ERZ: NPD- und Bürgerdemo gegen Asylmissbrauch

Übriggebliebene 18.10.2013 02:56 Themen: Antifa Antirassismus
Schneeberg: NPD- und Bürgermobdemo gegen „Asylmissbrauch“

Diesen Samstag, den 19.10. wird zu einer Demonstration beginnend 18:00 Uhr auf dem Markt in Schneeberg unter dem Slogan „Demonstration für Jung und Alt - Schneeberg wehrt sich gegen Asylmissbrauch“ aufgerufen.
Diesen Samstag, den 19.10. wird zu einer Demonstration beginnend 18:00 Uhr auf dem Markt in Schneeberg unter dem Slogan „Demonstration für Jung und Alt - Schneeberg wehrt sich gegen Asylmissbrauch“ aufgerufen. Alle Details und die widerlichsten Statements, die man sich bzgl. dieser Thematik vorstellen kann, sind in der offenen Facebook-Gruppe „Schneeberg wehrt sich!“  https://www.facebook.com/groups/initiative.schneeberg/?fref=ts zu finden. Weiterhin gibt es auch noch eine Facebook-Veranstaltung zu diesem „Event“:  https://www.facebook.com/events/167641733436165/?fref=ts
Wer sich tiefergehend für den abscheulichen Zeitgeist dieser Region interessiert, sollte die Beiträge in vorletzt genannter FB-Gruppe lesen, um einen Eindruck zu gewinnen, wie der Schneeberger NPD-Stadtrat Rico Illert und bspw. auch das Gemeinderatmitglied Werner Böhm (Die Linke, welchem sogar die NPD zustimmt oO) die derzeitigen Zustände der Asylpolitik bewerten. Prädikat: empfehlenswert!
Unter dem massenkompatibel gewählten Aufruf „Heraus zum ersten Schneeberger Lichtellauf“ werden sich allem Anschein nach mehrere Dorfis und Dummbürger mobilisieren lassen. Die FB-Gruppe zur „übergeordneten Problematik“ (Bez.d.Verf.) zählt zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels zumindest schon mal stattliche 1.820 MitgliederInnen – Tendenz aufwärts. Und dass bei einer Bevölkerung von ca. 14.000 EinwohnerInnen (errechneter Stand Ende 2013) und einer davon geschätzten Facebook-Präsenz von 15-20%. Eine mögliche Erklärung könnte der Wegzug von qualifizierten BürgerInnen sein, welche ihre Zukunft in wirtschaftlich florierenden oder Universitätsstadten suchen. Zumindest wäre damit die Hetze gegen Asylsuchende durch die Abwesenheit entsprechender kognitiver Kompetenzen erklärbar. Umso parodistischer erscheint die Anfrage im Schneeberger Stadtrat des Elektrikers und NPD-Knechts Rico Illert: „Bitte erläutern Sie mir, welchen Fachkräftemangel Sie damit meinen und wie Sie diesen durch die Asylbewerber, deren Qualifikationen oftmals (aber gewiss nicht pauschal) denen eines deutschen Grundschülers entsprechen, decken wollen.“ Juhu, Rico, Glückwunsch zur Selbsterkenntnis!
Anmelder der natürlich parteineutralen Demonstration (siehe FB-Gruppe) ist NPD-Funktionär Stefan Hartung aus Bad Schle¬ma, NPD Kreis -und Ge¬mein¬de¬rat sowie (ehemaliger) Stütz¬punkt¬lei¬ter der lo¬ka¬len JN. Dieser hat u.a. durch seine einzige Alternativkandidatur zur Bürgermeisterwahl 2011 in Bad Schlema für Schlagzeilen gesorgt.  http://www.endstation-rechts.de/index.php?option=com_k2&view=item&id=6490:npd-mann-einzige-alternative-bei-b%C3%BCrgermeisterwahl-in-bad-schlema&Itemid=320 Dennoch hat der Kamerad mehr als Kandidieren auf dem Kerbholz. Als in der Region etablierter Jungunternehmer, wofür er auch als „Jüngster Unternehmer Sachsens“ ausgezeichnet wurde, (  http://stehar.com )  http://aawe.blogsport.de/2008/10/03/nach-den-wahlen-npd-abgeordnete-im-saechsisch-erzgebirgischen-kreistag/ genießt Hartung in der Szene einen hohen Rang, da er z.B. mit Rico Hentschel eine offiziell treibende Kraft der NPD im Erzgebirgskreis ist. Auch kleinere Rückschläge wie diverse Verurteilungen  http://aawe.blogsport.de/2009/02/23/landgericht-spricht-hartungnpdjn-frei/ schaden ihm dahingehend natürlich nicht. Zur Teilnahme an der völlig unpolitischen Demonstration ruft unter anderem „Raus in die Zukunft – Chemnitz“  https://www.facebook.com/RausInDieZukunft auf ihrer Facebook-Präsenz auf.
Glücklicher Weise gibt es einen enormen zivilgesellschaftlichen Widerstand, denn es wird zu einem Friedensgebet genau einem Tag VOR dem Spektakel aufgerufen. Der Schneeberger Stadtrat, höchstwahrscheinlich mit Ausnahme von Neonazi Rico Illert, ruft im Anschluss dessen für selbigen Tag zu einem Zusammenkommen vor dem Rathaus auf. Auf der Agenda des Nazidemo-Vortages stehen Menschlichkeit, Toleranz und friedliches Miteinander  http://www.freiepresse.de/LOKALES/ERZGEBIRGE/STOLLBERG/Schneeberger-wehren-sich-gegen-Kundgebung-artikel8570648.php . Schneeberg scheint gerettet. Oder?
Was sich tatsächlich am 19.10. 18:00 Uhr auf dem Schneeberger Markt mobilisieren lässt, ist abzuwarten. Von über 200 Personen ist zumindest auszugehen. Auch die Marsch-Route ist bisher unbekannt. Es scheint aber zu erwarten, dass der Mob gen Erstaufnahmestelle (Alte Hohe Str. 2) marschiert. Von organisiertem, praktischem Protest am tatsächlichen Tag ist eher nicht auszugehen. Selbstverständlich ist jedoch gerade deshalb JEDER Protest erwünscht und mehr als notwendig. Tut was geht – tut was ihr euch zutraut.
Kartoffeln in den Keller – weg von der Straße! Für bedingungsloses Asyl !
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Ergänzungen

