Freerk Huisken: Was ist Antisemitismus? Linke

Ben 18.06.2012 12:39
Freerk Huisken: Was ist Antisemitismus? Linke Buchtage Berlin 15.6.2012
Mitschnitt der Veranstaltung bei den Linken Buchtagen in Berlin am 15.06.2012, bei denen Freerk Huisken (GegenStandpunkt) eigentlich sein Buch "Der demokratische Schoß ist fruchtbar ...¦ Das Elend der Kritik am (Neo-)Faschismus", erschienen bei VSA vorstellen wollte.
Freerk Huisken hat dann aber der aktuellen Diskussionen um das Buch des LAIKA-Verlags ("2. Band der Reihe Edition Provo Mitternacht auf der Mavi Marmara), erschienen im LAIKA-Verlag im März 2011, das Berichte und Reflexionen von ca. 50 Autoren enthält zur versuchten Blockadedurchbrechung 2010 durch die Gaza-Hilfsflottille und dem Angriff der israelischen Marine auf sie, sowie grundsätzlich zum Verhältnis Israel-Palästina", wegen dem dieser nicht zugelassen werden sollte und der daraufhin erfolgten Boykottdrohungen anderer linker Verlage, woraufhin die Veranstalter den LAIKA-Verlag doch zugelassen haben, wegen sein Thema umgestellt:

1. Was ist Antisemitismus?
2. Welche Rolle spielt er heutzutage?
3. Warum wird Kritik an Israel mit Antisemitismus gleichgesetzt?

 http://archive.org/details/FreerkHuiskenWasIstAntisemitismusLinkeBuchtageBerlin15.6.2012
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Deutsche und Nazis und Schuld

ausländer 18.06.2012 - 16:29
2 Anmerkungen:

1) Die Unterscheidung in "Deutsche" und "Nazis" in Bezug auf den 2. Weltkrieg und den Holocaust ist typisch deutsch und wird im Ausland nicht vorgenommen: Dort waren das "die Deutschen", nicht "die Nazis in Deutschland". Eine solche Unterscheidung macht weder aufgrund der geschichtlichen Realität Sinn (es gab keinen nennenswerten Widerstand) noch wird sie bei irgendeinem anderen Staat gemacht.

Dass sich Freerk Huisken ausgerechnet dieser Unterscheidung bedient, um den Antideutschen eine fehlerhafte Grundannahme nachzuweisen, spricht nicht wirklich für ihn (seiner Theorie nach identifizieren sich die Antideutschen mit den Nazis, da diese ja auch Deutsche gewesen seien und fühlten sich deswegen schuldig). Es waren aber nicht "die Nazis", sondern "die Deutschen".

2) Auch wenn der staatliche Umgang mit der deutschen Schuld geheuchelt sein mag, kann dies (das Heucheln) noch lange kein Grund sein, das Gegenteil zu fordern. Auch wenn sich keine deutsche Antifaschist_in je mit den Nazis identifizieren wird, ist es halt immer noch so, dass ihre Vorfahren mehr oder weniger direkt für den Holocaust verantwortlich waren - im besten Fall nichts dagegen gemacht haben.
Das hat nichts mit Identifikation oder mit nationaler Zugehörigkeit zu tun, sondern mit direkter Abstammung. Und da gehört es sich (auch für Linke), diesen Umstand im Umgang mit einem Staat, dessen Bewohner_innen zur Mehrheit mit KZ-Opfern verwandt ist, nicht zu vergessen. Das hat nichts mit Schuld zu tun, sondern mit einem respektvollen Umgang mit der eigenen Abstammung im Bezug auf die Nachkommen der Opfer.


Du bist Deutschland?

antifa 18.06.2012 - 17:12
"Es waren aber nicht "die Nazis", sondern "die Deutschen"."

Das ist so dumm, kaum auszuhalten. Lern was Sprache ist und die Bedeutung von Begriffen. Insbesondere den Dreiklang "Einzelnes - Besonderes - Allgemeines" leg ich dir ans Herz. Und ans Hirn. Bitte benutz es.

