Kröpelin: Ein Hitler-Besuch und die SPD
SPD-Politiker äußert sich fast schwärmeisch über Hitler-Besuch in Kröplein or 75 Jahren.
„Die SPD im Landkreis Rostock distanziert sich ausdrücklich vom Inhalt und der Darstellung des Besuchs Hitlers und Mussolinis vor 75 Jahren in Kröpelin auf der Homepage “Schusterstadt Kröpelin”. Ein Artikel diesen Inhalts und in der völlig kritiklosen Art seiner Darstellung hat auf einer Seite der SPD nichts zu suchen. Ich habe den Verfasser aufgefordert, die Verlinkung zur Internetseite des Kreisverbandes zu unterlassen.
Stefanie Drese
SPD-Kreisvorsitzende.“
Dieser kurze Text findet sich seit einigen Tagen auf der Homepage der SPD Land Rostock. Doch warum? Am 26. September hatte Thomas Wendt, der dem SPD Ortsverein Rerik/Salzhaff/Kröpelin im Kreis Land Rostock vorsteht, einen Artikel über den Kröpelin-Besuch Adolf Hitlers und Benito Mussolinis vor 75 Jahren auf der Homepage „Schusterstadt Kröpelin“ veröffentlicht. Das alleine wäre noch nicht der Aufregung wert, werden doch häufig Artikel und Berichte im Internet über die Zeit des Dritten Reiches veröffentlicht. Alarmierend war jedoch der Tenor des Artikels. So heißt es in dem Artikel fast schwärmerisch:
„Der erste Staatsbesuch des italienischen Duce beim deutschen Führer fand in der Presse weltweit Beachtung. Wer sich etwas mit der Geschichte der Zeit beschäftigt, wird die Bedeutung nachempfinden. Wenige Tage nach dem Besuch hat sich zumindest Mussolini endgültig an Hitler als Bündnispartner gebunden […]. Doch welche Rolle dabei die Eindrücke Mussolinis auf seiner viertägigen Reise durch das Deutsche Reich spielten, scheint noch gar nicht genug gewürdigt.“
Kein Wort über die Schrecken der faschistischen Terrorherrschaften in Italien und Deutschland enthielt der Artikel, nicht einmal eine kritische Bemerkung zur Kröpeliner Bevölkerung, die damals den beiden Despoten zujubelten fand sich in dem Bericht. Dafür wurde der Text mit einer Reihe von Bilder der italienisch-faschistischen Wochenschau garniert. Ein fröhliches und idyllisches Stelldichein schien der Besuch der beiden Diktatoren zu sein.
Zwar sind solche Ausfälle in der deutschen Sozialdemokratie kein Einzelfall – der Wechsel eines SPD-Bürgermeisters zur NPD (
http://www.taz.de/!64554/) und die Lichtgestalt Thilo Sarrazin dürften Vielen noch im Gedächtnis geblieben sein – dennoch schaltete sich jetzt Stefanie Drese, Vorsitzende des SPD-Kreises Land Rostock ein. Gegenüber der Ostsee Zeitung sagte sie: „Ich bin entsetzt!“. Drese hält es für fraglich, ob jemand, dem offenbar "jedes politische Fingerspitzengefühl fehlt", weiter Leitungsfunktionen in ihrer Partei ausüben darf. Nun soll der Kreisvorstand Wendt in dieser Sache „anhören“.
Der Aufforderung Dreses, den Text zu löschen, kam Wendt – der auch stellvertretender Kreistagspräsident ist - bislang nicht nach. Dennoch versucht er sich in einem elendslangen Nachtrag zu seinem Artikel „Adolf Hitler und Benito Mussolini in Kröpelin“ zu rechtfertigen. Fast kleinlaut endete sein Erklärungsversuch mit den Worten:
„Mir wurde vorgeworfen, ich würde mich mit der Durchfahrt der Diktatoren brüsten. Das war ganz sicher nicht meine Absicht. Und trotzdem war diese Durchfahrt ganz ohne Zweifel für die kleine Stadt und die Bewohner ihrer Zeit ein bedeutendes Ereignis. Und zwar ganz wertungsfrei, so wie etwa auch der nachfolgende Zweite Weltkrieg ein unzweifelhaft bedeutendes Ereignis war.“
Ob Thomas Wendt seine Partei verlassen muss, bleibt abzuwarten. In Zeiten, in denen selbst Personen wie Thilo Sarrazin in der Partei verbleiben dürfen und rechtskonservative Extremismusforscher wie Armin Pfahl-Traughber auf dem sozialdemokratischen Portal „Endstation Rechts“ schreiben, scheinen ernsthafte Konsequenzen für die Verharmlosung der Nazi-Zeit höchst unwahrscheinlich.
