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[Bln] 4. Lärmdemo am Kotti

DeinKotti 29.06.2012 09:07
Schluss mit der Verdrängung – Innenstadt, wir bleiben!
Gegen steigende Mieten, sinkende Löhne, Rassismus und verfehlte
Wohnungspolitik.
Schluss mit der Verdrängung – Innenstadt, wir bleiben!
Gegen steigende Mieten, sinkende Löhne, Rassismus und verfehlte
Wohnungspolitik. Die Vielfalt haben wir gemacht, WIR SIND DIE VIELFALT.

Die Mietergemeinschaft Kotti & Co lädt zur 4. Lärmdemo am 30.6. (16 Uhr)
Treffpunkt: Kottbusser Tor/Admiralstrasse am Protest-Haus (Gecekondu)

Angesprochen sind alle, die nicht mehr wissen wie sie ihre Miete
bezahlen sollen, alle, deren Nachbarn schon wegziehen mussten, alle, die
keine neue Wohnung finden, alle deren Betriebskosten zu hoch sind, alle
die von Modernisierung oder Abriss bedroht sind, alle, die von den
Jobcentern aufgefordert sind, die “Kosten der Unterkunft” zu senken,
alle, die wissen, dass man in Mahrzahn wieder Jahrzehnte braucht um die
Deutschen zu integrieren, alle, deren Renten zu klein sind, alle, die
ihre Freunde nach Spandau verloren haben, alle, die gern nachts noch auf
die Strasse gehen, alle, die schon immer hier leben, alle, die deswegen
nach Berlin gezogen sind, alle die hier gerne auf den Markt gehen, alle
deren Namen von deutschen Lehrer_innen nicht ausgesprochen werden
können, alle die hier ihre zweite Heimat gefunden haben. Ihr Alle. Und
eure Familien und Freunde_innen. Alle.

Wir bitten Euch diesen kurzen Aufruf zu verbreiten.

Es werden keine Redebeiträge auf der Demo gehalten werden. Es ist
eine Lärmdemo. Bringt Kochtöpfe und Trillerpfeifen mit!!


 http://kottiundco.wordpress.com/2012/06/22/4-larmdemo-innenstadt-wir-bleiben/

Sa, 16:00, Kotti
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Ergänzungen

Rückblick Immotage aus anderen Perspektive

ZuschauA 29.06.2012 - 11:53
Aus: Immobilien-Brief Nr. 273
( http://www.rohmert-medien.de/wp-content/uploads/2012/06/Der-Immobilienbrief-Nr-2731.pdf)


