TU Dresden beendet Freiraumprojekt

addn.me 10.01.2013 14:40 Themen: Bildung Blogwire Freiräume
Die im vergangenen Jahr als "Exzellenzuniversität" ausgezeichnete TU Dresden könnte nach Einschätzung von Studierenden bereits morgen ihren letzten selbst verwalteten Freiraum verlieren. Damit würden zahlreichen Initiativen und Gruppen von Studentinnen und Studenten ab der kommenden Woche ohne ein Dach über dem Kopf dastehen. Die Räume im Uni-Campus, die nach monatelangen Protesten von Studierenden im Zusammenhang mit europaweiten Bildungsprotesten von der Universitätsleitung erkämpft worden waren, sollen jetzt aus "Brandschutzgründen" geschlossen bleiben, zuvor hatte die Universitätsleitung bereits Ende November des letzten Jahres die Schlösser an den Türen ausgetauscht und ein Nachtverbot mit dem zuständigen Wachschutz durchgesetzt.
Nachdem die Verwaltung der TU Dresden gemeinsam mit dem Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) Anfang November die Nutzung von zwei alten Baracken, die im Zuge einer mehrmonatigen Besetzung eines Hörsaals vor drei Jahren erkämpft worden waren, stark eingeschränkt hatte, wurde dem Dresdner StuRa wenige Tage vor den Weihnachtsferien eine Räumung bis zum 11. Januar mitgeteilt. Als Begründung für die ersatzlose Streichung wurden von den Verantwortlichen brandschutztechnische Gründe genannt, so sollen die zu Nachtspeicheröfen umgebauten Kachelöfen nach Einschätzung von Experten eine Brandgefahr darstellen.

Die Studentinnen und Studenten kritisieren nicht nur das unkooperative Verhalten der Unileitung, sondern befürchten für die Zukunft auch das Aus für das selbstverwaltete Studierendenprojekt "KOK16", welches für etliche Hochschulgruppen an der TU Platz bietet und in der Vergangenheit von zahlreichen interessierten Menschen für Seminare und als Rückzugsraum genutzt wurde. Jan Kossick von der Studierendenvertretung der TU Dresden verweist dazu auf das Beispiel der Architekturfakultät, welcher zuvor "wider besseren Wissens und gegen langjährige Verträge und Absprachen" der Fritz-Förster-Bau entzogen worden war, "um dort eine exzellente Verwaltung einziehen zu lassen" und sieht ähnliches auch für die demnächst geräumten Baracken.

Inzwischen wurde als Reaktion auf das Vorhaben eine Petition gestartet, in der noch bis 3. Februar für den Erhalt der letzten studentischen Freiräume an der TU unterschrieben werden kann. Ein Sprecher des Fachschaftsrats der Philosophischen Fakultät forderte die Universitätsleitung zur "Bereitstellung adäquater Räumlichkeiten" auf, um damit dem "Engagement vieler Studierender im POT81 2009" gerecht zu werden. Heute soll dazu ab 16 Uhr in der Bayreuther Straße 40 eine Infoveranstaltung zu der für diesen Freitag angesetzten Räumung und der Zukunft des Projektes stattfinden.

Weiterer Artikel: TU Dresden setzt Studierende auf die Straße
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Ergänzungen

Freiräume erhalten!

erle 10.01.2013 - 19:02

„RM 16 bleibt!“ leutet der Aufruf der Robert-Martzke-Straße 16, eines der letzten linksalternativen Wohnprojekte der Stadt Dresden. Im Jahr 1999 besetzten Antifaschist_innen den Altbau im Stadtteil Pieschen. Sie sanierten das Gebäude und 2002 wurde das Projekt von der Stadt anerkannt. Die RM 16 ist seit dem nicht nur ein Wohnhaus, sondern auch Veranstaltungsort für Vorträge, Kinoveranstaltungen, Konzerte und Partys und stellt somit eine linke Alternative zum reaktionären Alltag in Sachsen dar. Die Existenz des Projektes steht jedoch auf der Kippe. Die Bewohner_innen haben die Chance erhalten das Haus von der Stadt zu kaufen – oder es zu verlieren und dafür benötigen sie dringend Unterstützung!

Eine erste Soli-Veranstaltung mit Konzert und Aftershowparty wird es am Samstag, den 12. Januar im AZ Conni geben.
Mehr Infomationen auf:
Blog der RM 16  http://rm16.blogsport.de/

Auch die freien Räumlichkeiten der Studierenden (KOK16) an der Bayreuther Straße 40 bekommen die sächsische Politik zu spüren. Der Freiraum ist aus den Aktivitäten der Studierenden des POT81 im Bildungsstreik 2009 hervorgegangen. Innerhalb der letzten sechs Wochen hatte der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) in Zusammenarbeit mit der Verwaltung der TU Dresden die Nutzung der Räumlichkeiten eingeschränkt. Kurz vor Weihnachten wurde jetzt im Schnellverfahren ohne Rücksprache die Räumung bis Freitag, den 11. Januar, beschlossen. Ersatz ist nicht in Aussicht gestellt. Klar ist allerdings, dass sich die Baracke auf der Bayreuther Str. 40 auf dem Bauland des geplanten “Tor zur Universität” befindet, einem Neubau, der in diversen Medien bereits angekündigt wurde. Der KOK16 reiht sich somit ein in die Gruppe diverser anderer Projekte, die Prestige- und Kapitalinteressen nicht genügen.

Der KOK16 läd nun für Donnerstag, den 10. Januar, ab 16 Uhr zu einer vermutlich letzten Möglichkeit der Besichtigung um die Notwendigkeit eines Freiraumes aufzuzeigen und mit Menschen in Kontakt zu kommen. Es werden außerdem Spenden für exzellente Öfen gesammelt. Ab 20Uhr soll es eine kleine Abrissparty mit Musik und Solibier geben.

Weitere Infos:
Wiki des POT81
TU Dresden setzt Studierende auf die Straße
Offener Brief des Freiraums KOK16 an der TU Dresden

Räumung weiterhin akut

hosh 11.01.2013 - 14:28
Auch heute am Freitag (11.1.2013) geht es weiter. Der Kok16 bleiben belebt. Arbeitsgruppen sind aktiv. 19 Uhr wird heute zu einem offenem Plenum geladen.

Eine Schließung ist für 22 Uhr angesetzt.

Infos unter: www.pot81.de, twitter.com/pot81

Solidarische Grüße