Aktion in Chiapas gegen REDD+

spell 27.09.2012 18:02 Themen: Weltweit
In Chiapas findet vom 25. - 27. September eine Konferenz über das REDD+ - Programm der Vereinten Nationen statt, das als Maßnahme gegen den Klimawandel dargestellt wird. Während in den Konferenzräumen über technische Details und ökonomische Richtlinien diskutiert wird, machen draußen Bewohner_innen ländlicher Gemeinden und Vertreter_innen von Menschenrechts- und Umweltgruppe auf die Gefahren des REDD+ - Programms, durch das tropische Wälder zur Privatisierung freigegeben werden und für private Investor_innen mit Regierungsunterstützung geöffnet werden sollen, aufmerksam.
Zum Anlass der zur Zeit in San Cristobal de las Casas, Chiapas, Mexiko tagenden REDD+ - Konferenz gab es gestern eine Aktion innerhalb der Konferenzräume. Während mehrere Personen Flyer an die anwesenden Regierungsvertreter_innen, Unternehmer_innen und Repräsentant_innen großer Umwelt-NGOs verteilten, verlas Eufemia Landa, Bewohnerin einer indigenen Gemeinde im lakadonischen Urwald, eine Deklaration gegen die Privatisierung von Urwäldern und Wälder die durch das REDD+ - Programm vorangetrieben werden sollen.

"Wir sind hier um die Programme und Projekte anzuprangern, die zum Ziel haben, unsere Ressourcen und Territorien zu enteignen. Diese Intention wird seit einiger Zeit von den schlechten Regierungen verfolgt. Seit kurzem mit einem neuen Vorwand: als Maßnahmen gegen den Klimawandel", hieß es darin.

REDD+ ist im Prozess der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) und dem Clean Development Mechanism (Mechanismus für saubere Entwicklung) entstanden. In diesem Zusammenhang, wird REDD+ unter einem zweifachen Vorwand gerechtfertigt, zum einen, dass durch die zunehmende Entwaldung zwischen 12 und 18 % der Treibhausgas-Emissionen verursacht werden und außerdem, dass tropische Wälder die wichtigsten natürlichen Speicher dieser Gase darstellen. Auf diese Weise werden REDD+ zwei parallel eintretende Effekte zugeschrieben: Die Menge von Treibhausgasen, die durch Entwaldung verursacht werden, zu reduzieren und die Rückbildung dieser Wälder zu fördern. REDD+ bedient sich dabei dem CO2-Handel, welcher die Fortsetzung der Verschmutzung von Unternehmen und Länder des Nordens, die sich durch den hohen Ausstoß von Treibhausgasen auszeichnen, ermöglichen, im Ausgleich zur Förderung sog. “Klimaschutzprojekte” im globalen Süden.

"Wir werden zu Verantwortlichen gemacht für den Ausstoß von Treibhausgasen, die die Erwärmung der globalen Temperatur vorantreibt", klagen die Verfasser_innen der Deklaration an und spielen damit auf die Unverhältnismäßigkeit des CO2 Handels und dem nach dessen Prinzipien funktionierenden REDD+ - Programms an: Während die Industrienationen des Nordens sich ihre Rechte zur weiteren Verschmutzung erkaufen, werden die Menschen ländlicher Regionen des globalen Südens verantwortlich gemacht, ihre Emissionen zu reduzieren.

Während in den Konferenzräumen die Deklaration verlesen wurde, versuchte sich eine sympathisierende Gruppe von draußen Zugang zum Gebäude zu verschaffen. Durch eine Polizeikette, die sich vor den verschlossenen Türen positioniert hatte, wurde ihnen der Zugang verwehrt.

In Form von Sprechchören forderte die Menge "tierra si! brecha no!" ("Land(-rechte) ja! Spaltung nein!) und weist damit auf das Vorgehen der chiapanekischen Regierung hin, die im lakadonischen Urwald, bevor die Verhandlung über ein offizielles und von der UN deklariertes REDD+ - Programm abgeschlossen sind, ihr eigene Version des Programms umsetzt und mit REDD+ betitelt. Strategie der Regierung ist dabei die Spaltung der Menschen die die Region bewohnen, indem sie einer indigenen Gruppe, die aus überschaulichen 65 Familien besteht, finanzielle Unterstützung zusicherte. Gegenleistung ist die Beteiligung am REDD+ - Programm und der Schutz des betroffenen Gebietes zur Wiederaufforstung und damit die Verwehrung des Zutritts für andere Bewohner_innen.

Nachdem die Deklaration verlesen wurde, setzt sich die Gruppe für eine Demonstration durch San Cristobal des las Casas in Bewegung. Dabei proklamieren sie: "nuestros bosques no son mercancía" ("Unsere Bäume sind keine Ware"), “REDD, falsa solución” ("REDD ist eine falsche Lösung"), "el gobierno de Chiapas les está mintiendo, ni nos informaron ni nos consultaron” ("Die chiapanekische Regierung belügt uns, wir wurden weder informiert, noch befragt").
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