Gebäude auf ehemaligem Schlachthof Vogler besetzt21.06.2022 - VON JENS FEUERRIEGELAnzeige
Steine. Als Yamato, Rascal und Sumak am Sonnabend ihre neue Unterkunft bezogen, dürften sie vielleicht von zwei Dingen überrascht gewesen sein: Es gibt Strom, und es gibt Wasser. Das ist nicht selbstverständlich, wenn ein Haus über vier Jahre lang leergestanden hat. „Zum Dorf gehört, dass dort Menschen wohnen“, meint jedenfalls Yamato. Und ist dann einfach mit einigen weiteren Mitstreiter/innen dort eingezogen. Ohne Mietvertrag. Es ist nicht irgendein Haus. Es ist das ehemalige Verwaltungsgebäude des Schlachthofes Vogler in Steine. Büroarbeiten finden dort seit 2017 nicht mehr statt, als das Unternehmen in die Insolvenz gerauscht war. Jetzt haben das Haus und der Einzug eine klare politische Botschaft zu erzählen: „Steine wird wieder Dorf“. Ein Transparent mit diesem Slogan hängt mit einem Hauch von Anarchie an einem Balkon in Richtung Landesstraße. Doch wie lange noch?
„Eingezogen, um zu bleiben“
Yamato (34), Rascal (25) und Sumak (22), die sich mit der EJZ unterhalten, heißen in Wirklichkeit anders. Aber die Namen wollen sie nicht in der Zeitung lesen. Und ihre Gesichter auch nicht auf den Fotos erkennbar machen. Es ist nämlich etwas mehr als nur ein normaler Einzug. Es besteht der Verdacht auf Hausfriedensbruch. Die Polizei weiß davon. Sie will jetzt erst einmal Kontakt mit der Eigentümerin aufnehmen. Nur wenn die Strafantrag stelle, müsste die Polizei wohl eingreifen, hieß es am Montag. Es könnte aber auch sein, dass die Eigentümerin einen solchen Einzug duldet oder sich nicht weiter darum kümmert. Was nicht überraschend wäre. Die Huarong Group Deutschland hat chinesische Wurzeln und mit ihrem Tochterunternehmen Huahui Fleisch GmbH 2017 das Vogler-Betriebsgelände gekauft. Wer die Mutter-Gruppe Montagnachmittag anruft, findet keinen Gesprächspartner. Wer eine Mail schickt, bekommt keine Antwort.
„Wir sind eingezogen, um zu bleiben“, sagt jedenfalls Rascal. Und ihr Zusatz, dass „dieses Haus für mehr als eine Gruppe reicht“, darf durchaus als Einladung verstanden werden. Dem Trio geht es zum einen darum, dass es auch zukünftig, anders als von der Huarong Group offenbar geplant (EJZ berichtete), keinen Schlachtbetrieb mehr gibt in Steine. Mit ihrer Aktion wollen Yamato, Rascal und Sumak das Gewerbegebiet wieder ins Dorf integrieren. Zum anderen wollen sie ihre Aktion auch als Protest gegen Massentierhaltung verstanden wissen und wie in diesem System „Tier und Menschen behandelt werden“. Yamato sagt, dass es zudem um „grundsätzlich andere Formen des Zusammenlebens“ gehe, eine antikapitalistische Idee davon, wie eine Dorfgemeinschaft auf dem Lande aufgebaut sein könnte. Explizit queere Personen und people of colour bräuchten solchen Raum. Wenn es ein Miteinander auf Augenhöhe gäbe, wären auch ukrainische Flüchtlinge wohl willkommen, heißt es auf Nachfrage der EJZ.
„Keiner kann Interesse haben, dass hier etwas leer steht“
„Das Gebäude war sofort beziehbar“, sagt Rascal. Steine sei „ein neuer Platz für neue Ideen“. Angst vor einer Räumung? Yamato: „Es kann keiner ein Interesse daran haben, dass hier etwas leer steht.“ „Wir wurden sehr freundlich empfangen“, erzählt Sumak. Die Neuen bieten interessierten Leuten an, sich am Mittwoch ab 15 Uhr vor Ort über die Aktion zu informieren. Am Sonntag, dem 26. Juni, lädt die Gruppe zudem ab 15 Uhr zu einem „offenen Rollschuhfahren“ ein auf dem Gelände des ehemaligen Schlachthofes.
