20. Jahre rassistischen Pogrome in Cottbus

Ziel und Kurs Cottbus 29.08.2012 23:23 Themen: Antifa Antirassismus
In den Nächten vom 29. bis zum 31. August 1992 versuchten mehrere hundert Nazis die Wohnblöcke des Sachsendorfer Asylbewerberheims mit Molotow-Cocktails in Brand zu setzen und ihre etwa 1000 Bewohner in den Feuertod zu treiben. Um Überlebende zu massakrieren, hatten sie sich mit Messern, Baseballschlägern und Steinen bewaffnet. Nur der Einsatz von Feuerwehr und 300 Polizeibeamten konnte schließlich ein Blutbad verhindern und die Angreifer zum langsamen Rückzug zwingen.
Bewegten diese Ereignisse damals noch kurzzeitig die lokale Öffentlichkeit, so sind sie bis heute fast in Vergessenheit geraten. Und sowohl Stadt als auch Presse haben ein Interesse am Totschweigen der größten Cottbuser Schande seit 1945. Da der Fokus der bundesdeutschen Medien auf die schweren Gewaltexzesse von Rostock-Lichtenhagen wenige Tage zuvor konzentriert war, konnte die Stadt ihre Probleme mit rechten Ausschreitungen erfolgreich aussitzen bis das Thema niemanden mehr interessierte als die Betroffenen selbst. Auch die Lausitzer Rundschau hat zu jener Zeit keine rühmliche Rolle gespielt, da Zitate Cottbuser Bürger über angebliche Bedrohungen durch die Asylsuchenden zumindest unfreiwillig die ohnehin aufgeheizte Stimmung gegen Ausländer weiter zuspitzten und dem faschistischen Mob Rechtfertigung für seine Übergriffe gaben.

Dabei waren die Bewohner zumeist Flüchtlinge aus Bürgerkriegsregionen in Afrika oder auf dem Balkan, die sich nach nichts mehr sehnten, als ohne Hunger und in Frieden ihre Kinder großzuziehen. Was sie dann in Deutschland erwartete, war jedoch beinahe das Gegenteil all dessen: Zusammengepfercht in abseits gelegenen Plattenbauten, ohne finanzielle Mittel und nur mit Essensmarken ausgestattet überließen staatliche Institutionen die Asylsuchenden sich selbst. Wie verlogen sind Politiker, die für diese Bedingungen verantwortlich sind und heute mangelnden Integrationswillen von Migranten beklagen?

Doch damit keineswegs genug. Nach der Auflösung der DDR fanden sich viele Einwohner Ostdeutschlands in einer Situation sozialer Kälte mit Arbeitslosigkeit und Existenzängsten wieder. Dies nutzten rechte Rattenfänger aus, um oftmals junge Leute für ihre egoistischen und menschenfeindlichen Interessen zu instrumentalisieren. In Cottbus tat sich besonders ein gewisser Frank Hübner hevor, der heute für die NPD im Abgeordnetenhaus sitzt und damals Führungskader der Deutschen Alternative (DA) war. Er, der Anfang der Neunziger regelmäßig Naziaufmärsche durch Sachsendorf organisierte, war auch einer der Initiatoren der Pogrome vom August 1992. Sein ursprüngliches Vorhaben, die Übergriffe als spontanes Aufbegehren Deutscher Bürger aussehen zu lassen, misslang weitesgehend, da anders als in Rostock oder kurze Zeit später in Hoyerswerda nur wenig Zustimmung aus der allgemeinen Bevölkerung zufiel. Zu brutal, zu primitiv war das Vorgehen seines braunen Schlägertrupps. Dennoch muss klar festgestellt werden: Sowohl in der Cottbuser Einwohnerschaft wie in der Stadtpolitik gab es nur wenige aufrichtige Antifaschisten, die öffentlich in Erscheinung traten und sich mit den Flüchtlingen solidarisierten. Die meisten schwiegen aus Angst selber in das Fadenkreuz zu geraten und einige, wie Wahlergebnisse und Stammtischabende zeigen, auch aus stiller Sympathie für die Nazis. Dieses Schweigen führte letztlich dazu, dass bei den städtischen Beschwichtigungsveranstaltungen Hübner und seine Vasallen nochmal einen großen Auftritt hatten, als sie mit martialischem Auftreten den aufrichtigen Teil der Bevölkerung einschüchterten und sich als Stimme der Unterdrückten profillieren konnten.