wir sind „Immofuzzis„, „Immoschweinchen„ oder einfach auf hochdeutsch „Immobilienhaie„. Mit einer
klaren Botschaft „Immobilienhaie zu Fischstäbchen„ spielte die Berliner Szene im Hafenstraße-Modus
der 80er „Fang den Bus der Immoschweinchen„. Die Handelsblatt-Tagung hielt am Montag für die Teilnehmer
einen neuen Programmpunkt bereit: Die Praxis der facebook-Revolution. Wir konnten direkt auf
unseren iPhones unter „ http://fangdenbus.wap.sh/„ auf dem Ticker verfolgen, wie man die Jagd - auf
uns (!) - organisierte und mit ein paar Fahrrädern die Staatsmacht lächerlich macht.
Eigentlich wollte ich das ganze ins Lächerliche ziehen, aber das trifft es nicht. Banaler geht’s
wohl kaum. Ein Bus mit Tagungsteilnehmern sollte mal eben einen Fußmarsch weit zum Prenzlauer
Berg fahren. Die Szene hatte eine Demo und eben das „fangdenbus„-Spiel angekündigt - harmlos nach
Veranstalter- und Polizei-Ansicht. Die Demo in Schulklassenstärke vor dem Hotel wurde schon vor Abfahrt
durch einen Platzregen aufgelöst. Durch einen Polizeikorridor erreichten wir „sicher„ und kopfschüttelnd
den Bus. Die Staatsmacht demonstrierte Präsenz. Sieben behelmte Kampfanzugsträger stürzten
sich im Laufschritt auf eine fahnenschwenkende 48 kg Demonstrantin mit Minirock und roten Wollstrumpfhosen.
So richtig als Demo-Zielgruppe fühlte sich die Busbesatzung nicht. Mit Wohnen hatte
kaum einer zu tun. Von den Heuschrecken war sowieso keine dabei. Und, liebe Demonstranten, ich
habe in 20 Jahren noch nie in einer meiner Wohnungen die Mieten erhöht. Wo ich wollte, ging es nicht.
Wo ich konnte, habe ich es aus sozialen Gründen nicht getan. In meiner einzigen Berliner (Steuerspar-)
Wohnung wohnt ein 80-jähriges Ehepaar für 4,60 Euro bei einer aktuellen Marktmiete von 7,- Euro. Das
bleibt auch so. 15 DM waren übrigens 1994.
So hatte die Bus-Stimmung anfänglich noch Erlebnischarakter. Lustig war es ja noch, mit einer
schwitzend nebenher laufenden Polizei-Hundertschaft transportiert zu werden. So „wichtig„ fühlte ich
mich zuletzt, als ein Bundesministerium die Staatsmacht zu Hilfe rief, um sich meiner Editorials
(erfolglos) zu wehren. Dann schlug die Stimmung um. Mir selbst machte der offenkundige Immo-Hass
gar keinen Spaß. Von erfolglosen Heuschrecken-Eskapaden abgesehen, gibt es wirklich keine Gründe.
Gegen den Markt, steigende Nebenkosten und die Belastungsgrenze kann niemand die Mieten erhöhen.
Dann wurden wir mit Fahrradkorso und später durch eine blockierte Straßenbahn stillgelegt. Ganz unspaßig
wurde es zusehen zu müssen, wie diese Albernheit massenpsychologisch in Gewalt ausartete.
Mit „bitte nicht mehr fotografieren, die Vorhänge zuziehen und nicht provozieren„ verschoben sich
Machtverhältnisse. Im Bus wurden Rufe nach mehr Polizei laut. Der Versuch, offenkundig aufzugeben
und umzukehren scheiterte durch die Blockade. Vom Verlassen des Busses wurde Anzugsträgern dringend
abgeraten. Auch ohne echte Bedrohung wurde die Gefangenen-Situation klar. Wir wären alle gerne
zu Fuß weitergegangen. Die Stimmung war zum Teufel.
Was lernen wir? Der „Fang-den-Bus-Ticker„ fasste zusammen: „Wir konnten den Immofuzzis
heute zeigen was passiert wenn sie in Berlin kaufen – IN BERLIN KAUFT MAN ÄRGER.„ Sicher gab es
lustige Situationen, wenn Polizisten Fahrradventile beschlagnahmten oder „Husch husch„ zu Demo-
Mädels machten. Erinnerungen, wie ich damals Franz Josef Strauß zusammengebuht habe und als
kleiner Gymnasiast mit unseren Lehrern gegen die Notstandsgesetze demonstrierte, kamen auf. Das
relativiert. Das Problem ist ein anderes. Die Immobilienwirtschaft hat sich 20 Jahre bemüht, Professionalisierung
zu zeigen und das Hai-Image abzulegen. Die Erfolge waren auch sichtbar. Blieb
das nur Tünche? Die Berliner Presse zeigt eher Demo-Sympathie. Die Fondswirtschaft
scheiterte schon an der Politik. Zwar sammelt der ZIA Minister, doch die Wohnungswirtschaft
macht die Stimmung.

picz und bericht!

lärmdemo 30.06.2012 - 20:17
Am 30.06.2012 demonstrierten in Berlin-Kreuzberg über 600 Menschen gegen steigende Mieten, Verdrängung, Rassismus und die Wohnungspolitik des Berliner Senats. Zu der "Lärmdemo" aufgerufen hatte die Kreuzberger Mietergemeinschaft Kotti & Co. Die Demonstration verlief friedlich und ohne jegliche Zwischenfälle.

Hier einige Bilder:
 http://www.flickr.com/photos/pm_cheung/sets/72157630359143280/