[LE] Herrschaft in der Sphäre der Partykultur Beispiel IfZ

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In verschiedenen öffentlichen Berichten im Internet oder der Jungle World Nr. 35, 29. August 2013 gebärdet sich das IfZ als emanzipatorischer und kritischer Raum des Hedonismus. Zitat: „Die Betreiber des IfZ verbindet das gleiche Selbstverständnis, der Club ist als Rückzugsraum und Ort für emanzipatorische Politik gedacht. »Dafür haben wir eine Tür«, ruft ein staubverschmierter Mann und stopft sich zur Stärkung ein Brötchen in den Mund. Ja, erklären die beiden Mitarbeiter des IfZ, eine entschlossene Einlasspolitik sei Teil des Konzepts. Deshalb schulen sich einige Kollektivmitglieder in einer eigenen Arbeitsgemeinschaft.“ Was ich aber am Silvesterabend erleben musste kommuniziert eine ganz andere Sprache.

Sie spricht die Sprache der Herrschaft die sich aus der Herrschaft selbst heraus begründet. Zu zweit verbrachten ich mit einem befreundeten Menschen zwei Wochen Urlaub in Leipzig, zum chillen und feiern. In der Silvesternacht wollten wir uns dann gegen halb 5 Uhr das IfZ anschauen und feiern, über das wir entsprechend der Berichte so gutes gehörtes hatten. In einer fröhlichen und ausgelassenen Stimmung stellten wir uns also bei der eisigen Kälte diser Nacht, an der Schlange an. Die Schlange hat uns nicht weiter gewundert, schließlich waren viele Menschen in dieser Nacht auf der Suche nach einem Ort zum Feiern. Auf dem Weg durch die Absperrung vertrieben wir uns die Zeit mit lustigen Pantomime Spielen um uns warm zu halten. Was auch andere Gäste animierte sich zu beteiligen und uns viel positive fröhliche Unterhaltungen und eine entspannte freundliche Stimmung bescherte. Auch unsere Getränke im Rucksack (Eistee und ein Bier) verteilten wir freigiebig an andere durch die lange Wartezeit durstige Gäste. Wir hätten ohnehin vor uns im IfZ mit Getränken zu versorgen um es zu unterstützen. Als wir schließlich nach 1,5h an der Reihe waren wurden wir mit dem einfachen Satz „So, für euch geht’s jetzt hier lang“ fort gebeten. Erstaunt von diesem Bruch der Stimmung und hilflos vor dieser Autoritären Ausstrahlung von symbolisierter Gewalt in Form von Kleidung und einer offensiven Körperhaltung, fragte ich schlicht „Warum?“, worauf in überlegener Selbstsicherheit vom Türsteher geantwortet wurde „ Das müssen wir nicht begründen!“. Um meiner völligen Enttäuschung und Erstaunen über den Bruch Ausdruck zu verleihen fragte ich noch ob wir denn „zu nett gewesen wären“. Aber auch nur der geringste Versuch der Verständigung um zu verstehen, wurde klar zurückgewiesen. Eine weitere Person die sich aus der Schlange heraus solidarisch an uns wandte und uns mitteilte dass sie es auch nicht versteht und es ungerecht findet, wurde ebenfalls direkt aus der Schlange verwiesen, allein weil sie mit uns gesprochen hatte.
Genauso gebärdet sich die Macht wenn sie nicht der Vernunft unterworfen wird. Der Mächtige muss seine Herrschaft nicht begründen. Aber nicht aufgrund einer moralischen Prinzips sondern weil er es kann! Derjenige der sich nicht auf eine Moral oder ein Prinzip beruft sondern aus der Macht selbst das Motiv seiner Herrschaft bezieht, beruft sich auf das primitive Recht des Stärkeren, das keine Debatte und keine Kritik zulässt, ja, auch noch jeden Austausch darüber unterbindet indem es ihn sanktioniert. Das Reden ist zu ende, die vermittelte Gewalt Herrscht! Den Weg zum Fortschritt und einer Entwicklung ist gebrochen. Es gibt keinen Bezugspunkt der Kritik mehr außer der speziellen Herrschaft selbst.
Jede ernst gemeinte Begründung sei es Kleidung, Auftreten, eine Äußerung oder auch einfach nur weil mensch mich nicht mag wäre zunächst akzeptable gewesen. Sie hätte den Raum zur späteren Reflexion darüber offen gelassen, ob es vielleicht angemessen war. Vielleicht war es ja tatsächlich begründet und vernünftig uns abzulehnen! Zum Beispiel weil man ein Publikum aus nur einer bestimmten Scene haben möchte. Dann wäre es aber Gerecht die entsprechenden Codes zum Beispiel auf dem Homepage, transparent zu machen, damit mensch es respektieren und sich woanders anstellen kann.
Vielleicht ist die Ursache dieser Handlung aber auch im Autoritären Charakter des Türstehers der durch seine Erziehung geprägt wurde, zu finden. Etwas das uns alle im unaufmerksamen Moment wiederfahren kann. Dann wäre aber eine Entschuldigung eine Angemessene Anerkennung des Unrechts. Eine andere Möglichkeit wäre die schlichte unüberlegte Affekthandlung. Aufgrund der verweigerten Kommunikation auch nur eines Satzes, ist nicht nur der Grund warum der Einlass verweigert wurde sondern auch jede weitere Überlegung über die Art der Abweisung, zur Spekulation verdammt. Auf jeden Fall würde eine Herrschaftskritische Reflektion des Ereignisses oder dieser Türpolitik für das IfZ aber sicher auch darüber hinaus eine „Zukunftsorientierte“, im Sinne eines Besseren, Perspektive für die Sphäre der Feier Kultur bieten.
An der Reaktion und dem Umgang das IfZ mit Kritik wird sich nun zeigen wie ernst es dem Kollektiv mit dem Programm eines „Instituts für Zukunft“ tatsächlich ist. Denn eine Zukunft ohne Aussicht auf Fortschritt ist keine die sich anzustreben lohnt. Um dem Vorwurf vorzugreifen ich würde hier nur meine persönlich Ärger über eine Kleinigkeit Luft machen: Tatsächlich ist die Erfahrung von Herrschaft immer persönlich. Ein progressiver Umgang mit der Kränkung ist sicherlich die Analytische Kritik die öffentlich geäußert, fortschritt bewirken kann. Die Sphäre der Partykultur ist sicher für viele Menschen ein elementarer Bestandteil ihres alltäglichen Lebens in der Gesellschaft.

