Nachbetrachtungen Rathaus Dessau Besetzung

AufklärungundTransparenz 08.02.2012 18:55 Themen: Antirassismus Blogwire
Nachbetrachtungen der Initiative „Aufklärung und Transparenz“ zur Besetzung des Rathauses Dessau am 07.02.2012

Am 07.02.2012 besetzten wir für mehrere Stunden das Rathaus von Dessau-Roßlau und entrollten Transparente mit den Aufschriften „Für Aufklärung und Transparenz“, „Gegen den Rassismus der Mitte“ sowie „Oury Jalloh – das war Mord“. Uns allen war klar, dass eine Besetzung des Rathauses ein drastischer Schritt ist und wir wohl alle mit rechtlichen Konsequenzen rechnen müssen. Nachdem die Übergriffe auf die Gedenkdemonstration im Januar allerdings medial nicht mehr thematisiert werden und weder Pressemitteilungen, Aufrufe, gutes Zureden oder Demonstrationen zu helfen scheinen, sahen wir keine andere Möglichkeit mehr als dieses Risiko einzugehen und eine öffentlichkeitswirksame Aktion zu machen.
Mit rund 30 jungen Menschen betraten wir den Altbau des Rathauses über die Haupteinganstür und verschlossen diese anschließend mit einer Kette und einem Schloss. Anschließend verteilten wir uns im Gebäude. Während einige von uns Transparente aus den Fenstern des Ratssaales im Dachgeschoss hängten, versuchten andere die Türen zum Neubau zu versperren. Gleichzeitig wurden Flyer und einige Muffins an die Angestellten verteilt um diese zu beruhigen. Auf diesen waren unsere Forderungen zu lesen, sowie der Grund für die Besetzung. Es war geplant Angestellte jederzeit aus dem Gebäude herauszulassen. Noch während wir einige Türen verschließen wollten nahmen einzelne Angestellte dies auch war und wirkten unseres Erachtens alles andere als eingeschüchtert. Sollten wir Angestellte des Rathauses erschreckt haben entschuldigen wir uns dafür.
Nach kurzer Zeit drang die Polizei in das Gebäude ein und wir flüchteten uns in das oberste Stockwerk in den Ratssaal. Dort setzen wir uns auf den Boden und machten mit Sprechchören noch einmal deutlich, dass von uns keinerlei Gewalt ausgeht. Als die Polizei im Ratssaal ankam und den Bürgermeister herbeiholte diskutierten wir mit diesen rund eine Stunde über Rassismus in Dessau, die Polizeigewalt vom Januar und die Besetzung. Im Laufe des Gesprächs erklärte einer der Polizeibeamten, sie hätten eine Scheibe einschlagen müssen um ins Gebäude zu gelangen, da Gefahr im Verzug sei, denn sie wüssten ja nicht was im Gebäude losgewesen sei.
Mehrfach wurde uns Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch und Freiheitsberaubung vorgeworfen. Letztere Forderung trifft nicht zu, da 1. nicht alle Türen verschlossen waren und 2. wir den Angestellten des Rathauses jederzeit aufschließen wollten. Auf unsere Nachfrage welche Sachbeschädigungen es gegeben haben soll, konnten noch keine konkreten Angaben gemacht werden. Wir boten daraufhin an, sollte es zu Sachbeschädigungen gekommen sein, die von uns nicht beabsichtigt waren, würden wir den Schaden ersetzen.
Unter anderem wurde uns vorgeworfen es habe durch einen Akkuschrauber Beschädigungen an den Türen gegeben. Die Polizei drohte mit einer DNA-Entnahme um herauszufinden wer diesen Akkuschrauber benutzt habe. Dem müssen wir widersprechen! Wir haben mit einer Holz-Eisenwinkel-Konstruktion Türgriffe blockiert, damit diese von Außen nicht mehr zu betätigen sind. Der Winkel wurde allerdings lediglich an unserem Holzstück angeschraubt und nicht an den Türen des Rathauses!
Nach dem Gespräch räumten wir den Ratssaal wieder auf und gaben unsere Personalien nach und nach ab. Unten vor dem Rathaus sprachen wir anschließend mit der Presse über unsere Aktion und unsere Beweggründe. Die mediale Aufmerksamkeit die wir erreichen wollten wurde auch erreicht. Unsere Forderungen wurden durch die Medien publik gemacht. Eine solche Aufmerksamkeit hätten wir mit Kundgebungen, Demonstrationen oder einer Aktion vor der Friedensglocke niemals erreicht. Berichte die uns in eine nähe zu Brandanschlägen in Sachsen-Anhalt rücken wollen müssen wir entschieden zurückweisen. Schon mehrfach wurde versucht die Oury-Jalloh Initiative und ihre Unterstützer mit diesen in Verbindung zu bringen um diese zu kriminalisieren und Überwachungsmaßnahmen zu rechtfertigen.
Vor dem Rathaus beschlossen wir dann geschlossen als Spontandemonstration zurück zum Bahnhof zu laufen. Die Reaktionen einiger Bürgerinnen und Bürger bestätigten unsere Einschätzung des Alltagsrassismus in Dessau (Beispiele: „Nich schon wieder wegen dem Neger“, „Der hat Frauen belästigt, der is selber Schuld“).
Wir bedanken uns recht herzlich bei allen mit uns solidarischen Menschen, die Verständnis für unsere Motive gezeigt haben.
Über weitere Entwicklungen zu unseren Forderungen und den nun folgenden Verfahren gegen uns informieren wir über twitter und unseren neu eingerichteten Blog:
Twitter:  http://twitter.com/aufundtrans
Blog:  http://transparenzdessau.blogsport.de
Email:  aufklaerungundtransparenz@gmx.de

auf unserem Blog findet ihr einen Pressespiegel!
Creative Commons-Lizenzvertrag Dieser Inhalt ist unter einer
Creative Commons-Lizenz lizenziert.
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen

