Interview: Homonationalismus und Pinkwashing
Die israelische Regierung stellt sich als eine für Schwule und Lesben offene Gesellschaft dar. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Ein Gespräch mit Yossi Katan, Queer-Aktivist aus Israel
Am kommenden Montag organisieren Sie einen Workshop über "Homonationalismus" und "Pinkwashing" im Südblock in Berlin-Kreuzberg. Was ist Homonationalismus?
Wie druckt sich Homonationalismus in der deutschen Außenpolitik aus?
Genauso, wie die militärische Intervention in Afghanistan angeblich den Rechten von Frauen dienen sollte, können auch die Rechte von Schwulen für imperialistische Politik instrumentalisiert werden. So fordert Guido Westerwelle die Streichung von Entwicklungshilfe für homophobe Regimes – dabei werden vielmehr immer geopolitische Interessen durchgesetzt. Die rassistische Ausgrenzung von MigrantInnen wird zunehmend mit ihrer mangelnden "Aufklärung" begründet. Da wird der Kampf gegen Homophobie zu rassistischen Zwecken missbraucht.
Und was ist "Pinkwashing"?
Es bezeichnet eine von der israelischen Regierung gesteuerte Kampagne. Das Land stellt sich als eine für Schwule und Lesben offene Gesellschaft dar, um sein Image in liberalen Kreisen aufzupolieren. So sollen sich schwule Menschen in Tel Aviv frei bewegen können – aber welche? Es sind vorwiegend weiße Männer der Mittelschicht, die diese Freiheiten genießen. In Israel sind arme Schwulen und Lesben, Transsexuelle, PalästinenserInnen, Flüchtlinge usw. demnach extremer Repression ausgesetzt.
Es gibt jetzt viel Homo-Tourismus in Tel Aviv. Aber in anderen Teilen des Landes wird es nicht toleriert, dass zwei Männer Händchen halten. Dabei ist die Situation von Homosexuellen in den palästinischen Gebieten noch schlimmer. Sie leiden unter der Repression der Besatzungsmacht und der eigenen Gesellschaft. Gezielt werden sie vom israelischen Geheimdienst erpresst, um InformantInnen zu werden – was wiederum die Homophobie stärkt.
Was ist das Ziel dieser Kampagne?
Israel führt eine Apartheid-Politik, ist aber auf Unterstützung aus dem Westen angewiesen. Deshalb präsentiert die Regierung die PalästinenserInnen als rückständige "Feinde des Westens", um selbst wie ein westliches Land zu erscheinen. (Auf der gleichen Art und Weise versucht die Regierung in Syrien, als Teil ihrer Werbekampagne Asma al-Assad als liberale, emanzipierte Frau darzustellen, um die Repression dort zu vertuschen.)
Doch dieses Selbstbild ist weit entfernt von der Wirklichkeit. Es gibt offen homophobe Regierungsmitglieder, obwohl die gleiche Regierung sich im Ausland als schwulenfreundlich feiern lässt. Wir leiden unter vielen homophoben Angriffen – so wurde der Mord an zwei Jugendlichen in einem Jugendclub in Tel Aviv im Jahr 2009 bis heute nicht aufgeklärt.
Dahinter stecken religiöse aber auch nationalistische Kräfte, die gleichzeitig den zunehmenden Rassismus gegen Flüchtlinge und Demokratieabbau im Innern vorantreiben. Es gibt also neben der religiösen auch eine säkulare Homophobie, denn Israel führt gerade einen "demographischen Krieg" gegen die Palästinenser – dazu braucht man eben große heterosexuelle Familien.
Was wollt ihr mit diesem Workshop erreichen?
In der Schwulenszene in Berlin beobachten wir einen wachsenden Rassismus gegen angeblich homophobe TürkInnen oder AraberInnen. Das führt unter anderem dazu, dass schwule Menschen mit Migrationshintergrund von den TürsteherInnen bei Gaybars abgewiesen werden.
Die Pinkwashing-Kampagne bedeutet in Deutschland, dass Schwule aus der arabischen Welt, ihre Kämpfe und ihre Organisationen ausgeblendet werden. Sie werden als bloße Opfer dargestellt. Die rassistische Ausgrenzung wird dieses Problem jedoch nur noch verstärken. Und wenn die rassistische Politik Israels akzeptiert und unterstützt wird, legitimiert das auch Rassismus hierzulande.
