System Change Camp 2026: Stellungnahme zu Vorwürfen gegen Samuel Bosch und die Besetzung im Altdorfer Wald
Am vorletzten Programmtag des System Change Camps 2026 in Karlsruhe wurden an mehreren Orten im Camp Zettel aufgehängt, die schwere Vorwürfe gegen Samuel Bosch erhoben. Der sogenannte „Outcall“ enthielt neben allgemeinen Anschuldigungen auch Formulierungen, die wir als Aufruf zu Gewalt und teilweise sogar Morddrohungen gegen Samuel verstehen.
Die Vorwürfe beinhalten Täterschutz in der Besetzung des „Alti“ (Altdorfer Wald), sowie sexuelle Übergriffe von Seiten Samuels. Während die Vorwürfe des Täterschutz gegen mehrere Menschen aus dem Alti uns bekannt sind und wir das aufarbeiten, sind die Vorwürfe gegenüber Samuel uns bisher unbekannt.
Als Gruppe von Aktivist:innen aus dem Altdorfer Wald nehmen wir zu den Vorwürfen gegen die Besetzung im Allgemeinen und gegen Samuel Bosch im Besonderen Stellung.
Gesprächsangebot und konkrete Nachfragen
Unserer Gruppe war es wichtig, das Gespräch mit der Personengruppe zu suchen, die die Vorwürfe auf dem Camp veröffentlicht hat. Wir haben nach konkreten Vorfällen gefragt, auf die sich die Anschuldigungen stützen. Neben der Wiederholung der vagen Vorwürfe wurde als konkretes Beispiel ein anderes Thema, eine „Wissenshierarchie“ , genannt. Genauer, dass das Auffüllen des großen Wassertanks nur über bestimmte Ansprechpartner:innen organisiert werde.
In aktivistischen Gruppen – und damit auch in der Waldbesetzung – gibt es verteiltes Wissen und unterschiedliche Kenntnisstände in verschiedenen Bereichen. Solche Wissensunterschiede können zu zeitweisen Vorsprüngen auf verschiedenen Ebenen führen. Um einer Hierarchisierung entgegenzuwirken, setzen wir auf den gemeinsamen Aufbau kollektiven Wissens, Skillshare-Tage/Camps (im Sommer jeden Monat) und schriftliche Erklärungen wie das „Besetzikon“ (einem praktischen Lexikon über Wissen in der Besetzung). Alle Beteiligten sind eingeladen, sich daran zu beteiligen.
Dort finden sich auch seit Jahren die Infos, wie und wo man Wasserkanister befüllen kann. Nur das Auffüllen des neuen, großen Tanks war zeitweise nur über Ansprechpersonen aus dem Dorf möglich, die sich mit unbekannten Gesichtern etwas schwer tun. Inzwischen haben wir aber eine einfachere Lösung gefunden, die wiederum im Besetzikon erklärt ist.
Dies alles ist erstmal völlig unabhängig von den Vorwürfen sexueller Übergriffe bezüglich Samuel, scheint aber auch eine Rolle bei der Verbreitung der Vorwürfe auf dem SCC gespielt zu haben.
Wir sind - unabhängig davon - seit einiger Zeit dabei, nochmal neu zu überlegen, wie wir Hierarchien noch effektiver abbauen können und auch bei etwas kniffligeren Themen (bspw Social Media, Geld) mehr Transparenz und Beteiligungsmöglichkeit hinzubekommen.
Zu den schweren Vorwürfen: sexueller Missbrauch und Täterschutz
Die Täterschutz-Vorwürfe gegen den Alti beziehen sich unseres Wissens nach auf einen Fall, um den sich Awareness-Personen versucht haben zu kümmern und auf diese Awareness-Menschen aus dem Alti. Dazu gab es einen separaten, internen, Aufarbeitungsprozess und wir arbeiten weiterhin an einer besseren Awareness-Struktur.
Zu den schwerwiegenden, an Samuel gerichteten, Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs liegen uns derzeit keine konkreten Vorfälle oder Informationen zu Betroffenen vor. Fallbezogene Fakten sind für uns die Voraussetzung, um uns mit den Anschuldigungen auseinandersetzen, die Vorfälle aufarbeiten und daraus lernen zu können.
Outcalls können ein wichtiges Mittel sein, um vor Tätern zu warnen und potenzielle Betroffene zu schützen. Ein Outcall ohne Betroffene, ohne konkrete Vorwürfe, ohne Benennung von Vorfällen und ohne vorherige Gespräche oder Aufarbeitungsversuche nimmt jedoch allen Beteiligten die Möglichkeit, einen transformativen Prozess anzustoßen.
Daher haben wir über Instagram und auf Plakaten im Camp eine kurze Info und eine Möglichkeit, sich anonym zu melden, veröffentlicht. Darüber haben wir erfahren, dass mehrere Menschen schwere Vorwürfe gegen eine andere Person, die sich oft im Alti aufhält, erhoben haben und diese deswegen aus Sylt rausgeschmissen wurde. Wir nehmen das sehr ernst und klären gerade im Austausch mit der Sylt-Awareness, wie wir damit umgehen.
In Bezug auf Samuel haben wir keinerlei Hinweis bekommen, worauf sich die Vorwürfe des sexuellen Übergriffs beziehen. Ohne Klarheit bleiben die Anschuldigungen vage und können nicht eingeordnet werden.
Folgen unkonkreter Anschuldigungen
Alle Personen, die im „Alti“ Awareness-Arbeit leisten, ihn nicht boykottieren oder sich dort nur aufhalten, könnten pauschal als „Täterschützer“ bezeichnet werden – ohne dass sie die Möglichkeit hätten, die konkreten Vorwürfe zu kennen und zu beurteilen.
Zum Beispiel die Kampagne „End Cement“ steht vor der Frage, wie sie den Slogan „end cement – end Samuel Bosch“ verstehen soll. Soll dies als Aufruf zur Gewalt oder gar zur sozialen, psychischen oder physischen Tötung verstanden werden?
Gerüchte zu verbreiten, hinter dem Rücken von Samuel schlecht zu reden und Gespräche zu verweigern, ohne einen konkreten Vorfall zu benennen, sehen wir als üble Nachrede und Rufmord.
Dringende Bitte um Gespräch
Wir bitten daher Betroffene und Beteiligte dringend, über die bekannten Kanäle Kontakt mit einer Awareness-Gruppe (siehe unten) aufzunehmen und ins Gespräch zu kommen – am besten möglichst bald. Im direkten Gespräch kann gegenseitiges Verständnis entstehen, Vorfälle eingeordnet und gegebenenfalls eine Aufarbeitung eingeleitet werden.
Es besteht auch die Möglichkeit, der Awareness-Gruppe anonym oder mit Kontaktangabe konkrete (auch anonymisierte) Vorwürfe mitzuteilen.
https://cryptpad.fr/form/#/2/form/view/L4EDw4MnvgBsITKHnP-UMSQb5CquvczzO6hVdg9gVqk/
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