Was in der Nachbetrachtung der Pogrome vor 20 Jahren bisher völlig unbeachtet blieb, ist die Rolle der Nachrichtendienste. So waren die Nazis in Cottbus mit Funkgeräten ausgestattet, um forthin mit Infortmationen über die Lage versorgt zu werden und ihre Aktionen koordinieren zu können. Obwohl die Polizei diese Gespräche mithörte, dauerte es zwei Nächte, um zweihundert Randalierer zurückzudrängen. Wenn wir bedenken, dass die Cottbuser Ausschreitungen neben denen von Rostock, Hoyerswerda und anderen dazu führten, dass 1993 das Asylrecht faktisch abgeschafft wurde, muss die Frage aufgeworfen werden, inwiefern die führende Politik der BRD ein Interesse an den Ereignissen hatte.

Wie ist die Lage heute in Cottbus? An den allgemeinen Zuständen hat sich wenig verändert, noch immer werden Antifaschisten und die wenigen Migranten von Nazi-Schlägertrupps verfolgt und attakiert, noch immer erzielt die NPD Wahlerfolge – noch immer ist mit den ökonomischen Verhältnissen der Nährboden vorhanden, aus dem rassistische Umtriebe ständig neu entstehen.
Daher kann es nicht ausreichen, wenn wir dem Tiefpunkt unserer neueren Stadtgeschichte nur still gedenken, um danach wieder die Hände in den Schoß zu legen. Alle überzeugten Antifaschisten egal welcher Colleur sind aufgerufen, sich an der Kundgebung am Ort des Angriffs zu beteiligen! Wir zeigen den Nazis, dass sie keinen Platz in Sachsendorf haben! Diese Stadt ist unsere Stadt!



Freitag, 31. August 2012 um 16:00: Ecke Lipezker Str./Schopenhauer Str. – Kommt alle!
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Ergänzungen

Rattenfänger?

pogrome beim namen nennen 30.08.2012 - 17:36
seriously - Rattenfänger? Alles verblendete und von der sozialen Kälte erfasste Deutsche, die sich aufstacheln lassen? Da waren bzw. sind wir eigentlich weiter: Das Problem heisst Rassismus! Aber mehr kann mensch auch nicht erwarten bei nem Post ohne "Absender" oder weiteren Informationen. Bei Formulierungen a la Joachim Gauck sollte mensch eher vorsichtig sein.

Auch der Satz "da anders als in Rostock oder kurze Zeit später in Hoyerswerda nur wenig Zustimmung aus der allgemeinen Bevölkerung zufiel" ist erstens relativierend (wer bitte ist die allgemeine Bevölkerung?) und zweitens historisch falsch: das Pogrom von Hoyerswerda war nicht "kurze Zeit später" sondern im September 1991, also ein knappes Jahr vor Ro-Liha und Cottbus.

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Ganz toller Versuch

*** 30.08.2012 - 12:31
Weisst Du, wir rechnen hier Gewalt nicht auf, so was funktioniert vielleicht auf PI. Gewalttätige Übergriffe sind schlimm, egal aus welchen Gründen. Solche Angreifer sind dumme Schweine. Aber so schlimm die Salafisten auch sind, sie bleiben eine Sekte, wogegen der deutsche Nazismus bereits eine weit reichende Geschichte hat und in einem nennenswerten Teil der Deutschen immer noch drin steckt. Daher ist der Kampf gegen deutsches Nazitum immer noch die erste Priorität.

PS: Du bist doch der mit den Frauennamen, seit wann setzt Du Dich denn für überfallene Juden ein?

@ Frank B.

*** 30.08.2012 - 14:05
Danke für die Aufklärung. Ohne Deine gut recherchierte Ergänzung hätten wir wohl nie erfahren, was an der Baumfällung Scheiße ist.

Trotzdem hat es die barbarischen Nazi-Pogrome nach der Wende gegeben und darum gehts hier eigentlich.

Rassismus gegen Juden,...von wem!?

