Der vergessene Skandal – Anmerkungen über ein schiefe Debatte
Unser Bericht über die Neonaziverstrickungen der Nadja Drygalla hat ein breites Medienecho ausgelöst. Die Ruderin verließ das olympische Dorf, der Innenminister, sowie Ministerpräsident des Landes Mecklenburg-Vorpommern kommentierten das Ereignis, der Sportausschuss des Bundestages wird sich mit dem Fall beschäftigen, das Thema war auf praktisch allen Titelseiten quer durch die Republik und wurde auch international rezipiert. Aufgeregt wird diskutiert wer wann was wusste und somit für die internationale Blamage verantwortlich sei. Anderseits steht mancherorts zur Debatte, ob die Aufregung überhaupt gerechtfertigt sei. Was kann Nadja Drygalla für ihren Freund? Natürlich lehnt jeder die NPD ab und niemand will sich mit Udo Voigt gemein machen, der natürlich prompt Solidarität für das Rostocker Rudertalent forderte. Doch ganz gleich ob der Spiegel von Sippenhaft spricht, in Die Zeit das Recht auf Liebe auch zu Neonazis gefordert wird, oder Funktionäre vor Vorverurteilungen warnen und gebetsmühlenartig wiederholen, sie habe sich glaubhaft vom Gedankengut der Nazis distanziert: Sie blenden Fakten aus und so gerät die Debatte zwangsläufig schief.
Denn in unserem Artikel stand nicht allein, dass sie mit Michael Fischer das Bett teilt. Sie haben auch mehr gemeinsam als nur den Rudersport. Sie ergänzen sich auch auf andere Weise: Michael Fischer ist leidenschaftlicher Fotograf und Nadja Drygalla stand schon häufig im Blitzlichtgewitter. Doch Fischers Passion ist nicht die Natur- oder die Architekturfotografie, sondern er begreift sich als politischer Soldat, der, wenn er nicht gerade selbst zu Schlaginstrumenten greift, die Kamera als seine stärkste Waffe ansieht. So dokumentiert er Aktionen der rechten Szene, um so die Propagandaschlacht zu führen. Auch lichtet er vermeintliche oder tatsächliche Antifaschisten ab, wobei sich dann die Bilder in einschlägigen Portalen wiederfinden. Oder aber er macht Schnappschüsse von jungen Frauen bekleidet mit Nazidevotionalien. Das alles ist schon ziemlich unappetitlich und dabei haben wir noch nicht einmal über seine Gewaltausbrüche gesprochen.
Aber nichts von alledem hat direkt etwas mit Nadja Drygalla zu tun. Abgesehen natürlich davon, dass das alles sie nicht davon abhält weiter mit ihm zusammen zu sein. Doch Nadja Drygalla hat auch ein Fotoshooting mit ihrem Freund gemacht und diese Bilder veröffentlichte Michael Fischer auf seiner Facebookseite "Fail Better Photography". Will uns Nadja einreden, dass sie einen Ausflug mit entsprechenden Fotosessions macht und nichts von der Veröffentlichung der Bilder auf Facebook wusste? Ihre Spuren in dem sozialen Netzwerk belegten eindeutig das Gegenteil. Wie glaubhaft ist eine Distanzierung von der rechten Szene, wenn ihre Fotos nur wenige Pixel entfernt von 'White Power', 'Landser' und Baseballschlägern zu finden sind?
Vielleicht ist es den Eigendynamiken im Journalismusbetrieb geschuldet, dass diese Umstände kaum Erwähnung in der Diskussion finden. Die junge Ruderin und ihre braune Liebschaft – eine solche boulevardeske Aufmachung erscheint sehr verlockend. Vielleicht fielen dies Aspekte auch in der Hektik des plötzlich immer größer werdenden Interesses unter den Tisch. Das wäre sicherlich allemal mehr verzeihlicher als die peinlichen Rechtfertigungsversuche von Hans Sennewald, Vorsitzender des hiesigen Landesruderverbandes:
Man kann sich eben nicht auf das olympische-nationalistische Spielchen einlassen und nachher beklagen, wenn die eigene Nation mal wieder mit ihrer lästigen Vergangenheit und Gegenwart konfrontiert wird.
Aber nichts von alledem hat direkt etwas mit Nadja Drygalla zu tun. Abgesehen natürlich davon, dass das alles sie nicht davon abhält weiter mit ihm zusammen zu sein. Doch Nadja Drygalla hat auch ein Fotoshooting mit ihrem Freund gemacht und diese Bilder veröffentlichte Michael Fischer auf seiner Facebookseite "Fail Better Photography". Will uns Nadja einreden, dass sie einen Ausflug mit entsprechenden Fotosessions macht und nichts von der Veröffentlichung der Bilder auf Facebook wusste? Ihre Spuren in dem sozialen Netzwerk belegten eindeutig das Gegenteil. Wie glaubhaft ist eine Distanzierung von der rechten Szene, wenn ihre Fotos nur wenige Pixel entfernt von 'White Power', 'Landser' und Baseballschlägern zu finden sind?
Vielleicht ist es den Eigendynamiken im Journalismusbetrieb geschuldet, dass diese Umstände kaum Erwähnung in der Diskussion finden. Die junge Ruderin und ihre braune Liebschaft – eine solche boulevardeske Aufmachung erscheint sehr verlockend. Vielleicht fielen dies Aspekte auch in der Hektik des plötzlich immer größer werdenden Interesses unter den Tisch. Das wäre sicherlich allemal mehr verzeihlicher als die peinlichen Rechtfertigungsversuche von Hans Sennewald, Vorsitzender des hiesigen Landesruderverbandes:
„Es ist im Verein und unter ihren Freunden seit vielen Jahren so, dass Nadja zwar gern gesehenes Mitglied der Runde ist, aber Michael Fischer zu sämtlichen privaten Veranstaltungen und auch hier im Verein nicht erscheint. Wir halten das Thema definitiv nicht klein. Wir diskutieren in erster Linie aber nicht über die politischen Ambitionen des Umfeldes.“Das erinnert schon ein wenig an ein kleines Kind, welches sich einbildet man müsse nur kräftig genug die Augen verschließen, damit sich das Problem in Luft auflöst. Aber es ist schon bemerkenswert, dass dem Verband ihr Freund so unangenehm ist, dass man froh darüber zu sein scheint, wenn er nicht auf Vereinsfesten auftaucht. Gleichzeitig hält man sie aber für eine Persönlichkeit die charakterlich geeignet erscheint das Land Mecklenburg-Vorpommern und die Bundesrepublik international zu vertreten. Insofern ist der Vorwurf an die Presse, sie solle sich vor Augen halten was sie Nadja Drygalla gerade antut, an Heuchelei kaum noch zu überbieten. Wer seine Schützlinge nach Olympia schickt, der weiß, dass sie spätestens damit zur öffentlichen Person werden. Wer dann von der braunen Leiche im Keller weiß und eine junge Frau nicht über mögliche Konsequenzen aufklärt, der sollte sich davor hüten, der Presse ein Maulkorb verpassen zu wollen unter dem Vorwand man müsse sie vor den Medien schützen.
Man kann sich eben nicht auf das olympische-nationalistische Spielchen einlassen und nachher beklagen, wenn die eigene Nation mal wieder mit ihrer lästigen Vergangenheit und Gegenwart konfrontiert wird.
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