Stendal: Nazis? Lassen wa hier nich durch!

Magdeburg Nazifrei 18.09.2012 20:44 Themen: Antifa Antirassismus
Magdeburg, 18.09.2012: Nazis? Lassen wa hier nich durch! Stendal blockiert!

Am 29.09.2012 werden Neofaschisten die Innenstadt Stendals belagern. Das Bündnis Magdeburg Nazifrei ruft dazu auf, sich an den Gegenprotesten zu beteiligen. Treffpunkt für alle, die sich an antifaschistischen Aktionen beteiligen wollen, wird um 10 Uhr der Wernerplatz in Stendal sein. Im Jahr 2010 ist es bereits gelungen, einen Naziaufmarsch durch Stendal zu verhindern. An diesen Erfolg soll auch am 29.09.2012 angeknüpft werden.
Unter dem Motto „Wir wollen leben- Härtere Strafen für Kinderschänder!“ rufen der Kreisverband der NPD Altmark und Freie Kräfte mit Unterstützung des Rings Nationaler Frauen (RNF) sowie dem Jugendverband der NPD, den Jungen Nationaldemokraten (JN) zur Demo in Stendal auf. Als Redner der Veranstaltung werden die Rechtspopulisten, Volksverhetzer und Neofaschisten Udo Pastörs, stellvertretender Bundesvorsitzender der NPD, Christian Worch, Multifunktionär der militanten Neonazi-Szene und Gründungsvorsitzender der neuen Partei „Die Rechte“, Andy Knape, Landesvorsitzender der JN in Sachsen-Anhalt und stellvertretender Bundesvorsitzender sowie Leiter des Ordnungsdienstes der NPD, und Sigrid Schüßler, Mitglied des bayerischen Landesvorstandes der NPD und Bundesvorsitzende des RNF, angekündigt. Interessant an dieser Liste der drei Redner und einer Rednerin ist der medienwirksame Schulterschluss zwischen dem parlamentarischen Arm der Rechten, namentlich der NPD, dem RNF sowie der freien Kameradschaftsszene und der neugegründeten Partei „Die Rechte“.

Eine sachbezogene Kampagne zur Prävention von sexualisierter Gewalt an Kindern nährt nicht die Illusion, dass durch härtere Bestrafung der Täter_innen derartige Gefahren generell gebannt werden können. Ein unverstellter Blick auf die Fakten offenbart die Tatsache, dass bereits eine bedeutende Verbesserung für die Sicherheit der Öffentlichkeit erreicht worden ist. Entgegen medial vermittelten Eindrücken ist die Fallzahl sexuell motivierter Tötungen von Kindern in den vergangenen Jahren rückläufig. Auch die Rückfälligkeit ist mit etwa einem Fünftel der verurteilten Täter niedriger als in der Öffentlichkeit vermutet. Neofaschisten instrumentalisieren das Thema sexualisierte Gewalt an Kindern für ihre Forderungen nach mehr staatlicher Gewalt: Oft sind die NPD oder die lokalen Kameradschaften die ersten, die mit Transparenten auf der Straße stehen, wenn etwas derart Schreckliches bekannt wird. Wenn Neofaschisten „Kinderschänder“ härter bestrafen wollen, ist ihnen die Zustimmung zumindest in einem Teil der Bevölkerung sicher. Vergeltung als Strafzweck ist unsinnig, weil es keinen Nutzen für die Zukunft einer Gesellschaft bringt. Einen Straftäter nach seiner Tat noch härter zu bestrafen als derzeit üblich – der Strafrahmen für sexuellen Missbrauch wurde bereits in den Jahren 2004 und 2008 erhöht- schützt weder zukünftige Opfer, noch hilft es Opfern sexualisierter Gewalt und hält auch keine Täter davon ab, eine Straftat zu begehen. Auch Sexualstraftaten werden nicht durch die Angst vor Strafe verhindert, sondern durch ein intaktes moralisches Bewusstsein.

Steffen Dauer, der Vorsitzende der Sektion Rechtspsychologie im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP), fordert zum Schutz der Kinder vor Annäherungsversuchen und Gewalttaten: „Eltern müssten dem Kind vermitteln, dass nicht jeder Erwachsene eine Autoritätsperson sei, der es zu gehorchen habe.“ Auch Offenheit sei wichtig: „Kinder müssen zuhause alles erzählen können, auch etwas über den Nachbarn, der schmusen wollte.“

Wir rufen auch alle Sachsen-Anhalterinnen und Sachsen-Anhalter dazu auf, sich an den Gegenprotesten zum neofaschistischen Aufmarsch zu beteiligen!

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Mit freundlichen Grüßen,

Bündnis Magdeburg Nazifrei

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