"Rosa und Karl" und Linksjugend-Solid

Wladek Flakin (RIO) 10.01.2013 17:14 Themen: Militarismus Repression Soziale Kämpfe

Die angebliche Gedenkdemonstration für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, die am 13. Januar im Tiergarten als "emanzipatorische Alternative" zum traditionellen Gedenken stattfinden soll, spaltet die Linksjugend [’solid]. Zum Bündnis vorwiegend sozialdemokratischer Jugendorganisationen, die zur "Rosa und Karl"-Demonstration aufrufen, zählt auch der Bundessprecherrat des Linkspartei-nahen Jugendverbandes. Doch dieser Aufruf sorgte in den letzten Wochen für hitzige Diskussionen innerhalb von [’solid] .

Die Landesverbände in Hamburg und Nordrhein-Westfalen distanzierten sich energisch vom "rechten und karrieristischen" Projekt, das eine "rot-rote Regierungsoption" vorbereiten solle. Sie kritisierten auch, dass ihre Führung mit dem Aufruf gegen Beschlüsse ihres Bundeskongresses verstoßen habe. Ähnlich positionierten sich verschiedene Basisgruppen in anderen Bundesländern, zum Beispiel aus Karlsruhe oder aus Buchholz.

Der Sprecherrat machte daraufhin einen Rückzieher: Die Beteiligung an der "Rosa und Karl"-Demo sei nur eine Initiative örtlicher [’solid]-Gruppen. Der Verband würde genauso zu einem Jugendblock auf der traditionellen Luxemburg-Liebknecht-Demo aufrufen. Jede Gruppe könne sich für die eine oder andere Demo entscheiden. Für 13 Uhr sind dann alle aufgerufen, sich an der Gedenkstätte der Sozialisten in Friedrichsfelde zu treffen.

Zwischendurch haben auch Berliner Basisgruppen aus Friedrichshain und Lichtenberg den Hamburgern mit einem Protestbrief geantwortet, dass sie sich nicht als "rechts" oder "karrieristisch" sehen. Sie halten eine Spaltung der "LL-Demo" offenbar aber für notwendig, um sich von den immer wieder auftauchenden Stalin- und Mao-Bildern zu distanzieren. Die Basisgruppe aus Berlin-"Kreuzkölln" [ihre Website ist gerade offline] argumentiert aber, dass sie sich in vergangenen Jahren ganz gut vom Stalinismus abgrenzen konnten.

Mittlerweile haben sich die [’solid]-Landesverbände in Brandenburg und Baden-Württemberg für neutral erklärt und rufen zu keiner der beiden Demos auf. Man wünsche sich für 2014 wieder eine gemeinsame Demo, heißt es. Ob das sozialdemokratische Bündnis die angekündigte vierstellige TeilnehmerInnenzahl erreichen kann, wenn nicht mal alle aufrufenden Gruppen komplett hinter ihrer Demo stehen, darf bezweifelt werden.

Zur "Rosa und Karl"-Demo rufen auch Gruppen wie die Berliner Jusos auf, die einen israelischen Angriff auf den Iran befürworten. Die Demo geht von sogenannten "Antideutschen" aus, die bedingungslos hinter dem Staat Israel stehen. Deswegen gehen auch Menschen hin, die einen imperialistischen Krieg gegen Syrien unterstützen. Allerdings seien auch "Menschen mit friedenspolitischen Anliegen" auf der Demo "selbstverständlich willkommen", betonte der stellvertretende Landesvorsitzende der Jusos, Fabian Weissbarth, im Dezember im Interview mit der taz. Die einzigen, die bei ihnen wohl nicht willkommen sind, die diejenigen, die die Politik von Luxemburg und Liebknecht vertreten: "Krieg dem imperialistischen Krieg!"

Darüber hinaus erklärte das Bündnis, dass eine "Verherrlichung des Realsozialismus" auf seiner Demo verboten ist. Bilder von "sozialistischen Diktatoren" wie Stalin und Mao dürfen nicht gezeigt werden – ob Porträts von Che Guevara oder Bertolt Brecht erlaubt sind, blieb unklar. Bildnisse von Rosa Luxemburg, die eine "Diktatur der Arbeiter- und Soldatenräte" forderte, sind wohl kein Problem. Auf Anfrage erklärte das Bündnis auch, dass Friedrich Ebert – etwa in Form von Materialien der nach ihm benannten Stiftung – erlaubt sind, obwohl er Staatsvorsitzender unter jener Diktatur des Kapitals war, die Luxemburg und Liebknecht ermordete.

von Wladek Flakin, Revolutionäre Internationalistische Organisation (RIO)

eine kürzere Version dieses Artikels erschien in der jungen Welt vom 10. Januar

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Haha

.:.:. 10.01.2013 - 19:36
Der Hetz-Wladek sieht seine Felle wegschwimmen. Immer schön mit Lügen arbeiten, dann klappts auch mit der EINEN STARKEN DEMO.

total klar

anonym 10.01.2013 - 22:37
Wenn die Huldigung "sozialistischer Diktatoren" untersagt wird, muss der gewitzte Flakin natürlich gleich nachfragen ob damit auch Che Guevara, Rosa Luxemburg und Bertolt Brecht gemeint sind. Brilliant.

