Hamburg: 1. Mai - ticketfrei

Avanti-HH 02.05.2012 11:32 Themen: Soziale Kämpfe Ökologie
Ein für alle kostenloser öffentlicher Nahverkehr – diese Forderung ist in den letzten Wochen in Hamburg verstärkt in den Mainstream-Medien diskutiert wurden. Um der Forderung Nachdruck zu verleihen, machten ca 50 DemonstrantInnen sie gestern für eine kurze Zeit wahr, und nahmen sich ihr Recht auf Mobilität, indem sie kollektiv von der 1.Mai-Demo des DGB zur Euromaydayparade schwarz fuhren.
Die Aktion war durch das Bündnis HVV-Umsonst im Vorfeld öffentlich angekündigt worden – unter dem Motto „1. Mai – ticketfrei“. Nach einem kurzen gemeinsamen Rundgang durch die Kundgebung des DGB versammelten sich die DemonstranInnen um 13:00 Uhr auf dem Fähranleger am Fischmarkt. Mit dabei waren Fahnen, Luftballons und „Umsonstfahrscheine“. Auf der ankommenden Fähre hatten AktivistInnen bereits ein Transparent mit dem Spruch „HVV umsonst“ befestigt. Der Versuch des Kapitäns, die Demonstran_innen durch das Hochklappen der Brücke vom Besteigen der Fähre abzuhalten scheiterte. Ansonsten blieb die Aktion friedlich und es kam zu keinen weiteren Belästigungen durch Polizei oder Kontroleur_innen. An den Landungbrücken wurde vom Schiff in die S-Bahn umgestiegen. Am Bahnhof Altona verteilte eine Gruppe Flugblätter mit Tips zum Schwarzfahren und dazu wie man sich wenn man eine Karte hat solidarisch mit Schwarzfahrer_innen verhalten kann. Es gab eine kleine Abschlusskundgebung, um im Anschluss gemeinsam zur Euromayday-Parade zu gehen.



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Pressemitteilung des Bündnisses "HVV umsonst":



AktivistInnen und Freunde des Bündnisses „HVV Umsonst“ haben heute, am
ersten Mai 2012, eine gemeinsame, öffentlich angekündigte
Umsonstfahraktion durchgeführt.
Nach Abschluss der 1. Mai- Demo des DGB am Fischmarkt setzten sich um
13.00 Uhr ca. 50 DemonstrantInnen unter dem Ruf „free public transport“
und „1. Mai ticketfrei!“ in Richtung S- Bahnhof Reeperbahn in Bewegung.
Der mit Luftballons, Fahnen und selbstgebastelten Freifahrtscheinen
bewaffnete Zug bog jedoch an der Ecke Pepermölenbek in Richtung
Fischauktionshalle ab und erklomm fröhlich eine HADAG- Fähre in Richtung
Landungsbrücken.

Janine Fischer nutzte die Gelegenheit die weiteren anwesenden Passagiere
auf den Zusammenhang von der Forderung und den 1. Mai Protesten hinzuweisen:
Anlässlich des 1. Mai weise die internationale Arbeitsorganisation ILO
auf den alarmierenden Fakt hin, dass die Zahl der ungesicherten
Beschäftigungsverhältnisse rasant anwachse. Der Niedriglohnsektor weite
sich rasant aus und die Anzahl derer, die trotz harter Arbeit ihren
Lebensunterhalt nicht bestreiten können nehme dramatisch zu.
Deshalb, so Fischer, sei die Gesellschaft gezwungen den Zugang zu einem
menschenwürdigen Leben solidarisch, das heißt unabhängig von der
Stellung im Erwerbsleben zu ermöglichen. Die Frage nach der gerechten
Verteilung der Nutzung von Mobilität müsse genauso beantwortet werden
wie die Frage nach gerechter Verteilung von Bildung oder Gesundheit. Am
ersten Mai gelte es zwar nach wie vor für mehr Lohn, aber auch außerhalb
der Betriebe für gleiche Zugangschancen zu den materiellen und
kulturellen Ressourcen der Gesellschaft zu kämpfen.