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Ergänzungen

Bei dem hier geschilderten Fall von "Einlasspolitik" zu sprechen ist schon ziemlich sportlich. Einmal dagewesen und dann alles in Frage zu stellen ist, nunja, ... ist hier nicht doch vielleicht verletzter Stolz die Ursache? Ja, das ist Mutmaßung...genau wie der ganze Text. 

Ich fragte letzten eine Person nach einem Euro. Er verneinte. Mieser Herrscher!

Sorry, wer sich 1,5 Stunden anstellt um irgendwo reingelassen zu werden hat es nicht anders verdient.

Durch sowas verteilt ihr bereitwillig Macht  und müsst euch nicht wundern wenn diese Macht auch ausgeübt wird.

1,5 Stunden....ich fass es nicht.

symbolisierte Gewalt in Form von Kleidung...

Ich will auch was von euerm Zeug.

Wen wundert es, dass es im IfZ so zu geht? Die Macher mit Faible für's Antideutsche stehen eben auf Dogma und Konsequenz und Leute wie ihr, die Pantomime in der Warteschlange machen, gefährden den coolnes Faktor des angeblichen "best club in germany". Heutzutage muss man sich vorher gut informieren, wo mensch hingeht ;-)

Unschöne Sache, kann die Schilderungen gut nachvollziehen. Schon dass bis auf einige Ausnahmen -ja, die gibt es- an den Türen fast jeder Veranstaltung diese Sprache der Macht gesprochen wird, ist schade genug. Ich denke da kommen immer mehrere Gründe zusammen. Der wichtigste Grund ist sicher das "Anderssein", das buchstäblich "aus der Reihe fallen". So nach dem Motto "Ey, wir sind doch schon alle total anders hier, warum musst du jetzt unbedingt raushängen lassen, dass du weniger oder mehr anders bist als wir?" Das überfordert einige Türsteher_innen, gerade wenn es auf schnelle Entscheidungen ankommt.  Und wenn deine Art, deine Ausstrahlung, dein Habitus die Türsteher nicht überfordert, dann denken sie vielleicht, dass du die anderen Partygäste überfordern könntest oder diese dich. (Ich schreibe "Du"; natürlich spreche ich aus persönlicher Erfahrung/Enttäuschung...)

