Stalingrad: Sieg über die sechste Armee

ace43 01.02.2013 10:49 Themen: Blogwire Militarismus
70 Jahre nach der Schlacht von Stalingrad feiern Millionen Menschen den Sieg über die sechste deutsche Armee und dien Sieg im heutigen Wolgograd. Stalingrad - ein historischer Abriss. Teil 5 von 5.
Operation Kolzo – Das Ende

Nachdem die Rote Armee erfolgreich den Entsatz Stalingrads durch die Panzergruppe Hoth verhindert hatte, gingen Tschuikows Truppen zur Operation Kolzo, zu deutsch "Ring", über. Diese sah die Zerschlagung des Kessels um Stalingrad vor und damit die Vernichtung der eingeschlossenen Truppen.

Wie in den Monaten zuvor wurde auch jetzt Haus für Haus gekämpft. Jedes Stockwerk der noch stehenden Gebäude wurde mit Gewehren und Handgranaten und/oder Flammenwerfer erobert. Selbst um Schutthaufen, die etwas Schutz vor dem feindlichen Beschuss gaben, wurde hart gekämpft. Die Flugplätze, auf der Görings Flugzeuge landen sollten, um die eingekesselten Einheiten zu versorgen, wurden einer nach dem anderen von der Roten Armee eingenommen. Der Kessel wurde immer schmaler und schließlich in einen Nord- und einen Südkessel geteilt. Sowjetische Scharfschützen, die gezielt deutsche Offiziere unter Beschuss nahmen, machten die Situation für die Reste der deutschen Truppen noch schlimmer. Die Aussichtslosigkeit für die Wehrmacht war offensichtlich. Dennoch traute Paulus sich nicht, mit seiner Armee zu kapitulieren, hatte er doch vom vermeintlichen "Führer" persönlich den Befehl erhalten, bis zum sprichwörtlichem Letzten zu kämpfen. So lehnte er das Kapitulationsangebot der Roten Armee am 10. Januar 1943 zunächst ab. Noch wenige Tage bevor Paulus am 31. Januar 1943 dann doch in sowjetische Kriegsgefangenschaft ging, beförderte Hitler ihn zum Generalfeldmarschall. Noch nie war ein Wehrmachtsgeneral dieses Ranges in Gefangenschaft gegangen. Hitler erwartete, dass Paulus sich umbringen würde. Am 2. Februar wurden die Kampfhandlungen mit der Kapitulation der sechsten Armee offiziell eingestellt. Dennoch verschanzten sich weiterhin kleine Gruppen von deutschen Soldaten, die nach wie vor auf Rotarmisten und die Zivilbevölkerung schoss, sodass es auch im März des selben Jahres noch zu Scharmützeln kam. Insgesamt gingen rund 91.000 deutsche Soldaten in sowjetische Kriegsgefangenschaft, von denen schließlich nur etwa 6.000 nach dem Ende des Krieges wieder nach Deutschland gelangten.


Nach der Schlacht – Die Narben des Krieges

Die Schlacht von Stalingrad gilt als phychologische Wende des Zweiten Weltkrieges. Tatsächlich war das Deutsche Reich bereits vorher in einer aussichtslosen Kriegslage. Als die Schlacht um Moskau 1941 verloren ging war klar, dass die Sowjetunion nicht wie ein "Koloss auf tönernen Füßen" zusammenbrechen würde, so wie Hitler es immer prophezeit hatte. Trotz der verheerenden Niederlage an der Wolga konnte die Wehrmacht in kleineren Abschnitten der Ostfront ab und zu die Initiative zurückgewinnen, eine großangelegte Offensive gegen die Rote Armee war fortan aber nicht mehr möglich. Zu groß waren die Verluste an Menschen und Material, die nicht mehr ersetzt werden konnten. Nach der Rückeroberung der Stadt zählte diese gerade einmal noch 8.000 Einwohner. Erst in den Folgejahren kamen die Menschen in ihre Stadt zurück, die durch deutsche Kriegsgefangene langsam wieder aufgebaut werden würde.

Das Deutsche Reich und seine Verbündeten verloren über 300.000 Soldaten, die Verluste an Soldaten und Zivilisten bei der Sowjetunion lagen weitaus höher. Verschiedene Schätzungen gehen von 800.000 bis über eine Million getöteter oder gestorbener Menschen auf sowjetischer Seite aus. In der bürgerlichen Geschichtsschreibung versucht man bis heute dem katastrophalen Aushalten der sechsten Armee einen Sinn zu geben: "Hätte Paulus früher kapituliert, wäre die Heeresgruppe Süd ebenfalls eingeschlossen worden." Das mag militärhistorisch richtig sein, die Verlängerung dieses Krieges - nicht zuletzt mit den Schrecken der Konzentrationslager und dem industriell geplanten und durchgeführten Massenmord an den europäischen Juden in seinem Rücken – darf aus heutiger Sicht aber kein lobenswerter Akt sein.

General Paulus trat während des Nürnberger Kriegsverbrecherprozesses als Zeuge gegen seine ehemaligen Vorgesetzten auf. 1953, nach dem Tode Stalins, zog Paulus in die DDR und lebte bis zu seinem Tod 1957 in Dresden unter der Bewachung der DDR-Obrigkeit. An Paulus bleibt bis heute der bittere Makel der Verantwortungslosigkeit hängen. Als es darum ging, Verantwortung für die hunderttausenden von Leben in seiner Armee zu bewahren, traute sich Paulus nicht, seinem "Führer" zu widersprechen. Erst als es darum ging, seine eigene haut zu retten, hatte er den Mut dies zu tun.

In der Sowjetunion wurde eigens für die Schlacht in und um Stalingrad die "Medaille für die Verteidigung Stalingrads" ausgelobt, die an Zivilpersonen genauso verliehen wurde wie an Militärangehörige. Etwa 800.000 mal ist diese Auszeichnung bis 1995 verliehen worden. Währen in Europa überwiegend der 8. Mai als Tag der Befreiung begangen wird, feiert man in Russland noch heute den 9. Mai als Tag des Sieges. Die noch lebenden Veteranen der Schlacht nehmen umjubelt von den Jüngeren, noch in der Gegenwart an den jährlichen Militärparaden in Moskau und anderswo teil. Der Sieg über die sechste deutsche Armee in Stalingrad gilt in Russland nach wie vor als eine der entscheidenen Schlachten der Geschichte.
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Ergänzungen

Datum?

Krümelkacker 01.02.2013 - 12:10
Das "ehrenhafte" Kapitulationsultimatum endete am 08. Januar '43..