Die FRAPORT-Regierung feiert…

Wolf Wetzel 16.05.2009 13:49 Themen: Blogwire Globalisierung Medien Repression Soziale Kämpfe Ökologie
Die FRAPORT-Regierung, ein Mix aus wählbaren und nicht-wählbaren Mitgliedern feierte am 8.Mai 2009 ihre Art der Befreiung.
Die FRAPORT-Regierung feiert…

Am 8. Mai 2009 lud die FRAPORT-Regierung zum ›Ersten Spatenstich‹ auf dem Gelände der geplanten neuen Landebahn Nord-West des Frankfurter Flughafens ein. Die über 200 geladenen Gäste aus Wirtschaft und Politik hatten allen Grund zu feiern: Nachdem der Bau der Startbahn 18-West in den 80er Jahren der SPD-Landesregierung fast den Kopf gekostet hätte, der Widerstand eine Breite und Entschlossenheit angenommen hatte, dass das Gespenst von der ›Unregierbarkeit einer ganzen Region‹ die Runde gemacht hatte, blieb der Wortbruch (»Nach dem Bau der Startbahn wird kein Baum mehr für den Flughafen fallen« SPD-Ministerpräsident Holger Börner, 1981) und die Rodung von über 250 Hektar Wald, deren Rechtmäßigkeit erst gerichtlich geprüft wird, ohne große Folgen. Bis heute ist FRAPORT nicht Eigentümer der gerodeten Flächen, ein Bürgerbegehren gegen den Verkauf des Kelsterbacher Waldes zugunsten der FRAPORT steht noch aus.
Während der Kapitalismus in der schwersten Krise seit den 30er Jahre ist, ›Der Spiegel‹ seinen LeserInnen erklärt: »Warum der Kapitalismus nicht aus seinen Fehlern lernen kann« schlugen bei den Feierlichkeiten alle Mantras zu Wachstum, Slots und Megahubs Purzelbäume: »Wenn es dem Frankfurter Flughafen gutgeht, geht es auch der Stadt Frankfurt gut« (OB Petra Roth) … »Damit können wir uns langfristig im Wettbewerb der bedeutenden Hub-Airports weltweit behaupten« (FRAPORT-Vorstandsvorsitzender Wilhelm Bender).

Ist es nicht an der Zeit, über eine Wirtschaftsordnung nachzudenken, die mehr als 1.000.000.000 Euro an öffentlichen Geldern zur Sozialisierung der Schulden von Spitzenverdienern ausgibt, während seit Jahren eine Erhöhung der Hartz-IV-Sätze in Höhe von 345 Euro mit der Argumentation abgelehnt wird, es sei kein Geld da?
Ist es nicht zynisch, mit postkolonialer Gestik, tausende Kilometer entfernt den Regenwald retten zu wollen (›1 Kasten Bier = 1 qm Regenwald‹), während hier Hunderte von Hektar Wald gerodet werden, damit »rote Rosen aus Kenia und Ecuador, Schafsdärme aus Iran, Angelwürme aus Schanghai« (FAZ vom 18.4.2009) eingeflogen, Rollrasen für die Diktatur in Usbekistan ausgeflogen werden können, die Business-Class von Frankfurt nach Stuttgart fliegen und Gelangweilte zum Shoppen nach Paris jetten können?

Eine Fotostory mit makabren Fotos von den ›Feierlichkeiten‹ findet ihr unter:
 http://wolfwetzel.wordpress.com/2009/05/14/8-5-2009-fraport-regierung-feiert-eine-fotostory/

Wolf Wetzel
Autor der dokumentarischen Erzählung ›Tödliche Schüsse‹, Unrast Verlag 2008
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Ergänzungen