Entschlossener Widerstand gegen Naziaufmarsch

XYZ 07.10.2012 07:13 Themen: Antifa Soziale Kämpfe
Entschlossener Widerstand gegen Naziaufmarsch in Göppingen - Eine erste Einschätzung

Der seit mehreren Monaten geplante und süddeutschlandweit beworbene Aufmarsch von Faschisten in Göppingen konnte am 6. Oktober nur begleitet von vielfältigen, unkalkulierbaren und entschlossenen antifaschistischen Protesten stattfinden und musste nach einer Routenverkürzung abgebrochen werden.
Von den 400 angekündigten Nazis zogen letztendlich etwa 150 mit einer knapp zweistündigen Verspätung, die der unübersichtlichen Lage vor Ort und einem Kabelbrand auf der Bahnstrecke geschuldet war, vom Göppinger Bahnhof durch die östliche Innenstadt zur Arbeitsagentur und von dort wieder zurück. Die Faschisten wurden permanent übertönt und immer wieder mit direktem antifaschistischem Widerstand konfrontiert. Letztendlich wurde der Aufmarsch der Nazis auf dem Weg zurück zum Bahnhof abgebrochen und die Polizei sah sich gezwungen die Faschisten kurzzeitig in „Schutzhaft“ zu nehmen, um eine Abschlusskundgebung vor dem weitläufig abgeriegeltem Bahnhof schließlich dennoch stattfinden zu lassen.



Beschützt wurden die Faschisten von über 2000 Polizisten, die den gesamten Tag über mit großer Brutalität gegen die Nazigegnerinnen und Nazigegner vorgingen. Schon am Morgen kam es zu peniblen Kontrollen im gesamten Stadtgebiet, ein Bus mit Antifaschistinnen und Antifaschisten wurde über mehrere Stunden hinweg festgehalten und kontrolliert, eine angemeldete und genehmigte Kundgebung des DGB vor der Arbeitsagentur wurde kurzfristig verboten, um den Nazis so die gewünschte Demoroute zu ermöglichen. Über 150 anreisende Antifaschistinnen und Antifaschisten wurden neben dem Göppinger Bahnhof über längere Zeit eingekesselt und von Polizeikräften mit Schlagstöcken und Pfefferspray attackiert.



Trotz aller Schikanen und Übergiffen nahmen etwa 2000 Nazigegnerinnen und Nazigegner an den Kundgebungen und Protesten teil. Bis zur Abreise der Neonazis entwickelten sich immer wieder entschlossene und kämpferische Protestformen. Antifaschistinnen und Antifaschisten versuchten mehrmals trotz Polizeiabsperrungen auf die Route der Nazis zu gelangen um diese zu blockieren. Den ganzen Tag über zogen spontane antifaschistische Demonstrationen mit bis zu 600 Teilnehmerinnen und Teilnehmern durch die Göppinger Innenstadt.



Insgesamt kam es im Laufe des Tages zu mehr als 100 Ingewahrsamnahmen, mehreren Festnahmen und zahlreichen Verletzten durch Schlagstock- und Pfeffersprayeinsätze. Vor der Gefangenensammelstelle sammelten sich am Abend einige Antifaschistinnen und Antifaschisten um sich mit den Festgenommenen zu solidarisieren und Unterstützung zu organisieren.



Ein detailierter Bericht mit politischer Einschätzung und Nachbereitung folgt.
Creative Commons-Lizenzvertrag Dieser Inhalt ist unter einer
Creative Commons-Lizenz lizenziert.
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen

peinlicher tagesabschluss

# 07.10.2012 - 11:39
Wer war eigentlich gegen Ende des Tages für die Megaphondurchsagen zuständig?

Als gegen 16:15 an der Straßenecke Schützenstraße / Geißlingerstraße sich die letzte wirkliche Gegelegenheit abzeichnete die Nasen nochmal zu erwischen. Gab es eine Megaphon durchsage von wegen der Nazi Aufmarsch sei abgebrochen worden etc. ... woraufhin alles unter großem Gejole in richtung Bahnhof abzog. Genau 2 Minuten später liefen die Nasen unterhalb dieses Punktes in Richtung Bahnhof durch, nach einer aufgelösten Demo sa das für mich ganz und gar nicht aus.

Eine Viertelstunde später an der Grabenstraße Ecke Freihofstraße gab es von selbiger Person wieder eine Durchsage. Hier wurde behauptet, die Nasen würden wieder laufen und die Massen wurden somit wieder die Grabenstraße entlang in Richtung Schützenstraße gelozt.
Fakt ist, die Nasen waren zu diesem Zeitpunkt bereits auf dem Bahnhofs Vorplatz und hielten ihre Abschlußkundgebung ab. Es wäre also nötig bzw. viel Sinnvoller gewesen die Freihofstraße hinunter zu laufen und dort noch einmal einen Durchbruch zu versuchen.

Solche Megaphondurchsagen sollten nur getätigt werden wenn die Infos absolut gesichert sind.....

Nasenfotos

xxx 07.10.2012 - 11:40

@#

anonym 07.10.2012 - 12:47
Häh?

