"Feminismus" auf Abwegen: Alliance of Internationalist Feminists (B)
Schon lange vertritt die "Alliance of Internationalist Feminists" AoIF in Berlin fragwürdige Positionen. In letzter Zeit hat sich das zugespitzt in offene Sympathie mit Hamas und anderen reaktionären Gruppen. Mit Feminismus hat das leider überhaupt nichts mehr zu tun.
- Dieser Text wurde unmittelbar nach Posting von der Indymedia Moderation gelöscht. Ist auch Indymedia mittlerweile an einem Punkt angekommen, dass Kritik aus einer emanzipatorischen, linksradikalen Perspektive nicht mehr erwünscht ist? -
Kritisiert wegen fragwürdiger Haltungen zu den reaktionärsten Teilen des palästinensischen Aktivismus, war es lange üblicher Abwehrreflex großer Teile der sogenannten „palästinasolidarischen“ Bewegung, zu sagen, selbstverständlich würden ja Hamas etc. sowie Massaker des 7. Oktober abgelehnt, es sei aber nicht notwendig dies ständig zu betonen.
Teil dieser Szene, darunter federführend u.a. die sogenannte "Alliance of Internationalist Feminists“, haben selbst diese halbherzige Distanzierung auf Nachfrage mittlerweile hinter sich gelassen und unterstützen offen sowohl Hamas als auch die Ereignisse des 7. Oktobers 23 ohne jegliche Form von Distanzierung.
Feindbild sind nicht nur die überall gewitterten „Zio-Faschos“ und „Antideutschen“, sondern auch alle Gruppen, die auf eine Versöhnung und Überwindung der Feindschaft im Nahen Osten hinarbeiten. Frieden kann es für die "Alliance of Internationalist Feminists" nur geben, wenn Israel endgültig und dauerhaft von der Weltkarte verschwunden ist.
Zwei Ereignisse in jüngster Zeit wollen wir uns hier etwas näher anschauen.
27.09.25
Während zehntausende Menschen zu einer von einem breiten Bündnis mobilisierten Demonstration und Kundgebung für Gaza nach Berlin-Mitte kommen, veranstaltete in Kreuzberg ein Bündnis sich „radikal“ gebender, dabei aber nur reaktionärer Gruppen ihre eigene Demonstration unter dem Titel „United for Liberation“. Federführend dabei war u.a. die "Alliance of Internationalist Feminists".
Hierzu schreibt die AoIF auf Instagram: „Dieser Text richtet sich an alle mit denen wir die fundamentale Ablehnung von Israhells Recht zu existieren teilen…“ Grundsätzlich reden sie nicht von Israel, sondern ausschliesslich von Israhell oder der „zionistischen Entität“. Ansonsten ist das ein von Pathos triefender Text über das „Recht die Formen des Widerstands selbst zu bestimmen“. Interessant ist vielleicht noch eine Stelle wo sie nicht nur über „weisse Linke“ schreiben, sondern auch über „Nicht-weisse mit weissen Masken“. Kritik von weissen Linken wird aus einer identitären Position abgelehnt (und nicht mir Argumenten). Interessanterweise gilt das für AoIF auch für Kritik von nichtweissen Menschen: Es wird einfach postuliert, diese hätten ja eine „weisse Maske“, seien also eigentlich auch weiss, also bedarf es auch hier keiner inhaltlichen Auseinandersetzung mit Kritik. Wird jede Kritik per se abgelehnt – denn sie kann ja nur von weissen Menschen oder von nichtweissen Menschen mit weisser Maske kommen – wird die eigene Ideologie undurchdringlich und undiskutierbar.
07.10.25
Noch deutlich widerlicher wird es am Jahrestag der Massaker, dem 7. Oktober 2025. AoIF mobilisiert hier zu einer Kundgebung auf dem Alexanderplatz mit einem Sharepic mit vermummten Menschen, im Hintergrund ist ein Gleitflieger zu sehen (wie er am 7. Oktober 25 von Hamas und Co vor der Begehung der diversen Massaker genutzt wurde).
Im Begleittext zum Sharepic mit Gleitschirm heisst es: „Wir entschuldigen uns nicht für unseren Widerstand. Ihr Widerstand ist unsere Hoffung. Generation für Generation, bis zur vollständigen Befreiung. Lasst uns am 7. Oktober die Straßen von Berlin fluten!“ Der Begriff „fluten“ ist hier natürlich ebenfalls eine Anspielung auf den 7. Oktober 23 („Al Aqsa Flut“).
Im weiteren Text wird vom „heroischen Gefängnisausbruch am 7. Oktober vor zwei Jahren“ gesprochen. Das Wort „heroisch“ wird ständig wiederholt, der 7.10.25 sei „gerechtfertigt“ gewesen – schließlich geht es gegen die „zionistische Entität“.
Wir sehen hier eine gefährliche Verschiebung. War seit dem 7.10. die Rechtfertigung von Massakern und brutalster auch sexualisierter Gewalt häufig implizit (indem nicht explizit zu den Verbrechen von Hamas und Co Stellung genommen wurde bzw. eine Kritik daran verhindert wurde), wird mittlerweile von Gruppen wie der AoIF die Gewalt vom 7.10.23 in ihrem ganzen Umfang, also auch in Form von Massakern und schwerster sexualisierter Gewalt, begrüßt und gerechtfertigt. Dies schafft ein Klima, in dem auch in Berlin Menschen, die als angebliche „Antideutsche“ oder „Zionisten“ markiert werden, wirklich Angst haben müssen – bin hin zu Angst um ihr Leben, wie neulich bei den Mordaufrufen gegen die Betreiber*innen des Bajszel in Neukölln.
Mit linker, emanzipatorischer, feministischer Politik und Perspektive hat dies natürlich schon lange nichts mehr zu tun.
Ob es was bringt, hier diesen Text auf Indymedia zu schreiben? Wir sind uns unsicher. Viele Diskurse verlaufen mittlerweile in abgeschotteten Teilen v.a. des Internet (oder auch der anderes realen Welt), Bestätigungsblasen, wo die eigenen kruden Ansichten mit Herzchen garniert werden von anderen mit den gleichen oder ähnlichen kruden Ansichten.
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Ergänzungen
Nova Festival
Es ist ja schön, dass dieses Posting nun endlich von Indymedia stehen gelassen wird - warum werden Kommentare wie der Folgende wiederholt wegmoderiert??
Gepostet von xxx 16.11. 15:50 Uhr und 16.11. 18:55 Uhr und 17.11. 11:08 Uhr von anonymous:
Allen Menschen, die immer noch vom "heroischen Ausbruch" am 7.10.25 schwärmen, wäre der Besuch der Nova Festival Ausstellung in Berlin zu empfehlen gewesen, die heute zu Ende geht.
Die Ausstellung ist hart, aber notwendig. Wer die Ausstellung gesehen hat, die (von den Angreifern selbst dokumentierte) klare islaistische Motivation, brutale Gewalt gegen Zivilist*innen und systematische sexualisierte Gewalt gegen Frauen*, kann gerade aus feministischer Perspektive hier eigentlich nix mehr verteidigen.
Vielleicht überflüssig zu sagen, trotzdem: Das rechtfertigt selbstverständlich nicht das Vorgehen des israelischen Militärs im Gazastreifen (und Westjordanland). Hamas & Netanjahu-Regierung - beide total scheisse, weg damit!