Wohin geht die "Arabeilion"?

Ludwig Schönenbach 02.06.2012 19:05 Themen: Soziale Kämpfe Weltweit
Unter dem Titel "Die gespaltene Arabellion" hat Gilbert Achcar in der monde diplomatique vom Mai 2012 konstatiert:" Das Bündnis zwischen Arbeiterschaft und Mittelschicht hielt nur für einen kurzen (arabischen, der Autor) Frühling". Wird es also auch diesesmal wieder so sein, wie es meist abgelaufen ist: Das Volk macht eine Revolution, die dort endet, wo die Bedürfnissen der Unterprivilegierten geltend gemacht werden, und die Mittelschicht kann nun ihre Privilegien in Ruhe und "Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit " genießen. Lohnt es sich da überhaupt noch, diese Arabellion zu unterstützen? Oder lohnt es sich schon allein deshalb, weil die Unterprivilegierten nun wenigstens ihr Maul aufreißen können, ohne ins Gefängnis geworfen zu werden!
Achcar schreibt "Dort" - er meint Tunesien und Ägypten - "sprechen sich die politischen Organisationen inzwischen gegen eine Fortsetzung der sozialen Kämpfe durch die Arbeitnehmer aus, weil ihre Forderungen zu "kategorisch" seien." (Achcar hat vorher schon mal darauf hingewiesen, dass die traditionellen Organisationen vor allem von der Mittelschicht getragen werden.) Kennen wir das nicht schon, von 1789/92, 1830, 1848, 1871,1918 und 1949, von den Sklavenaufständen und den Bauernkriegen wollen hier jetzt nicht auch nicht noch viel hermachen? Eine Hoffnung lässt uns Achcar: "Ein großer Teil der Mittelschichtjugend, einschließlich derjenigen, die sich einer Organisation angeschlossen haben, sind indes entschlossen, die Revolution fortzuführen."
Bei den Wahlen setzen sich erwartungsgemäß die religiösen Parteien und Bewerber durch, die sich den Glauben der unwissend gehaltenen Massen zunutze machen können und die besten Beziehungen überallhin haben. In vielen Länden sind sie allerdings auch die einzigen, die sich um die Nöte der Unterprivilegierten kümmern. Doch "einige ihrer Führer", wie zum Beispiel auch ihr Präsidentschaftskandidat, "haben eine eindeutige Neigung zur kapitalistischen Wirtschaftsweise". Das hat natürlich auch unsere Regierung schnell erkannt oder längst gewusst und entwickelt bereits entsprechende Pläne (german-foreign-policy-com vom 31.5.2012).Die Stiftung der CDU geht dort schon mit der "sozialen Marktwirtschaft" hausieren.
Bei den Präsidentschaftswahlen in Ägypten hat nun auf dem dritten Platz - hinter Muslimbruderschaft und Offiziersclique! - der "linke Präsidentschaftskandidat" Sabati immerhin 21,1 Prozent der Stimmen bekommen, aber was kann man damit gegen die überwältigende Mehrheit von Religion und Militär ausrichten, die beide am wirtschaflichen status quo interessiert sind, zumal man anderswo lesen konnte, dass die bürgerliche Jugend auch vor allem ihre eigene nicht gerade erfreuliche Zukunftsperspektive vor Augen hat? Was bleibt also vom ganzen viel gepriesenen arabischen Frühling für die, die es am nötigsten brauchten? Die Aussicht auf ein Wirtschaftswunder mit Massenkonsum - wie wir in der Nachkriegszeit und ihrem gewaltigen Nachholbedarf und dem Marshall-Plan! - haben sie wahrscheinlich nicht. Wie können wir ihnen dennoch helfen?
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Ergänzungen

auch Diplo

vom Nov. 2011 03.06.2012 - 00:00

Wir können zB...

t 03.06.2012 - 18:28
den Basiskommittees helfen, die akute Unterversorgung an medizinischen und anderen humanitären Gütern sowie Kommunikationsmaterial zu bekämpfen.

Ist ein bißchen tricky, denn das meiste läuft schlicht und einfach über Schmuggel. Nicht jedes Kommittee ist auch sauber, denn gerade in Syrien sind reaktionäre Kräfte mittlerweile fest Teil der Revolution.

Aber sucht mal nach "syria" (oder welches Land auch immer) + "revolutionary committee". Ihr werdet recht schnell Dinge finden so wie das hier:  http://www.soutenir-la-syrie.com/ASPS-english.html

Die Menschen in den Kampfgebieten brauchen primär medizinische Versorgung, und sekundär Kommunikationsmittel (Kamerahandys, Filehosting etc) sowie Kleidung (für Kinder besonders) und evtl Nahrung.

Venceremos!

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