Blockupy: Aktion gegen Deutsche Bank

Afrique-Europe-Interact 20.05.2012 23:01 Themen: Globalisierung Soziale Kämpfe Weltweit Ökologie
Es war zwar nicht einfach, dennoch ist es am Donnerstag und Freitag immer wieder großen und kleinen Gruppen in Frankfurt gelungen ist, die faktische Außerkraftsetzung politischer Grundrechte zu unterminieren und den öffentlichen Raum zurückzuerorbern. Hierzu gehörte auch eine von AktivistInnen aus dem transnationalen Netzwerk Afrique-Europe-Interact zusammen mit der attac-Bankwechselkampagne „Krötenwanderung jetzt!“ vorbereitete Aktion gegen Lebensmittelspekulation und Landgrabbing vor einer Filiale der Deutschen Bank im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen. Insgesamt haben sich an der Aktion am Freitag ca. 200 Leute beteiligt, um so bemerkenswerter war, dass sich die Polizei am Ende mit einem „gerade mal“ halbstündigen Kessel zufrieden gegeben hat...
Aufhänger der Aktion war die Einschätzung (so das von Afrique-Europe-Interact vorbereitete Flugblatt), dass die derzeitige Ausplünderung breiter Bevölkerungsteile in Griechenland, Spanien oder Portugal keineswegs vom Himmel gefallen ist. Vielmehr schaffen IWF, Weltbank & Co. bereits seit den 1980er Jahren im Rahmen neoliberaler Strukturanpassungsprogramme sowie Freihandelsabkommen die Voraussetzung dafür, dass weltweit operierende Banken, Investmentfonds und Konzerne insbesondere im Süden des Globus ihr überschüssiges Kapital in immer neue Bereiche des Lebens investieren und auf diese Weise die Existenzgrundlagen unzähliger Menschen zerstören können. Jüngster Coup sind die Lebensmittelspekulation und der Handel mit Land, welche die soziale Situation vielerorts auf geradezu barbarische Weise zuspitzen: neben Hunger kommt es zur Vertreibung ganzer Dörfer bzw. zum Durchzugsverbot für Viehhirten und somit zur Zerstörung lokaler (Subsistenz-)Ökonomien bzw. zu Landflucht. Zudem führt die agrarindustrielle Bearbeitung des geraubten Landes zu massiven ökologischen Schäden: Sie beschleunigt unter anderem den Klimawandel, bewirkt Artensterben und senkt die Fluss- und Grundwasserspiegel („Wasserraub“).

Die Aktion begann mit einer kurzen Demo 200 Meter vom Schweizer Platz entfernt – und zwar zunächst ohne Polizei, da die Beteiligten in mehr oder weniger kleinen Gruppen per Straßenbahn ihr Ziel erreicht hatten. Beim Schweizer Platz ging es dann sofort mit Redebeiträgen los, denn erklärtes Ziel war es, möglichst viele Inhalte rüberzubringen, bevor die Polizei die Sache wieder mit der in diesen Tagen üblichen Repression überziehen würde. Konkret wurde über Hintergründe von Landgrabbing und Lebensmittelspekulation berichtet (unter anderem am Beispiel des westafrikanischen Landes Mali, wo die meisten Gruppen des afrikanische Flügels von Afrique-Europe-Interact herkommen). Darüber wurde in drei Redebeiträgen auf das Höfesterben in Europa, die Macht von Supermärkt-Konzernen in der Wertschöpfungskette sowie die Finanzierung von Kohleabbau durch die Deutsche Bank eingegangen (mit entsprechenden Negativ-Auswirkungen aufs Klima, wovon wiederum Kleinbauern und -bäuerinnen im Süden mit am stärksten betroffen sind). Abgerundet wurde das Programm durch kurze Interviews mit DemoteilnehmerInnen, mehrere inhaltliche ausgerichtete Ansagen an die Polizei seitens der Moderation sowie zwei Stücke von einer Sambaband, die zudem zwei große silberne Spielwürfel zum allgemeinen Vergnügen mitgebracht hatte...

Nach einer knappen Stunde (und kurz nach der dritten Durchsage seitens der Polizei) zogen die AktivistInnen durch die einzige von der Polizei offen gehaltene Straße ab, um sich entgegen der Ankündigung seitens der Cops doch wieder in einem Kessel wiederzufinden. Nachdem es anfangs geheißen hatte, dass wir nunmehr mehrere Stunden warten müssten (bis gesichert sei, dass wir nicht wieder an einer anderen Stelle im Stadtgebiet aktiv werden würden), ließ sich der Einsatzleiter nach kurzer Verhandlung doch darauf ein, dass die DemonstrantInnen in kleinen Gruppen in zwei Richtungen den Kessel verlassen konnten – wofür sicherlich niemand dankbar war, und doch muss es eigens erwähnt werden, einfach weil die Dinge am Donnerstag und Freitag derart absurd verlaufen sind...

