H: Brandanschläge auf migrantische Einricht

Rocky Schlot 30.10.2012 19:38 Themen: Antifa Antirassismus Medien
In den letzten 7 Monaten hat es in Hannover 3 Brandanschläge gegen migrantische Einrichtungen gegeben. In einem Fall wurde in den Medien über einen rassistischen Hintergrund spekuliert. Die beiden anderen Fälle wurden medial wenig beachtet und es wurde nichts über mögliche Hintergründe geschrieben. Reaktionen antifaschistischer Gruppen gab es nicht.
Am 28. Mai wurden zwei Männer dabei beobachtet wie sie eine Tüte mit Benzin durch ein gekipptes Fenster der Al-Ummah-Moschee in der List warfen. Nur einer aufmerksamen Nachbarin ist es zu verdanken, dass das Feuer, nachdem es schon die Gardinen erfasst hatte, gelöscht werden könnte. Die Täter nahmen Verletzte und Tote in Kauf, denn in der Moschee beteiligten sich zu dem Zeitpunkt gerade ca. 200 Menschen am Freitagsgebet.
Mitglieder der muslimischen Gemeinde mutmaßten in der HAZ, ein Fernsehbeitrag des ZDF habe möglicherweise die Brandstifter zu dem Anschlag auf ihre Moschee angestachelt. In der Reportage „Gewalt im Namen Allahs“, die zwei Wochen zuvor im Nachtprogramm des Senders ausgestrahlt wurde, brachten die Reporter die Moschee in der List in direkten Zusammenhang mit islamistischen Aktivitäten von Salafisten in Deutschland. „Der Beitrag ist manipuliert und absolut dummes Zeug. Es ist nicht auszuschließen, dass die Täter durch den falschen Bericht erst auf uns aufmerksam geworden sind“, sagt Mohammed Afzal Qureshi, der Imam der Moschee in der HAZ.

HAZ dazu:
 http://www.haz.de/Hannover/Aus-den-Stadtteilen/Ost/Brandanschlag-auf-Moschee
 http://www.haz.de/Hannover/Aus-den-Stadtteilen/Ost/Bestuerzung-nach-Brandanschlag


Am 27.09. wurde in dem zu dem Zeitpunkt geschlossenen Cafe von Mehmet Sami Sabanci eingebrochen. Der Täter, der von einer Zeugin beobachtet wurde, stieg über eine Balkontür an der Hinterseite ein um den Brand zu legen.
Auch hier wurden Verletzte und Tote in Kauf genommen, da über dem Laden Menschen wohnen.
HAZ dazu:
 http://www.haz.de/Hannover/Aus-den-Stadtteilen/West/Hoher-Sachschaden-bei-Feuer-in-Goethestrasse

NP dazu:
 http://www.neuepresse.de/Hannover/Meine-Stadt/Feuerteufel-zuendelt-in-Wohnhaus

Bullen dazu:
 http://www.presseportal.de/polizeipresse/pm/66841/2334328/pol-h-zeugenaufruf-feuer-in-mehrfamilienhaus-polizei-geht-von-brandstiftung-aus


Am 14. Oktober wurde in dem türkischen Kulturverein „Toplumsal Birlik“, ebenfalls über ein Fenster, eingebrochen. In der Küche des Kulturvereins wurde Feuer gelegt und diese komplett zerstört. Durch die starke Rauchentwicklung und das Löschwasser der Feuerwehr wurden die übrigen Räume sowie die Einrichtung ebenfalls so stark beschädigt, dass sie nicht mehr nutzbar sind. Der Verein, der u.a.Sprachkurse und Hausaufgabenhilfe anbietet, muss wahrscheinlich schließen, weil er sich eine Neueinrichtung nicht leisten kann.

HAZ dazu:
 http://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Stadt/Uebersicht/Brandstiftung-bei-Migrantenverein

Bullen dazu:
 http://www.presseportal.de/polizeipresse/pm/66841/2343905/pol-h-zeugenaufruf-brand-in-tuerkischem-kulturverein?search=brand


Zunächst einmal wollen wir festhalten, dass wir natürlich nicht sicher wissen wer für die Brände verantwortlich ist. Allerdings sollte spätestens nach dem Auffliegen der NSU-VS-Zelle im November letzten Jahres auch dem verschlafensten Antifa klar sein, dass auf die Bullenverlautbarungen keinerlei Verlass ist und Solidarität mit angegriffenen Migrant_innen dringend nötig ist. Denn nichts ist naheliegender als, dass es sich bei den Angreifer_innen um Nazis handelte. Das Konzept der Angriffe ohne Bekennung dazu wurde im Kontext der NSU ausgiebig diskutiert. Und es geht auf. Die Bullen behaupten es gäbe „keine Hinweise auf einen fremdenfeindlichen Hintergrund“, die „Zivilgesellschaft“ und Antifa interessieren sich einen Dreck dafür, dass mal wieder Migrant_innen angegriffen wurden. Es wird Angst in die migrantischen Communitys getragen und diese bekommen dazu auch noch zu spüren, dass sich die Mehrheitsgesellschaft einen Scheiß für sie interessiert.
Es ist beschämend und erschreckend, dass die linke/antifaschistische Szene in Hannover die Angriffe ignoriert. Wir würden sogar soweit gehen zu fragen wozu es Antifagruppen braucht, wenn diese nicht mal in der Lage sind Kontakt mit den potentiell von faschistischer Gewalt Betroffenen aufzunehmen und das Schweigen in der Stadt anzuprangern.

Gegen die Ignoranz und das staatsgläubige Verlassen auf Bullen!
Für Solidarität mit den Betroffenen faschistischer Gewalt!
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