Vorträge zur Arbeitskritik
Vorträge zur Kritik des Arbeitsfetischismus & Antisemitismus in Thürigen, Sachsen & Freiburg
Die Arbeit nieder! Luxus für alle! Eine Kritik des Arbeitsfetischismus & Antisemitismus
Vorträge von Stephan Grigat
Der Papst verkündet, die Arbeit trage dazu bei, "Gott und den anderen näher zu sein." Bei der NPD firmiert "Arbeit" noch vor "Familie" und "Vaterland" und linke Gruppen drohen ihren Gegnern in ihren abgehalfterten Demosprüchen an, sie "in die Produktion" zu schicken und klammern sich an die Sklavenparole "Die Arbeit hoch!" Statt für die Bedingungen der Möglichkeit individueller Freiheit und gesellschaftlicher Autonomie zu streiten, für eine Art produktiven Müßiggang, sucht man in der Schinderei der Arbeit Erfüllung - und findet sie womöglich auch noch.
Die fanatischsten Lobpreiser der Arbeit waren schon immer zugleich die schlimmsten Antisemiten: Von Marin Luther, dem Protagonisten des protestantischen Arbeitsethos und Autor des Pamphlets "Von den Juden und ihren Lügen", über den Industriellen Henry Ford, den Autor des Machwerks "Der internationale Jude", für den es "nichts Abscheulicheres" gab "als ein müßiges Leben", bis zum Führer der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft. Hitler proklamierte in "Mein Kampf" "den Sieg des Gedankens der schaffenden Arbeit, die selbst ewig antisemitisch war und antisemitisch sein wird." Wie ernst der er das gemeint hatte, konnte man später über den Toren der Vernichtungslager nachlesen.
In der Huldigung des Prinzips der Arbeit finden rechts und links, sozialdemokratischer Etatismus und liberaler Verwertungswahn zueinander. Ob linke Globalisierungsgegner, christliche Sozialethiker oder faschistische Produktivitätsfanatiker: Helfershelfer bei der Rettung der Arbeit soll der Staat sein, der den zügellosen, nicht dingfest zu machenden Marktkräften den Betrug an der "ehrlichen Arbeit" verunmöglichen soll: Kein Arbeitsfetischismus ohne Staatsfetischismus.
Der Arbeitsfanatismus von links bis rechts sieht die ehrliche Arbeit um ihren gerechten Lohn betrogen, sei es durch die "Zinsknechtschaft" oder die keineswegs nur von der Antiglobalisierungsbewegung so inbrünstig gehassten "Spekulanten". Die Agitation geht gegen „die da oben“, gegen die „Bonzen und Parasiten“, die lieber konspirieren als durch anständige Arbeit etwas zum Volkswohlstand beizutragen. Der Hass auf das unterstellte oder tatsächliche arbeitslose Einkommen ist nicht nur eine falsche, sondern angesichts seiner Ressentimenthaftigkeit und seiner Verherrlichung des Staates eine äußerst gefährliche Antwort auf gesellschaftliche Krisenerscheinungen und ungleiche Reichtumsverteilung.
Aus der österreichischen Kronenzeitung tönt es dann: „Das Spekulantenpack ist schädlich, doch nicht das Kapital, das redlich.“ Die Grundlage dieser Trennung ist keineswegs eine Erfindung der nationalsozialistischen Ideologie, sondern im Arbeitsfetischismus jeglicher Couleur angelegt: auf der einen Seite die Arbeitsplätze schaffenden, verantwortungsbewussten Industriekapitäne; auf der anderen das unproduktive Kapital der Zirkulationssphäre, das in gemeinschaftsfeindlicher Absicht rastlos seine Krakenarme um den Globus spanne und die „Würde der Völker“ angreife, zu deren Verteidigung nicht nur die lateinamerikanischen Linkspopulisten und Ahmadinejad-Freunde Hugo Chavez, Evo Morales und Daniel Ortega angetreten sind.
