Über die den Hightech-Campus Garching bei München und zwei brennende Strommasten
Am 25. Mai kam es in München-Garching zu einem Brandanschlag auf zwei Strommasten. „Die bisherigen Erkenntnisse deuten klar auf Sabotage hin. Unser Staatsschutz ermittelt mit Hochdruck“, erklärte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Montag. Obwohl der Brand nur zu einem 45-minütigen Stromausfall führte, fällt auf, wie zurückhaltend die Medien hinsichtlich des Ortes und des Kontextes des Vorfalls sind. „Aufgrund des Tatobjekts und der Tatmodalitäten ist von einer politischen Tatmotivation auszugehen“, erklärte die Generalstaatsanwaltschaft, die die Ermittlungen leitet. Die Medien haben jedoch kein Wort darüber verloren, warum das Ziel zu dieser Schlussfolgerung führt. Die nationalen Medien schweigen sich über den Vorfall völlig aus. Eine kurze Internetsuche macht deutlich, warum der Staat so sicher ist, dass es sich um einen Sabotageakt handelte.
Der Ort Garching bei München besteht größtenteils aus einem weitläufigen Campus der Technischen Universität München. Diese Einrichtung, die zu den Spitzenuniversitäten Europas zählt, verfügt über verschiedene Standorte in ganz München. Der Standort Garching wurde 1957 mit der Inbetriebnahme eines Forschungsreaktors eröffnet. Dies war das erste AKW in der Bundesrepublik Deutschland. Dieser Forschungsreaktor wurde nie zur Stromerzeugung genutzt, sondern ausschließlich zu Forschungszwecken; allerdings produziert er seit 70 Jahren Atommüll (vor 20 Jahren wurde ein neuer Reaktor gebaut und der alte stillgelegt). Erst 2025 fand ein weiterer Castor-Transport von Atommüll nach Ahaus statt. Da das Uran in den Brennstäben auf über 90 Prozent angereichert ist, steht der Reaktor seit langem in der Kritik, „waffenfähiges“ Uran anzureichern – das Uran in Atombomben ist auf ein ähnlich hohes Niveau angereichert. Bayern schafft damit theoretisch die Voraussetzungen für die Herstellung von Atomwaffen. Die Brennstäbe in Garching werden mit Wasser aus der Isar gekühlt und nachdem das Wasser radioaktiv verstrahlt ist, wird es wieder in den Alpenfluss eingeleitet. Da es jedoch nur „schwach radioaktiv“ ist, stellt dies laut den Wissenschaftlern in Garching natürlich kein Problem dar.
Neben dem Forschungsreaktor und der Nuklearforschung gibt es in Garching noch jede Menge andere Hightech-Forschung. Neben Astrophysik, Halbleiter- und Plasmaphysik, Energie- und Reaktorsicherheit, Quantenoptik, Maschinenbau und Triebwerkstechnik gibt es seit 2006 das Leibniz-Rechenzentrum. „Dort ist in einem technologisch einzigartig innovativen Technikgebäude mit Hochleistungsklimatisierung eines der weltweit leistungsfähigsten Rechenzentren inklusive der Netzinfrastruktur für den Hochschulstandort München installiert.“
Die TU Garching arbeitet eng mit privaten Unternehmen zusammen und so gibt es seit einigen Jahren den SAP-Campus auf dem TU-Gelände, wo Technologie-Start-ups gefördert und aufgekauft werden. Dass ein führendes DAX-Privatunternehmen auf einem Universitätsgelände einen eigenen Campus unterhält, spricht Bände über die wirtschaftliche und wissenschaftliche Bedeutung Garchings. Die Forschung im „SAP Labs Munich Campus“ konzentriert sich auf künstliche Intelligenz und deckt Bereiche wie die digitale Lieferketten, Umwelt, Soziales und Governance, die Zukunft der Arbeit, synthetische Daten und Quantencomputing ab.
Darüber hinaus verfügt die TU Garching über einen der führenden „Start-up-Hubs“ Europas, das „Entrepreneurship Center Garching“. Hier entstehen jedes Jahr mehr als 140 Tech-Start-ups, darunter beispielsweise Isar Aerospace, deren abstürzende Raketen man regelmäßig im Fernsehen beobachten kann.
Dass diese akademische Schnittstelle aus den technischen Wissenschaften auch für die Rüstungsindustrie inspirierend ist, liegt auf der Hand. Ein Programm der TU München, die „TUM Venture Labs“, vergibt Fördermittel, stellt Laborräume zur Verfügung und ermöglicht Kooperationen für Tech-Start-ups aus allen Bereichen – von Biotech über KI bis hin zur Rüstungsindustrie. So unterhält das TUM Venture Lab eine Partnerschaft mit dem Rüstungsunternehmen Hensoldt, das vor allem für seine Drohnen bekannt ist. „Als führender europäischer DeepTech-Entrepreneurship-Hub sind TUM Venture Labs und unsere Münchner Partner entscheidend für verteidigungsrelevante Innovationen in den Bereichen Weltraum, autonome Systeme und Software/KI“, erklärt Dr. Philipp Gerbert, CEO von TUM Venture Labs. „Hensoldt ist ein unschätzbarer neuer Partner an unserer Seite.“
Die TUM Venture Labs unterhalten Partnerschaften mit zahlreichen Rüstungsunternehmen, insbesondere in den Bereichen Luftfahrt, Satelliten und Drohnen, und fördern diese. Zu den Schützlingen der TUM Venture Labs gehören beispielsweise DeltaOrbit, Vaeridion, deltaVision, Vortex Aerotec und TYTAN Technologies – allesamt Start-ups, die sich auf Innovationen in der modernsten Kriegsführung spezialisieren (KI, Drohnen usw.), sogenannte DefenseTech oder deftec und teilweise Fördermittel in Höhe von mehreren Millionen Euro erhalten. Die Drohnenfirma TYTAN Technologies protzen auf ihrer Webseite : „Built for the battlefield, not the lab“ Ergänzt mit dem Spruch: „Battlefield-testes in Ukraine“.
Am 17. Juni 2026 veranstalten die TUM Venture Labs beispielsweise einen „Defense Fundraising Class“. „Dieser Kurs bringt wichtige Akteure zusammen, um Gründer*innen dabei zu helfen, Risikokapital, öffentliche Förderung und Skalierung im Verteidigungsökosystem zu verstehen.“ Die meisten der Labore, die die TU angehenden Hightech-Wissenschaftler*innen und Rüstungsunternehmen anbietet, befinden sich in Garching.
Dieser Ergänzung ging nur eine kurze Recherche voraus, die deutlich umfangreicher ausfallen könnte. Sie sollte jedoch ausreichen, um den Charakter der Forschung darzustellen, die in Garching seit 70 Jahren betrieben wird.
Es ist davon auszugehen, dass nicht nur Staatsanwälte und Innenminister von der Bedeutung und dem Stellenwert des Standorts in Garching wussten, sondern auch die Saboteur*innen, die vor einer Woche die Brände an den Strommasten in Garching legten.
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