@ ausländer über Deutsche & Nazis & Schuld

Lodentoni 18.06.2012 - 22:22
zu Punkt 1)

Nicht alle Menschen mit deutschem Pass waren entweder überzeugte Nazis oder stillschweigend einverstandene Technokraten.
Viele Deutsche (die sich zum großen Teil auch als solche verstanden) sind als Juden, Kommunisten/ Sozialisten, Asoziale, Behinderte uvm. von den Nazis verfolgt, eingesperrt, gefoltert und ermordet worden. Viele flohen ins Ausland, wenige kehrten später ins postnazistische Deutschland zurück.
Eine Unterscheidung zwischen "Deutschen" und "Nazis" (als eine Untergruppe der "Deutschen") macht so gesehen also sehr wohl Sinn.

Und die Tatsache, dass im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus im Ausland oft nur verallgemeinernd von "den Deutschen" gesprochen wird, taugt keineswegs als Beweis der Gleichung "Deutsche = Nazis".
Diese Redeweise ist besten Falls einem allgemeinen Hang zur Vereinfachung geschuldet; wahrscheinlich ist sie aber Ausdruck eines durchgesetzten Nationalbewußtseins. So berichten Bürger aller Herren Ländern so mancherlei Kurioses nicht nur über Deutsche, sondern auch über "die Polacken", "den Russen", "den Ami", "die Franzosen" und viele mehr.
Ihrem nationalen Bewußtsein nach sind solche Leute eben z.B. nicht "als Demokraten" und "gegen den Nationalsozialismus" unterwegs, sonder vor allem "als Amerikaner" und "gegen die Deutschen".

Und nebenbei ist es auch ganz gleich, ob junge Leute, die sich heute beim Gedanken an die Shoa schuldig fühlen, sich nun mit Nazis oder mit Deutschen identifizieren. Die Identifikation ist (so oder so) falsch.

zu Punkt 2)

Das ist mal echt totaler nonsense. Heuchelei schön und gut, aber längst kein Grund das Gegenteil zu fordern, sagst Du. Wie bitte? Gegenteil von was? Und warum nicht?

Dann wird auch noch die Tatsache biologischer Abstammung heute lebender Enkel von ihren Täter-Großeltern zum Anlass genommen, hier so eine Theorie der Blutsschande oder Erbsünde zu konstruieren. So als würde die individuelle Verantwortung der Großeltern über Generationen hinweg, gleich einem Gen-Defekt, vererbt. Wie soll das denn bitte möglich sein? Was für ein haarsträubender Quatsch!

Echtmal. Ich hoffe, Du verbesserst noch so einiges an deinen Aussagen.

@pseudo-antifa

oldschool 19.06.2012 - 08:03
na und? was'n das für'n argument? nazis haben sich sogar gegenseitig umgebracht, war deshalb röhm z.b. kein nazi?

ist vielleicht nicht richtig, dass 100% deutsche nazis sind, aber 60% auf jeden fall, und 100% rassisten!

wtf?

tut nichts dazu 19.06.2012 - 09:27
"Das hat nichts mit Identifikation oder mit nationaler Zugehörigkeit zu tun, sondern mit direkter Abstammung."

Interessante Differenz. Was ist die Konsequenz daraus? Vielleicht doch lieber Familientherapie statt Solidarität mit Israel?

sind wir nicht alle....opfer?

deutsches ringelreih 19.06.2012 - 11:19
falsch lodentoni, eigentlich waren alle deutschen widerständig gegen die nazis, deswegen mußten sie ja auch von den allierten befreit werden von den bösen nazis, gegen die sie nichts machen konnten, weil die so gemein waren. mit deutschland hat das ganze sowieso nichts zu tun, weil hitler österreicher war. und der war ja bekanntlich (schrecklicher verdacht!) antisemit. soweit ich weiß der einzige in deutschland.

deswegen ist es ja auch nicht schlimm, dass deutschland wieder ganz oben ist, kriege führt und sich als oberhaupt der eu aufspielt, weil das ja alles gar nichts mit diesem nazi, wie hieß er noch mal, achja hilter oder so, zu tun hat.

never mind gesellschaftliche strukturen! es gibt nur the evil und der rest ist sauber - wie mein wehrmachtsopa, der sein beutegut "von der dankbaren bevölkerung geschenkt" bekommen hat.

zwischen schwarz und weiss...

mein name 19.06.2012 - 12:15
...liegt immer eine ganze menge grau.