Naja, soweit muss man ja nicht immer denken. Am fairsten wäre, einfach der Reihe nach zu gehen und nur bei ernsthaft begründeten Bedenken was Sicherheit bzw. Übergriffe angeht, "STOP" zu sagen (auch das ist z.T. partyspezifisch). Das würde natürlich wieder einige Gäste stören, die in "ihrem" Club vor allem Leute ihresgleichen suchen oder zumidest verlässlichen Partypeople-Mix der Tür ihres Vertrauens nicht missen wollen. Schade ist das schon, ich glaube, RAVE ist TOT.

*hoher Eintritt

*willkürliche Tür

*übergriffliche Personen

*hirnloser Drogenkonsum
 
Feiern statt Kapitalismus = Feiern im Kapitalismus

Ich wohne in Leipzig und höre bisher nichts gutes. Auch, dass da Leute für beschissen wenig arbeiten und dann dafür feiern dürfen... *kotz*

Diese Türpolitik macht den (Party-)Freiraum drinnen doch erst möglich. Im Unterschied zu anderen Locations kann man sich dort relativ sicher und unbeobachtet austoben.

Ich weiß nicht mehr wo genau, aber ich behaupte, dass schon die Nazis den Namen Institut für Zukunft für eines ihrer Projekte genutzt und somit geprägt haben, also sollten sich die Fragen um die differente Wahrnehmung einer Türpolitik im Sinne der Klassengesellschaft doch leicht aufklären lassen. Man lese nur den Vice Artikel über das L1, und man weiß, wo sich die Oberschicht wirklich wohl fühlt. Man tarnt sich gut, und bleibt unter sich … Berghain-Konzept. PS: Connnewitz-People entsprechen eher nicht den East London manners, Halle-Neustadt und die 12.1.16 Connewitz Goons vielleicht schon eher! Soviel zu eurer typisch deutsch bornierten Selektivwahrnehmung, die selbstgerechte Arroganz nicht zu vergessen! Warum nimmt Deutschland so wenig Kokain? Weil man sich schon so für den größten Denker hält! And if you want to claim to be hard according to Grime Music references at least cite Crazy Titch!

Wenn der Türsteher einen Grund angibt für die Verweigerung des Einlasses kommt es erst Recht zu Diskussionen. Vielleicht würde so ein Grund dann erst Recht zu Minderwertigkeitskomplexen führen. Kein Grund und die Sache ist schnell aus der Welt. Der Türsteher macht Akkordarbeit, die Schlange ist sein Band.

Absolute Willkür!

Sowas ist mir noch nie passiert. Ich war schon paar mal im IfZ. Und obwohl ich sonst wohl "cool" genug war, ließ mich der Türsteher plötzlich nicht mehr rein. -> Wer sich nicht darauf verlassen kann, reinzukommen, geht auch nicht mehr hin. Und irgendwann wirds jeden mal getroffen haben. Nie wieder IfZ!!!

Sowas läuft in LE nicht - you will find out!!!

Erstmal vorweg: der Beitrag von Kai Ner ist so schlau, wie die Türsteher im IfZ – vielleicht ist Kai Ner ja einer. Zitat: „... fragte ... nach einem Euro. Er verneinte. Mieser Herscher!“ Da hat er nicht nur Äpfel mit Birnen sondern mit Bachflohkrebsen o.ä. verglichen. Und das mehrfach beschriebene Phänomen, dass alternative Party-People mit fadenscheiniger oder ganz ohne Begründung im IfZ abgewiesen werden, ist bei Leipziger Feierleuten bekannt und kein Einzelfall. Außerdem sprechen Menschen auch miteinander. Nicht bloß dummen Smalltalk, sondern echte Gespräche unter Freunden mit echtem Vertrauen. Da kann man den zahllosen Geschichten schon Glauben schenken...