Man kann nicht gegen Homophobie sein und gleichzeitig Rassismus tolerieren. Ein Beispiel dazu: Das oberste Gericht Israels hat die Anerkennung von homosexuellen Ehen im Ausland durchgesetzt. So können manche Leute, die sich einen Flug nach Kanada für eine Eheschließung leisten können, dieses Privileg genießen. Doch im gleichen Jahr hat das gleiche Gericht zugelassen, dass Menschen aus arabischen Ländern, die mit Israelis verheiratet sind, die Aufenthaltsgenehmigung verweigert!
Wir haben schon einen Workshop zum Thema als Teil des Transgenialen Christopher Street Days im Juni angeboten. Es gab viel Interesse und eine gute Diskussion, aber auch weiße Deutsche, die gegen uns Israelis schnell Vorwürfe des "Antisemitismus" erhoben haben. Wir waren auch negativ überrascht, dass danach ein Artikel in der Zeitung "Jungle World" mit vielen Lügen über unsere Präsentation erschien. Von daher möchten wir nochmal die Gelegenheit geben, um diese Diskussion fortzusetzen
(Yossi sprach letzten Montag auf einer gut besuchten Veranstaltung im Südblock am Kottbusser Tor.)
Eine kürzere Version dieses Interviews erschien in der jungen Welt vom 28. Juli
Interview: Wladek Flakin, Revolutionäre Internationalistische Organisation (RIO)
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen
Übrigens...
Widerlich!
das ist nicht...
Es ist immer wieder erstaunlich...
1. Ja, es gibt Homophobie auch in Israel (wie leider überalle auf der Welt!), es gibt Gegenden innerhalb Israels in denen es gefährlich ist als homosexuelles Pärchen sich offen zu zeigen.
2. Ja, es gibt auch Kapitalismus in Israel, das bedeutet, dass es sozial besser gestellten schwulen und lesbischen Menschen wesentlich leichter fällt sich freier zu fühlen und zu präsentieren. Menschen, die arm sind und systematisch von Ausgrenzung betroffen sind haben es (wie überall auf der Welt) ungemein schwerer eine von der gesellschaftlichen Norm abweichende sexuelle Ausrichtung frei(er) zu praktizieren.
ABER:
In Israel werden Homosexuelle nicht systematisch verfolgt! Sie werden nicht mit dem Tode bedroht. Jedes Jahr fliehen hunderte schwule Palästinenser nach Tel-Aviv, weil sie es in ihren feudalen Stammesstrukturen nicht aushalten. Wer sich in Ramallah, in Gaza oder selbst in Baka-Al-Garbiyah offen zum schwul sein bekennt ist seines Lebens nicht mehr sicher!!!
In Israel
@ alexander d.
2. auch die radikalere "queerszene" in deutschland besteht aus einzelpersonen, die von der mainstream lgbt-community belächelt werden. geh mal zum csd in berlin oder schlag ein magazin wie die "blu" auf. und dann denk mal drüber nach, was da vertreten wird.
3. es geht hier in diesem artikel nicht um homophobie in euren lieblingsfeind-ländern, sondern um emanzipatorische kämpfe in israel!
damit zusammenhängend:
4. ist dir eigentlich schon mal aufgefallen, dass du die ganze zeit für andere sprichst?!?! dass du aktivist_innen mit israelischem oder jüdischem background die ganze zeit bevormundest , für sie sprichst, sie zu opfern erklärst?
5. warum seid ihr eigentlich alle so bekloppt? kommt mal klar!
Aha
Achso! Neben Kommunismus und Kapitalismus sind die Juden nun also auch noch für die Stärkung der Homophobie verantworlich.
Was wollt ihr mit disem Workshop erreichen?
Wenn nicht, dann finde ich es sehr bezeichnend, dass Israel für den Rassismus in Deutschland verantwortlich gemacht wird.
Ts
Titel der Ergänzung
Weshalb?
Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen
Liebe Mods... — Wladek Flakin (RIO)
@alle die gleich aufschreien — blabla
"Homonationalismus" — Dein Name
@blabla — blubb blubb
was soll das? — so36
Was für ein Blödsinn!! — ziggyx87
@alexandra b. — Alexander D.
Apartheid? Das war doch was anderes ... — anonym
bischen mehr reflektion bitte — so36
korrigierte — Perspektive
Proletarische Dialektik — Kommunist
hahaha — vom nahost-konflikt angekotzter
Israel Politik — Yosh
@Yosh — Alexander D.
Probleme ham die Leut ma wieder. — Einfacher Text
aha? — ant
@ Sandra — _