Neuruppin: Polizei ermöglicht Nazidemo

Inforiot.de 24.09.2011 22:51 Themen: Antifa Medien
Neuruppin (Nordbrandenburg): 300 bei Sitzblockade, von Polizei geräumt / insgesamt protestierten rund 600 Menschen / 180 Neonazis liefen durch die Stadt
Die Polizei hat am Samstag in Neuruppin eine Demonstration von etwa 180 Neonazis mit Gewalt durchgesetzt. Eine etwa 300 Personen starke Sitzblockade wurde durch die Polizei aufgelöst. Dabei kam es teilweise zu brutalen Szenen. Immerhin verzögerte sich der Ablauf des Neonaziaufmarschs um knappe zwei Stunden. Insgesamt waren rund 600 Personen an den Protesten beteiligt.

Antifaschistische Demonstration mündet in Blockade

Am Vormittag, lange vor der Anreise der auswärtigen Neonazis, war eine antifaschistische Demonstration durch Neuruppin gezogen. Vom Alten Gymnasium aus brach dieser Aufzug auf die Friedrich-Engels-Straße aus und startete dort - nur ein paar hundert Meter vom Startpunkt der Neonazis am Rheinsberger Tor entfernt - die Blockade.
Schnell wuchs die Menge an - es herrschte beste Stimmung.

Hartes Vorgehen der Polizei

Dann jedoch räumte die Polizei. Zahlreiche BeobachterInnen zeigten sich über das unangemessen rüde Vorgehen der Polizei empört. Immer wieder wurden Handhebel und ähnliche Polizeigriffe genutzt. Dennoch: Erst kurz vor 14 Uhr, also zwei Stunden nach dem geplantem Demobeginn trafen die Neonazis an der Stelle der dann schon aufgelösten Blockade ein.

Zu den Protesten und Blockaden hatten das "Netzwerk Neuruppin", das "Aktionsbündnis Neuruppin bleibt bunt" sowie zahlreiche weitere Initiativen und Einzelpersonen aufgerufen.

Gekesselte ex-BlockiererInnen stundenlang festgehalten

Die Polizei hielt derweil die ehemaligen BlockiererInnen am Rande fest - erst gegen 17:30 Uhr wurden die letzten Personen wieder freigesetzt. Dieser Kessel lag indes direkt an der Route der Neonazis.

Dementsprechend wurde dann den vorbeilaufenden Neonazis ein lautstarker Empfang bereitet. Ersten Informationen zufolge gab es acht Ingewahrsamnahmen gegen BlockiererInnen. Über die Zahl der Verletzten ist bis jetzt nichts bekannt. (Stand: Samstag, 17.45 Uhr)

Nazis vor allem aus der Region

Veranstalter der rechten Demo waren die "Freien Kräfte Neuruppin / Osthavelland". Die Route führte vom Rheinsberger Tor durch die Innenstadt ins Neubaugebiet und von dort den gleichen Weg wieder zurück. Redebeiträge wurden von der Neuruppiner Neonazistin Beatrice Koch sowie von Tino Müller, NPD-Landtagsabgeordneter in Mecklenburg-Vorpommern, gehalten.

Es nahmen vor allem Neonazis aus der Region Berlin-Brandenburg teil. Der erst Ende August gegründete NPD-Stadtverband in Neuruppin trat mit einem Transparent auf. Tatsächlich ist von einer weitgehenden Personalunion zwischen dieser NPD-Struktur und den "Freien Kräfte Neuruppin / Osthavelland" auszugehen.

Präsent waren dabei Neonazis aus Neuruppin wie Dave Trick, Beatrice Koch und Dennis Franke. Der NPD-Kreischef aus Havel-Nuthe, Michel Müller, war ebenso vor Ort.

Später noch misslungene Spontandemo der Neonazis

Nach Abschluss ihrer Demonstration versuchten etwa 60 Neonazis, eine weitere, "spontane" Demonstration vom Neuruppiner Westbahnhof aus durchzuführen. Dies wurde ihnen von der Polizei verwehrt.

Nazis im Juli erfolgreich blockiert

Schon im Juli diesen Jahres hatten die "Freien Kräfte Neuruppin / Osthavelland" versucht, in der Stadt zu demonstrieren. Auch damals gab es eine Sitzblockade, die von der Polizei allerdings nicht aufgelöst wurde. Die etwa 200 Rechten mussten nach einem Bruchteil ihrer Wegstrecke wieder kehrt machen.