Stephan Grigat ist Lehrbeauftragter an der Universität Wien und engagiert sich bei Café Critique (www.cafecritique.priv.at). Er ist Autor von „Fetisch und Freiheit. Über die Rezeption der Marxschen Fetischkritik, die Emanzipation von Staat und Kapital und die Kritik des Antisemitismus“ (ça ira 2007) sowie Herausgeber von „Feindaufklärung und Reeducation. Kritische Theorie gegen Postnazismus und Islamismus“ (ça ira 2006) und "Postnazismus revisited. Das Nachleben des Nationalsozialismus im 21. Jahrhundert" (ça ira 2012).
Termine
Sonntag, 15. April 2012
Weimar, 18:00
M17, Marktstraße 17
Montag, 16. April 2012
Erfurt, 18:00
Filler, Schillerstraße 44
Dienstag, 17. April 2012
Jena, 20:00
Junge Gemeinde, Johannisstraße 14
http://jg-stadtmitte.de/
Mittwoch, 18. April 2012
Leipzig, 19:15 Uhr
Geisteswissenschaftlicher Zentrum der Universität, Hörsaal H 2.0.20
Beethovenstr. 15
http://linksjugend-leipzig.de/
Donnerstag, 19. April 2012
Zwickau, 18:00
Freizeitzentrum Marienthal, Marienthaler Straße 120
http://baumhaus.blogsport.de/
Freitag, 20. April 2012
Chemnitz, 19:00 Uhr
Lokomov, Augustusburgerstraße 102
http://www.rosalux.de/event/45824/die-arbeit-nieder-luxus-fuer-alle-eine-kritik-des-arbeitsfetischismus.html
Samstag, 21. April 2012
Dresden, 20:00
Kosmotique, Martin-Luther-Straße 13
Sonntag, 22. April 2012
Saalfeld, 17:00
Haskala, Saalstraße 38
http://haskala.de/
Dienstag, 24. April 2012
Freiburg, 20:00
KTS, Baslerstraße 103
Vorträge von Stephan Grigat
Der Papst verkündet, die Arbeit trage dazu bei, "Gott und den anderen näher zu sein." Bei der NPD firmiert "Arbeit" noch vor "Familie" und "Vaterland" und linke Gruppen drohen ihren Gegnern in ihren abgehalfterten Demosprüchen an, sie "in die Produktion" zu schicken und klammern sich an die Sklavenparole "Die Arbeit hoch!" Statt für die Bedingungen der Möglichkeit individueller Freiheit und gesellschaftlicher Autonomie zu streiten, für eine Art produktiven Müßiggang, sucht man in der Schinderei der Arbeit Erfüllung - und findet sie womöglich auch noch.
Die fanatischsten Lobpreiser der Arbeit waren schon immer zugleich die schlimmsten Antisemiten: Von Marin Luther, dem Protagonisten des protestantischen Arbeitsethos und Autor des Pamphlets "Von den Juden und ihren Lügen", über den Industriellen Henry Ford, den Autor des Machwerks "Der internationale Jude", für den es "nichts Abscheulicheres" gab "als ein müßiges Leben", bis zum Führer der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft. Hitler proklamierte in "Mein Kampf" "den Sieg des Gedankens der schaffenden Arbeit, die selbst ewig antisemitisch war und antisemitisch sein wird." Wie ernst der er das gemeint hatte, konnte man später über den Toren der Vernichtungslager nachlesen.
In der Huldigung des Prinzips der Arbeit finden rechts und links, sozialdemokratischer Etatismus und liberaler Verwertungswahn zueinander. Ob linke Globalisierungsgegner, christliche Sozialethiker oder faschistische Produktivitätsfanatiker: Helfershelfer bei der Rettung der Arbeit soll der Staat sein, der den zügellosen, nicht dingfest zu machenden Marktkräften den Betrug an der "ehrlichen Arbeit" verunmöglichen soll: Kein Arbeitsfetischismus ohne Staatsfetischismus.
