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Wenn der Erfolg der G20 Proteste von Pauli – Paname Connexion gerne im trendy postautonomen Bewegungs-Dreiklang mit Parteien und NGOs, ordentlich Sachschaden und dufte RAS und St. Pauli Fans beschrieben wird und das Ganze noch mit etwas Flora und alte Leute Bashing und Autonomen-Klischees garniert wird, geschenkt. 



Allerdings werden dazu auch zahlreiche Unwahrheiten behauptet oder Dinge bewusst oder unbewusst in einem falschen Kontext dargestellt und selbst Verschwörungstheorien Raum eingeräumt.



Es gab in den öffentlichen Vollversammlungen und Arbeitsgruppen zu Welcome to hell (so closed war der Shop nämlich gar nicht) zum Beispiel keine einzige Stellungnahme oder vorgetragene Position, die davon ausgegangen wäre, dass Kameras und Öffentlichkeit befürchtete Übergriffe auf die Demonstration verhindern würden?! Gibt es dazu eine Quelle oder ist das von Pauli – Paname Connexion einfach mal so behauptet worden?



Ich verweise an dieser Stelle stattdessen auf das an diesem Punkt ausführliche veröffentlichte Nachbereitungspapier des Vorbereitungskreises:
 https://de.indymedia.org/node/15915



Der Glaube Angriffe der Polizei durch Öffentlichkeit unterbinden zu können klingt mehr als naiv und die Unterstellung solcher Naivität ist ohne Grundlage. Dies wirft Fragen gegenüber der gesamten Motivation und Glaubwürdigkeit des Textes auf.



Bei Welcome to hell waren jedenfalls Gruppen und Strukturen aus unterschiedlichen politischen Zusammenhängen beteiligt. Teilweise auch von Orten und Szenen auf die sich im Text an anderer Stelle positiv bezogen wird.

Distanzierungen wurden im Anschluss dabei innerhalb aller Strukturen als Fehler kritisiert. So was ist aber mit und in in den entsprechenden Strukturen zu diskutieren. 



Es scheint nun z.B. ein leichter Punkt den Demoleiter nochmal für seine offensichtlich unsinnigen Äußerungen aus einer emotionalen Ausnahmesituation heraus abzuschießen. Es wurde von diesem allerdings auch eine längere selbstkritische Erklärung hierzu veröffentlicht. 



Unangenehm wird es allerdings wenn sich dann aufs hohe moralische Ross gesetzt wird und nicht wenig Heuchelei schwingt mit, wenn mangelnde Unterstützung für diesen vom eigenen Welcome to Hell Bündniss im Anschluss nahegelegt wird. Dies ist inhaltlich falsch und ein problematischer Umgang mit Informationen. 



Auf St. Pauli wird auch der betrunkenste Seemann wieder mit an Bord genommen wenn das Schiff ablegt.

Das sollte auch Pauli – Paname Connexion wissen wenn sie schon mit solchen Klischees spielen. Das alles wäre einfach mit einem Kopfschütteln zur Kenntnis zu nehmen. Es ist schließlich schon mehr Unsinn geschrieben worden.



Übel wird es vor aber vor allem wenn die Demonstration in der Elbchaussee von Pauli – Paname Connexion nicht mehr als Teil der Gipfelproteste beschrieben wird. Hier betreiben sie Bullenarbeit und eine Form der Distanzierung. Dass sie sich dabei blödsinnigen Verschwörungstheorien bedienen macht es noch schlimmer.



Als Begründung liefern sie die Aussage, dass sie niemand kennen der oder die dabei war, sie selber offensichtlich nichts damit zu tun haben, und ihnen auch keine Bekennungen oder Namen von verantwortlichen Zusammenhängen bekannt sind. 



Ich mache mal bewusst etwas falsches, was mensch nun eigentlich nicht tun sollte, niemals nie, auf gar keinen Fall, in keiner Notlage und schon gar nicht hier. Bitte nicht nachmachen: Ich gestehe, dass ich ebenfalls keine Kenntnisse von irgendwelchen Hintergründen oder Beteiligten habe. Auch in meiner Stammkneipe hat noch niemand etwas von Leuten die dabeigewesen sein sollen am Tresen gehört und auch im Internet habe ich nichts von beteiligten Gruppen gelesen.

Ebensowenig habe ich allerdings eine Ahnung wer den Text von Pauli – Paname Connexion geschrieben hat. Ich gehe trotzdem nicht davon aus, dass er aus einer Polizeifeder oder vom Verfassungsschutz stammt um durch Diskussionen auf Indymedia solche neuen Informationen und Erkenntnisse zu gewinnen, ich fürchte der Unsinn ist leider völlig ernst gemeint.



Nicht jede Aktion die ohne Kenntnis oder Genehmigung von Vorbereitungsbündnissen stattfindet ist gleich eine Bullenaktion. Jede Äußerung in diesem Zusammenhang liefert aus Ermittlungssicht aber neue Informationen und grenzt konstruierte Täter*innenkreise ein. 



Deshalb sind ALLE Spekulationen und auch alle Äußerungen damit selbst nichts zu tun zu haben in diesem Zusammenhang gefährlich und aus Antirepressionsperspektive abzulehnen. Und unverpixelte Bilder haben in Zeiten von Öffentlichkeitsfahndungen nichts mehr im Internet verloren. Auch nicht in Form von Weiterverbreitung wenn sie bereits veröffentlicht wurden!



