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Artikel-Zitat: “(…) Die Familien der NSU-Mordopfer wurden jahrelang behördlich überwacht, eingeschüchtert, denunziert und wahlweise der „Mittäterschaft“ bezichtigt. Den Opfern selbst wurden u.a. Machenschaften im organisierten Verbrechen unterstellt, da alles für die Morde in Betracht gezogen wurde, nur kein Rassismus. (...)“

 

“Deutschland hat es mit einer braunen RAF zu tun

Der Kasseler Regierungspräsident wurde wohl von einem Neonazi erschossen. Was muss noch passieren, bis Polizei, Staatsanwälte und Verfassungsschützer erkennen, dass der gefährlichste Feind nicht links steht, sondern rechts? (...)

 

„(…) Manche Polizisten aber wiegelten zwei Wochen lang ab: Einen rechtsextremen Hintergrund dieser Tat könne man vergessen. Es ist ein Déjà-vu-Erlebnis: Auch den Familien der NSU-Opfer sagten Beamte, sie sollten schweigen, statt haltlose Verdächtigungen gegen rechte Ausländerhasser in die Welt zu setzen. Rechte Mörder, die durch die Lande ziehen, gebe es in Deutschland nicht. Auch bei den Familien der NSU-Opfer suchte man nach privaten Motiven, nach Blutrache, Spielschulden, angeblichenDrogengeschäften.

Jetzt hört man diese Argumentationsmuster wieder: Auch bei der Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Lübcke suchte man nach etwas Privatem: vielleicht ein Streit? Etwas aus der Vergangenheit des Opfers, oder war vielleicht ein Freund des Sohnes verwickelt, der als Sanitäter am Tatort war? Das Naheliegende wollten manche Ermittler nicht wahrhaben: Dass hier ein Politiker liquidiert worden sein könnte dafür, dass er für das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland einstand. (…) Es gibt weitere Zeichen: In Hessen, wo Walter Lübcke erschossen wurde, laufen allein 38 Ermittlungsverfahren gegen Polizisten wegen rechtsextremistischer Umtriebe. Noch immer ist nicht geklärt, wer der Frankfurter Anwältin Seda Başay-Yıldız angedroht hat, ihre kleine Tochter zu ermorden - die Daten der Familie wurden aus dem Dienstcomputer einer Frankfurter Polizeiwache abgerufen, der Drohbrief war mit "NSU 2.0" unterzeichnet. Die verdächtigen Beamten schweigen. (...)“ (Süddeutsche Zeitung, 18.06.19)

 

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