Erwähnt sei abschließend noch zweierlei: Einerseits, dass die Kundgebung an eine ebenfalls von Afrique-Europe-Interact initiierte 24-stündige Belagerung der Deutschen Bank in Bremen am 17./18. April angelehnt war ( http://de.indymedia.org/2012/04/328735.shtml). Andererseits, dass „leftvision“ einen Clip von der Aktion gemacht hat – als Teil eines kurzen Tagesberichts, der genauso sehenswert ist wie die anderen Videos von leftvision über die Blockupy-Aktionstage:  http://www.youtube.com/watch?v=jvq0tKCkbL4&list=UUdjY2GULPQp0L1YdJZOD3-Q&index=2&feature=plcp
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Ergänzungen

Großdemo: Bankraub statt Landraub

Afrique-Europe-Interact 20.05.2012 - 23:39
AktivistInnen von Afrique-Europe-Interact waren im Rahmen eines kleinen Migrationsblocks auch auf der Großdemo am Samstag dabei. Unter anderem wurde ein großes Stangentransparent mit dem Spruch "Bankraub statt Landraub" mitgeführt, als dessen Urhaber zwar Berthold Brecht benannt ist, auch wenn das Orginalzitat anders funktioniert: "Was ist schon ein Banküberfall gegen die Gründung einer Bank?!" Interessant war in diesem Zusammenhang unterdessen, dass die Polizei zu Anfang der Demo (laut Auskunft eines taz-Journalisten) allen Ernstes geprüft hat, ob bzw. inwieweit das Transparent den Tatbestand des Aufrufs zu einer Straftat erfüllen würde. Nach allem, was in Frankfurt in den Tagen zuvor passiert war, hätte mensch sich darüber wahrscheinlich auch nicht mehr wundern dürfen...

Videoclip + Flugblatt zur Aktion

Afrique-Europe-Interact 20.05.2012 - 23:45
Damit er nicht untergeht, sei nochmal eigens auf den von leftvision produzierten Videoclip von der Aktion verwiesen (im Rahmen einer Kurzdoku des zweiten Blockadetags): bit.ly/L7myat

Ansonsten sei noch das Flugblatt dokumentiert, das vor und während der Aktion verteilt wurde:

Neokolonialen Landraub und Nahrungsmittelspekulation stoppen! Für Ernährungssouveränität und ein gutes Leben für alle!

Die derzeitige Ausplünderung breiter Bevölkerungsteile in Griechenland, Spanien oder Portugal ist keineswegs vom Himmel gefallen. Denn bereits seit den 1980er Jahren schaffen IWF, Weltbank & Co. im Rahmen neoliberaler Strukturanpassungsprogramme sowie Freihandelsabkommen die Voraussetzung dafür, dass weltweit operierende Banken, Investmentfonds und Konzerne insbesondere im Süden des Globus ihre überschüssigen Gelder in immer neue Bereiche des Lebens investieren und auf diese Weise die Existenzgrundlagen unzähliger Menschen zerstören können. Jüngster Coup sind die Lebensmittelspekulation und der Handel mit Land, welche die soziale Situation vielerorts auf geradezu barbarische Weise zuspitzen:
Einerseits hungern weltweit knapp eine Milliarde Menschen – und das mit der Konsequenz, dass jährlich über 30 Millionen Menschen an den Folgen sterben, viele von ihnen an harmlosesten Krankheiten, weil ihr Körper durch Unter- oder Mangelernährung extrem geschwächt ist. Andererseits wird rund um den Globus immer mehr fruchtbares Ackerland an Banken, Investmentfonds und Konzerne verkauft („Landgrabbing“), nicht zuletzt um Energiepflanzen für so genannten Biosprit anzubauen. Hinzu kommt, dass bereits seit 2001 immer mehr Fonds auf den Weltfinanzmärkten mit agrarischen Rohstoffen spekulieren – d.h. auf deren Preisentwicklung wetten. Direkte Folge sind regelmäßige Preisexplosionen bei Grundnahrungsmitteln, was seit 2007 über 100 Millionen Menschen zusätzlich in absolute Armut und somit Hunger abgedrängt hat.