Pauli – Paname Connexion finden Antirepressionsarbeit zwar vordergründig gut aber untergraben diese durch ihren Umgang. Das ist hochunsolidarisch gegenüber Betroffenen der Repression.

Ist ja z.B. schön und super wenn Genoss*innen aus Frankreich bei dem Text mitgeschrieben haben. Andere Compas aus Frankreich sitzen aber grade in Haft und ihrem Ermittlungszusammenhang wird nun eine Nähe zu verdeckten Polizeiaktionen unterstellt und es werden Bekennungen eingefordert. Habt ihr sie noch Alle?



Pauli – Paname Connexion mag es ja teilweise blöd finden, wenn Kleinwagen von Anwohner*innen angezündet werden. Finden tatsächlich nicht wenige im Stadtteil und deshalb ist es durchaus aus auch legitim darüber in einem politischen Kontext zum Beispiel bei Stadtteilversammlungen zu sprechen. Kritisch in der Form sind solche Auseinandersetzungen vor dem Hintergrund laufender Ermittlungsverfahren und weil sie eben schnell selbst zu Distanzierungen werden. Sich diesem Protestkontext aber politisch in Gänze zu entledigen indem er einfach als Bullenaktion diffamiert wird, hat etwas von alternativer Faktenproduktion und Verrat. 



Kein mensch kann doch im ernst und ohne so zu lachen, dass ihm der Aluhut vom Kopf fällt annehmen die Polizei würde in Hamburg in der Lage sein eine Demonstration mit mehreren hundert Teilnehmer*innen als verdeckte Ermittler*innen und Provokateur*innen zu organisieren und mal eben die Elbvororte demolieren. 



Dies stand zudem maßgeblich für das Scheitern der polizeilichen Einsatzstrategie und damit die internationale Wahrnehmung der Gipfelproteste am Freitagmorgen. Sicherheitsbehörden hätten weder ein Motiv noch wären sie einsatztechnisch in der Lage sich solch ein Eigentor zu schießen. 



Der G20 in Hamburg wird in vieler Hinsicht sicher ein lokaler Mobilisierungshöhepunkt für die nächsten Jahre gewesen sein. Die Gründe dafür sind vielfältig und nicht in einem Satz zu erklären. Nicht nur die Mobilisierungskraft der unterschiedlichen Spektren, sondern insbesondere die Verwobenheit der stadtpolitischen Strukturen vor Ort hatte einen großen Anteil daran. 



Die Rote Flora ist Teil von Recht auf Stadt. St. Pauli Fans sind Autonome. Anwohner*innen sind Militante. Künstler*innen basteln schwarze Blöcke und politische Aktivist*innen machen Kunst. Diese Bezüge in ihren Überschneidungen und ihrer Differenzkultur gilt es zu erhalten und zu verteidigen. Auch gegen eindimensionale Zuschreibungen und Spaltungsversuche aus eigenen Strukturen.



Entweder Pauli – Paname Connexion hat keine Ahnung von diesen Strukturen oder sie betreiben ein bewusstes Spiel um eigene Vorstellungen als die einzig gültige Form darzustellen. So oder so wäre es gut wenn sie nur für sich selbst sprechen und keine Noten über Straßenproteste als Geschenkkorb für Aktivist*innen in Ländern des globalen Südens verteilen.



Alle Gipfelproteste haben eigene Realitäten und Bedingungen. Wir können dabei vor allem von den Erfahrungen der Aktivist*innen vor Ort etwas lernen. Sie bringen ebensoviel Know-How, Wissen und eigene Erfahrungen mit, wie alle die an den Protesten gegen den G20 beteiligt waren und möglicherweise wieder beteiligt sein werden. Auch ohne Handreichungen und Bedienungsanleitungen vom Bewegungsmanagement. 



Fazit



Als vermeintliche Zusammenfassung der Proteste in Hamburg und offener Brief mit dem Anspruch eine Fackel des Protestes weiterzureichen ist der Text unangemessen. Er ist eine Form der Vereinnahmúngspolitik von Bewegungsmomenten für die eigenen Vorstellungen von politischer Organisierung. 



Genoss*innen in die Pfanne zu hauen die in öffentlichen Stellungnahmen fraglos große Fehler gemacht haben (und hierzu eigene selbstkritische Erklärungen veröffentlicht haben) überlassen wir hier gerne der Unfehlbarkeit und Scheinheiligkeit von anderen. Auf St. Pauli pflegen wir eine andere Diskussionskultur und sprechen lieber mit- statt übereinander.

Wenn es etwas gibt das den Compas beim nächsten G20 zu empfehlen ist, dann ist es solche Grundsätze zum Selbstschutz ihrer Strukturen zu beherzigen. 

Es werden Widersprüche und Konflikte entstehen, es werden kollektive Fehler gemacht werden, die im Zweifelsfall einzelnen angehängt werden. Wo gearbeitet wir werden Fehler gemacht. Insbesondere dort wo wir mit der massiven Gewalt von Repressionsorganen oder Zersetzungsstrategien staatlicher Behörden konfrontiert sind.



Umso wichtiger ist es Diskussionen gemeinsam zu führen statt zu vermeiden, umso schädlicher ist es selber solche Zersetzung zu betreiben und z.B. Bashing über soziale Medien zu betreiben. Für diesen Ansatz stehen übrigens auch auch die völlig zurecht gelobten Stadtteilversammlungen. Das ist mein St. Pauli.


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