Der Arbeitsfanatismus von links bis rechts sieht die ehrliche Arbeit um ihren gerechten Lohn betrogen, sei es durch die "Zinsknechtschaft" oder die keineswegs nur von der Antiglobalisierungsbewegung so inbrünstig gehassten "Spekulanten". Die Agitation geht gegen „die da oben“, gegen die „Bonzen und Parasiten“, die lieber konspirieren als durch anständige Arbeit etwas zum Volkswohlstand beizutragen. Der Hass auf das unterstellte oder tatsächliche arbeitslose Einkommen ist nicht nur eine falsche, sondern angesichts seiner Ressentimenthaftigkeit und seiner Verherrlichung des Staates eine äußerst gefährliche Antwort auf gesellschaftliche Krisenerscheinungen und ungleiche Reichtumsverteilung.
Aus der österreichischen Kronenzeitung tönt es dann: „Das Spekulantenpack ist schädlich, doch nicht das Kapital, das redlich.“ Die Grundlage dieser Trennung ist keineswegs eine Erfindung der nationalsozialistischen Ideologie, sondern im Arbeitsfetischismus jeglicher Couleur angelegt: auf der einen Seite die Arbeitsplätze schaffenden, verantwortungsbewussten Industriekapitäne; auf der anderen das unproduktive Kapital der Zirkulationssphäre, das in gemeinschaftsfeindlicher Absicht rastlos seine Krakenarme um den Globus spanne und die „Würde der Völker“ angreife, zu deren Verteidigung nicht nur die lateinamerikanischen Linkspopulisten und Ahmadinejad-Freunde Hugo Chavez, Evo Morales und Daniel Ortega angetreten sind.
Stephan Grigat ist Lehrbeauftragter an der Universität Wien und engagiert sich bei Café Critique (www.cafecritique.priv.at). Er ist Autor von „Fetisch und Freiheit. Über die Rezeption der Marxschen Fetischkritik, die Emanzipation von Staat und Kapital und die Kritik des Antisemitismus“ (ça ira 2007) sowie Herausgeber von „Feindaufklärung und Reeducation. Kritische Theorie gegen Postnazismus und Islamismus“ (ça ira 2006) und "Postnazismus revisited. Das Nachleben des Nationalsozialismus im 21. Jahrhundert" (ça ira 2012).
Termine
Sonntag, 15. April 2012
Weimar, 18:00
M17, Marktstraße 17
Montag, 16. April 2012
Erfurt, 18:00
Filler, Schillerstraße 44
Dienstag, 17. April 2012
Jena, 20:00
Junge Gemeinde, Johannisstraße 14
http://jg-stadtmitte.de/ Mittwoch, 18. April 2012
Leipzig, 19:15 Uhr
Geisteswissenschaftlicher Zentrum der Universität, Hörsaal H 2.0.20
Beethovenstr. 15
http://linksjugend-leipzig.de/ Donnerstag, 19. April 2012
Zwickau, 18:00
Freizeitzentrum Marienthal, Marienthaler Straße 120
http://baumhaus.blogsport.de/ Freitag, 20. April 2012
Chemnitz, 19:00 Uhr
Lokomov, Augustusburgerstraße 102
http://www.rosalux.de/event/45824/die-arbeit-nieder-luxus-fuer-alle-eine-kritik-des-arbeitsfetischismus.html Samstag, 21. April 2012
Dresden, 20:00
Kosmotique, Martin-Luther-Straße 13
Sonntag, 22. April 2012
Saalfeld, 17:00
Haskala, Saalstraße 38
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Freiburg, 20:00
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Ergänzungen
Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen
Arbeitskritik
Seine Arbeitskritik beschränkt sich auf ein moralisches Urteil an einem anderen moralischen Urteil. Dieses zweite moralische Urteil überhaupt in gesellschaftlicher Hinsicht zu untersuchen, macht Stefan Grigat dann wiederum nicht.
