JN-Sachsentag in Zobes (Vogtlandkreis)

AGV 04.06.2013 01:06 Themen: Antifa
Nach zweijähriger Unterbrechung plant die JN (Junge Nationaldemokraten – Jugendorganisation der NPD) im Jahr 2013 wieder den sogenannten JN-Sachsentag. Unter dem Motto „Jugend ist Zukunft“ werden sich am kommenden Samstag, dem 08.06. vor allem Nazis aus dem Spektrum der „Freien Kameradschaften“ versammeln, um einen Tag lang neonazistischen Rednern und Bands zuzuhören. Wie der antifaschistische Newsflyer „Gamma“ berichtete ( http://gamma.noblogs.org/archives/1495), ist der Austragungsort des Nazifestivals nicht wie offiziell bekanntgegeben in Nordsachsen, sondern im vogtländischen Ort Zobes. Tatsächlich konnte mit aktuellen Informationen eine Anmeldung bei der zuständigen Behörde für ein Open-Air-Festival mit 700-800 BesucherInnen bestätigt werden.
Zuletzt wurde der „Sachsentag“ 2010 in Niesky (Landkreis Görlitz) durchgeführt. Die Teilnehmer*innenzahl blieb damals mit 400 anwesenden Neonazis deutlich hinter der Prognose von 1000 Nazis zurück. Für das Jahr 2013 steht nun die Wiederauflage des Nazifests an. Im Gegenzug fällt das „Deutsche Stimme-Pressefest“ in diesem Jahr aus. Das Programm des „Sachsentages“ beinhaltet mehrere hochkarätige Redner*innen sowohl aus der NPD als auch dem Spektrum der teilweise militant agierenden „Freien Kameradschaften“. Beispiele sind Holger Apfel, Bundesvorsitzender der NPD, Paul Rzehaczek (Vorsitzender der JN Sachsen), Andy Knape (Vorsitzender der JN Sachsen-Anhalt) und Maik Scheffler aus Delitzsch, NPD-Landesvize in Sachsen und führender Kopf des „Freien Netz“. Vordergründig wird es am 08.06. jedoch um Rechtsrock gehen – mit der „Lunikoff Verschwörung“ ist das aktuelle Projekt des „Landser“-Sängers Michael Regener vertreten. Auch „Act of Violence“ aus Schwaben ist eine überregional bekannte Rechtsrock-Band, die sowohl auf dem sogenannten „NPD-Schulhofsampler“ als auch bei verschiedenen Konzerten aus dem Umfeld der verbotenen Neonaziorganisation „Blood and Honour“ vertreten war. „Burn Down“, dritte Band des Lineups, veröffentlichte 2009 ein Album unter dem Titel „Zyklon Sturm der Vergeltung“ – eine klare Anspielung auf die Shoa. Angesichts des Veranstaltungsplanes muss davon ausgegangen werden, dass der „Sachsentag“ zum größten Neonazifestival des Jahres 2013 in Sachsen avanciert.

Derzeit wird davon ausgegangen, dass die Veranstaltung als Open Air auf einem Privatgelände stattfinden wird. Vermutlich ist die Wahl des Ortes Zobes kein Zufall, denn mit dem Gasthof „Haack“ existiert dort seit längerem ein fester Anlaufpunkt der regionalen Kameradschaftsszene. So fand am 13.04.2013 im Anschluss an den Naziaufmarsch in Plauen eine Infoveranstaltung zum „Tag der deutschen Zukunft“ in Wolfsburg im „Haack“ statt. Referent war Dieter Riefling, einstmals Kader der verbotenen neonazistischen FAP („Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei“). Bereits 2010 veranstaltete der NPD-Kreisverband Vogtland einen Kameradschaftsabend im „Haack“. Mit Uwe Haack, dem Betreiber des Gasthofes, verfügt die regionale Naziszene über einen zuverlässigen Verbündeten, der in der Vergangenheit gelegentlich die Reichskriegsflagge über dem örtlichen Gasthof hisste. Anwohner*innen berichten davon, dass der Gasthof häufig von rechtem Klientel aus dem Landkreis frequentiert wird. Wie „Gamma“ berichtet, ist die Gemeinde Neuensalz (zu der Zobes gehört) zudem Sitz einer Spedition, die den mutmaßlichen NSU-Unterstützer Matthias Dienelt beschäftigte. ( http://gamma.noblogs.org/archives/1495)

Mit dem „Sachsentag“ ist nun das Vogtland Austragungsort einer neonazistischen Großveranstaltung – ein weiterer Beweis dafür, dass die organisierte Naziszene Rückzugsräume im Hinterland sucht, in denen sie ohne Widerstand agieren kann. Einiges spricht dafür, dass sich zukünftig Zobes mit dem Gasthof „Haack“ zu einem zweiten Oberprex entwickeln könnte – dort kauften Nazis im Jahre 2010 einen ehemaligen Gasthof, in dem diese seitdem weitestgehend ungestört Konzerte, Schulungen und andere Veranstaltungen mit überregionalem Mobilisierungspotential durchführen können.

die Antifaschistischen Gruppen des Vogtlands (AGV)
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Ergänzungen