Bln: Tempelhof für alle? Tempelhof für alle !

immer, wer fragt 25.07.2008 17:03 Themen: Freiräume
Bericht vom ersten Vernetzungstreffen für Aktivitäten rund um die Schließung des Flughafen Tempelhofs in Berlin.
Tempelhof für alle? - Tempelhof für alle!


Die Schließung des Flughafens Tempelhof in Berlin steht bevor. Am 30.10. wird das letzte Flugzeug starten, einen Tag später ist dann die Schließung angekündigt. Zu diesem Zeitpunkt werden rund 4.000.000 Quadratmeter innerstädtische Fläche frei, nicht zu vergessen die Flughafengebäude und Hangars. Die Schließung des Flughafens war schon lange öffentliches Thema, zuletzt in Form eines "Volxentscheids" zur Schließung. Das dort angetretene Bündnis aus - innerhalb des bürgerlichen Spektrums - linken Parteien und Organisationen warb für die Schließung mit den Slogans "Tempelhof für alle" oder "Kein VIP-Flughafen". Inwieweit sich diese Gemeinwohlorientierung bewahrheiten wird, darf aber zumindest aus radikaler Sicht stark bezweifelt werden. Geplant sind neue moderne Wohnanlagen, die vor allem in den angrenzenden Bezirk Neukölln hineinreichen, Ansiedlungen der allseits beliebten "Kreativ- und Kulturwirtschaft", sowie eine durchgestylte Parklandschaft in Form eines "Wiesenmeeres". So manche und mancher ahnt hier die Folgen. Tempelhof für viele vielleicht, aber bestimmt nicht für alle. Doch noch ist nichts beschlossen, die Planungen existieren zwar auf der Senatsseite, müssen aber noch das gesamte Verfahren von Planung und Bau durchlaufen.

Vor diesem Hintergrund wurde vor gut einer Woche zu einem ersten Vernetzungstreffen eingeladen, um die Perpektiven radikaler Positionen in der Auseinandersetzung um einer Nachnutzung des Flughafens zu besprechen. Der Einladung folgten dann doch unerwartet viele Personen, zudem aus den unterschiedlichsten Gründen und verschiedenen Ecken der Stadt.

Ein wesentlicher Punkt waren die schon jetzt zu beobachtenden Veränderungen in den angenzenden Neuköllner Kiezen. Es wurde von regen Aktivitäten der Immobilienbranche berichtet, rund um den Flughafen werden Häuser massiv besichtigt und aufgekauft. Im Verlauf der Diskussion wurde somit schnell klar, dass die Arbeit dort vor Ort ein wesentlicher Bestandteil eines Tempelhof-Bündnisses sein muss und vor allem sehr bald anlaufen sollte. Vorgeschlagen wurden Infoveranstaltungen und Infostände, die Entwicklung eines alternativen Nachnutzungsplan von unten, Aufklärung der Leute durch eine Broschüre oder schlichtweg gute Kontaktmöglichkeiten für Menschen aus den Kiezen. Natürlich soll es auch eine Zusammenarbeit mit allen schon bestehenden Projekten und Initiativen geben, die dazu auch ausdrücklich eingeladen sind.

Ein anderes Thema ist die Fläche des Flughafens selbst. Bei so viel freiem Raum besteht natürlich das berechtigte Interesse, diesen nicht nur für "town houses" oder "Wiesenmeer" zu nutzen. Ob Wagenburg, Gärten oder unkommerzielle Kultur und Partys, die Ideen sind zur Genüge da, die Umsetzung wird weiter besprochen werden müssen.

Tempelhof ist aber auch eine politische Frage. Wie schon angedeutet, bahnt sich ein weiteres Beispiel für eine Stadtentwicklungspolitik an, die zwar unter der Label "für alle" verkauft wird, aber effektiv aus Ausschluss und Verdrängung von Minderheiten besteht. Genau hier möchten viele ansetzen und Tempelhof in den Kontext der gerade entstehenden Bewegung gegen eine solche Stadtentwicklungspolitik bringen. Im Gegensatz zu MediaSpree, wo viele Dinge erst zu spät angegangen wurden, bietet sich hier die Gelegenheit früher dabei zu sein. Ob solch eine politische Arbeit dann in einem alternativen Nachnutzungskonzept für das ganze Gelände endet, wird zu diskutieren sein.

Niemals darf bei der gesamten Sache die Problematik des Flughafenbaus selbst vergessen werden. Als riesiger Flughafen, Paradefeld und Bunker in der NS-Zeit geplant, gebaut und nicht fertiggestellt, wird der Flughafen heute als spektakulärer Bau und Symbol der Luftbrücke dargestellt. Auch hiermit werden sich möglichweise Leute beschäftigen.

Klar scheint, dass die Schließung des Flughafens in irgendeiner Weise öffentlich "begleitet" werden soll. Dem in den Mainstreammedien zu erwartenden emotionalen Abschied von Flughafen, Luftbrücke und der gut alten Zeit soll ein lautes "Hallo Freiraum Tempelhof" entgegengesetzt werden. Auch hier gibt es viele Ideen aber noch keine Entscheidungen.


Unter dem Strich wartet eine Mengen Arbeit auf die entstehende Initiative. Strukturen sind aufzubauen, AGen zu bilden, Materialien zu erstellen und die Diskussionen weiter zu führen.

Es wird eingeladen zum zweiten Treffen: Donnerstag, 31.07., 18h, Blauer Salon in den Mehringhöfen, Gneisenaustr. 2a
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Ergänzungen

besetzen

Anwohner 26.07.2008 - 14:44
Wie Erfahrungen aus anderen Freiraum-Projekten zeigen besteht die einzige Möglichkeit wirklich Einfluss zu nehmen in einer frühzeitigen Besetzung durch einen große Anzahl gut organisierter Menschen mit Unterstützung aus den Bezirken. Falls wir das schaffen besteht angesicht der unglaublich rießgen Fläche einen reale Chance Berlin wieder ein bischen freier zu machen.

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freirauuum

kapitalistischeranarchistOderso 25.07.2008 - 20:47
ich will tempelhof nur haben wenn ich mir dort ne bambushütte hinstellen darf in der ich dann leben kann?!

....für alle ?

Zappa 26.07.2008 - 16:56
Wenn ihr einen Tempelhof für alle (auch aus radikaler Sicht) fordert, schließt Ihr doch damit bereits einen Großteil der Bevölkerung von vorneherein aus. Nicht jeder Berliner fühlt sich in einer unorganisierten Umgebung wohl, in der (dann gerade!) radikale Tendenzen vorherrschen. Ein ähnliches Projekt wäre ja z.B. die Hafenstraße in St.Pauli oder auch das Leibnizgelände in Hannover. All diese Vorläufer zeigen, dass sie zum umkippen neigen, und dann eben doch nicht "für alle" da sind.

Ich bevorzuge eine offene Wohngegend, keine Nobelbauten, sondern ein durchmischter Wohnbezirk aller Mietpreisklassen, gepaart mit öffentlichen Grünanlagen und vor allem einer freien kulturellen Szene abseits vom Mainstream und Geldmacherei. Auf keinen Fall befürworte ich, dass radikale Gruppen gleich welcher Richtung, hier auch nur ein Wörtchen mitzureden haben !