Bild

falsches Bild 08.02.2012 - 19:03
neues bild

demo am 25.2. in dessau

heribert 09.02.2012 - 13:27
demonstration gegen den rassistischen konsens am 25.2. in dessau.

kommt alle um dem rassistischen deutschen mob von der straße zu jagen!

Offener Brief an den Dessauer Oberbürgermeist

j 09.02.2012 - 16:33
Offener Brief an den Dessauer Oberbürgermeister Herrn Koschig zum Interview „Zurück bleibt ein Scherbenhaufen“

 http://thevoiceforum.org/node/2436

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Verstecke die folgenden 2 Kommentare

Respekt

name 08.02.2012 - 20:19
Erstens und nach wie vor:Respekt für den Mut
8wer den dumpf brodelnden, hinter vermeintlicher Freundlichkeit und Menschlichkeit
gärenden Allerweltsrassismus dieser Region erfahren muss, weiss was heisst, sich dem
so konfrontativ entgegenzustellen. (Kostet übrigns mehr Mut, als vermummt einem Nazis
eins draufzugeben).

Zwotens. strategisch sehr gut durchdacht und den instututionalisierten Faschos (die
selbstredend niemals auch nur ansatzweise weloche sind...verkauft sich ja nicht so
effizient, Tourismus und so) den Wind aus den Segeln genommen...auch wenn auf "Standarts"
wie Hausfriedenbruch, Freiheitsberaubung usw. herumgeritten wird... Öffentlichkeit
erlangt...sehr gut.................weiter!!! über die Bundeslandsgrenzen hinaus.....

M.E. ist es nun wichtig ausser auf den ungalublichen Mord an Oury Jalloh auf alle
anderen Toidesopfer durch Polizei,- und Nazigewalt hinzuweisen....die Toleranzschwelle
die da herrscht (es dreht einem den magen um) klar zu machen und die Zusammenhänge
herauszuarbeiten zwischen Erika Mustermann-den (also auch polizeilichen) Brandstiftern und
Nazigebilden, die im Osten zum tolerierten Alltag werden,Tag um Tag uns stetig und
solchen Horrorrealitäten wie die Mordserie des NSU/VS

Ich wünsche mir, das Dessau zu einem Beispiel solidarischr Abwehr all dessen werden kann,
indem den AktivistInnen vor Ort aus der gesamten BRD, d.h. auch und ganz VERSTÄRKT aus
den alten Bundesländern beigestanden wird, in welcher Form auch immer...

Artikel in dortigen Medien, nicht nur einschlägig3en, wären mit eins der wirksamsten
Mittel. Dr Osten pflegt ein Image, das er zu verdienen erst beweisen muss: demokratisch
zu sein. Das soll n8icht heissen, dass es Westen wäre, aber das Gewaltpotenzial orga-
nisiert sich hier äusserst bereitwillig, ebenso wie offen gesagt der sächsische Apparatschick lagnsam aber sicher auf seine geistige Zurechnungsfähigkeit geprüft werden sollte.

In diesem Osten herrscht eine prägnante Schieflage, die wahrzunehmen die Pflicht derer ist, wo sie in diesem Ausmaß nicht herrscht. Es ist ein antifaschistischer "Bundeslandsfriedensbruch" vonnöten, damit ein Hausfriedensbruch wie oben vorgeworfen,nicht sein muss, um ZIVILISIERTENB MENSCHEN (?) zu verdeutlichen, das Mord eine Ungeheuerlichkeit ist und dass, es nicht akzeptabel ist, in einer angteblichen Demokratie, dass Kapitalverbrechen durch Institutionen und Gerichte in bester Seilschaftstradition vertuscht werden, vor den Augen der Öffentlichkeit...die es---nicht
interessiert....

KANN DIES LAND BITTE AUFWACHEN---damit aufhören antifashistische Jugendliche zu kriminalisieren und vielleicht mal eine Generation weiter, den A---sch hoch kriegen, definitiv und zwar so, wie es der Insgesamtlage gebührt .... di politischen RoboterInnen mögen sich bitte "zwick´ts mi, i glab i dram" damit sie ihr Blut wieder wahrnehmen,zwich`ts mi, wo sammer daham?!!!!

solidarische

grüße 09.02.2012 - 11:05
gen dessau! mut, kraft u ausdauer für alle weiteren kämpfe für eine gerechtigkeit, die auch als solche erkennbar ist.

oury jalloh? das war mord!