Rechte Propaganda: War Hitler Antikapitalist ?

Rechte Propaganda:War Hitler Antikapitalist?

Die Behauptung, Hitler und die NSDAP seien Sozialisten gewesen, ist eine alte These. Sie wurde ursprünglich von deren Nachfolgepartei, der NPD, und anderen rechten Kreisen verbreitet. Der Grund für diese Darstellung lag darin, dass die NSDAP nach dem Zweiten Weltkrieg von den Siegermächten als verbrecherische Organisation aufgelöst und verboten wurde. Für die 1964 gegründete NPD bestand die Notwendigkeit, sich von der NSDAP abzugrenzen, um nicht ebenfalls verboten zu werden. Seitdem wird von der NPD und anderen rechten Gruppen die Legende verbreitet, die Nazis seien eigentlich Sozialisten gewesen, während man selbst demokratisch sei.

So verfasste beispielsweise der rechte Autor Rainer Zitelmann, der sich mit Hitlers angeblicher "Sozialpolitik" und anderer faschistischer Politik beschäftigte, ein pseudowissenschaftliches Pamphlet zu diesem Thema. Für die Behauptung, die NSDAP sei sozialistisch oder gar antikapitalistisch gewesen, gibt es jedoch keine Fakten. Deshalb wird diese rechte Parteipropaganda von seriösen Historikern stets zurückgewiesen.

In jüngerer Zeit werden ähnliche Behauptungen wiederholt, nun mit der Wendung, Hitler sei eben kein Sozialist, sondern ein "Antikapitalist" gewesen. Solche wirren Thesen finden vor allem im rechtskonservativen und kapitalistischen Spektrum Anklang – also genau in jenen politischen Richtungen, die Hitler einst finanzierten und zu seiner Wahl zum Reichskanzler beitrugen. Dazu gehörten damals die sehr Reichen, die sogenannten Fortschrittsparteien und Wirtschaftsparteien, deren Traditionen heute im rechten Flügel der FDP oder in anderen bürgerlichen Parteien fortbestehen, während offen faschistischen Parteien nach wie vor ein Verbot droht.

Ohne die massive Unterstützung aus Kreisen des Großkapitals wären Hitler und die NSDAP nie an die Macht gekommen – das ist eindeutig bewiesen. Auch die soziale Basis der NSDAP bestätigt dies: Sie lag nicht in der Arbeiterschaft, die mehrheitlich Parteien wie SPD, KPD oder KAPD wählte. Die eigentliche Basis der Nazis bildeten das Kleinbürgertum sowie kleine und mittlere Kapitalisten, die aufgrund der wirtschaftlichen Krisen der Zeit auf die verbrecherischen Parolen und Pläne der Partei hereinfielen. Auch dies ist wissenschaftlich gut belegt.

Neben der Finanzierung durch das Großkapital und der kleinbürgerlichen Basis muss auch betrachtet werden, gegen wen sich die Politik der NSDAP richtete. Innenpolitisch ging es dem Kapital und seiner NSDAP vor allem um die Zerschlagung der Arbeiterparteien, der Gewerkschaften und des antifaschistischen Widerstands, der beispielsweise auch von den Naturfreunden oder religiösen Vereinigungen wie der katholischen Zentrumspartei ausging. Um aufrüsten und eine aggressive Kriegspolitik verfolgen zu können, mussten aus Sicht des Kapitals zunächst alle linken Parteien und Bewegungen zerstört und verboten werden. Dies war spätestens ab 1937 weitgehend umgesetzt.

Gemäß der nationalsozialistischen "Volk-ohne-Raum"-Ideologie war die Sowjetunion der Hauptfeind. Hitler war weder links noch antikapitalistisch. Der Hitler-Stalin-Pakt von 1939 basierte darauf, dass sich Stalin der NSDAP angenähert hatte und behauptete, die eigentlichen Faschisten seien die Sozialdemokraten. Das Bündnis wurde von Hitler bereits kurz nach seinem Abschluss gebrochen, als die Wehrmacht 1941 die Sowjetunion überfiel.

Die Vorstellung, Hitler sei ein Antikapitalist gewesen, entbehrt somit jeder historischen Grundlage. Sie ist vielmehr eine strategische Legende, die von Anfang an dazu diente, die faschistische NSDAP nach 1945 zu rehabilitieren und heutige rechte Politik von der Last der historischen Verantwortung zu befreien.

Hitler war weder Sozialist noch Antikapitalist – er war ein Instrument des Kapitals. Seine Bewegung wurde von industriellen und finanzkräftigen Eliten gefördert, um die organisierte Arbeiterbewegung zu zerschlagen und die Voraussetzungen für eine imperialistische, kriegsorientierte Wirtschaftspolitik zu schaffen. Die sozialrevolutionäre Rhetorik der NSDAP diente lediglich der Mobilisierung einer desillusionierten kleinbürgerlichen und mittelständischen Basis und wurde nach der Machtergreifung umgehend verraten, sobald sie den Interessen der wirtschaftlichen Unterstützer im Weg stand.

Die Wiederbelebung der These vom "antikapitalistischen Hitler" in jüngster Zeit folgt daher keinem historischen Erkenntnisinteresse, sondern einem politischen: Sie soll den Nationalsozialismus von seinem Kern als extremste Form der Herrschaftssicherung des Kapitals im Krisenfall entkoppeln und ihn stattdessen als eine Art "entgleisten Sozialismus" erscheinen lassen. Dies dient der doppelten Entlastung – sowohl der historischen Kapitaleliten, die Hitler an die Macht brachten, als auch der heutigen politischen Rechten, die sich so als angebliche Verteidiger der Marktwirtschaft gegen einen vermeintlich "linken" Totalitarismus inszenieren kann.

Die historische Wahrheit ist klar: Der deutsche Faschismus war die terroristiche Antwort einer in die Krise geratenen kapitalistischen Ordnung auf ihre demokratischen und sozialistischen Gegner. Wer Hitler zum Antikapitalisten stempelt, leugnet nicht nur die Fakten, sondern verharmlost die tödliche Allianz aus Großkapital, Nationalismus und Militarismus, die das 20. Jahrhundert in die Katastrophe führte.

Redaktion Antifaschismus, 21.12.2025

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