“Deutsche Stimme” am Ende?

Kombinat Fortschritt 06.09.2012 21:30 Themen: Antifa
"Es gibt Probleme", räumte Eckart Bräuniger auf Anfrage der ZEIT im Dezember 2011 ein, "Wir sind in einer angespannten wirtschaftlichen Situation.". Bräuniger war damals erst seit wenigen Wochen der neue Geschäftsführer der 'Deutschen Stimme', der Parteizeitung der NPD. Ein knappes dreiviertel Jahr und ein 'Deutsche Stimme-Pressefest' in Vorpommern später, sieht es wohl nicht besser aus. Die 'Deutsche Stimme' schließt offenbar zum Ende des Jahres ihre Pforten, dass legen Äußerungen von Neonazis im Internet nahe.
Bereits im Jahr 2010 erwirtschaftete die Parteizeitung einen Verlust von 35.000 Euro. Als Gründe nannte Bräuniger damals in der ZEIT vor allem einen aufgeblähten Warenbestand des angeschlossenen Versandhandels und die Indizierung des Katalogs, weshalb der Verkauf äußerst schleppend verlief. Kurz zuvor war Bräunigers Vorgänger, Uwe Meenen, bereits beurlaubt worden. Die Sanierung des maroden Verlags traute man ihm nicht zu.

Bräuniger, der in der NPD als ein „Mann fürs Grobe“ gilt, scheint jedoch auch nicht viel erfolgreicher gewesen zu sein, als sein Vorgänger. Während sich die Medien Mitte August auf Nadja Drygalla und Michael Fischer stürzten, geriet eine andere Meldung fast in den Hintergrund: Die Deutsche Stimme lieh sich 140.000 Euro vom sächsischen NPD-Landesverband. Nun sind NPDler und Neonazis ganz allgemein keine Menschenfreunde, und dies gilt auch im Umgang untereinander – erst recht wenn es um viel Geld geht. Als Gegenleistung sicherten sich der NPD-Bundesvorsitzende Holger Apfel und sein Stellvertreter aus MV, Udo Pastörs, Einfluss auf wichtige Entscheidungen innerhalb des Verlags. Sie sind dem Geschäftsführer der Deutsche Stimme gegenüber nun weisungsbefugt, wie aus dem Vertrag hervorgeht, der dem NDR vorliegt.

Bei der Sanierung der angeschlagenen Verlags-GmbH sollten neben einer Straffung des Versandlagerbestands vor allem 'Großveranstaltungen' helfen. Während auf dem Verlagsgrundstück im sächsischen Riesa mindestens zwei Veranstaltungen stattfanden, die jedoch hinter den Erwartungen zurückblieben, war eine dritte das 'Deutsche Stimme-Pressefest' im vorpommerschen Viereck. Etwa 1000 Neonazis feierten hier zu Rechtsrock und Vorträgen. Begleitet wurden sie von Gegenprotesten auf den Zufahrtswegen und behördlichen Einschränkungen des Festes im Vorfeld. So durfte auf dem Gelände des Schweinestalls nicht gezeltet werden, die gesamte Veranstaltung wurde von drei auf einen Tag zusammen gekürzt. Doch nicht alle Hindernisse waren von außen herbeigeführt worden. Die NPD selbst untersagte ihren Gästen das Mitbringen von Essen und Getränken, bei Eintrittspreisen von 23,50 Euro pro Person keine nette Geste. Und so kamen eben „nur“ 1000 Neonazis – zu Hochzeiten waren es bis zu 7000.

Doch es hat wohl alles nichts genutzt. Zum Ende des Jahres soll die Deutsche Stimme-Verlags GmbH ihre Pforten schließen. Auch das Pressefest wird es nicht mehr geben. Das legen Äußerungen der Neonazi-Band „Wiege des Schicksals“ auf Facebook nahe, die selbst auf dem Pressefest in Viereck auftrat. Die Band schreibt: "Die Deutsche Stimme GmbH schließt dieses Jahr. Ende nächsten Monats findet dor noch einmal ein Abschlusskonzert statt." (Fehler im Original)Mit dem „Abschlusskonzert“ dürfte die Veranstaltung am 29. September auf dem Verlagsgrundstück in Riesa gemeint sein, die die Band ebenfalls auf ihrem Facebook-Profil bewirbt. Auftreten sollen laut dem Veranstaltungsflyer, auf dem kein Wort von „Abschiedskonzert“ zu lesen ist, die üblichen Verdächtigen: Die Lunikoffverschwörung, Words of Anger, Sachsonia und andere. Ihren eigenen Auftritt sagte die Band, die Szenekenner_innen den Hammerskins zuordnen, im Vorfeld trotz versprochener 200 Liter Freibier allerdings wieder ab. Wollen NPD und Deutsche Stimme die Schließung des Parteiorgans so lange verheimlichen wie möglich?

Zweifellos wäre eine Schließung oder gar Insolvenz der Parteizeitung eine herbe, geradezu blamable Niederlage für Holger Apfel, den bisher eher glücklosen Parteivorsitzenden. Apfel steht insbesondere wegen der durch ihn proklamierten „seriösen Radikalität“ in der Neonaziszene heftig in der Kritik, die vielen Kameraden als zu weich gespült erscheint. Auch der Versuch Apfels und Pastörs' sich über die Finanzspritze die Kontrolle über die Redaktion zu erkaufen, dürfte sowohl parteiintern, als auch außerhalb Kritik hervorrufen, schließlich ließe sich der Vorgang auch als Versuch, Kritiker in Partei und Redaktion mundtot zu machen, interpretieren.

Eine weitere Frage wäre, wie die Partei den Verlust ihres Sprachrohrs ersetzen möchte. Oder ist womöglich gar kein Ersatz geplant? Dann ließe sich das Ende der Deutschen Stimme durchaus als eine Station des weiter voranschreitenden Niedergangs der Bundespartei betrachten.
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Tolle Nachricht — Borkenarrow

Richtig wirtschaften?! — Mal so Einer

@mal so einer — Borkenarrow