NB: Sie kommen nicht aus ihrem Tief heraus

Rexim 01.05.2012 15:19 Themen: Antifa Antirassismus Blogwire
Eine erste Einschätzung zum ersten Mai in Neubrandenburg.
Stark verkürze Naziroute // Mehrere hundert Gegendemonstrant_Innen blockierten Straßen // Udo Pastörs in Neumünster von Polizei eingesackt

Nicht einmal 300 wollten sich dem Aufruf der neofaschistischen NPD anschließen, am ersten Mai durch die Vier-Tore-Stadt Neubrandenburg zu marschieren. Die ursprüngliche Route der Nazis musste schon Tage vor dem eigentlichen Aufzug geändert werden. Parteien und Gewerkschaften hatten im ganzen Stadtgebiet Demonstrationen und Kundgebungen angemeldet.

Um die vermeintliche Machtdemonstration der NPD in MV nicht wie 2009 kläglich absagen zu müssen, begnügte sich die mensch mit der fast menschenleere Ihlenfelder Vorstadt. Vor drei Jahren sagte die NPD noch ihren Aufmarsch in diesem Gebiet ab, weil er ihnen „zu unattraktiv“ erschien.

Das Bündnis „Neubrandenburg nazifrei“ rief zum zivilen Ungehorsam gegen die Neofaschisten auf. Aus ganz Mecklenburg-Vorpommern kamen Menschen angereist, um sich der braunen Brut in den Weg zu stellen. Ein martialisches Polizeiaufgebot von angeblich 1.000 Beamten sollte dabei der NPD den Weg freimachen.

Schon Stunden bevor die Nazis mit Zügen in Neubrandenburg eintrafen, hatten hunderte Antifaschisten mehrere Blockaden rund um den Bahnhof besetzt. Auch die Bahnhofsbrücke wurde von über 200 engagierten Bürger_Innen blockiert. Die Polizei räumte diese erste Blockade nur zögernd. Mit fast anderthalb Stunden Verspätung konnten die Nazis kurz vor halb eins von ihrem Startpunkt in der Nähe des Bahnhofes losmarschieren. Nachdem die Nazis wenige hundert Meter gelaufen waren, erwartete sie schon die nächste Blockade. Auch diese wurde von der Polizei geräumt. Je länger die Blockaden stand hielten, desto aggressiver wurde die Polizei, die jetzt auch mit Schlagstöcken und Reizgas gegen die friedlich protestierenden Bürger_Innen vorging.

Selbst in der Ihlenfelder Vorstadt konnten sich die Nazis nicht wirklich ausbreiten. Weitere Blockaden auf ihrer eigentlichen Marschroute zwangen sie eine nochmals verkürzte Strecke zu laufen. Einmal im Kreis gegangen, war der groß als „nationale Demonstration“ angepriesene Aufmarsch auch schon wieder zu Ende. Das eigentlich Ziel, die Menschen in Neubrandenburg zu erreichen, hat die NPD wieder einmal gründlich verfehlt. Dagegen konnten die bürgerlichen und linken Parteien, sowie die Gewerkschaften mit mehreren Kundgebungen und Demonstrationen sehr wohl auf sich aufmerksam machen. Letztlich dürfte der versuchte Aufmarsch der Neofaschist_Innen die Zivilgesellschaft in Neubrandenburg sogar noch gestärkt haben.

Neubrandenburg hat es einmal wieder gezeigt: entschlossener und friedlicher Protest kann militanten Auftritten der radikalen Rechten Stand halten und ihnen sogar offensiv begegnen. Gleichzeitig muss wieder einmal die Unverhältnismäßigkeit des Polizeieinsatzes kritisiert werden. Schlagstöcke und Pfefferspray gegen friedliche Demonstrant_Innen einzusetzen, um Demokratiefeinden den Weg frei zumachen, ist inakzeptabel. Daran ändert auch nichts, dass die Polizeileitung diesmal auf einen Wasserwerfereinsatz verzichtete. Bei den Gewaltexzessen der Polizei wurden mindesten drei Personen festgenommen.

Dennoch war Neubrandenburg für die Nazis verhältnismäßig erfolgreich. In Neumünster konnte ein NPD-Aufmarsch gar nicht erst starten, stattdessen wurden alle Teilnehmer_Innen, darunter auch der stellvertretende NPD-Vorsitzende Udo Pastörs, von der Polizei in Gewahrsam genommen. Auch in Wittstock kamen die Nazis nicht weit, die Polizeileitung sagte den Aufmarsch kurzer Hand ab.