Ein Glück, es ist raus ...

Smitty 10.01.2013 - 23:32
Die Antideutschen wollen die Demo spalten ... *hüstel* Ein Glück haben wir Aufklärer wie dich. *gähn*

Achja...

Anarcho 10.01.2013 - 23:32
... ist es nicht schön, dass die Partei die Rosa und Karl auf dem Gewissen hat 94 Jahre später eine Gedenkdemo ihrer veranstaltet. Nicht nur das sie seit Jahren dazu mit aufrufen. Sie sind nicht umsonst ausgetreten. Die SPD ist halt nur konterrevolutionäres Reformistenpack die am liebsten zur Bourgeoisie gehören würden. Und der revolutionäre Geist der beiden, wie auch der von unzähligen anderen in Berlin, Hamburg, Kiel, Bremen, München und anderer Orts hat ihnen halt nicht gepasst. Auch ja und dann war da ja auch noch das Wegschauen und Schweigen als es darum ging ob Hitler an die Macht kommt. Denn lieber die Nazis als die Kommunisten. Doch trotzdem ist auch die Solid bzw. PDS nicht besser, und die KPD/KPR auch nicht. Und hätten Rosa und Karl gesehen was die Kommunisten in Spanien gemacht haben, hätten sie ihr Pateibuch zerrissen und die SU-Fahne verbrannt. Denn sie waren keine Pateizombies die dem ZK bedingungslos folgen, sondern Sozialrevolutionäre. Was die KPD eigendlich immer sein wollte.
zum abschluss ein Zitat eines spanischen Milizionärs: "Das Ironische ist, das die Kommunisten nur kamen um den kommunstischen Kommunismus, den Libatären Kommunismus zu bekämpfen"

Maßlose Überschätzung des ganzen Theaters

nopasaran 11.01.2013 - 02:37
Meine Güte, wenn solid in Hamburg und NRW die Rosa und Karl Demo als ein "rechtes und karrieristisches" Projekt sein, "das eine "rot-rote Regierungsoption" vorbereiten solle" bezeichnet, überschätzen sie die Bedeutung und die Message der LL-Demo und ihrer jetzigen Alternativdemo maßlos.
Einfach mal ein bisschen Augen und Ohren aufmachen und in die Realität hineinhorchen, was für eine Geige Rosa und Karl-Gedenkdemos für die BRD-Regierungspolitik spielen! Nämlich im Prinzip gar keine.

Scheiß Deutsche

shlomo 11.01.2013 - 09:51
ich hasse alle deutschen egal ob sie sich als freunde israels sehen oder nicht.
deutsche werden als genetische antisemiten geboren und bleiben es.die sogenannten antideutschen nehmen uns unsere identität unsere deutungshoheit und unsere fahne.sie selektieren uns in gute und schlechte juden,jenachdem wie wir juden zu ihren islamhass stehen.daher ist es mir egal wer da auf welcher demo dem antisemitismus frönt,solange sich dieser antisemitismus nur gegen andersdenkende deutsche richtet und nicht gegen jüdische menschen egal welcher politischen richtung sie angehören.(nazis ausgenommen)

scheiß deutsche echt nichts dazugelernt!

distanzierung von spalter/innendemo!

linke 11.01.2013 - 17:45
der kreisvorstand der partei "dielinke"wilhelmshaven hat sich von der für uns als spalter/innendemo angesehenen aktion am so.,13.1. distanziert und dies auch bundessolid mitgeteilt und unser unverständnis darüber,daß diese den aufruf unterstütz(t?)en,ausgedrückt! der kv wilhelmshaven ruft auf,an der traditionellen demo zum gedenken an rosa und karl um 1o uhr in berlin ab frankfurter tor teilzunehmen! diesen test habe ich ganz alleine zu verantworten,bin aber mitglied im kreisvorstand.

RIO ( T )

Digi Tal 11.01.2013 - 17:47
Rio, voll der Trotzkiverein? Was suchen Trotzkisten hier? Und ist die LL Demo überhaupt Thema für Trotzkisten? Erinner mich nicht an einen Trotzkistenblock auf der Demo. Ok, der würde schon daran scheitern, das sich keine 5 Leute auf einen gemeinsamen Block einigen könnten, abgesehen davon das Trotzkisten noch in der DDR Staatsfeinde waren und kaum in dieser DDR Gedenkveranstaltung erwünscht wären.
Ok demonstriert ihr da under cover? Und habt ihr Trotzkibilder dabei? *sfg*

Ehrt Lenin, Liebknecht, Luxemburg!

Bernhard T. 12.01.2013 - 23:30
LLL-Demo, Antikommunismus und "antideutsche" Provokationen. Ehrt Lenin, Liebknecht, Luxemburg!

-->  http://spartacist.org/deutsch/extra/spartakistextrablatt.pdf