Der bunte Zug wechselte am Umsteigepunkt Landungsbrücken das
Fortbewegungsmittel und stieg in die S- Bahn nach Altona um. Mit
umgeklappten Regenschirmen wurde den Überwachungskameras die Möglichkeit
zu filmen eingeschränkt.

Im Bahnhof Altona wurde eine abschließende Kundgebung abgehalten, dort
kündigte Fischer selbstbewusst weitere Aktionen z. B. im Rahmen des
Hafengeburtstages an: „Wir haben die Debatte in Hamburg erfolgreich
eröffnet und wir haben die besseren Argumente auf unserer Seite. Wir
können und wollen es uns auch künftig nicht verkneifen, der Regierung
und ihren Vorgängern ihre millionenteuren Sündenfälle wie
Elbphilharmonie und das Mühlenberger Loch aufs Brot schmieren.
Fischer bezeichnete das Etikett der „Umwelthauptstadt“ für Hamburg als
lächerliche Mogelpackung: „Sozial wie ökologisch ist Hamburg angesichts
des ungebrochenen Autofetischismus, fortsetzender Ausgrenzung durch
steigende Mieten und HVV-Preise eine Lachnummer“. Gegen 14.00 Uhr löste
sich der Zug auf und beteiligte an der „Euromayday-Parade“.
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Ergänzungen

Solidarischer Beitrag

(A) 02.05.2012 - 17:29
Einige Anarchist_Innen haben (zufälligerweise) zeitgleich mit der Aktion am Altonaer Bahnhof mit einem Transparent und Flyern einen Beitrag zum Freifahr-Tag der Kampagne "HVV umsonst" geleistet. Anbei ein Foto der Aktion am Bahnhofsbalkon.

Ein Indymedia-Artikel mit dem Inhalt der verteilten Flugblätter und einem kurzen Bericht folgt.

Für die Anarchie!

Foto der Aktion

... 02.05.2012 - 21:39
...

Weiterer Diskussionsbeitrag

tom 03.05.2012 - 07:14
http://www.cl-netz.de/foren/cl.politik.umwelt/FW%3A-%5Bmobilogisch%5D-Diskussion-ueber-Nulltarif-im-OePNV-flammt-wieder-auf-38495.html

@gut und alle anderen

antagonism 03.05.2012 - 09:03
Die Möglichkeiten die mir bekannt sind:
* immer lange nach dem eigenen Ticket kramen, sodass die Kontrollettis sich auf dich konzentrieren und andere Zeit haben abzuhauen.

* wenn man Einzeltickets hat und diese noch zB. eine halbe Stunde gültig sind, sie direkt an Menschen weiter geben oder sichtbar beim Automaten hinlegen.

* Menschen warnen, wenn man zivile Kontrolleure erkennt.

* Aktiv anderen beistehen wenn diese erwischt werden : verbal politische Kritik anbringen, die " Ausrede" der jeweiligen Person unterstützen oder/und wenn möglich zur Flucht verhelfen

* bei Tickets auf denen man andere mitnehmen kann, dieses beim eintreten in die Bahn bekannt geben ( vielleicht auch gleich, dass es denjenigen nichts kostet ) - natürlich nur wenn keine Kontroleure in der Nähe sind

Generell : Kontrolleuren immer zeigen, dass sie und ihr Beruf nicht erwünscht sind.





Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

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gut!

sehr gut 02.05.2012 - 14:25
Gute Aktion!
Mir bleibt jetzt die Frage, wie man sich denn als ticketbesitzer solidarisch mit schwarzfahrern zeigen kann.
Könntet ihr den Text oder ne Erklärung hier noch reinschreiben?

Wow

O 02.05.2012 - 20:28
Bei uns in Berlin kommt das Thema kostenloser ÖPNV auch ab und an mal vor, aber ihr habt es wirklich weit gebracht: die bürgerlichen Mainstreammedien berichten darüber und es ist kein „Spinner“-Thema mehr, sondern wird ernsthaft hin- und herdiskutiert. Finde ich einen Riesenerfolg soweit. Nicht locker lassen und weiter dafür streiten, für mehr Lebensqualität in der Stadt!