworden. Wenn man mich mit 17 kennen gelernt hätte, würde man aber den befreienden Fortschritt verstehen, den das bedeutet. Ich bin froh in der Lage zu sein mit spannenden Menschen befreundet zu sein, ohne weirde Hintergedanken oder politisches Nicht-Ernstnehmen unterdrücken zu müssen.

 

Natürlich führt meine nicht überwundene männliche Sozialisation und vor allem Identifikation mit cis-Männlichkeit und den hegemonialen Rollenbildern, die damit einherkommen weiterhin zu Kritik. Ich struggle noch zu oft damit sich wirklich von den Privilegien und Verhaltensweisen auf die ich als cis Mann Zugriff habe loszusagen. Es ist das eine alles Mögliche zu lesen, sich selbst, sowie die Zustände zu verstehen und in nicht angespannten Momenten das Richtige zu tun. Man muss auch wenn einem etwas wichtig ist es und die Situation angespannt scheint, es schaffen sich gegen patriarchale Vorprägung und gesellschaftliche Machtstrukturen zu entscheiden. Sonst ist das Verständnis nicht viel wert. Daran scheitere ich noch teilweise grade, wenn es ans Eingemacht geht. Die Beziehung mit der Betroffenen ist neben persönlichen Dynamiken auch daran kaputt gegangen, dass ich es zu oft nicht hinbekommen habe bzw. Mich nicht dagegen entschieden habe. Auch in anderen Situationen z.B. in Konflikten meiner Freund*innen schaffe ich es nicht immer feministisch solidarisch, statt freundschaftlich parteiisch zu sein. Auch das muss anders werden, wenn ich meine eigenen Ansprüche wahr machen möchte. 

 

 

 

Zu meinem Glück habe ich ein Umfeld was bereit ist solidarische Kritik an mich heranzutragen und unsere (freundschaftlich und romantischen) Beziehungen gemeinsam zu reflektieren. Es hilft sicherlich, dass ich es schaffe Kritik gut anzunehmen und an meinem Verhalten glaubhaft zu arbeiten. So kann ich weiter Teil meiner Freund*innenkreise sein und daran arbeiten meine Männlichkeit langfristig nicht mehr zum Problem der mir lieben Menschen zu machen.

 

 

 

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Ergänzungen

Ich bin ehrlich gesagt immer wieder schockiert, in was für eine Richtung wir als emanzipatorische, feministische Bewegung gehen. Ich finde es gut, wenn miteinander gesprochen wird, nur so lassen sich Missverständnisse und als Übergriffe erlebte Ereignisse aufklären. Sich selbst zu reflektieren, schafft Raum und Möglichkeit für persönliches und gemeinsames Wachstum und auch Rollenverhalten und -erwartungen lassen sich verändern.

Aber führt das nicht ein bisschen weit, dass zu einer Sache der Identität zu machen? Um ehrlich zu sein und es mal polemisch zu sagen, liest sich das stellenweise wie eine Art stalinistische Selbstkritik: Ordne Dich der Definitionsmacht des Kollektivs unter, um weiter Teil des selbigen bleiben zu können.

Es geht um die Beurteilung von Verhalten und Fehlverhalten, diese lassen sich ja durch Reflektion verändern. Das zu einer Art sektenartigen Psychoanalyse zu machen, streicht eben durch, dass man ein Verhalten auch verändern kann. Unter "Aufgabe männlichen Identität" macht ihrs nicht.

Sei "radikal emphathisch" - was soll das denn heißen? So richtig affirmativ wird es dann hier: neben dem unbedingt notwendigen Einschränken meiner Gewalt, will ich mich eigentlich von meiner Männlichkeit befreien, also von all diesen unterbewusst gewollten Eigenschaften, mit denen ich meine Identität, dann auch immer wieder aufrechterhalte und mich dieser Macht bediene"

Die den Prozess überdauernde Romanze zwischen dem Täter und der Überlebenden ist jetzt aber schone ein sehr ungewöhnlicher Umstand, keine Ahnung was daraus im allgemeinen für lehren gezogen werden sollen, wenn ihr selber ja einseht, dass genau die gleichen Methoden ansonsten nicht funktioniert haben. Klar kann so ein Prozess funktionieren, wenn alle Beteiligten kooperativ auf das gleiche Ziel hinarbeiten. 

 

Wieviel Lebenszeit vieler da jetzt in die Paartherapie investiert wurde ist eine andere Frage und es bleibt vollkommen rätselhaft wo das politische Moment liegt. Schon klar, die Revolution beginnt im kleinen, Sei selbst die Veränderung und das private ist vermutlich politisch.

 

Bonuspunkte gibts für den Einsatz längst verloren geglaubter Methoden wie dem guten alten Selbstbezichtigungsschreiben.