Stefanie Drese
SPD-Kreisvorsitzende.“
Dieser kurze Text findet sich seit einigen Tagen auf der Homepage der SPD Land Rostock. Doch warum? Am 26. September hatte Thomas Wendt, der dem SPD Ortsverein Rerik/Salzhaff/Kröpelin im Kreis Land Rostock vorsteht, einen Artikel über den Kröpelin-Besuch Adolf Hitlers und Benito Mussolinis vor 75 Jahren auf der Homepage „Schusterstadt Kröpelin“ veröffentlicht. Das alleine wäre noch nicht der Aufregung wert, werden doch häufig Artikel und Berichte im Internet über die Zeit des Dritten Reiches veröffentlicht. Alarmierend war jedoch der Tenor des Artikels. So heißt es in dem Artikel fast schwärmerisch:
„Der erste Staatsbesuch des italienischen Duce beim deutschen Führer fand in der Presse weltweit Beachtung. Wer sich etwas mit der Geschichte der Zeit beschäftigt, wird die Bedeutung nachempfinden. Wenige Tage nach dem Besuch hat sich zumindest Mussolini endgültig an Hitler als Bündnispartner gebunden […]. Doch welche Rolle dabei die Eindrücke Mussolinis auf seiner viertägigen Reise durch das Deutsche Reich spielten, scheint noch gar nicht genug gewürdigt.“
Kein Wort über die Schrecken der faschistischen Terrorherrschaften in Italien und Deutschland enthielt der Artikel, nicht einmal eine kritische Bemerkung zur Kröpeliner Bevölkerung, die damals den beiden Despoten zujubelten fand sich in dem Bericht. Dafür wurde der Text mit einer Reihe von Bilder der italienisch-faschistischen Wochenschau garniert. Ein fröhliches und idyllisches Stelldichein schien der Besuch der beiden Diktatoren zu sein.
Zwar sind solche Ausfälle in der deutschen Sozialdemokratie kein Einzelfall – der Wechsel eines SPD-Bürgermeisters zur NPD (
http://www.taz.de/!64554/) und die Lichtgestalt Thilo Sarrazin dürften Vielen noch im Gedächtnis geblieben sein – dennoch schaltete sich jetzt Stefanie Drese, Vorsitzende des SPD-Kreises Land Rostock ein. Gegenüber der Ostsee Zeitung sagte sie: „Ich bin entsetzt!“. Drese hält es für fraglich, ob jemand, dem offenbar "jedes politische Fingerspitzengefühl fehlt", weiter Leitungsfunktionen in ihrer Partei ausüben darf. Nun soll der Kreisvorstand Wendt in dieser Sache „anhören“. Der Aufforderung Dreses, den Text zu löschen, kam Wendt – der auch stellvertretender Kreistagspräsident ist - bislang nicht nach. Dennoch versucht er sich in einem elendslangen Nachtrag zu seinem Artikel „Adolf Hitler und Benito Mussolini in Kröpelin“ zu rechtfertigen. Fast kleinlaut endete sein Erklärungsversuch mit den Worten:
„Mir wurde vorgeworfen, ich würde mich mit der Durchfahrt der Diktatoren brüsten. Das war ganz sicher nicht meine Absicht. Und trotzdem war diese Durchfahrt ganz ohne Zweifel für die kleine Stadt und die Bewohner ihrer Zeit ein bedeutendes Ereignis. Und zwar ganz wertungsfrei, so wie etwa auch der nachfolgende Zweite Weltkrieg ein unzweifelhaft bedeutendes Ereignis war.“
Ob Thomas Wendt seine Partei verlassen muss, bleibt abzuwarten. In Zeiten, in denen selbst Personen wie Thilo Sarrazin in der Partei verbleiben dürfen und rechtskonservative Extremismusforscher wie Armin Pfahl-Traughber auf dem sozialdemokratischen Portal „Endstation Rechts“ schreiben, scheinen ernsthafte Konsequenzen für die Verharmlosung der Nazi-Zeit höchst unwahrscheinlich.
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