To the second anniversary of the death of our comrade Kyriakos Xymitiris

[german below]

On 31 October 2024, two years ago, the anarchist Kyriakos Xymitiris lost his life. We want to keep remembering him and therefore publicly commemorated this anniversary together in front of NY/ Bethanien, here in Berlin, where he was active for many years.

Kyriakos died as an armed guerrilla fighter. During his years in Germany from 2015 to 2021 he was first and foremost a sociable and politically active Berliner. Soon after his arrival, he became part of the anarchist movement and initially contributed to grassroots struggles against the state and capital. Before long, he became fully involved in the local militant movement and was a familiar face at events, demonstrations and struggles on the streets.

In 2021, he returned to Athens, where he was born and raised. There, he continued what he had begun in Berlin, following his imaginative and cheerful path towards a struggle in which personal risk becomes secondary to the importance of the goal. In this context, it is understandable that his political analysis, the many street battles and the violent repression eventually led him to the decision to take up arms and familiarise himself with explosives. Looking at the history of the movement, particularly the more recent Greek movement, this decision was by no means purely individual, as many people before him had already chosen armed struggle, and many after him will do so as well.

On 31 October 2024, tragedy struck. An explosive charge that Kyriakos was handling detonated in his hands and killed him.

“Kyriakos Xymitiris, one of us!” is a slogan that has been shouted in many places around the world since that day. Today, Kyriakos' name stands for the continuity of struggles for freedom, even in places conceived as the peaceful hinterland of white imperialism. Kyriakos fell on the margins of Europe during a period of upheaval, in which war and genocide are openly and controversially discussed here. His decision not only to participate in the discourse but instead to sharpen the sword is remarkable. But it is also challenging. Challenging for those in power, who constantly declare resistance dead. But also, and much more importantly, challenging for the oppressed, who find themselves stumbling in the dark along the endless paths of their search for solidarity.

As the assembly in memory of Kyriakos Xymitiris, which organised the gathering on October 31, we find ourselves, two years after the difficult loss of a valued comrade for many of us, facing the question of how we want to remember Kyriakos in the future. What significance do his decisions and his death hold for the movement here in Berlin?

These are questions that must be answered by that part of society which wants to overthrow the system and build a free and solidaristic life in its place. We were not many here in the commemoration, but the protests and riots, conscientious objection to military service, strikes and sabotage spreading across the world show that the struggle continues. In the demonstrations which took place alongside our gathering, the flame of action and the warmth of solidarity, for which Kyriakos fought for many years here in Berlin, continue to live on. In every emerging revolt, in everyday acts of resistance and in every uprising that will hopefully soon take place in Berlin again, Kyriakos himself lives on.

Perhaps the memory of Kyriakos will help the new movement prepare itself for the system's counterattacks. Perhaps his example will contribute to arming both thoughts and actions in such a way that temporary uprisings become a permanent condition, in which the armed force of the state is pushed back further and further, and the warmongers and exploiters can no longer live without fear.

On this second anniversary, we contributed to preserving Kyriakos' memory by gathering in a place that holds significance for grassroots struggles in Berlin. Kyriakos himself attended many meetings at NewYorck, and this place was also a regular starting point for him to head out into the streets of Kreuzberg.

Also, NewYorck is connected to our comrade Nicole, who lived and was active there until her death in 2023, as well as to our comrade Devran, who lived and was active on Adalbertstraße until her death in 2025. Both were militant figures whose stories intersected with Kyriakos’s for several years. 

A sculpture now stands in front of New Yorck, drawing the attention of passers-by to Kyriakos and offering those close to him, as well as his comrades, a place to remember him. This very sculpture was installed around the corner in Carlo Giuliani Park only a few months ago, but soon threatened by the district and later removed by ourselves. [https://kontrapolis.info/18484/] We gave a new place to it fully aware that it might be threatened again, but convinced to defend it, and with it the memory of Kyriakos, whenever needed. It is up to all of us to take responsibility for this sculpture as a small part of writing our own history.

 

Kyriakos Xymitiris always present!


Zum zweiten Todestag unseres Gefährten Kyriakos Xymitiris

Am 31. Oktober 2024, vor zwei Jahren, starb der anarchistische Kämpfer Kyriakos Xymitiris. Hier in Berlin, langjährigem Ort seines Wirkens, wollen wir weiter an ihn erinnern und begingen deshalb gemeinsam und öffentlich diesen Jahrestag.

Kyriakos starb als bewaffneter Guerilla. Während seiner Jahre in Deutschland, die im Jahr 2015 begannen und bis 2021 dauerten, war er in erster Linie ein geselliger und politisch engagierter Berliner. Bald nach seiner Ankunft wurde er Teil der anarchistischen Bewegung und beteiligte sich zunächst an Kämpfen von unten gegen Staat und Kapital. Bald ging er in der lokal kämpfenden Bewegung voll auf und war in Veranstaltungen, auf Demonstrationen und Kämpfen auf der Straße ein bekanntes Gesicht.

