Heuschrettung: Für Eidelstedt

Anjena Vogelsang 23.04.2012 15:38 Themen: Freiräume Ökologie
In Hamburg Eimsbüttel kommt es bis zum 24. Mai zum Bürgerentscheid um den Ausbau des sogenannten Eidelstedt-Centers. Die Eigentümerin MEAG versucht mit Hilfe ihrer Milliarden und der etablierten Parteien gegen den Willen vieler Bewohner in Eidelstedt ein Bauprojekt zu realisieren. Sie will einen Planungsgewinn auf Kosten der Lebensqualität im Viertel einstreichen.
Eidelstedt muss gerettet werden. Das meinen jedenfalls zahlreiche etablierte Politiker im Bezirk Eimsbüttel. Der Stadtteil gehe zu Grunde und dies nicht etwa, weil eine Bausünde nach der anderen hinzugefügt wird oder sich seine Bürger in immer größeren Teilen nichts mehr leisten können, sondern weil dort, ganz angebotsorientiert, einfach zu wenig zu kaufen sei.
Zum Glück steht die Rettung schon bereit. Ein freundlicher Investor hat die Rettung Eidelstedts auf seine Fahnen geschrieben. Aus purer Liebe zu Eidelstedt.
Die freundlichen Damen und Herren von der MEAG im fernen München haben ihre Liebe entdeckt und ganz passend hat der Bezirk Eimsbüttel auch schon einen für diese maßgeschneiderten Bebauungsplan (Eidelstedt 71) erstellt.

Grenzenlos muss diese Liebe sein, denn die MEAG scheut weder Kosten noch Mühen uns Eidelstedter Bürger zu beglücken. Eidelstedt soll Leben oder darf wenigstens nicht sterben, erklären sie uns. Was nicht ganz stimmt, denn die MEAG, noch so ein soziales Projekt, tut auch was für den studentischen Arbeitsmarkt. Sie hat einfach ein kleines Heer an MEAG-Girls in ihren Sold genommen, die als fleißige und ahnungslose Bienchen, für 11 € die Stunde Unterschriften für das Vorhaben erbaten. Wer unterschrieb, bekam zum Dank einen schicken Stoffbeutel überreicht. Aufschrift: Für Eidelstedt !

Wer kann da dagegen sein? Offenbar ein paar Uneinsichtige, denen der Stadtteil nicht am Herzen liegt und die gegen Leben, Lebensqualität setzen wollen. Irgendwie geht es wohl auch um angeblich schützenswerte Bäume. So’n Schmarn, wird man in München gedacht haben.
Also, gschwind in die Hände gespuckt und rasch die Fischköppe mit Aufklärung über die Segnungen einer solchen Investition überzogen. Von aggressiver Werbung zu sprechen, wäre unschön.

Wer ist diese MEAG? Was will sie von uns? Letzteres ist einfach: Unser Bestes!
Der Rest braucht etwas Platz. Die MEAG heißt vollständig Munich Ergo Asset Management und ist eine GmbH. Sie ist die gemeinsame Investment-Tochter der Munich RE (einst Münchener Rück)-Versicherung und der Ergo-Versicherung. Alle zusammen gehören zum Gesamtkonzern Munich RE. Die Munich RE ist der weltweit größte Rückversicherer, die Ergo, ein Vorfeldversicherer, spielt auch irgendwie in der Top-Liga und hat im Jahr 2010 den Herrn Kaiser und die Hamburg Mannheimer geschluckt. Der nun gehörte das Eidelstedt-Center.
Die MEAG ist Deutschlands größte Heuschrecke und auch international ganz oben mit dabei. Sie muss jeden Tag (auch am Wochenende) rund 600 Mio. Euro gewinnbringend investieren. Sie steckt ihre Taler deshalb in Firmen- und Aktienbeteiligungen ebenso wie in Einkaufszentren.
Die MEAG ist also kein idealistischer Haufen von Gutmenschen, sondern vor allem von Investmentbankern. Die wissen, was sie von uns wollen – sehr genau.

In Eidelstedt wollen sie uns mit einem Einkaufszentrum beglücken, für das es bestenfalls eine gefühlte Nachfrage gibt. Die notwendige Kaufkraft existiert gar nicht und die Versprechen sind bislang vor allem eines: Versprechungen. Es gibt keine Garantie dafür, das Eidelstedt damit gerettet wird. Wohl gibt es aber eine dafür, dass mit Erteilung einer Baugenehmigung der Grundstückspreis enorm steigen würde. Dafür müsste nicht einmal wirklich gebaut werden, aber die Wertsteigerung wäre sicher. Was wollen Investoren mehr?
Natürlich sind wir alle Schelme, derartiges zu denken. Die MEAG investiert doch langfristig, in sichere Sachen und nicht auf schnelle Rendite, sagt sie. Also Glücksritter, die das Glück nicht suchen. Da sind wir jetzt mal alle voll überzeugt.