Zur Erinnerung: Das Gewerbeaufsichtsamt hatte den Antrag der Huahui Fleisch GmbH abgelehnt, in Steine die Betriebsgenehmigung zu verlängern. Eine neue Inbetriebnahme müsste sich strengeren Vorgaben stellen, teilt die Bürgerinitiative „Steine wird wieder Dorf“ mit. Auch habe der Gemeinderat mit einem Beschluss den Kirschweg wieder öffentlich zugänglich gemacht. Mit Kontaktaufnahmen zu den Investoren sei auch die BI in den vorigen neun Monaten immer wieder gescheitert, heißt es. gel
EJZ
Aktivist:innen in Steine
Gebäude auf ehemaligem Schlachthof Vogler besetzt21.06.2022 - VON JENS FEUERRIEGELAnzeige
Steine. Als Yamato, Rascal und Sumak am Sonnabend ihre neue Unterkunft bezogen, dürften sie vielleicht von zwei Dingen überrascht gewesen sein: Es gibt Strom, und es gibt Wasser. Das ist nicht selbstverständlich, wenn ein Haus über vier Jahre lang leergestanden hat. „Zum Dorf gehört, dass dort Menschen wohnen“, meint jedenfalls Yamato. Und ist dann einfach mit einigen weiteren Mitstreiter/innen dort eingezogen. Ohne Mietvertrag. Es ist nicht irgendein Haus. Es ist das ehemalige Verwaltungsgebäude des Schlachthofes Vogler in Steine. Büroarbeiten finden dort seit 2017 nicht mehr statt, als das Unternehmen in die Insolvenz gerauscht war. Jetzt haben das Haus und der Einzug eine klare politische Botschaft zu erzählen: „Steine wird wieder Dorf“. Ein Transparent mit diesem Slogan hängt mit einem Hauch von Anarchie an einem Balkon in Richtung Landesstraße. Doch wie lange noch?
„Eingezogen, um zu bleiben“
Yamato (34), Rascal (25) und Sumak (22), die sich mit der EJZ unterhalten, heißen in Wirklichkeit anders. Aber die Namen wollen sie nicht in der Zeitung lesen. Und ihre Gesichter auch nicht auf den Fotos erkennbar machen. Es ist nämlich etwas mehr als nur ein normaler Einzug. Es besteht der Verdacht auf Hausfriedensbruch. Die Polizei weiß davon. Sie will jetzt erst einmal Kontakt mit der Eigentümerin aufnehmen. Nur wenn die Strafantrag stelle, müsste die Polizei wohl eingreifen, hieß es am Montag. Es könnte aber auch sein, dass die Eigentümerin einen solchen Einzug duldet oder sich nicht weiter darum kümmert. Was nicht überraschend wäre. Die Huarong Group Deutschland hat chinesische Wurzeln und mit ihrem Tochterunternehmen Huahui Fleisch GmbH 2017 das Vogler-Betriebsgelände gekauft. Wer die Mutter-Gruppe Montagnachmittag anruft, findet keinen Gesprächspartner. Wer eine Mail schickt, bekommt keine Antwort.
„Wir sind eingezogen, um zu bleiben“, sagt jedenfalls Rascal. Und ihr Zusatz, dass „dieses Haus für mehr als eine Gruppe reicht“, darf durchaus als Einladung verstanden werden. Dem Trio geht es zum einen darum, dass es auch zukünftig, anders als von der Huarong Group offenbar geplant (EJZ berichtete), keinen Schlachtbetrieb mehr gibt in Steine. Mit ihrer Aktion wollen Yamato, Rascal und Sumak das Gewerbegebiet wieder ins Dorf integrieren. Zum anderen wollen sie ihre Aktion auch als Protest gegen Massentierhaltung verstanden wissen und wie in diesem System „Tier und Menschen behandelt werden“. Yamato sagt, dass es zudem um „grundsätzlich andere Formen des Zusammenlebens“ gehe, eine antikapitalistische Idee davon, wie eine Dorfgemeinschaft auf dem Lande aufgebaut sein könnte. Explizit queere Personen und people of colour bräuchten solchen Raum. Wenn es ein Miteinander auf Augenhöhe gäbe, wären auch ukrainische Flüchtlinge wohl willkommen, heißt es auf Nachfrage der EJZ.
„Keiner kann Interesse haben, dass hier etwas leer steht“
„Das Gebäude war sofort beziehbar“, sagt Rascal. Steine sei „ein neuer Platz für neue Ideen“. Angst vor einer Räumung? Yamato: „Es kann keiner ein Interesse daran haben, dass hier etwas leer steht.“ „Wir wurden sehr freundlich empfangen“, erzählt Sumak. Die Neuen bieten interessierten Leuten an, sich am Mittwoch ab 15 Uhr vor Ort über die Aktion zu informieren. Am Sonntag, dem 26. Juni, lädt die Gruppe zudem ab 15 Uhr zu einem „offenen Rollschuhfahren“ ein auf dem Gelände des ehemaligen Schlachthofes.
Zur Erinnerung: Das Gewerbeaufsichtsamt hatte den Antrag der Huahui Fleisch GmbH abgelehnt, in Steine die Betriebsgenehmigung zu verlängern. Eine neue Inbetriebnahme müsste sich strengeren Vorgaben stellen, teilt die Bürgerinitiative „Steine wird wieder Dorf“ mit. Auch habe der Gemeinderat mit einem Beschluss den Kirschweg wieder öffentlich zugänglich gemacht. Mit Kontaktaufnahmen zu den Investoren sei auch die BI in den vorigen neun Monaten immer wieder gescheitert, heißt es. gel
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