MR: Hausbesetzung

Autono-Squad 10.02.2013 13:48 Themen: Bildung Freiräume Medien
Gestern Abend im Anschluss an die antikapitalistische Krisen-Demonstration in Marburg verschafften sich Aktivist_innen Zugang zu der alten Fronhofschule in der Schulstr 14.
Für unser Recht auf unsere Stadt! Wohnraum vergesellschaften, soziale Zentren schaffen! Wohnraum wird in Marburg und anderswo zunehmend unbezahlbar, während ganze Städte für Investor_innen und Makler_innenbüros ein immer attraktiverer Standort werden. Menschen werden aus der Innenstadt und ihren Wohnungen gedrängt und auf Wohnungssuche werden wir zu anderen Menschen in Konkurrenz gesetzt. Die Probleme Wohnungsnot, Mietwahnsinn und die Zurückdrängung öffentlichen Raumes kommen nicht von ungefähr. Die Stadt setzt seit Jahren auf freien Wohnungsmarkt statt sozialen Wohnungsbau, auf private Investor_innen statt auf die Finanzierung von Wohnungsbaugenossenschaften, auf freien Markt statt Sozialquote, auf Verwertung statt Selbstverwaltung. Es reicht! Wir nehmen uns heute dieses Haus und setzen so ein deutliches Zeichen und gehen die Probleme nun selbst und gemeinsam an! Wir wissen, dass die herrschende Situation Ausdruck politischer Entscheidungen und kapitalistischer Inwertsetzung ist. Auch der Umgang mit diesem Haus wurde selbiger Logik unterworfen. So wurde auch das Gebäude der Fronhofschule von der Stadt dem freien Markt zugänglich gemacht, schließlich an die meistbietende Person für 1,1 Millionen Euro verkauft und damit privatisiert. 2006 wurden die Bewohner_innen des selbstverwalteten antifaschistischen studentischen Wohnheims „Collegium Gentium“ von der Uni alternativlos aus ihren Wohnungen geschmissen. Die anschließende Besetzung der ehemaligen Frauenklinik wurde noch in der selben Nacht auf Veranlassung der Uni geräumt und das Gebäude danach unbewohnbar gemacht - ja, wir sprechen über die Frauenklinik, die bis vor wenigen Wochen ganze 6 Jahre lang stand. Aber eben leer! Dagegen setzen wir unseren Widerstand! Kommt rein ins Haus! Beantworten wir endlich gemeinsam die Frage „Was tun?“ Ideen gibt es genug: In Berlin wurde nach spanischem Vorbild vor kurzem mit mehreren Menschen gemeinsam mehrfach eine Zwangsräumung verhindert. Deswegen erklären wir uns auch mit der heutigen Demo in Berlin solidarisch - keine Zwangsräumungen nicht in Berlin und nirgendwo! Auch in in Frankfurt/Main kam es im Dezember und in Göttingen erst vor wenigen Wochen ebenfalls zu Hausbesetzungen. Außerdem beweisen lokale Mietshäusersyndikate wie das Bettenhaus oder andere Hausprojekte tagtäglich, dass es möglich ist den eigenen Wohnraum bezahlbar zu gestalten und ihn selbst und demokratisch zu verwalten. Voraussetzung dafür ist aber, Häuser dem Markt, also der kapitalistischen Verwaltungs- und Eigentumslogik zu entziehen! Wir wollen nicht nur wohnen, sondern auch leben! Dafür braucht es mehr selbstverwaltete und öffentliche Räume, die auf nicht kommerzieller Basis für politische Arbeit, Veranstaltungen, Theater, Bandproben oder einfach als Aufenthaltsort zur Verfügung stehen. Wir sind der Meinung, dass wir alle an der Produktion und Reproduktion dieser Stadt und was sie ausmacht beteiligt sind. Wir haben alle das kollektive Recht nicht nur auf das Entstandene, sondern auch auf die Entscheidung darüber, was wo und wie entstehen soll Einfluss zu nehmen. Dafür nehmen wir uns heute dieses Haus! Wohnraum vergesellschaften. Soziale Zentren schaffen! Für unser Recht auf unsere Stadt! KOMMT VORBEI! +++ 9./10. Februar 2013 +++ alte Fronhofschule +++ Schulstraße 14 +++Marburg


News: es haben sich versch AGs gebildet, die Veranstaltungen planen....kommt vorbei!!!
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Ergänzungen

Blog seite erstellt:

Rosa Marx 10.02.2013 - 15:14

Weitere Infos zur Besetzung, siehe:

 http://squatmarburg.wordpress.com/

Pressemitteilung von den Hausbesetzer_innen

Soziale_Zentren_schaffen! 10.02.2013 - 15:33
Pressemitteilung des Plenums der Besetzerinnen und Besetzer der Schulstraße 14

In der Nacht vom 9.2. zum 10.2.2013 wurde das Gebäude in der Schulstraße 14 von einer Initiative besetzt, die sich für bezahlbaren Wohnraum sowie ein soziales und selbstverwaltetes Zentrum einsetzt.

Die Besetzung geschah mit der Intention, die sich zuspitzende Wohnraum-Problematik, das Fehlen von öffentlich zur Verfügung stehendem Raum für soziale und politische Initiativen und die Privatisierung von öffentlichem Raum in Marburg zu thematisieren. Bezahlbarer Wohnraum z.B. in Form von sozialem Wohnungsbau wird immer seltener in Marburg. Menschen mit niedrigen Einkommen werden zunehmend aus dem Innenstadtgebiet verdrängt. Stattdessen werden teure Einzimmerappartments von privaten Investoren, wie z.B. S+S, gebaut. Zu Semesterbeginn kampieren immer mehr Studierende in sogenannten Notbetten.

Insgesamt 150 Menschen wählten diesen unkonventionellen Weg der Besetzung, um die leer stehenden Räume der Fronhofschule nun für die Dinge zu nutzen, für die in Marburg kein oder zunehmend weniger öffentlicher Raum vorhanden ist. Für den Zeitraum des Wochenendes gestalten sie diesen Raum gemeinsam als öffentlich zugängliche Diskussions- und Veranstaltungsplattform. Diese Plattform soll dabei gerade in Räumen enstehen, die konkret von langem Leerstand und anschließender Privatisierung betroffen sind.

„Ich bin hier, weil ich die Forderungen, die wir auf der gestrigen Demo unter dem Motto -Wir sind sehr wütend- gestellt haben in die Praxis umsetzen wollte." sagt Juan Martinez, Teilnehmer am Plenum der Hausbesetzerinnen und Hausbesetzer, enthusiastisch. „Alle Bürgerinnen und Bürger Marburgs sind herzlich dazu eingeladen vorbei zu kommen und sich einzubringen“ fügt Marlene Häusler hinzu. „Wir begreifen unsere Besetzung auch als Aufforderung an die Stadt, an den von uns kritisierten Zuständen etwas zu ändern und Räume zur Verfügung zu stellen. Wir stehen natürlich für Verhandlungen oder Gespräche bereit."

Wohnraum vergesellschaften! - Soziale Zentren schaffen! - Für unser Recht auf unsere Stadt!

Pressekontakt:
Marianne Schmidtbauer: 015735577509
twitter.com/squatmarburg
 unsahaus@riseup.net
blog:  http://squatmarburg.wordpress.com/

Super Hausbesetzung

lili 10.02.2013 - 17:18
Viel Kraft und Glück beim Kampf um die Fronhofschule.
Mit solidarischen Grüßen aus Dresden!