zum thema "lodentoni's" punkt 2):
"[...]So als würde die individuelle Verantwortung der Großeltern über Generationen hinweg, gleich einem Gen-Defekt, vererbt. [...]"
ich bin nicht der meinung, dass sich dieser umstand naturwissenschaftlich erklären lässt. die naturwissenschaft im allgemeinen und die "(vererbungs-) biologie" im speziellen ist sicherlich nicht in der lage einen zusammenhang zu der verdrängungsleistung in deutschland im kontext zur schuld und verantwortung der deutschen für die shoa und die greultaten im wwII zweifelsfrei aufzuarbeiten. daher empfehle ich an dieser stelle den blick über den eigenen wissenschaftlichen tellerrand zur psychoanalyse. denn tatsächlich sind begriffe wie traumata, schuld und verantwortung begrifflichkeiten , die im naturwissenschaftlichen rahmen überhaupt gar nicht fassbar sind. vielmehr entstammen sie den diversen beziehungsebenen, die menschen untereinander entfalten. mit der verdrängung der eigenen schuld (bspw. an der shoa) hat meine großelterngeneration, m. e. n., es durchaus vollbracht den wahnsinn des ns-deutschlands in weitere generationen zu transportieren, was nicht gleichzeitig bedeutet, dass jetzt alle nachkommen deutscher täter_innen verkappte nazis sind, aber auch nicht, dass es daran nichts mehr aufzuarbeiten gäbe.

Rückmeldung von Lodentoni

Lodentoni (wer sonst?) 19.06.2012 - 15:08
@ deutsches ringelreih

Ich verstehe die Ironie in deinem Kommentar. In der Tat unterhaltsam, ich musste ein wenig schmunzeln. Was ich nicht verstehe ist, wieso Du gerade mich explizit persönlich ansprichst. Hilfst Du mir n bisschen auf die Sprünge?



@ mein name

der von Dir angesprochene Punkt war als Polemik gegen den Kommentar von "ausländer" gemeint. Hier der entsprechende Abschnitt aus dem Kommentar, auf den ich mich bezog:

"Das hat nichts mit Identifikation [von postnazistischen Antifas mit den historischen Nazis; meine Anm.] oder mit nationaler Zugehörigkeit zu tun, sondern mit direkter Abstammung."

Hier wird die "Abstammung" (also ein biologisch definiertes Verhältnis der Individuen) hervorgehoben als maßgeblicher Aspekt; die "Identifikation" mit den Tätern (also immerhin ein mentaler oder sozialer Sachverhalt, wenn auch nicht notwendigerweise der entscheidende) dagegen wird als relativ unwichtig betrachtet.

Ich stimme deinen Ausführungen zur Notwendigkeit einer pysochologischen oder soziologischen Betrachtung des Gegenstandes "Nachwirken des NS im Bewußtsein postnazistischer Deutscher" (oder so ähnlich) vollkommen zu. Mir ist bekannt, dass Menschen ihre Vorurteile und Traumata anderen aufprägen können; insbesondere in solchen sozialen Beziehungen, die i.d.R. wenig reflektiert werden oder von starken materiellen sowie emotionalen Abhängigkeiten geprägt sind (wie z.B. Lehrer-Schüler, Eltern-Kind, etc).

Dies bedeutet allerdings nicht, wie Du ja auch sebst einräumst, dass eine 1:1 Übertragung der Charakterstruktur von Nazigroßeltern bis auf die heutigen Generationen stattgefunden hat. Vielmehr waren und sind Menschen in der Lage, ihre eigene mentale Ausstattung stets erneut zu reflektieren, zu kritisieren und ggf. auch zu ändern (sei es nun allein, gemeinsam mit Freunden, oder beim Psychiater/ Analytiker).

Die Erbgenetik hilft uns hier tatsächlich nicht weiter, weshalb ich es auch für falsch halte, weiterhin den Aspekt der direkten biologischen Abstammung zu bemühen, wie es "ausländer" in seinem Kommentar tut.

Es war, wie gesagt, als Polemik gemeint.
SOllte es noch ein offenes Missverständnis/ eine offene Meinungsverschiedenheit geben, meld Dich doch bitte nochmal.

