Umverteilung innerhalb linker Bewegungen?!

Finanzielle Solidarität innerhalb linker Bewegungen? Und was haben Bewegungs-Zombies damit zu tun?

Solidaritätsbekundungen ja, finanzielle Solidarität nein

Politische Arbeit braucht (solange das Dreckssystem noch besteht) Geld. Das Geld ist höchst ungleich verteilt – auch innerhalb linker Bewegungen. Soweit, so schlecht.

Auf der einen Seite haben wir Orgas[1], die einfach jede noch so kleine Herausforderung, vor der sie stehen, einfach solange mit Geld bewerfen, bis sie gelöst ist, statt Kreativität oder DIY-Arbeit reinzustecken. Auf der anderen Seite haben wir die, die jeden Euro zweimal umdrehen müssen und mit mehr Mitteln weitaus mehr Sinnvolles erreichen könnten. Und natürlich haben wir Viele, die sich irgendwo dazwischen einordnen lassen.

Der Zugang zu Geld (insbesondere zu Spenden und Förderungen) ist auch sehr unterschiedlich: Ist die Orga groß oder klein? Ist sie akzeptiert/ anschlussfähig oder radikal/ kriminalisiert? Hat sie zahlungskräftige Mitglieder? Solche Unterschiede sind entscheidend.

Gleichzeitig sehen wir kaum Ambitionen, diese Ungleichheiten auszugleichen – von keiner der beiden genannten Pole. Für Viele, die gut bei Tasche sind, scheinen Themen wie Umverteilung, Solidarität und dergleichen nichts mit ihrem eigenen Ressourcen zu tun zu haben. Und solche, die knapp bei Tasche sind, kommen scheinbar nur selten auf die Idee, bei anderen Orgas nach Geld zu fragen (obwohl es löblicherweise auch welche gibt, die offen finanzielle Unterstützung für andere Orgas anbieten).

„Wir brauchen das Geld [oder andere Ressourcen] aber als Rücklage!“ scheint ein häufiges Argument gegen eine Umverteilung zu sein. Wagen wir einen kurzen Ausflug in die Welt der Betriebswirtschaftlehre (BWL). Dort wird, vereinfacht gesagt, von „totem Kapital“ gesprochen, wenn Geld oder andere geldwerte Ressourcen völlig ungenutzt (auf Konten) rumliegen. Durch Inflation oder Alterung verliert das Kapital an Wert und erfüllt gleichzeitig keinerlei Nutzen. 

Bei Rücklagen macht es also Sinn gut darauf zu achten, wie groß diese wirklich sein sollten. Der Rest darf gerne in andere Orgas „investiert“ werden. Auch ab wann die Rücklagen realistischerweise benötigt werden, spielt eine Rolle. So kann ungenutztes Geld einer anderen Orga als kurzfristiges, solidarisches (also unverzinstes) Darlehn helfen. Oder vielleicht ist bis zu dem Ereignis, für das die Rücklage aufgebaut wurde, eh mit hinreichend (spenden-)Einnahmen zu rechnen.

 

Löst euch endlich auf!“

So wichtig Beharrlichkeit auch ist, so sinnvoll es auch ist nicht für jeden Anlass etwas Neues (von Null an) hochzuziehen und gemeinsam organisiert zu bleiben, so kann es dennoch notwendig sein, die eigene Orga aufzulösen.

Wann ist dieser Punkt erreicht? Die Gründe dafür können vielfältig sein. Die Gruppe funktioniert (aus welchen Gründen auch immer) nicht mehr und das lässt sich realistischer Weise nicht mehr ändern. Der eigene grundlegende Ansatz, mit dem mensch angetreten ist, muss als gescheitert[2] verworfen werden (z.B. appellativer Aktivismus). Oder, oder, oder… Es gibt einfach Punkte, wo es sinnvoll ist, sich aufzulösen, einer anderen Orga anzuschließen oder etwas ganz neues zu starten.

Einfacher gesagt, als getan. Die linken Bewegungen sind voller Bewegungs-Zombies. Gemeint sind Orgas, die objektiv gesehen längst unwiederbringlich am Ende sind, oftmals sogar völlig bedeutungslos geworden sind, aber das Logo doch hin und wieder spukhaft auftaucht oder eine verlorene Seele mit einem Fähnchen einer längst fossilen Orga verloren über eine Demo wandelt.

Das eigentliche Probleme aber ist, dass die Bewegungs-Zombies ihr Geld lebendigen Bewegungen vorenthalten. Dazu sind sie Nebelkerzen der Mobilisierung: Mit ihrem teils noch recht bekannten Namen ziehen sie Menschen an und mobilisieren sie damit quasi ins Nichts. Spenden werben sie auch weiterhin ein.

Aufgrund der Entscheidungsdynamiken[3], ist es oftmals wesentlich einfacher gewohnte Dinge wie bspw. Demos zu starten, als einen Step back zu machen – geschweige denn die eigene Auflösung in die Wege zu leiten. Das liegt zumeist daran, dass es einfach ist Vorschläge und Entscheidungen zu blockieren, vor allem aber, dass es überall Menschen gibt, die nicht loslassen können, zwanghaft optimistisch oder einfach mutlos sind.

Beim Niedergang von Orgas lässt sich häufig beobachten, dass die Menschen nach und nach rausdroppen und aus sozialen Ängsten und/ oder mangelnder Ehrlichkeit ihre (wirklichen) Gründe nicht mitteilen. Falls die Orga noch zu transformieren ist, fehlt so wertvoller Input und falls nicht, fehlt den Verbliebenen der Wink mit dem Zaunpfahl. Außerdem bleibt bei einem Zerstreuen der Orga oft die eigene „Nachlassverwaltung“ bzw. Abwicklung auf der Strecke. Die Auflösung anzustoßen oder zumindest ehrlich beim Austritt zu sein, wäre weitaus besser als einfach rauszudroppen.


 

  1. Orgas: hier als Sammelbegriff für alle möglichen Formen von politischen Gruppen und Institutionen ↩︎
  2. gescheitert: Hochhalten von „produktivem Scheitern“, Verklärungen von positiven Ereignissen zu eigenen Erfolgen, obwohl das eigene Handeln dafür nicht ursächlich war oder andere Formen des Selbstbetrugs, sind klare Anzeichen für das Scheitern von Orgas. ↩︎
  3. Entscheidungsdynamiken: Wenn du feststellst, dass faktisch nur bestimmte Leute Entscheidungen in deiner Orga treffen können und deine Stimme kein Gewicht hat, bist du wohl an eine (links-)autoritäre Orga geraten… Aufklärung über Linksautoritarismus findest du z.B. hier: https://redflag.noblogs.org/ ↩︎

 

Mehr vom Thema-Kollektiv: https://themakollektiv.noblogs.org/

 

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