2021 ging er zurück nach Athen, wo er geboren und aufgewachsen war. Dort führte er fort, was er in Berlin begonnen hatte – seinen durch Fantasie bereicherten, gutgelaunten Weg in Richtung eines Kampfes, in dem das eigene Risiko hinter der Wichtigkeit des Ziels zurückfällt. So ist es erklärbar, dass ihn seine Analyse, die vielen Straßenkämpfe und die gewaltsame Unterdrückung schließlich zu dem Entschluss gebracht haben, Waffen zu tragen und sich mit Sprengstoffen vertraut zu machen. Wenn man die Geschichte der Bewegung – insbesondere auch der jüngeren griechischen Bewegung – vergegenwärtigt, war dieser Entschluss mitnichten ein rein persönlicher, denn viele Menschen vor ihm haben sich schon für den bewaffneten Kampf entschieden und viele nach ihm werden es noch tun.

Am 31. Oktober 2024 kam es zum Unglück. Es explodierte in Kyriakos’ Händen eine Ladung Sprengstoff, mit der er gerade hantierte, und tötete ihn.

„Kyriakos Xymitiris – einer von uns!“ ist eine Parole, die seit diesem Tag an vielen Orten der Welt gerufen wurde. Kyriakos Name steht heute für die Kontinuität der Kämpfe für die Freiheit auch an den Orten, die als ruhiges Hinterland des weißen Imperialismus konzipiert sind. Kyriakos fiel am Rande Europas in einer Phase des Umbruchs, in der Krieg und Genozid hier offen und kontrovers diskutiert werden. Seine Entscheidung, sich nicht nur am Diskurs zu beteiligen sondern das Schwert zu schärfen, ist herausragend. Sie ist aber auch herausfordernd. Herausfordernd für die Herrschenden, die den Widerstand stets totsagen. Aber auch, und das ist viel wichtiger: herausfordernd für die Unterdrückten, die auf den endlosen Wegen der Suche nach Solidarität im Dunkeln tappen.

Als Versammlung in Gedenken an Kyriakos Xymitiris, die wir dieses Zusammenkommen am 31. Oktober vorbereitet haben, stellt sich zwei Jahre nach dem für viele von uns schwierigen Verlust eines geschätzten Gefährten die Frage, wie wollen wir in Zukunft an Kyriakos gedenken? Welchen Stellenwert für die Bewegung hier in Berlin haben seine Entscheidungen und sein Tod?

Dies sind Fragen, die derjenige Teil der Gesellschaft beantworten muss, der das System stürzen und an seiner Stelle ein freies und solidarisches Leben aufbauen will. Wir sind nicht viele gewesen bei dem Gedenken, aber mit den Protesten und Ausschreitungen, der Kriegsdienstverweigerung, Streik und Sabotage, die in Europa um sich greifen zeigt sich, dass der Kampf weiter geht. In den Demos, die parallel zu unserer Veranstaltung stattfanden, lebt die Flamme der Aktion und die Wärme der Solidarität weiter, für die Kyriakos viele Jahre auch hier in Berlin gekämpft hat. In jeder sich anbahnenden Revolte, in tagtäglichen Akten des Widerstands und in jedem Aufruhr, der hoffentlich auch bald wieder in Berlin stattfindet, lebt Kyriakos selbst weiter.

Vielleicht wird die Erinnerung an Kyriakos der neuen Bewegung dazu verhelfen, sich für die Gegenschläge des Systems zu rüsten. Vielleicht wird sein Beispiel dazu beitragen, die Gedanken und Taten so zu bewaffnen, dass aus temporären Aufbegehren ein dauerhafter Zustand wird, in dem die Waffengewalt des Staates immer weiter zurückgedrängt wird und die Kriegstreiber und Ausbeuter nicht mehr ohne Angst leben können.

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Für diesen zweiten Jahrestag trugen wir zu Kyriakos Erinnerung bei, indem wir uns an diesem Ort trafen, der für die Kämpfe von Unten in Berlin von Bedeutung ist. Auch Kyriakos hat im NewYorck an vielen Treffen teilgenommen und dieser Platz war auch für ihn regelmäßiger Ausgangsort um in die Straßen Kreuzbergs loszuziehen. Außerdem ist das NewYorck verbunden mit seiner und unserer Genossin Nicole, die bis zu ihrem Tod im Jahr 2023 hier lebte und aktiv war sowie mit seiner und unserer Genossin Devran, die bis zu ihrem Tod im Jahr 2025 in der Adalbertstraße lebte und aktiv war. Beide waren militante Charaktere, deren Geschichte sich mit der Kyriakos' für einige Jahre überschneidet.

Eine Skulptur steht jetzt vor dem NewYorck, die Passant*innen auf Kyriakos hinweist und seinen Nächsten und seinen Gefährt*innen einen Ort des Erinnerns bietet. Die Skulptur wurde bereits vor wenigen Monaten gleich um die Ecke im Carlo Giuliani Park eingebracht, aber kurz danach vom Bezirk bedroht und später von uns selber entfernt. [https://kontrapolis.info/18484/] Wir haben ihr einen neuen Platz gegeben, in vollem Bewusstsein darüber, dass sie wieder bedroht werden könnte – aber überzeugt davon sie, und mit ihr die Erinnerung an Kyriakos zu verteidigen, wann immer es notwendig ist. Jetzt ist es an uns allen, Verantwortung für diese Skulptur zu übernehmen, als kleiner Teil davon, unsere eigene Geschichte zu schreiben.

 

Kyriakos Xymitiris immer bei uns!

 

 

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