@ lodentoni

gjfhjgdjh 19.06.2012 - 16:58
Wer spricht hier von Vererbung? Falls meine Großeltern Nazis waren, muss ich damit irgendwie umgehen. Dies besonders Leuten gegenüber deren Familie zu einem mehr oder weniger großen Teil von den Nazis umgebracht wurden. Dass ich von meinen Vorfahren keine Nazi-Gene vererbt gekriegt habe, davon gehe ich erst einmal aus.

Weshalb ist denn die Verarbeitung dieser schrecklichen Vergangenheit unter Tätern/Nachkommen und Opfern/Nachkommen so krass unterschiedlich? Weshalb ist z.B. eine einzige schlichten Gedenkminute pro Jahr (wie in Israel praktiziert:  http://www.youtube.com/watch?v=R8m_omuJCp8) in Deutschland völlig undenkbar? Weil die Opfer und deren Nachkommen mit den Folgen des Holocaust leben müssen, die Täter und ihre Nachkommen nicht! Ausgelöschte Familien, traumatisierte Angehörige und das Gefühl, Teil eines beinahe ausgelöschten Volkes zu sein, lassen sich halt nicht so einfach verdrängen, wie der Nazi-Opa. Sich in einer solchen Situation hinzustellen und denen ein "was geht mich das Schicksal Eurer Vorfahren an?" oder ein "was kann ich für meinen Nazi-Opa?" vor den Latz zu knallen...

@ gjfhjgdjh

Lodentoni 19.06.2012 - 22:01
"Wer spricht hier von Vererbung?"

Der Kommentator "ausländer" hat in seinem Beitrag die Bedeutung sozialer und psychologischer Vorgänge für die Ausbildung der Charakterstruktur postnazistischer Deutscher (Stichwort "Identifikation mit den Tätern/ dem Täterkollektiv") bestritten, und stattdessen den Aspekt der "direkten Abstammung" betont.
Dies halte ich für falsch und ich habe in meinen anderen Beiträgen versucht zu zeigen, warum.



"Sich in einer solchen Situation hinzustellen und denen [den Opfern der Judenverfolgung und ihren Nachkommen] ein "was geht mich das Schicksal Eurer Vorfahren an?" oder ein "was kann ich für meinen Nazi-Opa?" vor den Latz zu knallen..."

Dass ich heute weder für die Taten meiner Nazi-Großeltern, noch für die Leiden der Shoa-Opfer verantwortlich bin, ist eine Tatsache, die von keinem klar denkenden Menschen bestritten werden wird. Und selbstverständlich träller ich einem Juden nicht "my grand-dad killed your grand-dad" oder so etwas vor. Warum auch?! Was für ein absurder Gedanke!
Nicht verantwortlich zu sein für die Shoa ist etwas vollkommen anderes als offene Gleichgültigkeit oder Respektlosigkeit gegenüber den Opfern zu zeigen - ich denke, da hast Du etwas durcheinander gebracht.


Zu den anderen von Dir genannten Punkten hätte ich auch noch das eine oder andere zu sagen. Allerdings bleiben die bei Dir so vage, dass ich mich dazu erstmal nicht weiter äußere.

GegenStandpunkt und Ideologiekritik?!

Materialistische*r Ideologiekritiker*in 20.06.2012 - 21:20
Dass da nichts Vernünftiges raus kommen kann, steht doch a priori fest. Der GegenStandpunkt mag marxsche Basisbanalitäten adäquat auf tagespolitische Ereignisse anwenden können, eine Kritik ideologischer Herrschaftsverhältnisse wie Rassismus, Sexismus und Antisemitismus hat der aber ebenso wie seine Vorgängerorganisation, die Marxistische Gruppe [MG], noch nie, beziehungsweise nur in der klassisch ökonomistisch verkürzten Form eines Ableitungsmarxismus artikulieren können. Mit Marx alleine ist das gesellschaftliche Geschehen im Kapitalismus eben nicht zu begreifen - eine Erkenntnis, die sich in der radikalen Linken endlich durchsetzen sollte. Allerdings sind bei den Greisen des GSP aus offensichtlichen Gründen keine nennenswerten Entwicklungen mehr zu erwarten.