ERZ zuscheissen

Verrat an sich selbst 19.10.2013 - 13:07
Vielen Dank für diesen Artikel, der sehr sehr gruselig - weil wahr ist. Die oft zitierte Mitte der Gesellschaft zeigt hier ihre wahre Fratze: Rassismus in all seinen Abartigkeit, tagtäglich gelebt und so tief im Denken und Handeln der Menschen verwurzelt das man nur im Strahl Kotzen möchte. Ich würde jetzt liebend gern eloquent und stichhaltig weiter motzen, aber Trauer und Wut rauben mir die richtigen Worte dafür. Ich bin wütend auf mich selbst, da ich in unmittelbarer nähe zum Auftaktort noch immer mit mir hadere, ob Selbstschutz oder Protest das richtige Mittel sind, ich bin wütend auf die fehlenden Strukturen, die organisierten Widerstand unmöglich machen, ich bin wütend auf Projekte, die offensichtlich der Busverbindung wegen nichts tun werden. Ich bin wütend auf Gruppen die der Gefahr der Beschlagnahmung des Soundsystems wegen nicht die Möglichkeit der Überbeschallung des brauen Volksmobs in Betracht ziehen. Ich bin wütend auf teile der hiesigen Studentenschaft, die weiterhin ihr elitäres Süppchen auskochen und dabei über die Region meckern, obwohl Sie selbst Teil des Problems sind. Aber vor allembin ich deswegen wütend auf mich selbst, weil ich all diese Dinge nie versucht habe zu verändern, weil ich selbst keine Strukturen geschaffen habe oder Vernetzung betrieben habe, weil ich es zugelassen habe auch mich zu einem Teil der Zombies werden zu lassen.

Und nun? Natürlich Haus und Wohnung sichern (Die lokalen AN haben durchaus in der Vergangenheit klar gemacht das Mensch ihnen bekannt ist), für Selbstschutz sorgen und resignieren. Und dann vielleicht doch noch den Mut fassen zu schauen was geht, zumindest versuchen zu dokumentieren, als kleine Rettung des Selbstwertgefühl. Ich kotze erneut im Strahl und komme zu der Erkenntnis, das die einzige Möglichkeit ist das Erzgebirge finaler weise zuzuscheissen und der Region den Rücken zu kehren, aufgeben, das schöne Leben wo anders verwirklichen, das steht fest. Und damit zu leben zu lernen das man sich selbst und seine Ideale verraten hat.

GenossInnen! An jedem Ort - zu jeder Zeit, "Nazi sein" zur Hölle machen. Vernetzung schaffen und Strukturen betonieren. Lernt aus unseren Fehlern, lasst Ihnen keinen noch so kleinen Raum.

Uneingeschränktes Bleiberecht - überall, zu jeder Zeit. No Nation - No Border.



Alerta!


ps: bezugsgruppe...anybody?


zahlen

xxx 19.10.2013 - 22:25
1500 waren es nicht. die für gestern in der freien presse vermutlich offiziell angegebenen 900 waren offensichtlich auch nicht so da. ich hoffe nicht die müssen die nazidemo nicht hochschreiben, damit die zahlen von gestern nicht völlig aus der luft gegriffen sind. ich schätze heute 500-600 leute. würde sagen fast zur hälfte mehr oder weniger "erkennbare" nazis aus der region, zwickau. der rest "wir sind das volk"- deutsche.
eine kleine gruppe von 20 menschen protestierte dagegen, wurde von der polizei aber abgedrängt. rings um den marktplatz (mit mob, bühne, darauf npd-redner/innen) standen noch etwa 200 menschen, zum teil interessiert, zum teil sichtlich konsterniert. in einer ecke der bürgermeister stimpel mit resten demokratischer parteien. das telefonat mit ulbig steht an.

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traurig aber wahr — scheißegal