Wie ernst solche Aussagen zu nehmen sind, könnte das Beispiel Commerzbank belegen. Dort ist die MEAG zu Beginn des Jahrtausends größer eingestiegen. Die hierdurch beflügelte geschäftliche Orientierung ist Beobachtern bekannt. Die Investition drohte zum Rohrkrepierer zu werden. Die MEAG reduzierte Anteile, die Commerzbank musste unter den Rettungsregenschirm (deshalb wird das Eidelstedt-Center voll überdacht?) und von der Allgemeinheit vor der Insolvenz gerettet werden.
Wir wissen also, wer bezahlt, wenn sich bei der MEAG was nicht lohnt.

Die MEAG macht also in jedem Fall Kasse, auch wenn es schief geht. Zahlen wird auch wer. Wir müssen dafür nur unseren Stadtteil hergeben und dann wird alles gut. Denn Ergo versteht uns.
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Ergänzungen

Deutsche Bäume

Struppi 22.05.2012 - 13:21
Also Leute, da habt ihr ja wohl das Vögelchen abgeschossen. Muss ich euch echt mal sagen. Aber wenn ihr unbedingt was mit Antisemitismus haben wollt, dann bitte sehr:

Die erste Initiative für die MEAG, Grundstücksmakler und ähnlich Begeisterte, hieß "Eidelstedt soll leben". Da haben mit Bravour verkackt, weshalb die MEAG das wohl doch lieber selbst gemacht hat. Aber nich so wichtig. Die jedenfalls waren für mehr Beton mit der Begründung, ein Großteil der Bäume hätte keine arischen Wurzeln, ergo: undeutsch.
Wen das nicht schreckte, der bekam noch zu hören, die Fremdländer seien giftig und würden Kinder gefährden.

Also, keine Dummheit ausgelassen und Leben nur für Deutsches Baumgut. Sagt an anderer Stelle auch Hr. Kruse von der CDU (Schutzgemeinschaft Deutscher Wald)ein Centerbaubefürworter und MdB.

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gruesse

der nestscheisser 23.04.2012 - 16:06
liebe rote gruesse nach eidelstedt!

Super

ererer 23.04.2012 - 21:11
ganz toll. Das Bild der Heuschrecke ist ja mal ne ganz große Idee, ihr Idioten.

Geht mal gar nicht

heuschrecke? 23.04.2012 - 23:25
Oh mein Gott, wirklich nichts verstanden. Fragt doch mal bei der NPD nach, ob sie euch beim Versuch die Heuschrecken zu verjagen, um gute deutsche Wertarbeit zu schützen, unterstützen. Mal ohne Polemik: Solidarität ist bei eurem Fall ja geboten, aber wie doof muss man sein, um mit so reaktionären Versatzstücken wie "Heuschrecke" zu hantieren? Hinsetzen, Nachdenken, Buch lesen, diskutieren, reflektieren. Ihr fallt ja hinter die Diskurse der letzten 12 Jahrzehnte zurück..

mir sind heuschrecken egal!!!

deine mudda und die antisemitismuskeule 24.04.2012 - 04:09
mich kotzt es alles nur noch an. heuschrecken, kraken, gendershit .
gelaber über anitsemitismus hat mich so abgeturnt, daß ich nie wieder was von holocaust und friedmann hören will. früher hätte ich nochmal drüber nachgedacht. ihr habt es so überreizt,daß ich echt drauf scheiße. dumm gelaufen nicht zu ändern und ihr opfer nutzt es für eure schmale weltsicht um euch zu profilieren. wie traurig. bankenkritik ist ja voll ..

Zur Diskussion

Anjena Vogelsang 24.04.2012 - 08:56
Wertester ererer, Euer Kommentar zeugt leider nur von Fehlen an Argumenten und einer guten Kinderstube. Dazu von reflexartiger Unflätigkeit. Ich hoffe Ihr wolltet Euch damit nicht in der Sache positionieren, denn dann stellt sich die Frage nach den tatsächlichen Interessen. Ich hatte gehofft, Ihr würdet bei den Kommentaren ohne inhaltliche Ergänzung landen.

Ernst zu nehmen ist hingegen schon die sachlichere Kritik am Gebrauch des Wortes Heuschrecke. Allerdings kommt auch diese zu sehr als unreflektierter Reflex daher.
Es geht hier nicht um deutsche Wertarbeit, die bei der MEAG in der Tat geleistet wird, und schon gar nicht um Antisemitismus oder den Versuch Nazis zu gewinnen. Ein genauer Blick in die Geschichte der Münchener Rück und deren Vergangenheit, im Besonderen während der gerne vergessenen 1000 Jahre, würde dies offenbaren.

Um also in eine Diskussion einzutreten, sei die Frage gestellt, wie sich deren im Kapitalismus recht natürliche Verhaltensweise Kapital in Kapital zu verwandeln, treffend und gewollt, mit einem prägnanten Schlagwort verbinden lässt und dabei auch außerhalb akademischer Diskurse zugänglich wird. Darum nämlich geht es dem Beitrag.

Diesbezüglich ist er einer inhaltlichen Verbesserung durchaus zugänglich, es bleibt aber ein Ziel: Keine Kursgewinne auf Kosten der Eidelstedterinnen und Eidelstedter im Konkreten und anderswo auch nicht. Darin bestünde schon eine notwendige Basis. Sonst stritten wir jedenfalls nicht gemeinsam.