@ Materialistische*r Ideologiekritiker*in

nögi 21.06.2012 - 10:10
Eine "Erkenntnis, die sich in der radikalen Linken endlich durchsetzen sollte" ist nicht, dass Marx allein nicht ausreiche, um den modernen Kapitalismus zu verstehen. Ich sehe das Problem quasi genau anders herum: Vielmehr müssten endlich mal mehr Linke begreifen, dass Kapitalismuskritik ohne(!) Marx nicht zu haben ist, und dass es sich lohnen würde, zu dem Thema noch etwas anderes als Michael Heinrich zu lesen.


Und dein Einwand, die ideologiekritischen Ansätze des GSP seien "ökonomisch verkürzt", steht auch ziemlich blöde da. Wie sollte die kapitalistische Gesellschaft und ihre ideologischen Auswüchse denn überhaupt zu verstehen und zu erklären sein, wenn nicht aus ihren materiellen Grundlagen heraus?! Und was heißt überhaupt "verkürzt"? "Zu wenig?" "Nicht ausreichend?"

@nögi

Materialistische*r Ideologiekritiker*in 22.06.2012 - 12:40
Zu deinem ersten Absatz: Das versteht sich von selbst. Marx gegen Heinrich auszuspielen, ist jedoch absurd.

Ökonomistisch verkürzt ist die Herangehensweise des GSP oft in der Form, dass der Ebene des Ideologischen (bzw. der psychologischen Verarbeitung all jener Zumutungen, die die kapitalistische Produktionsweise den Subjekten aufbürdet) zu wenig Eigenständigkeit eingeräumt wird.

Ein besonders prägnantes Beispiel (wenn auch nicht in Bezug auf den GSP) dafür findet sich in weiten Teilen der antinationalen Linken: Da wird der Nationalismus der Subjekte direkt aus der globalen Standortkonkurrenz (bzw. der Konkurrenz der national konstituierten Kapitale) abgeleitet. Ohne zu leugnen, dass der Aspekt der Weltmarktkonkurrenz eine Rolle bei der Konstitution des Nationalismus' auch des Durchschnittsnationalisten spielt, bedeutet die Reduzierung (oder zumindest: Fokussierung) darauf eine Verkürzung. Denn es handelt sich hier um ein hochgradig vermitteltes Verhältnis. Die*der Durchnittsnationalist*in (der es ja nunmal ist, welcher den nationalistischen Diskurs produziert) ist der Erfolg "ihrer" Nationalökonomie zwar in der Regel nicht egal, jedoch sieht sie keinen Zusammenhang zwischen dem eigenen nationalistischen Denken und der ökonomischen Situation der jeweils "eigenen" Volkswirtschaft geschweige denn, dass sie diesen Zusammenhang affimiert.

Oder um es kürzer auszudrücken: Der deutsche Michel ist nicht deswegen Nationalist, damit das deutsche Kapital in der globalen Konkurrenz siegreich ist (das ist lediglich ein Nebenprodukt, wobei auch das nur in sehr eng gesetztem Rahmen gilt), sondern - und jetzt kommt der notwendige sozialpsychologische Aspekt hinzu - weil die Nation dem gebeutelten, vereinzelten Individuum des Spätkapitalismus ein wenig Wärme, Sicherheit und Solidarität verspricht.

@ Materialistische*r Ideologiekritiker*in

GSP-Fan 23.06.2012 - 04:13
Du schreibst:

"Oder um es kürzer auszudrücken: Der deutsche Michel ist nicht deswegen Nationalist, damit das deutsche Kapital in der globalen Konkurrenz siegreich ist (das ist lediglich ein Nebenprodukt, wobei auch das nur in sehr eng gesetztem Rahmen gilt), sondern - und jetzt kommt der notwendige sozialpsychologische Aspekt hinzu - weil die Nation dem gebeutelten, vereinzelten Individuum des Spätkapitalismus ein wenig Wärme, Sicherheit und Solidarität verspricht. "

Ist das dein Ernst? Das könnte ja jetzt glatt von einem GSP-Vortrag abgekupfert sein, natürlich etwas verkürzt - haha. Du klaust den "Greisen" des GSP die Analyse und kritisierst dann, der GSP bringt nichts vernünftiges zustande.

Es tun sich Welten auf

Georg Forster 26.06.2012 - 12:03
Wer antifaschistisch argumentieren will und das Abstammungsprinzip heranzieht, hat irgendwie nichts begriffen. War das jetzt zu verkürzt?