In der Durchsage wurde meiner Erinnerung nach gesagt, dass der Naziaufmarsch abgebrochen wurde (was ja wie oben zu Lesen ist richtig war) und unklar sei, wie die Nazis gedenken die Stadt zu verlassen. Dann wurde angeregt eine Spontandemo zum etwa hundert Meter entfernten Bahnhof zu machen um dort gegebenenfalls den abreisenden Nazis den Rest zu geben. Dort gab es dann nochmal einen Durchbruchversuch um den Bahnhofsvorplatz zu besetzen. Also war die Megaphondurchsage doch inhaltlich gesichert und korrekt - oder irre ich mich?

Du meinst "Es wäre also nötig bzw. viel Sinnvoller gewesen die Freihofstraße hinunter zu laufen und dort noch einmal einen Durchbruch zu versuchen." Ich glaube nicht, dass das erfolgsversprechender gewesen wäre, an der Stelle sind vorher schon Durchbruchversuche Gescheitert und so viele Leute Standen da in dem Moment nicht.

Bei Indymedia Linksunten gibts übrigens auch paar Bilder von dem Tag. Zu finden unter  https://linksunten.indymedia.org/de/node/68561.

ergänzung

##2 07.10.2012 - 13:44
An der schlüsselstelle ecke schützenstr./geislinger str. (neben den scientologen) wurde eine lautidurchsage mit fehlinfos und daraus unnötigen folgen getätigt.
Einerseits wurde der humbug verkündet das die nazi-demo aufgrund der gegenproteste abgebrochen werden musste (jubel.. wir haben es geschafft. etc), was einfach nicht stimmte.
Darauf zogen die menschen feiernd richtung bahnhof.
Minuten später zogen genau an dieser ecke die nazis vorbei. Es bot sich die möglichkeit das letzte mal wirkungsvollen und lautstarken protest zu äußern, da hier eine sehr geringe entfernung zu den nazis vorhanden war.
Leider war schon die sich selbst feiernde masse vom ort des geschehens entfernt.

Später gab es nocheinmal eine lautidurchsage mit fehlinfos. Ecke gerberstr./freihofstr. wurde verkündet, dass die nazis nocheimal vorbeikommen werden. darauf zogen mehrere hundert menschen richtung schützenstr. allerdings kam diese meldung ca. 15 minuten zu spät. die nazis sind schon vorbei gewesen und keiner war dort aufgrund der zuvor angesprochen durchsage.

an die menschen die sich erdreisten die "führung" zu übernehmen und mensch mit falschen infos füttern: entweder ihr habt gesicherte infos von kontaktleuten aus dem inneren der sperrzone und die infos werden zeitnah verkündet oder ihr lasst solche schrecklichen aktionen, sonst würde ich euch fast eine gezielte verwirrung der massen vorwerfen. der ticker sollte aufgrund zeitlicher verzögerungen immer kritisch betrachtet werden.

sonst war es traurig, dass menschen mehr damit beschäftigt waren sich kleine sinnlose scharmützel mit den bullen (weit entfernt von den nazis) zu liefern. auswertung: nazis sind gelaufen, nur unsere genoss_innen wurden verhaftet und verletzt. die bullen sind eine infrastrukturelle und organisatorische übermacht. ein scheiß tag. aber wir waren viele und laut und entschlossen.

eher weniger Nazis?

#3 07.10.2012 - 14:29
150 Nazis scheint hochgegriffen zu sein -- auf diesen Videos sieht es nach ca. 75-80 aus:

www.youtube.com/watch?v=8wjhKAeXMIg
www.youtube.com/watch?v=5gtp-JHZo14

aus meiner Sicht eher planloser Tag mit wenig effektivem Rumgerenne durch Göppingen: mehr Kleinkämpfe mit den (von Anfang an auf Gewalt setzenden) Cops als Störung der Nazidemo (und zum Schluss noch die Fehlinfo, die auch uns von der Ecke Schützen/Geislinger-Str. weggelockt hat). Trotzdem: gut, dagewesen zu sein!

ergänzung

##3 07.10.2012 - 15:05
Es waren ca. 150 nazis
auf dem video nr. 1 sieht mensch nur den teil hinter dem lauti. da sind es in der tat ca. 80. allerdings ist vor dem lauti ein ähnlich personenstarker block. (siehe video 2)

billigte Polizei Straftaten?

von penz 08.10.2012 - 15:26
billigte die polizei straftaten?

"So war es auch kaum verwunderlich, dass neben den üblichen Neonaziparolen auch einige volksverhetzenden Inhalt hatten. Einige riefen „Ein Hammer – ein Stein- ins Arbeitslager rein“, worauf ein Neonazi lautstark „nach Auschwitz“ ergänzte. Ebenso wurde „Damals wie heute- Hitlerleute“ und “Ein Baum ein Strick ein Judengenick“ gerufen. Auch bekennende Parolen wie „Süddeutschland- Naziland“ und „Es gibt ein Recht auf Nazipropaganda“ wurden skandiert."
 http://blog.zeit.de/stoerungsmelder/2012/10/08/ausnahmezustand-und-ns-ve...

mach mal skandal antifa! das geht ja überhaupt nicht!

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Zeige die folgenden 3 Kommentare an

@## — xxx

Hallo? — miesepeter

ergänzung — ##4