Zu danken ist allen Menschen, die sich auf jegliche Art an den legitimen Protesten gegen die rassistische und menschenverachtende NPD beteiligt haben. Naziaufmärsche blockieren ist und bleibt nicht nur unser Recht!
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Ergänzungen

Achja...

xhsbx 01.05.2012 - 17:08
Was vor Jahren noch ein Grund war abzusagen, nämlich durch ne menschenleere Ihlenfelder Vorstadt zu latschen, ist jetzt also ein Erfolg? Allein das spricht Bände! Un die Mobilisierung selbst? Wieviele waren es denn? 250 Nazis? da lief ja gar nichts.
Allerdings ist es aus Nazisicht allein schon deswegen verständlich, jetzt so zu tun als hätten die voll ne dolle Sache geliefert, denn auch der dümmste NPD Dackel kann sich ausrechnen wie sich ein halbwegs ehrliches Zugeständnis ala "Naja doll war das nicht, was für eine Pleite" auf die nächsten Mobilisierungen dieser Gurkentruppe auswirken würde.

Nicht anders sah es in Berlin aus, grade mal etwas über 40 Parteinazis konnten man ermuntern, sich den Schwachsinn von Schmidtke und Co anzuhören. Das ganze sah dann auch dementsprechend unterirdisch aus, was für Elendsgestalten!

Neumünster wurde komplett geblockt und die meisten Nazis auch noch eingesackt, incl. Pastörs. Das hatten sie sich auch anders vorgestellt.

In Wittstock ist auch gar nischt gelaufen. Dortmund wurde schon im Vorfeld abgesagt.

Insgesamt also ein guter Tag, weitermachen!

Meinung

Juscha 01.05.2012 - 17:42
Also ich war heute auch da und bin nur halbwegs zufrieden.
Schön war der bunte friedliche Protest und die vielen Plakate. Es sind viele gegen die Nazis da gewesen, aber meiner Meinung, waren wir kaum in der Hörweite der Nazis. Immer nur vereinzelt, konnte man etwas dichter an sie ran kommen und sie lautstark stören. Gut ich weiß nicht genau, wie lang die offizielle Route sein sollte, aber die NeoNazis sind eine ganz schöne Strecke gelaufen.
Ich war ja auch schon bei dem letzen Gegendemonstrationen am 1 Mai dabei, als die Nazis in NBwaren und muss echt sagen, das der Protest damals eindeutig stärker war. Ich hoffe es lag daran, das viele bei anderen Gegendemonstrationen in Berlin und so waren und es nächstes Mal wieder stärker wird. Trotzdem weiter so bye bye

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Polizei

Anne 02.05.2012 - 07:05
Hallo!
Ich war gestern bei der Blockade in der Stavener Straße und kann nur sagen, dass die Polizei ein riesen Witz ist.
Wir saßen friedlich und ein paar haben mit Plüschtieren vor der Polizei gespielt (für die Presse)...bis ein Polzist ANGST bekam und eine Frau auf brutale Weise schubste.
Wir wurden komplett stundenlang eingekesselt, wer rauswollte musste seine Personalien zeigen und kassierte einen Platzverweis. Leider gelang es den Nazis dadurch, doch im Wohnviertel zu laufen. War echt nett stundenlang wie Mastvieh bei strahlender Sonne eingekesselt zu sein. Selbst wenn jemand auf Toilette wollte musste man stundenlang diskutieren.
Am Bahnhof selbes Dilemma: Wir standen friedlich am Zaun (ich bin nicht so der Schreihals und habe nur da gestanden) und die Polizei packte mich zu zweit, um mich wegzuschubsen. Hab nun nette Kratzer am Arm. Danke! Die Faschos waren noch so "nett" und haben zum Abschied freudestrahlend gewunken.
Also ich kann in NB nur vom mäßigen Erfolg sprechen. Das mag aber eher an unseren lieben Ja-Sagern gelegen haben, die einen menschenunwürdig behandeln nur weil man für das kämpft, wofür Deutschland steht und die braune Brut nicht mehr will.
Bei den anderen Demos gings doch auch..

@xhsbx

icke 02.05.2012 - 16:25
Gesamt ein guter Tag ...?
Hmm, in NB maschierten sie trotzdem, in Bonn, in Hof, in Bautzen, Speyer-Mannheim war auch.
So NMS und Witte aufgelöst, Weimar auch aber da sind die dann danach in Weißenfels und Erfurt noch aufgemaschiert.
Das Beste an den Tag war der 1.Mai Marsch in Nürnberg mit 3000. Selbst Berlin lief nicht so prickelnd. Da ist zwar ne Riesenmasse aber wirklich doll war es diesmal auch nicht und leider ist es mit den ganzen MyFest-Geeier schon mehr ein Erlebnistag/Spaßtag für viele, die denn mehr eine Touristenattraktion ist.