Die Deutsche Bank ist mit 5 Milliarden Euro weltweit die Nr. 2 in der Spekulation mit Nahrungsmitteln, direkt hinter der Allianz-Versicherung, aber deutlich vor der Commerzbank, der Landesbank Baden-Würtemberg oder der Union Investment der Volks- und Raiffeisenbanken. Zudem ist die Deutsche Bank mit über 250 Millionen Euro an zahlreichen Langrabbing-Geschäften beteiligt – vor allem darüber, dass sie Anteile an einschlägig aktiven (Agrobusiness-)Firmen erwirbt, darunter berühmt-berüchtigte Namen wie Bunge, Cresud, Olam International, ADM oder Syngenta. Anders als die Spekulation mit Lebensmitteln ist neokolonialer Landraub keineswegs ein neues Phänomen – das zeigt bereits ein kurzer Blick in die Geschichte des Kolonialismus. Neu sind allerdings der Umfang, die beteiligten Fonds und die Akteure. So sollen seit Beginn der Finanzkrise 2008 jedes Jahr durchschnittlich 47 Millionen Hektar Land unter den Hammer gekommen sein – was der Größe Schwedens und somit einem Viertel der landwirtschaftlichen Nutzfläche in der EU entspricht. Hintergrund ist ein ständig wachsender Flächenbedarf – insbesondere für Agrosprit, Getreideexporte, Forstwirtschaft und Futtermittel (letzteres im Zuge des weltweit steigenden Fleisch- und Milchkonsums). Die Auswirkungen dieser Landgeschäfte sind katastrophal, vor allem in Afrika, wo heute 75 Prozent des weltweiten Landgrabbings stattfindet: So kommt es neben Hunger zur Vertreibung ganzer Dörfer bzw. zum Durchzugsverbot für Viehhirten und somit zur Zerstörung lokaler (Subsistenz-)Ökonomien bzw. zu Landflucht. Zudem führt die agrarindustrielle Bearbeitung des geraubten Landes zu massiven ökologischen Schäden: Sie beschleunigt unter anderem den Klimawandel, bewirkt Artensterben und senkt die Fluss- und Grundwasserspiegel („Wasserraub“).

Hunger bzw. die Zerschlagung kleinbäuerlicher Existenzgrundlagen hat vielfältige Ursachen, die Beendigung von Landraub und Lebensmittelspekulation wäre daher nur der erste Schritt. Grundsätzlich sollte auch im Norden das von dem weltweiten Kleinbauernverband Via Campesina seit 1996 schrittweise entwickelte Konzept der Ernährungssouveränität als programmatischer Gegenentwurf zum neokolonialen Landraub unterstützt werden. Denn Ernährungssouveränität zielt auf ein Ernährungssystem, in dessen Zentrum nicht Konzerninteressen, sondern der ungehinderte Zugang zu Land, Wasser und Saatgut für kleinbäuerliche Produzent_innen steht. Es geht also um die Verteidigung kleinbäuerlicher und somit klimaschonender Landwirtschaft (bzw. die Umstellung darauf) sowie die Dezentralisierung der Lebensmittelversorgung mit kurzen Versorgungsketten zwischen Produktion und Verbrauch.

Schließlich: Die Aktion vor der Deutschen Bank wird von zahlreichen Gruppen getragen, beteiligt sind unter anderem AktivistInnen der attac-Kampagne „Krötenwanderung jetzt!“ sowie aus dem transnationalen Netzwerk Afrique-Europe-Interact, das seit einiger Zeit eine Kooperation mit kleinbäuerlichen Gruppen bzw. Communites in Mali aufbaut.

Bilder

(muss ausgefüllt werden) 22.05.2012 - 10:33

Fotos von der Demo zur Deutschen Bank

Umbruch Bildarchiv 23.05.2012 - 17:40

(muss ausgefüllt werden)

(muss ausgefüllt werden) 24.05.2012 - 00:08

Plakat I und II und weitere zum download

Occupied Layouts 30.05.2012 - 20:32
Hier die Deutsche Bank-Plakate und weitere von der Postbank und Areva zum download. Vielleicht gibt es ja noch jemanden, der damit was lustiges anzufangen weiß.

Schöne Grüße,
Occupied Layouts


Downloads:

Areva - KernIGMetall:
 http://www.2shared.com/photo/RR5zWS5l/Areva_KernIGMetall_300dpi_cmyk.html

Deutsche Bank - Getreidespekulation:
 http://www.2shared.com/photo/V4VCtAQK/DeutscheBank_Getreidespekulati.html

Deutsche Bank - uranhaltige Streubomben:
 http://www.2shared.com/photo/emddhdKX/DeutscheBank_streubomben_A3_30.html

Postbank - endlich Zusammenbruch:
 http://www.2shared.com/photo/8xTGGz7x/Postbank_endlich_A3_300dpi_cmy.html

Postbank - riestern? tödlich:
 http://www.2shared.com/photo/igB6RXHA/Postbank_riestern_A3_300dpi_cm.html