Celle – Nazi-Infostand zu Dresden

unbeteiligter Bäckereiaufsteller 18.02.2013 01:41 Themen: Antifa
Am Samstag den 16. Februar demonstrierten über 50 Antifaschist*innen, ausgerüstet mit Regenschirmen, unter dem Motto „Naziaktivitäten abschirmen - Geschichtsverdreher im Regen stehen lassen“ in der Celler Innenstadt. Die Aktion richtete sich gegen einen Infostand, den Neonazis der „Freien Kräfte Celle“ zusammen mit ihren Kameraden aus dem Umfeld der verbotenen Organisation „Besseres Hannover“ im Rahmen der rechtsradikalen Aktionswoche anlässlich der Bombardierung Dresdens 1945 veranstalteten.
Nach einer Spontandemonstration mit ca. 50 Teilnehmer*innen durch die Celler Innenstadt, bei der auf das Anliegen der Antifaschist*innen Naziideologie keinen Raum zu lassen, durch Flugblätter und Sprechchöre aufmerksam gemacht wurde, ging es weiter zum Brandplatz, an dem die Nazis ungefähr um 10 Uhr ihren Propagandastand aufgebaut hatten.
Am Brandplatz wurden weitere Transparente entrollt und durch skandieren von Parolen und lautes Abspielen von Antinazi-Songs verhindert, dass die Neonazis ihren geschichtsrevisionistischen Dreck ungehindert unter die Leute bringen konnten.
Durch einen Redebeitrag wurden Passant*innen und Tourist*innen darüber informiert, dass Neonazis nicht der Opfer des zweiten Weltkrieges (jüdische Mitbürger*innen, Sinti und Roma, Homosexuelle, Oppositionelle, Linke und viele andere, die nicht in das Weltbild der Nazis passten) gedenken wollen, sondern versuchen aus deutschen Tätern Opfer zu machen, um damit die Verbrechen Nazideutschlands zu verharmlosen.
Praktische Solidarität erfuhr die Demonstration durch eine Sambagruppe, welche sich spontan, durch Musizieren direkt vor den Neofaschisten, an den Gegenaktionen beteiligte. Auch ein lokaler Biobauer vom parallel stattfindenden Markt bedankte sich bei den Antifaschist*innen mit leckeren Äpfeln, deren Reste nach dem Verzehr eine hervorragende Aerodynamik aufwiesen.

Mit Jubeln wurde ein direkter Angriff auf den Infostand durch einen beherzten Antifaschist quittiert. Ein Teil des Tisches wurde umgetreten und ein gewalttätiges Eingreifen der Neonazis durch Pfefferspray verhindert, was ihnen zu einem authentischeren Trauern verhalf.
Trotz friedlichem Aktionskonsens zeigte sich die Demonstration solidarisch, indem sie lautstark in Richtung des Infostandes vorrückte und versuchte eine Festnahme durch Binden von Polizeikräften zu behindern. Leider konnte der Aktivist festgenommen werden, weil ihm als er weg lief von einem Zivilbeamten der Polizei brutal die Beine weggezogen wurden, wodurch er bei der Kollision mit einem Auto schwere Kopfverletzungen erlitt; außerdem verletzte er sich seinen Fuß.
Diese Maßnahme der Polizei ist als nicht zu rechtfertigende Polizeigewalt zu kritisieren und grenzt an den Versuch eines Totschlags. Die Person die leichtfertig zu diesem unverhältnismäßigen Mittel der Festnahme gegriffen hat, sollte sich dafür verantworten müssen.
Die Darstellung der Polizei, dass Einsatz von Pfefferspray eine gefährliche Körperverletzung darstellen soll, kann unter dem Umstand das Reizgas sehr häufig von Polizist*innen eingesetzt wird, entweder nur als Sarkasmus verstanden werden oder als ein lächerlicher Versuch Antifaschismus zu kriminalisieren.

Nachdem die Nazis gegen 13 Uhr begleitet von Pfiffen und „Ihr könnt nach Hause fahren“-Rufen endlich das Feld räumten, entschlossen sich die Antifaschisten in einer Spontandemonstration zum Polizeirevier in der Jägerstraße zu ziehen, um dort den festgenommenen Genossen zu unterstützen.
Entschlossen und kraftvoll bewegte sich der antifaschistische Schirmblock lautstark durch die Celler Altstadt und dann unbehelligt von der Polizei auf Hauptstraßen in Richtung Jägerstraße. Beim Neonazitattooshop Jekyll&Hyde (siehe  http://www.cellerforum.de/beitraege/38-neonazis-betreiben-tattoo-shop-in-celle.html) in der Hannoverschen Straße wurde angehalten um einen Redebeitrag abzuspielen. Das Auftreten der Antifaschist*innen sollte den Betreiber*innen des Ladens klar gemacht haben, dass Neonazis in Celle niemals ungestört ihren Geschäften werden nachgehen können.
Anschließend konnte der freigelassene Genosse vor der Polizeiwache abgeholt werden.

Der Tag kann als sehr positiv bewertet werden. Für eine Kleinstadt wie Celle war der Protest außerordentlich groß und kreativ.
Wieder einmal konnten antifaschistische Kräfte zeigen, dass es kein ruhiges Hinterland für Neonazis gibt und das Protest gegen Naziaktivitäten nicht bürgerlichen Kräften allein überlassen werden sollte. Gerade weil die angeblich unabhängigen Celler Lokalmedien, obwohl sie vor Ort waren, den Polizeibericht unkritisch übernehmen und somit dabei helfen antifaschistischen Widerstand zu diffamieren. Es wird eine angeblich gewalttätige linke Szene Neonazis gegenüber gestellt, die auch noch verharmlosend als „Rechtsaktivisten“ bezeichnet werden, was den Versuch der Neofaschisten sich als bürgernah zu gerieren noch unterstützt.

An dieser Stelle sei außerdem allen für ihr zahlreiches Erscheinen und Ihre Entschlossenheit sich Nazis entgegenzustellen gedankt.

Nazis die Räume nehmen, werdet antifaschistisch aktiv.
Creative Commons-Lizenzvertrag Dieser Inhalt ist unter einer
Creative Commons-Lizenz lizenziert.
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen

Nazis in den Müll

Jupp 18.02.2013 - 15:54
Bevor die Antifagruppe am Platz erschien, konnten amdere Antifas schon größere Mengen vom Propagandamterial der Nazis entfernen und sachgemäß entsorgen.

Deppenparade

XXX 18.02.2013 - 16:06
Insgesamt waren 10 Nazis vor Ort. 9 am Stand und einer lungerte die ganze Zeit vor Rossmann rum.

Bild 1...

Von links nach rechts 19.02.2013 - 23:01
1. Dennis Bührig (Celle)
2. Marcel Demuth (Hannover)
3. Benjamin Krüger (ursprünglich aus Celle, zwischenzeitlich Hannover, aktuell vermutlich Hildesheim)
4. -
5. Nils Lorenz (Hannover)
6. Kevin (Wathlingen)
7. Denny Subke (Hannover)

Portraits der Fucker:
 http://antifawatchout.blogspot.de/

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Zeige die folgenden 3 Kommentare an

Welche Nazis — waren

bitte — mehr fotos