Nachttanzdemo 02.10.2012 in Darmstadt

Roßdörfer Antifa 03.10.2012 14:55 Themen: Antifa Antirassismus Repression Weltweit
Am 02. Oktober fand in Darmstadt die Nachttanzdemo gegen das Konstrukt Nation statt. Bis zu 250 Teilnehmer_innen zogen über Darmstadts Hauptstraßen rund 2 Stunden vom Hauptbahnhof zum Luisenplatz. Unterwegs wurde mit lautstarken Rufen und Bannern, sowie einem Minimum an Pyrotechnik auf sich aufmerksam gemacht.
Die Demo verlief zu jedem Zeitpunkt friedlich. Leider nahm die Polizei einen Rauchtopf und ein bengalisches Feuer zum Anlass bei der Abschlusskundgebung am Luisenplatz zwei Anzeigen wegen Vermummung und eben dem Zünden von bengalischem Feuer zu verteilen. Dabei war ein sehr aggressives Verhalten seitens der sogenannten Ordnungshüter_innen zu beobachten, was durch nichts zu begründen war. Aufgrund des Fehlens des Personalausweises wurde der/ die vermeintliche Pyrozünder_in kurzzeitig in Gewahrsam genommen. Daraufhin zogen ungefähr 50 Personen vor das 1. Revier der Darmstädter Polizei und veranstalteten eine Stunde lang eine spontane Solikundgebung für den/ die Gefangene_n, der/ die schlussendlich auch wieder freigelassen wurde.
Wir ziehen für die Nachttanzdemo an sich ein sehr positives Fazit, da es trotz spontaner Veranstaltung und einem Mindestmaß an Mobilisierung gelungen ist, viele Menschen an diesem Dienstagabend auf die Straße zu bringen und die Teilnehmer_innen sogar aus den größeren Städten im Umland anreisten.
Die polizeiliche Willkür und Repression verurteilen wir allerdings auf das Schärfste. Hierbei ist insbesondere das Verhalten des Einsatzleiters Jehn zu nennen, der durch Lügen und hirnrissige Aussagen auffiel. Dazu gehörten unter anderem die Aussage, dass der Gefangene längst schon wieder frei sei, was er ungefähr eine Stunde vor der wirklichen Freilassung verlauten ließ und der Vergleich, dass wir wohl mit dem Zünden von bengalischem Feuer das Werk der Nazis zu Ende bringen würden und Darmstadt abfackeln möchten.
Doch nicht nur die Polizei bot an diesem Tag Grund zum Ärgern. Schon im Vorfeld der Demo gab es Provokationen verschiedener Gruppen, die sich zum einen gegen das Ablehnen von Nationalfahnen auf der Demo richteten, sowie gegen die Veranstalter_innen. Wir möchten hier insbesondere auf einen Eintrag im Blog „Irreversibel“ eingehen ( http://irreversibel.blogsport.de/2012/09/30/ein-bischen-gegen-deutschland/).
Zunächst zu dem Vorwurf die Roßdörfer Antifa sei keine ernstzunehmende Gruppe. Wir denken hierzu, dass es im Grunde offensichtlich ist, dass der hier gewählte Name nicht unbedingt ernst gemeint ist. Allerdings ist hier auch die Frage, ob es wohl zu dem Hipstertum gehört, dass eine „richtige“ Antifa nur aus Metropolen stammen darf.
Zu den weiteren Angriffen, dass wir in Wahrheit alle Israelhasser seien, möchten wir uns ebenfalls im Nachbericht zu der Nachttanzdemo äußern. Das jüdische Volk ist unbedingt zu beschützen und Auschwitz lässt daran definitiv keinen Zweifel. Die Gründung Israels war ein notwendiger Schritt, um Menschen einen Schutzraum zu gewährleisten, die durch die Shoah verfolgt wurden. 64 Jahre danach hat sich nichts an der Notwendigkeit des Schutzes des jüdischen Volkes geändert. Allerdings hat sich Israel von einem Schutzraum zu einem Staat entwickelt. Zionismus als Nationalismus, der diesem Staat seine Legitimation gibt, ist sicherlich ein besonderer Nationalismus und die Kritik muss immer in Verbindung mit dem Holocaust stehen. Dennoch ist er ebenfalls ein Konstrukt. In der Utopie einer staaten-, nations- und religionslosen, also einer von solchen Konstrukten befreiten, Welt gäbe es gar keinen Grund mehr andere Menschen aufgrund ihrer zufälligen Zugehörigkeit zu Irgendwas zu diskriminieren. Das heißt, es ist in der Konsequenz eben auch notwendig den israelischen Nationalismus zu kritisieren, was nebenbei ebenfalls für den palästinensischen gilt!
Es ist unserer Meinung nach daher wichtig eine antinationale Haltung zu vertreten, da sie das Problem Antisemitismus mit einschließt und es schlussendlich auch in der Utopie ausschließen würde.
Emanzipation ist also nur im offenen Gegensatz zu jeglichem symbolischen Konstrukt möglich.

No Border, No Nation.
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blubber — kluk