Den gesamten dialektischen Prozess vom Bedürfnis über die Arbeit zur (Nicht-)Befriedigung untersucht er in seiner Arbeitskritik nicht und kann er nicht leisten. Denn Grigat wirft nur mit Versatzstücken aus Wertkritik, Dialektik und kritischer Theorie um sich, die er willkürlich aneinanderreiht. Mit anderen Ebenen der zugehörigen Arbeitskritik wie jenen der Entfremdung oder auch nur der Abstraktion tut er sich erheblich schwer. Denn der Schritt zur Analyse der Abstraktion ist wichtig, denn gerade hieraus entsteht der Fetisch.
So ist z.B. der Fetischbegriff bei ihm seiner gesamten dialektischen Dimension beraubt und lebt von ständigen Vergleichen mit religiösen Fetischen, namentlich das Stück Holz, das Regen bringen soll. Er übersieht bzw. erkennt nicht die tatsächliche materielle Dimension vor lauter Pseudoideologiekritik. Denn ein Stück Holz wird niemals Regen bringen. Das ist physikalisch unmöglich. Wohingegen Arbeit tatsächlich ein Produkt herstellt und tatsächlich für den Arbeiter Lohn bringt. Wenn man an der Kasse ein Produkt bezahlt, dann gehört es einem auch tatsächlich. Das sind alles reale Vorgänge, die Stefan Grigat einfach als Ideologie abtut. Verwunderlich ist es also nicht, dass die soziale Frage bei ihm überhaupt keine Rolle spielt und er sie auch nicht erklären kann, außer "Pech gehabt."
Auch wird der Ursprung der protestantischen Ethik bei Martin Luther falsch gesetzt. Diesbezüglich ist Kants kategorischer Imperativ, sich so zu verhalten, dass die eigene Handlung zum Maßstab generellen Handelns wird.
Sehr knapp formuliert Grigat das in seinem Artikel Fetisch und deutsche Ideologie (
"Der Staat erscheint fetischhaft als autonom gegenüber dem ökonomischen Prozess und mit seinem Apparat als persönlich repräsentierte Instanz. Dadurch erscheint er für die Subjekte, die dem als unpersönlich wahrgenommenen ökonomischen Fatum ausgeliefert sind, als Appellationsinstanz und als jener Ort, an dem die Widersprüchlichkeiten der bürgerlichen Subjektivität kuriert werden sollen."
Einige begriffliche Versatzstücke wie "erscheint" (eigentlich Differenz zwische Wesen und Erscheinung, das wird bei ihm fehlinterpretiert in die Erscheinung, die autonom vom Wesen ist), "fetischhaft" (siehe oben), "Widersprüchlichkeiten" (eigentlich Widerspruch = Antagonismus).
Man sieht in diesen knappen Zeilen wie er Hegel und Marx jeglicher dialektischer Dimension beraubt.
Über Arbeitskritik wird man bei ihm folglich nichts Sinnvolles hören.
Allerdings gibt es einschlägige Literatur. Im deutschsprachigen Raum in letzter Zeit vor allem Andre Gorz, die Gruppe Krisis und die Gruppe Exit.
Für eine richtige marxistische Staatskritik ist Dieter Wolf "Hegels Theorie der bürgerlichen Gesellschaft" wärmstens zu empfehlen. Grundlegend ist hierbei die Abstraktion des Bürgers nicht zu einem Rechtssubjekt. Grigats große Fehlleistung ist in diesem Zusammenhang Abstraktion als synonym mit "allgemein" aufzufassen. Dagegen heißt Abstraktion aber "von etwas absehen". Nominell sieht der Staat, vor allem Gerichte, die Wirtschaftsplanung, von der Person oder dem Rechtssubjekt Unternehmen/Verein/Stiftung ab.
Die Erwartungen der Rechtssubjekte - wie es Stefan Grigat macht - dann nicht als Fetisch, sondern als Ideologie abzutun, ist absurd und hat weder mit Hegel noch mit Marx irgendetwas zu tun.
Sehr viel ältere Werke stammen von Paschukanis, Rosdolsky und Isaak Rubin. In den 70er Jahren gab es in Deutschland den Debattenstrang der Staatsableitung (u.a. Joachim Hirsch, Rudolf Müller).