Ich persönlich habe nach 23 Jahren Techno-Tanzen in Leipzig und anderen Städten zum allerersten Mal eine Ablehnung an der Tür erfahren, und das war im IfZ. Auch wir spielten in der Schlange ein Spiel, um die Zeit tot zu schlagen, und animierten andere Wartende, mitzumachen. Allerdings warteten wir nur zwanzig Minuten und spielten nicht Pantomime sondern Doppelmoppel, bei dem man Rätsel lösen muss. Die Antwort muss sich reimen, z.B. „Nenne ein krankes Tier!“ mögliche Antworten wären „Schmerznerz“ oder „Migränehyäne.“ Als wir an der Reihe waren fragte der Türsteher, wo wir herkommen. Ich antwortete wahrheitsgemäß, dass wir von zuhause kommen, da wir auf die Öffnung des IfZ gewartet haben. Die Anwort zu meinen drei Freunden war „Ihr könnt rein“ und dann zu mir gewandt „Du nicht, Du bist zu breit!“ Ich hatte über den Abend verteilt drei Bier getrunken und war unmöglich als betrunken zu identifizieren. Na wenigstens habe ich überhaupt eine, wenn auch fadenscheinige Begründung bekommen. Keiner der Anwesenden konnte die Entscheidung nachvollziehen. Vielleicht hat ihm mein Lockenkopf nicht gefallen (er selbst hatte sehr lichtes Haar). Dass dieser Quasi-Faschist sogar die Gruppe von vier unübersehbar zusammengehörigen Leute auseinander gerissen hätte, war am krassesten. Wir sind natürlich geschlossen abgedampft, haben in der Distille gefeiert und waren uns einig: „Nie wieder IfZ.“

Ich habe (bis ich Vater geworden bin) über zehn Jahre selber Techno-Parties veranstaltet und habe einen entsprechend großen Bekannten- und Freundeskreis. Durch meine selbstverständlich folgende Negativwerbung erfuhr ich, wie viele meiner Leute durch diese Türpolitik im IfZ inzwischen verprellt wurden. Ständig fiel der Satz „Deshalb gehen wir nie wieder ins IfZ.“

Ich freue mich darüber, dass es sich immer weiter verbreitet, und hoffe, dass der Laden Pleite geht und die Macher merken: „In Leipzig läuft diese Schickimicki-Nazi-Scheiße nicht!“

Ich möchte dem Artikel zustimmen. Die Form des "linken Partymanagments", wie sie im ifz und an anderen Stellen zu sehen ist, verkennt leider die notwendige Aushandlung zwischen temporärer Autorität (wenn tatsächlich Leute Scheiße bauen) und der im Detail geschehenden Suche nach einer Welt ohne Herrschaft. Als Person, die selbst hier und da eine Veranstlatung macht, kenne ich die Konflikte. Allerdings denke ich, dass dort, wo die Suche nach einer antiautoritären Lösung der Partypolitik mit einseitigem Gewaltmonopol gelöst wird, Widersprüche gefährlich falsch gelöst werden.

Komisch wie sich hier aufgeregt wird.Hausrecht ist Hausrecht. Ich entscheide auch wer bei mir rein darf oder mein Arbeitgeber in seinem Haus oder oder oder und keiner muss es begründen. Ich bin oft im IFZ und es ist soooo selten das Leute abgelehnt werden. Hab es 2 mal erlebt und die wurden zurecht abgelehnt. Das du jetzt schreibst das ihr nix blödes gemacht habt um die Abweisung zu begründen ist klar, sonst hättest du diesen Text nicht schreiben müssen. Und ohne “Türpolitik“ endet es wie in vielen anderen Clubs wo besoffene Typen Frauen belästigen, machoprolls sich prügeln oder 80% der Leute in der Ecke stehen und saufen statt zu tanzen. Heißt Party im arsch