Der neuerliche Aufmarsch sollte den misslungenen ersten Versuch wieder gut machen. Er stand wie im Juli unter dem kryptischen Motto "Vom Schuldkult zur Mitschuld".

Der Verlauf des Tages aus Sicht der Protestierenden kann anhand des Twittertickers vom Netzwerk Neuruppin nachvollzogen werden.

Rechte Demo in Frankfurt/Oder fiel aus

Eine weitere Neonazidemonstration am gleichen Tag in Frankfurt/Oder war von der Polizei verboten worden. Diese sollte an den Todestag des britischen Rechtsrock-Sängers Ian Stuart erinnern. Einige der Neonazis in Neuruppin trugen dann auch Ian-Stuart-Motive auf ihren T-Shirts, die auf Polizeianweisung mit Klebeband abgedeckt werden mussten.

In einem ersten Bericht des RBB zu den Ereignissen in Neuruppin ist unrealistischerweise von lediglich 400 Protestierenden und 100 SitzblockiererInnen die Rede.
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Ergänzungen

Schande für dieses Land

teilnehmer 25.09.2011 - 12:26
Es ist einfach skandalös und eine Schande, dass die Neonazis wie bei einem Staatsbesuch von der Polizei durch die Stadt eskortiert werden (eine Motorradstaffel vorweg), während zugleich AntifaschistInnen stundenlang eingekesselt und mit Kriminalisierung bedroht werden. Das kann nicht gutgehen.

Kriminalisierung

adw 25.09.2011 - 13:12
Es ist noch wichtig zu erwähnen (oder habe ichs überlesen?, dass alle gekesselten BlockiererInnen Personalien abgeben mussten und dass von jedem/r Fotos gemacht wurden "zur Feststellung der Straftaten"! Dabei wurden Widersprüche weder akzeptiert, noch festgehalten! Für alle ist es jetzt wichtig zu wissen, wie auf mögliche Straf, Bußgeldbescheide gesammelt reagiert wird. Außerdem müssen solche Vorfälle noch einmal gesondert bei den entsprechenden Stellen öffentlich thematisiert werden!

nicht nur ddas..

xyz 25.09.2011 - 14:03
auch wurden bei Teilen der Ex-Blockierer_innen (im Kessel) nach dem unrechtmäßigen Abfotografieren teils mit Nummer die vorgehalten werden musste und dem vorigen Zwang zur Personalienabgabe auch noch die persönlichen mitgeführten Gegenstände durchsucht sowie abgetastet am Körper.
Für alle die jetzt nicht wissen was zu tun ist, im Fall der Fälle:
 http://www.antifa.de/cms/component/option,com_docman/task,doc_download/gid,40/Itemid,34/

solidarische Grüße mit allen!

Strafanzeigen

Blockierer 25.09.2011 - 15:20
Es wurde nicht nur gedroht, sondern jedem der blockierer, egal, wie alt und ob friedlich oder nicht, nach personalienaufnahme, foto, taschenkontrolle etc. auch eine strafanzeige aufgebrummt.

allerdings belief sich das harsche vorgehen der polizei hauptsächlich auf jene, die sich nicht einfach davontragen lassen haben, diese wurden zum großteil recht freundlich, wenn auch wie gegenstände bzw. scheiße -"ham wa nich nochn wagen, wo der ganze scheiß rein kann"- behandelt.

nächstes mal wieder komplett blockieren! no pasaran!

@ xyz 25.09.2011 - 14:03

beobachter_in 27.09.2011 - 01:53
das freundlich wegtragen sah vielleicht oft so aus. wars aber nicht. betrachte mal das bild mit der hebel am handgelenk. diese ist unglaublich schmerzhaft. kannst du ja mal bei dir selbst ausprobieren. handgelenk einknicken und dann mit der anderen hand "rein und nach oben gleichzeitig" drücken.
dazu kommen situationen in denen mensch fallen gelassen wurden oder personen durch druck an der nase oder schmerpunkten (z.b. hals) gezwungen wurden mitzukommen.

Video: Lebenslaute gegen Nazis

he 27.09.2011 - 14:57
hier noch ein kleines Video von der Auftaktkundgebung:  http://www.youtube.com/watch?v=E4JgJ93TBUM