Marina Müller 31.08.2012 - 20:02

Jüdische Gemeinde empfiehlt Kippa-Verzicht

Nach dem Überfall auf den Berliner Rabbi (PI berichtete), rät der Rektor des Abraham-Geiger-Kollegs in Potsdam, Walter Homolka, seinen jüdischen Studierenden, auf Zeichen des Judentums in der Öffentlichkeit zu verzichten. Und auch die Jüdische Gemeinde in Berlin empfiehlt Eltern, ihre Söhne nicht mehr mit einer Kippa durch die Stadt laufen zu lassen.

Und weiter wird das Thema, Hass junger Migranten auf Israel, in der WELT behandelt. Verblüffend, was da zutage tritt: Die arabischen Jugendlichen sehen sich als “Opfer Israels”. Auch haben sich schon Moslemführer in Deutschland zu Wort gemeldet, die den Vorfall bedauern, auch wenn dieses Bedauern nicht so ganz ehrlich klingt, wird doch gleich auf Israel verwiesen, das angeblich die Ursache für den Judenhass sein soll.

Jetzt fragen wir uns doch einfach mal, was stellt Israel eigentlich so Schlimmes mit den arabischen und türkischen Jugendlichen an? Ist es so schlimm, dass die Leute in Israel überleben und ihre Kinder schützen wollen. Oder ist es so schlimm, dass sich die Juden permanent weigern, ins Meer treiben zu lassen, wie von Palästinenserführern immer wieder gefordert?

Aber suchen wir doch mal nach anderen Möglichkeiten für diesen Hass: Vielleicht ist es einfach so, dass diese Araber auf die palästinensische TV-Propaganda reagieren, und zwar ganz genauso wie sie reagieren sollen. Wenn da Kinder schon in den Dschihad ziehen und spielerisch köpfen, ist da etwas, was wir nicht mit unseren Moralvorstellungen vereinbaren können. Politiker stört das aber wohl nicht, zumindest habe ich nie etwas in der Richtung gehört oder gelesen. Oder auch, wenn da die Mickymaus zusammen mit Kleinkindern die Ungläubigen verflucht und Allah bittet, diese zu bestrafen und zu töten, dann ist auch das für uns gewöhnungsbedürftig. Ganz besonders, wenn die Jugendlichen hier permanent durch westliche Satellitentechnik mit solchen Parolen und Programmen berieselt werden.

Schlimm sind da nicht einmal die Jugendlichen, die eigentlich nur reagieren, wie das von arabischer Seite gewollt ist. Schlimm sind da vielmehr unsere Politiker, die solche Programme unerwähnt lassen, nicht gegensteuern und sogar noch diese palästinensischen Programmgestalter direkt und indirekt unterstützen. Diese Jugendliche müssen doch einfach glauben, dass deren Taten rechtens sind, wenn unsere Politiker, die ständig die Palästinenser mit Millionen füttern, ohne auch nur irgendwelche Gegenleistungen zu verlangen. Unsere Geldverschwender hätten es in der Hand, zu sagen: „Geld gibt es nur, wenn Ihr endlich einmal anfangt, Euch in Richtung Zivilisation zu bewegen“ oder: „Noch so eine Kinderverhetzung und alle Zuwendungen werden sofort gestrichen“ oder ähnliches.

So wie es momentan abläuft, müssen die jungen Araber doch einfach glauben, dass sie die Juden angreifen dürfen und das sogar von ihnen gefordert wird. Im Gefängnis, sollten sie da jemals hinkommen, werden sie dann auch noch als Helden gefeiert.

Aber wie ist die Reaktion, die bei uns dann tatsächlich kommt: Die Juden sollen in der Öffentlichkeit keine Kippa tragen. Was kommt dann als nächstes, wenn alles abgestellt wird, was unsere moslemischen Herrenmenschen stören könnte? Kommt dann die Empfehlung, keinen Minirock zu tragen, keine sexy Shirts, keine Highheels und auf gar keinen Fall ein Kreuz oder einen Judenstern als Anhänger an der Halskette. Ziehen wir unseren Frauen eine Burka an und lassen uns Vollbärte wachsen, damit wir ungestört das Vermögen erwirtschaften können, das wir dann umgehend an unsere Herren abdrücken? Dass man besser keine Israelflaggen zeigt, hat sich ja schon herumgesprochen…